Differential (Mathematik)

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Historisch war der Begriff des Differentials bzw. Differenzials im 17. und 18. Jahrhundert der Kern der Entwicklung der Differentialrechnung. Ab dem 19. Jahrhundert wurde die Analysis durch Augustin Louis Cauchy und Karl Weierstrass auf der Grundlage des Grenzwertbegriffes mathematisch korrekt neu aufgebaut, und der Begriff des Differentials verlor an Bedeutung. Heute taucht die Differentialschreibweise \mathrm dx noch in folgenden Begriffsbildungen auf:

Im Kontext der letzten beiden Begriffsbildungen hat die Schreibweise \mathrm dx eine eigenständige Bedeutung.

  • In der Physik wird die Schreibweise oft abgekürzt.
  • In der historischen Bedeutung des Differentials des 17. bis beginnenden 19. Jahrhunderts ist der Begriff des Differentials eine endliche Zahlgröße.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Der Differentialquotient

In der Physik veranschaulicht der Begriff der Momentangeschwindigkeit das Differential: Wird beispielsweise ein fallender Körper immer schneller, so muss man zur Erfassung seiner momentanen Geschwindigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt möglichst kleine Zeitintervalle \mathrm dt betrachten und die entsprechend zurückgelegte Wegstrecke \mathrm ds messen. Das sind dann eigentlich die Differenzen \Delta t und \Delta s. Im Idealfall werden beide Differenzen „unendlich klein“, aber ihr „Quotient“

\frac{\mathrm ds}{\mathrm dt}

ist die Momentangeschwindigkeit und kann als Verhältnis endlicher Größen \mathrm dt und \mathrm ds geschrieben werden.

Genau dasselbe Problem tritt auf, wenn man die Steigung der Tangente an einen Funktionsgraphen bestimmen will: sie ist der Quotient, also ein bestimmtes Verhältnis, das beim Grenzwertübergang eingenommen wird, aus der „unendlich kleinen“ Änderung \Delta f, die der Funktionswert erfährt, und der „unendlich kleinen“ Änderung \Delta x des Argumentes, dessen Verhältnis mit den endlichen (festen) Größen \mathrm df und \mathrm dx wiedergegeben werden kann.

Die moderne, präzise Fassung dieses Begriffes ist der Grenzwert des Differenzenquotienten

\lim_{x\rightarrow x_{0}}\frac{f(x)-f(x_0)}{x-x_0}

[Bearbeiten] Das Differential des Differentialquotienten

Für eine in einem Intervall differenzierbare Funktion f(x) ist die Differenz zwischen Differenzen- und Differentialquotient an der Stelle x_0 eine Funktion  \phi (\Delta x) von \Delta x.

Aus  \frac{f(x_0+\Delta x)-f(x_0)}{\Delta x}-f'(x_0)= \phi(\Delta x) ergibt sich der Funktionszuwachs

\Delta y = f(x_0 + \Delta x) - f(x_0)= f'(x_0) \cdot \Delta x + \phi ( \Delta x) \cdot \Delta x.

Er besteht aus einem in  \Delta x linearen Anteil  f'(x_0) \cdot \Delta x, der von der gleichen Ordnung wie \Delta x gegen Null konvergiert, und aus einem Anteil  \phi (\Delta x) \cdot \Delta x, der für  \Delta x \to 0 von höherer Ordnung als  \Delta x gegen Null konvergiert. Den linearen Anteil des Zuwachses  \Delta y bezeichnet man als Differential der Funktion an der Stelle  x_0 und schreibt dafür \mathrm {d} y = \mathrm {d}f(x_0) = f'(x_0) \cdot \mathrm {d} x. Die Größe \mathrm {d} x =\Delta x heißt Differential der unabhängigen Variablen. Also  \Delta x ist festgehalten.

