Differenzenquotient
Der Differenzenquotient ist ein Begriff aus der Mathematik. Er beschreibt das Verhältnis der Veränderung einer Größe zu der Veränderung einer anderen, von der die erste abhängt. In der Analysis verwendet man Differenzenquotienten, um die Ableitung einer Funktion zu definieren. In der numerischen Mathematik werden sie zum Lösen von Differentialgleichungen und für die näherungsweise Bestimmung der Ableitung einer Funktion benutzt.
Inhaltsverzeichnis |
Definition [Bearbeiten]
Ist
eine Funktion und
, so nennt man den Quotienten
Differenzenquotient von
im Intervall
.
Häufig setzt man
und
. Damit ergibt sich die alternative Schreibweise
Geometrisch entspricht der Differenzenquotient der Steigung der Sekante des Graphen von
durch die Punkte
und
.
Differentialrechnung [Bearbeiten]
Differenzenquotienten bilden zusammen mit dem Grenzwertbegriff die theoretische Grundlage der Differentialrechnung. Den Grenzwert des Differenzenquotientens für
bezeichnet man als Differentialquotienten oder Ableitung der Funktion an der Stelle
(kurz:
), sofern dieser Grenzwert existiert. Das Berechnen dieses Grenzwerts nennt man Ableiten oder Differenzieren. Die Tabelle zeigt die Ableitungen einiger Funktionen:
| Funktion | ![]() |
Differenzenquotient ![]() |
Differentialquotient ![]() |
Umformung |
|---|---|---|---|---|
| Konstante Funktion | ![]() |
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| (Homogene) Lineare Funktion | ![]() |
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| Quadratfunktion | ![]() |
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| Kubikfunktion | ![]() |
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| Allgemeine Potenz | ![]() |
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Numerische Mathematik [Bearbeiten]
Bei differenzierbaren Funktionen kann der Differenzenquotient als Näherung für die lokale Ableitung benutzt werden. In der Finite-Differenzen-Methode wird diese Eigenschaft zur Lösung von Differentialgleichungen benutzt. Ebenso wird dies für die numerische Differentiation von Funktionen verwendet.
Dabei ist der Differenzenquotient nicht auf die erste Ableitung beschränkt. Es existieren Differenzenquotienten für höhere sowie partielle Ableitungen.
Beispiel [Bearbeiten]
Es sei
.
Der Graph von
ist eine Normalparabel. Wollen wir die Ableitung z.B. in der Nähe der Stelle
ungefähr berechnen, so wählen wir für
einen kleinen Wert, z.B. 0,001. Das ergibt als Differenzenquotienten im Intervall
den Wert
. Dieser ist die Sekantensteigung des Funktionsgraphen im Intervall
und eine Näherung der Steigung der Tangente an der Stelle
.
Varianten [Bearbeiten]
In der Praxis werden verschiedene Varianten des Differenzenquotienten verwendet, die sich in der Definition von
, etwa um die Genauigkeit bei der Bestimmung des lokalen Wachstums, z.B. der Sekantensteigung eines Graphen, zu verbessern oder um an den Randstellen einer Funktion deren Sekantensteigung „rückwärts“ in Richtung des Inneren ihres Definitionsbereichs zu ermitteln.
Vorwärtsdifferenzenquotient [Bearbeiten]
Der oben definierte Ausdruck
wird auch Vorwärtsdifferenzenquotienten genannt, weil zur Bestimmung des zweiten Funktionswertes, der zur Bildung von
notwendig ist, von
aus nach rechts, also „vorwärts“ gegangen wird.
Rückwärtsdifferenzenquotient [Bearbeiten]
Analog bezeichnet man den Ausdruck
als Rückwärtsdifferenzenquotienten, da zur Differenzbildung von
aus nach links, also „rückwärts“ gegangen wird, um den zweiten Funktionswert zu erhalten.
Zentraler Differenzenquotient [Bearbeiten]
Gebräuchlich ist auch der zentrale Differenzenquotient, den man z.B. durch Mittelwertbildung des Vorwärtsdifferenzen- und Rückwärtsdifferenzenquotienten erhält. Er ist durch
gegeben. Bei ihm liegen die zur Differenzbildung verwendeten Stellen symmetrisch um den
-Wert, für den die Ableitung angenähert werden soll.
Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Differenzenquotienten, deren Fehlerterme beim Annähern der ersten Ableitung an der Stelle
nur von der Klasse
sind, falls die Funktion zweimal differenzierbar ist, liegt der Fehler des zentralen Differenzenquotienten in
, falls die Funktion zusätzlich dreifach differenzierbar in
ist. Zur
-Notation siehe Landau-Symbole.
Höhere Differenzenquotienten [Bearbeiten]
Ebenso wie die erste Ableitung durch Differenzenquotienten angenähert werden kann, gilt dies auch für höhere Ableitungen, die über Differenzenquotienten höherer Ordnung approximierbar sind.
Für die zweite Ableitung kann zum Beispiel der Zusammenhang
verwendet werden, viermalige Differenzierbarkeit der Funktion vorausgesetzt. Die hinter der
-Notation stehende Konstante kann dabei von
abhängig sein.

























