DTS

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Mehrkanal-Tonsystem. Für weitere Bedeutungen siehe DTS (Begriffsklärung).
Logo von DTS Surround

DTS bezeichnet ein Mehrkanal-Tonsystem des gleichnamigen kalifornischen Unternehmens Digital Theater Systems, Inc., das sowohl im Kino als auch bei Laserdiscs, DVDs, Blu-ray Discs, speziellen Audio-CDs und auf D-VHS zum Einsatz kommt, wobei sich die Versionen für Kino und Endverbraucher allerdings technisch fundamental unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Entwicklungsgeschichte

Das Unternehmen Digital Theater Systems Inc. wurde 1990 von dem Wissenschaftler Terry Beard und einigen Investoren gegründet. Der erste Film, der mit DTS produziert wurde, war Jurassic Park (1993), welchen das Unternehmen DTS mit nur fünf beschäftigten Mitarbeitern unterstützte. Innerhalb von sechs Monaten wurden weltweit 876 DTS-Systeme in Kinos installiert. 1996 waren erstmals Geräte für den Endverbrauchermarkt verfügbar, die DTS wiedergeben konnten.

[Bearbeiten] Kino

DTS-Scheiben von "Herr der Ringe"

Der DTS-Filmton befindet sich je nach Filmlänge auf ein bis drei CD-ROMs und ist datenreduziert mit APT-X100 bei einer Datenrate von 882 kbit/s. Die CD-ROM überträgt fünf diskrete Kanäle. Der LFE ist kein eigener Kanal, sondern wird in den Surroundkanälen übertragen. Wiedergabeseitig werden die Surroundkanäle bei 80 Hz aufgeteilt und auf den Subwoofer und die Surroundlautsprecher verteilt.

Verschiedene Tonformate auf einem 35-mm-Film. Der DTS-Timecode ist ganz rechts zu sehen

Synchronisiert wird der Ton zum Film mittels eines Timecodes (bestehend aus Punkten und Strichen ähnlich einem Barcode), der sich zwischen der Lichttonspur und dem eigentlichen Bild befindet und mit einem kleinen Abtaster ausgelesen wird. Da jedes einzelne Bild einen eigenen Timecode hat, wird der Ton selbst bei Filmriss bzw. fehlenden Bildern nachgeführt. Sollte der Timecode ausfallen oder nicht lesbar sein, wird der Ton ca. sechs Sekunden weiter von der CD gespielt, bevor auf eine Backup-Tonquelle zurückgeschaltet wird. Dies ist in der Regel die Lichttonspur (heute meistens Dolby SR), kann aber je nach Konfiguration auch eine weitere Digitalton-Quelle wie Dolby Digital oder SDDS sein.

Die ersten DTS-Decoder verfügten über zwei CD-ROM-Laufwerke, neuere sogar über drei, was die maximale Filmgesamtlänge auf 300 Minuten erweitert. Ein DTS-System besteht im Prinzip aus einem 386er-PC mit zwei oder drei SCSI-CD-Laufwerken sowie zwei speziellen Decoderkarten.

Eine weitere Entwicklung ist der DTS-Effektkanal. Mit diesem können, über den Timecode gesteuert, bis zu sechs Effektgeräte (Stroboskope, Nebelmaschinen usw.) im Saal angesteuert werden. Im Herbst 1997 wurde zum Film Der Schakal das Rear Window Captioning System vorgestellt, eine weitere Ergänzung zum DTS-Standard. Dabei sind auf der CD Untertitel für Hörgeschädigte gespeichert. Die Untertitel werden dann hinten im Saal spiegelverkehrt auf einer Leuchtzeile dargestellt. Wer die Schrift lesen möchte, kann sich einen (vom Kino gestellten) Spiegel an den Sitz des Vordermanns hängen und die Untertitel mitlesen.

Kurz nachdem Dolby mit Star Wars: Episode I die 6.1 Erweiterung Dolby Digital Surround EX einführte, bot DTS mit DTS-ES eine ähnliches System an. Die Kino-Versionen der Erweiterung sind im Gegensatz zu den Heimversionen zwischen beiden Herstellern kompatibel.

DTS lässt sich an allen gängigen Projektoren nachrüsten.

DTS ist das einzige gängige Digitaltonsystem, das auch für 70-mm-Kinofilme geeignet ist. Zur Wiedergabe muss an den entsprechenden 70-mm-Projektoren lediglich ein Abtaster für 70-mm-Film montiert werden. Im kommerziellen Mainstream-Kino spielt das 70-mm-Filmformat – auch mit dem ursprünglichen Magnetton – aber keine Rolle.

[Bearbeiten] Neuere Entwicklungen

Im Mai 2008 verkaufte DTS die cinema division an Beaufort California Inc., die auch als Datasat Digital Entertainment bekannt sind.

Digitales Kino nach dem Standard der Digital Cinema Initiatives sieht für den Ton nur noch unkomprimiertes PCM vor, so dass klassische Kino-Tonsysteme wie DTS oder Dolby Digital dort nicht mehr nötig sind.

[Bearbeiten] Endverbrauchersystem

DTS wird als Alternative zu Dolby Digital vermarktet und verwendet wie das Konkurrenzsystem komprimierte Audiodaten, die mittels eines verlustbehafteten Verfahrens erzeugt werden. Die verwendete Datenrate ist bei Laserdiscs und CD 1.235 kbit/s, bei DVD sind bis zu 1.509,75 kbit/s möglich, die aber nur selten genutzt werden.

Die Bitrate von DTS-Tonspuren auf Video-DVDs beträgt entweder 754,5 oder 1.509,75 kbit/s. Die Datenraten sind damit deutlich höher als bei Dolby Digital. Die Tonspur kann einen LFE-Kanal enthalten, der nur den für die Tieftonwiedergabe zuständigen Subwoofer bedient. Die vollfrequenten Kanäle reichen von 20 Hz bis 22 kHz, der Basskanal reicht aber nur bis 80 Hz (bei Dolby Digital 5.1 bis zu 120 Hz). Das verwendete Kodierungsverfahren heißt Coherent Acoustics.

Um Mehrkanalton auf CD zu realisieren, lassen sich DTS-CDs verwenden.

[Bearbeiten] Weitere Formate

Das DTS System für den Endverbraucher wurde vielfach weiterentwickelt und ergänzt:

[Bearbeiten] Literatur

  • Roland Enders: Das Homerecording Handbuch. 3. Auflage, Carstensen Verlag, München, 2003, ISBN 3-910098-25-8
  • Hubert Henle: Das Tonstudio Handbuch. 5.Auflage, GC Carstensen Verlag, München, 2001, ISBN 3-910098-19-3
  • Thomas Görne: Tontechnik. 1. Auflage, Carl Hanser Verlag, Leipzig, 2006, ISBN 3-446-40198-9

[Bearbeiten] Weblinks

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