[Bearbeiten] Differentiale in der Integralrechnung

Um den Flächeninhalt eines Bereiches zu berechnen, der von dem Graphen einer Funktion f, der x-Achse und zwei dazu senkrechten Geraden x = a und x = b eingeschlossen wird, unterteilte man die Fläche in Rechtecke der Breite \Delta x, die „unendlich schmal“ gemacht werden, und der Höhe f(x). Ihr jeweiliger Flächeninhalt ist das „Produkt“

 f(x) \cdot \Delta x ,

der gesamte Flächeninhalt also die Summe

 \int_a^b f(x)\cdot \mathrm dx

wobei hier \mathrm dx wieder eine endliche Größe ist, die einer Unterteilung des Intervals [a, b] entspricht. Siehe genauer: Mittelwertsatz der Integralrechnung. Es gibt im Intervall [a, b] einen festen Wert \xi dessen Funktionswert multipliziert mit der Summe der endlichen \mathrm dx des Intervalls [a, b] den Wert des Integrals dieser einer stetigen Funktion wiedergibt:

\int_a^b f(x)\cdot \mathrm dx = f(\xi) \cdot\int_a^b \mathrm dx

[Bearbeiten] Das Differential des Integrals

Das Differential ist wesentlicher Bestandteil der symbolischen Notation von Integralen.

Das Differential \mathrm{d}x hinter dem Integral

\int_{a}^{b} f(x)\, \mathrm{d}x

bezeichnet ein Intervall innerhalb einer Unterteilung von [a;b] (dem Integrationsintervall). Das Gesamtintervall [a;b] des Integrals muss nicht gleichmäßig unterteilt sein. Die Differentiale an den unterschiedlichen Unterteilungsstellen können verschieden groß gewählt sein, die Wahl der Unterteilung des Integrationsintervalls hängt oft von der Art des Integrationsproblems ab. Zusammen mit dem Funktionswert innerhalb des „differentiellen“ Intervalls (beziehungsweise dem Maximal- oder Minimalwert darinnen entsprechend Ober- und Untersumme) bildet sich eine Flächengröße; man macht den Grenzwertübergang in dem Sinne, dass man die Unterteilung von [a;b] immer feiner wählt. Das Integral ist eine Definition für eine Fläche mit Begrenzung durch ein Kurvenstück.

[Bearbeiten] Historisches

Das erste Symbol ist ein stilisiertes S für „Summe“. Leibniz verwendet es das erste Mal in der handschriftlichen Abhandlung Analysis tetragonistica von 1675. „Utile erit scribi \textstyle \int pro omnia“ (Es wird nützlich sein \textstyle \int anstatt omnia zu schreiben). Omnia steht dabei für omnia l und wird in dem geometrisch orientierten Flächenberechnungsverfahren von Bonaventura Cavalieri verwendet. Die zugehörige gedruckte Veröffentlichung Leibniz’ ist De geometria recondita von 1686, und die Bezeichnungsweise war notwendig, ebenso wie das vorherige \tfrac{x}{d} in \mathrm dx umzuwandeln, um die Rechnung kalkülmäßig einfach und zwangsläufig zu machen.[1]

Es kommt im totalen Differential in der erweiterten Differentialrechnung wieder eine „echte“ Summe \Sigma, dem griechischen Zeichen für S, verbunden mit Differentialen in verschiedenen Zusammenhängen vor.

In der modernen Fassung dieses Zugangs zur Integralrechnung nach Bernhard Riemann ist das „Integral“ ein Grenzwert der Flächeninhalte endlich vieler Rechtecke endlicher Breite für immer feinere Unterteilungen des „x-Bereichs“.

[Bearbeiten] Ordnung der Differentiale

Das Differential \mathrm dy bei festgehaltenem \mathrm dx

Die Differentiale lassen sich auch einfach und übersichtlich in ihrer Ordnung darstellen, jedoch unterschiedlich nach ihrer Abhängigkeit. So steht \mathrm{d}x^2 für das Differential zweiter Ordnung (entsprechend zweiter Ableitung) der unabhängigen Variable und bedeutet \mathrm{d}x\cdot\mathrm{d}x (in der Definition ist das wirklich das Quadrat von Differenzen) und \mathrm{d^2}y (auch als \mathrm{dd}y und \mathrm{d}y' geschrieben) für das Differential zweiter Ordnung der abhängigen Variable, das nicht das Quadrat des Differentials \mathrm{d}y ist, sondern das aus einem Differential erneut gebildete Differential (nach der Definition ist das die Differenz der Differenz). Für dieses Differential gelten die unten angegebenen Rechenregeln.

[Bearbeiten] Erklärung des Differentials zweiter Ordnung d^2y

Denkt man sich jetzt h = \mathrm dx = \Delta x irgendwie gewählt, und zwar denselben Wert h für verschiedene x, also \Delta x festgehalten, so wird \mathrm dy = hf'(x) eine Funktion von x und man kann von ihr wieder ein Differential bilden (s. Abb).

Für dieses Differential kann man formal \mathrm d^2 y = \mathrm d (hf'(x)) schreiben. Wenn dx = h und h derselbe Wert für verschiedene x ist, ist diese Größe der lineare Anteil des Zuwachses h f'(x+h)-hf'(x), das heißt, es wird d^2y = h^2 f''(x). Für höhere Ableitungen gilt dies entsprechend, z. B. d^3y = h^3 f'''(x).

[Bearbeiten] Historisches

[Bearbeiten] Blaise Pascals Betrachtungen zum Viertelkreisbogen: Quarts de Cercle

Das charakteristische Dreieck

Als Gottfried Wilhelm Leibniz als junger Mann 1673 in Paris war, empfing er eine entscheidende Anregung durch eine Betrachtung Pascals in dessen 1659 erschienener Schrift Traité des sinus des quarts de cercle (Abhandlung über den Sinus des Viertelkreises)[2]. Er sagt, er habe darin ein Licht gesehen, das der Autor nicht bemerkt habe. Es handelt sich um folgendes (in moderner Terminologie geschrieben, siehe Abbildung):

Um das statische Moment

 
\int_{0}^{\frac {1} {2} a \Pi} y\,ds

des Viertelkreisbogens bezüglich der x-Achse zu bestimmen[3], schließt Pascal aus der Ähnlichkeit der Dreiecke mit den Eckpunkten

 (\Delta x ,\Delta y ,\Delta s)

und

(y, (a-x), a)\,,

dass sich verhalten wie

\frac{\Delta s}{a} = \frac{\Delta x} {y}\,,

und somit

 y \cdot\Delta s = a \cdot\Delta x\,,

so dass

 
\int_{0}^{\frac {1} {2} a \Pi} y\,ds  = \int_{0}^{a} a \,dx = a^2 
[4]

gilt. Leibniz bemerkte nun - und dies war das „Licht“, das er sah - , dass dieses Verfahren nicht auf den Kreis beschränkt ist, sondern allgemein für jede (glatte) Kurve gilt, sofern der Kreisradius a durch die Länge der Kurvennormalen (die reziproke Krümmung, der Radius des Krümmungskreises) ersetzt wird. Das infinitesimale Dreieck

( \Delta x ,\Delta y ,\Delta s )

ist das charakteristische Dreieck (Es findet sich auch bei Isaac Barrow zur Tangentenbestimmung.[5]) Es ist bemerkenswert, dass die spätere Leibniz'sche Symbolik der Differentialrechnung (dx, dy, ds) gerade dem Standpunkt dieser „verbesserten Indivisibilienvorstellung“ entspricht.[6]

[Bearbeiten] Ähnlichkeit

Alle Dreiecke aus einem Abschnitt \Delta s der Tangente zusammen mit den zur jeweiligen x-und y-Achse parallelen Stücken \Delta x und \Delta y bilden mit dem Dreieck aus Krümmungskreisradius a, Subnormaler x-a und Ordinate y ähnliche Dreiecke und behalten deren Verhältnisse entsprechend der Steigung der Tangente an den Krümmungskreis in diesem Punkt auch bei, wenn der Grenzwertübergang gemacht wird. Das Verhältnis von \tfrac{\Delta y}{\Delta x} ist ja genau die Steigung von \Delta s. Deshalb kann man für jeden Krümmungskreis an einem Punkt der Kurve dessen (charakteristische) Proportionen im Koordinatensystem auf die Differentiale dort übertragen, insbesondere wenn sie als infinitesimale Größen aufgefasst werden.[7]

[Bearbeiten] Cauchys Differentialbegriff

In den 1980er Jahren fand in Deutschland eine Auseinandersetzung statt, inwieweit die Grundlegung der Analysis bei Cauchy logisch einwandfrei ist. Detlef Laugwitz versucht mit Hilfe einer historischen Lesart Cauchys, den Begriff unendlich kleiner Größen für seine \Omega Zahlen fruchtbar zu machen, findet aber daraus resultierend bei Cauchy Unstimmigkeiten. Detlef Spalt korrigiert den (ersten!) historischen Lesansatz der cauchyschen Arbeiten und fordert die Verwendung von Begriffen aus Cauchys Zeit und nicht heutigen Begriffen zum Nachweis seiner Sätze und kommt zu dem Ergebnis, dass Cauchys Grundlegung der Analysis logisch einwandfrei ist, jedoch bleiben weiterhin die Fragen nach der Behandlung unendlich kleiner Größen offen.

Die Differentiale bei Cauchy sind endlich und konstant \mathrm d x =h (h endlich). Der Wert der Konstanten ist nicht näher bestimmt.

\Delta x ist bei Cauchy unendlich klein und veränderlich.

Die Beziehung zu h ist \Delta x=i=\alpha h, wobei h endlich und \alpha infinitesimal (unendlich klein) ist.

Ihr geometrisches Verhältnis ist als

\frac{\mathrm d y}{\mathrm d x}=\lim_{\alpha=0}\frac{\Delta y}{\Delta x}

bestimmt. Dieses Verhältnis unendlich kleiner Größen, oder genauer die Grenze geometrischer Differenzenverhältnisse abhängiger Zahlgrößen, einen Quotienten, kann Cauchy auf endliche Größen übertragen.

Differentiale sind endliche Zahlgrößen, deren geometrische Verhältnisse streng gleich den Grenzen der geometrischen Verhältnisse sind, welche aus den unendlich kleinen Zuwächsen der vorgelegten unabhängigen Veränderlichen oder der Veränderlichen der Funktionen gebildet sind. Cauchy hält es für wichtig Differentiale als endliche Zahlgrößen zu betrachten.

Der Rechner bedient sich der Unendlich kleinen als Vermittelnden, welche ihn zu der Kenntnis der Beziehung führen müssen, die zwischen den endlichen Zahlgrößen bestehen; und nach Cauchys Meinung dürfen die Unendlich kleinen in den Schlussgleichungen, wo ihre Anwesenheit sinnlos, zwecklos und nutzlos bliebe, nie zugelassen werden. Außerdem: Wenn man die Differentiale als beständig sehr kleine Zahlgrößen betrachtete, dann gäbe man dadurch den Vorteil auf, der darin besteht, dass man unter den Differentialen von mehreren Veränderlichen das eine als Einheit nehmen kann. Denn um eine klare Vorstellung einer beliebigen Zahlgröße auszubilden, ist es wichtig, sie auf die Einheit ihrer Gattung zu beziehen. Es ist also wichtig, unter den Differentialen eine Einheit auszuwählen.

Insbesondere fällt für Cauchy die Schwierigkeit weg, höhere Differentiale zu definieren. Denn Cauchy setzt \mathrm d x=h nachdem er die Rechenregeln der Differentiale durch Übergang zu den Grenzen erhalten hat. Und da das Differential einer Funktion der Veränderlichen x eine andere Funktion dieser Veränderlichen ist, kann er y mehrmals differenzieren und erhält in dieser Weise die Differentiale verschiedener Ordnungen.

 \mathrm d y=\mathrm d y = h \cdot y'=y'\mathrm d x
 \mathrm {dd} y=\mathrm d^2 y = h\mathrm d y'=y''h^2
 \mathrm {ddd} y=\mathrm d^3 y = h^2\mathrm d y''=y'''h^3

[8]

[Bearbeiten] Anmerkung 1

Leibniz wählt die Einheit, indem er \mathrm d x=\mathrm{const.} und \mathrm{dd}x=0 setzt. [9]

[Bearbeiten] Anmerkung 2

Genauso wird, wenn man x mit der identischen Funktion identifiziert, das Differential von x die „Einheit“. Ist f'(x)\!\, die Ableitung der Funktion f, so ist die lineare Funktion

\mathrm d f(x):h\mapsto f'(x)h das Differential von f an der Stelle x.

Also für f:x\mapsto x ist insbesondere  \mathrm d(f(x(h))=\mathrm dx(h)=h weshalb die Schreibweise

\mathrm df(x)=f'(x) \mathrm dx \!\,

oder

 f'(x)=\frac {\mathrm d f(x)}{\mathrm d x} und die Bezeichnung Differentialquotient berechtigt sind.

[10]

[Bearbeiten] Notation

[Bearbeiten] Differential der unabhängigen Variable

Sei x die unabhängige Variable, so gilt für das Differential von x:

  • \mathrm dx = konst.
  • \mathrm{dd}x = 0.

(\mathrm{dd}x steht für \mathrm d(\mathrm dx), das Differential des Differentials, das ist \mathrm{d}x^2 ohne Klammern (( \mathrm{d}x )^2. Modern wird für die abhängige Variable aber \mathrm{d^2}y geschrieben.) Die Bezeichnung der Variable ist beliebig, Newton nannte sie t.

[Bearbeiten] Konstante und konstanter Faktor

  • \mathrm d(\mathrm{konst.}) = 0; und
  • \mathrm d(ax) = a\mathrm dx ;

a ist konstant, weswegen x\mathrm da = 0 (d. i. eine Hälfte der Produktregel unter Multiplikation.)

[Bearbeiten] Addition und Subtraktion

Wenn z - y + w + x gleich v ist, so wird

  • \mathrm dv = \mathrm d(z - y + w + x) = \mathrm dz - \mathrm dy + \mathrm dw + \mathrm dx.

[Bearbeiten] Multiplikation

Vergleiche die Darstellung unter Division.

\mathrm d(xv) ist gleich x\mathrm dv + v\mathrm dx

 \frac {\mathrm d\left( xv \right)} {xv} =
 \frac {\mathrm d v} {v} + \frac {\mathrm d x} {x}

[Bearbeiten] Verallgemeinerung der Produktregel

Verallgemeinert wird die Produktregel:

\mathrm d(x^n) = n \cdot \mathrm dx \cdot  x^{n-1}

was in der Physik beispielsweise so vorkommt:

\frac 1 2 \mathrm dv^2 = v \mathrm dv

und modern

\frac 1 2 (v^2)'= vv'

geschrieben wird und der Ableitung der Potenz entspricht, aber induktiv bewiesen werden kann.

[Bearbeiten] Partielle Integration

Von hier kommt man zur partiellen Integration, indem man diese „Produktregel“ umschreibt:

\mathrm d(xv)= x\mathrm dv + v\mathrm dx
 x\mathrm dv=\mathrm d(xv) - v\mathrm dx

und integriert:

 \int x\mathrm dv= xv - \int v\mathrm dx

Wobei hier x nicht unbedingt die unabhängige Variable sein muss, weil sonst \mathrm d x =konst. und somit nur eingeschränkt x' ist.

[Bearbeiten] Division

Vergleiche die Darstellung unter Multiplikation.


\frac {{\rm d}\left(\frac{x}{v} \right)} {\frac{x}{v}} = \frac{{\rm d} x}{x} - \frac{{\rm d}v}{v}

Setze

 
\frac {x} {v}=f

somit

 x = f \cdot v

Und nach der Produktregel:

 
{\rm d}x = f \cdot {\rm d}v + v \cdot {\rm d}f

womit

 {\rm d}f= {\rm d} \left(\frac{x} {v}\right) =
 \frac {{\rm
 d}x -f \cdot {\rm d}v} {v}=\frac {{\rm d}x - \frac {x} {v}\cdot
 {\rm d}v} {v}=
 \frac{v} {v} \cdot \frac {{(\rm d}x - \frac {x} {v} \cdot {\rm
 d}v)} {v} = \frac
 {v{\rm d}x - x{\rm d}v} {v^2}

In Form einer Schulregel:


 \frac {\mathrm{Nenner\ mal\ Ableitung\ Z\ddot{a}hler} - \mathrm{Z\ddot{a}hler\ mal\ Ableitung\ Nenner}} {\mathrm{Nenner\ zum\ Quadrat}}

[Bearbeiten] Kettenregel

Die verschachtelten Funktionen {\mathrm f}(x)={\mathrm g}\left(\phi(x)\right) und deren Ableitung {\mathrm f'}(x)={\mathrm g'}(\phi)\cdot \phi '(x)

werden in der suggestiven Leibniz'schen Bezeichnung zu:

\frac {\mathrm dy} {\mathrm dx}=\frac {\mathrm dy} {\mathrm d\phi}\cdot\frac {\mathrm d\phi} {\mathrm dx}

[Bearbeiten] Notationen der Ableitung

Verantwortlicher 1. Ableitung 2. Ableitung n-te Ableitung Bemerkung
Newton \dot x \ddot x heutzutage wird diese Schreibweise für die n-te Ableitung nach der Zeit in der Physik verwendet, sowie für eine koordinatenunabhängige Parameterdarstellung.
Leibniz \frac {\mathrm dy} {\mathrm dx} = \frac {\mathrm d f(x)} {\mathrm dx}= \frac \mathrm d {\mathrm dx} f(x) \frac {\mathrm d^2y}{\mathrm dx^2} = \frac {\mathrm d^2 f(x)} {\mathrm dx^2}= \frac {\mathrm d^2} {\mathrm dx^2} f(x)

oder
\frac {\mathrm d y'}{\mathrm dx} = \frac {\mathrm d} {\mathrm dx} \left(\frac {\mathrm d y}{\mathrm d x}\right)

\frac {\mathrm d^ny} {\mathrm dx^n} Die Klammern um (\mathrm dx)^n = \mathrm dx^n werden weggelassen.
Lagrange  y' = f'(x)\!\,

(sprich: f Strich von x)

 y'' = f''(x)\!\,

(sprich: f Zweistrich von x)

 f^{(n)}(x)\!\, Man sieht die funktionale Abhängigkeit.
Cauchy \mathrm {D}f(x)

bzw.
\mathrm {D}_xf(x)\!\,

\mathrm {D}^{(2)}f(x)

bzw.
\mathrm {D}_x^{(2)}f(x)

\mathrm {D}^{(n)}f(x)

bzw.
\mathrm {D}_x^{(n)}f(x)

\mathrm D heißt Derivierte (besonders im englischsprachigen Raum)

[Bearbeiten] Erweiterung und Varianten

Anstatt \mathrm d finden sich folgende Symbole, die Differentiale bezeichnen:

  • Mit \partial wird ein partielles Differential bezeichnet
  • Mit \delta (dem griechischen kleinen Delta) wird eine virtuelle Verschiebung, die Variation eines Ortsvektors bezeichnet. Sie hängt also mit dem partiellen Differential nach den einzelnen Raumdimensionen des Ortsvektors zusammen.

[Bearbeiten] Totales Differential

Eine Mischform verschiedener Differentiale und einer Summe anstatt eines Integralzeichens weist das totale Differential oder vollständige Differential auf:

{\rm d}f=\sum\limits_{i=1}^n \frac{\partial f}{\partial x_i}\, {\mathrm d}x_i\,\,.

Die partiellen Differentiale erhält man, indem man das zu betrachtende {\mathrm d}x_i gleich Eins setzt, alle anderen gleich Null. Hat man beispielsweise n=2, so er hält man das partielle Differential nach \partial x_1, indem man  {\mathrm d}x_1 = 1 setzt und  {\mathrm d}x_2 = 0. Ob sich aus den einzelnen partiellen Differentialen ein totales bilden lässt, bedarf immer einer gesonderten Klärung.

[Bearbeiten] Virtuelle Verschiebung, Variationsableitung

Mathematisch gesprochen werden bei einer virtuellen Verschiebung die Ortskoordinaten des physikalischen Systems bei festgehaltener Zeit t variiert. Die Variation des Ortsvektors \vec{r}, also die virtuelle Verschiebung des betreffenden Systempunkts ist

\delta\vec{r}=\sum_{i=1}^n \frac{\partial\vec{r}}{\partial q_i}\delta q_i.

Das Symbol \delta wird also für die Variationsableitung benutzt.

Der Vektor wird als Funktion aufgefasst. Ebenso werden die einzelnen Ableitungen nach den Richtungen ermittelt, indem man wie oben ein \delta q_i gleich Eins setzt und alle anderen gleich Null.

[Bearbeiten] Quellen

  1. K. Popp, E. Stein, Gottfried Wilhelm Leibniz. Philosoph, Mathematiker, Physiker, Techniker. Schlütersche, Hannover 2000, ISBN 3-87706-609-7 S. 50
  2. franz. Text, Fig. 29 ist am Ende des Buchs
  3. Bei konstanter Dichte deckt sich die Teilmasse m_{\nu} mit dem Bogen \Delta s an dieser Stelle und \mathrm{d}s entsprechend.
  4. \frac {1} {2} a \Pi ist die Grenze für die Unabhängige s, a die entsprechend umgerechnete für den „Parameter“ x. Man sieht auch anschaulich in der Abbildung, dass man mit dem Viertelbogen eine Radiuslänge auf der x-Achse durchläuft und umgekehrt.
  5. Barrow. In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 2, Altenburg 1857, S. 349–350 (Online bei zeno.org).
  6. Oskar Becker, Grundlagen der Mathematik, suhrkamp
  7. Reinhard Finster, Gerd van der Heuvel, Gottfried Wilhelm Leibniz, Monographie, Rowohlt
  8. Detlef Spalt: Die Vernunft im Cauchy-Mythos. Verlag Harri Deutsch, ISBN 3-8171-1480-X (zu modernen Begriffsproblemen, und ob Cauchy es nun verstanden hat oder nicht, und einiges andere, unter anderem virtuelle Diskussionen mit verstorbenen Mathematikern Abel etc.)
  9. Henk Bos: Differentials, Higher-Order Differentials and the Derivative in the Leibnizian Calculus. Archive for History of Exact Sciences 14, 1–90.
  10. Duden, Rechnen und Mathematik. Bibliographisches Institut, ISBN 3-411-02423-2.

[Bearbeiten] Literatur

  • Gottfried Leibniz, Sir Isaac Newton: Über die Analysis des Unendlichen – Abhandlung über die Quadratur der Kurven. Ostwalds Klassiker der exakten Wissenschaften, Band 162, Verlag Harri Deutsch, ISBN 3-8171-3162-3
  • Oskar Becker: Grundlagen der Mathematik. Suhrkamp Verlag, ISBN 3-518-07714-7
  • Detlef Spalt: Die Vernunft im Cauchy-Mythos. Verlag Harri Deutsch, ISBN 3-8171-1480-X (Spalt problematisiert die Übernahme moderner Begriffe auf frühere Analysis, stellt fest, dass Cauchys Aufbau der Analysis logisch einwandfrei ist, thematisiert benachbarte Begriffe und lässt Cauchy virtuelle Diskussionen mit wesentlich jüngeren Mathematikern führen über deren begriffliche Genauigkeit, z. B. Abel etc.)
  • K. Popp, E. Stein (Hrsg.): Gottfried Wilhelm Leibniz, Philosoph, Mathematiker, Physiker, Techniker. Schlütersche GmbH & Co. KG, Verlag und Druckerei, Hannover 2000, ISBN 3-87706-609-7
  • Bos, Henk, Differentials, Higher-Order Differentials and the Derivative in the Leibnizian Calculus, Archive for History of Exact Sciences 14, 1–90. Heftig diskutierte Veröffentlichung aus den 1970ern, um Kontinuum und Unendlichkeit.
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