Diktiergerät

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Analoges Diktiergerät (1970er Jahre)
Thomas Alva Edison benutzt ein Edison Business Phonograph (1907)
Ediphone (ca. 1920)
Dictaphone (ca. 1920)
Diktiergerät-Steno-Cassette 30 (1970er Jahre)
2008 eingeführtes Digitales Diktiergerät Olympus VN-2100
2008 eingeführte Stenorette Sh24

Ein Diktiergeräte, auch Diktafon oder Diktaphon, ist ein Audiorekorder zur analogen oder digitalen Aufnahme von Sprache, der dem Nutzer Mittel bereitstellt, die Aufnahmen geeignet weiterzuverarbeiten. Durch die Benutzung eines Diktiergerätes werden die Aufgaben des Formulierens und des Schreibens voneinander getrennt und können von verschiedenen Personen ausgeführt werden. Der Begriff Diktafon geht auf die Marke Dictaphone der Columbia Phonograph Company zurück.[1]

Funktionsumfang[Bearbeiten]

Zur Abgrenzung von anderen Aufzeichnungs- oder Wiedergabegeräten haben Diktiergeräte meistens folgende Eigenschaften:

  • begrenzte Tonqualität, vergleichbar dem Frequenzgang des Telefons
  • Möglichkeit zum schnellen Wechseln des Tonträgers
  • robuster Tonträger, der im Büroalltag unbeschädigt bleibt
  • verschiedene Fernbedienungsfunktionalitäten: am Mikrofon neben einer Aufnahmetaste meist eine Rückspul- und eine Abspieltaste
  • für das Schreibbüro Fußtasten zum Abspielen und Rückspulen

Frühe Diktiermaschinen[Bearbeiten]

Das Diktiergerät wurde 1877 von Thomas Alva Edison in Form des Phonographs erfunden. Das Gerät war aber nicht alltagstauglich, weil die für die Tonaufzeichnung benutzte Aluminiumfolie leicht riss und so oft nach wenigen Wiedergabe unbrauchbar wurde. 1886 erhielt Alexander Graham Bell und sein Mitarbeiter Charles Sumner Tainter ein Patent für ein Graphophone, das die Stimme auf Wachszylinder aufzeichnen konnte[2] Diktiergeräte verbreiteten sich erst nach der Jahrhundertwende, der Edison Business Phonograph kam 1904 auf den Markt,[3] Ab etwa 1910 wurde der amerikanische Markt von den beiden Herstellern Thomas A. Edison Company und Columbia Phonograph Company zu gleichen Teilen beherrscht.[1] Ab 1907 verwendete Columbia den Mareknnamen Dictaphone, Edison zog mit Ediphone 1917 nach.[3]

Ab Ende 1898 baute Carl Lindström in Berlin Phonographen, die Edison-Wachszylinder abspielen konnten. Für die Anwendung als Diktiergerät wurde diese ab ungefähr 1910 unter dem Namen Parlograph vertrieben, denn die Geräte zum Abspielen von Musik verwendeten damals schon keine Wachszylinder mehr. Die Geräte wurden auch in Frankreich verkauft, dort unter dem Namen Parlophone mit einem zusätzlichen e.

In Großbritannien baute die Roneo Co. das Rhoneophone, das auch nach Frankreich exportiert wurde.

Im Vergleich zu modernen Kleinstgeräten, die in Kugelschreibern platz finden können, waren die Geräte aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts sehr klobig und unhandlich. Gleichwohl revolutionierten sie die Abläufe vornehmlich in den Chefbüros. Denn nun war es möglich, unabhängig vom gerade anwesenden Personal zu diktieren und die Notate zu einem späteren Zeitpunkt niederschreiben zu lassen. Die Geräte waren dafür mit speziellen Einrichtungen wie Start-Stopp-Schalter per Fußbetrieb (bei Edison durch Luftdruck aus einem Ballon, auf den man treten musste) und Hörschläuchen (für das problemlose Abhören in lauten Schreibmaschinen-Sälen) ausgerüstet. Gelöscht wurden die Wachswalzen mithilfe spezieller Apparate, die jeweils eine dünne Schicht der Walze und damit auch die in ihr enthaltenen Rillen abschabten (englisch shaver genannt).

Typen von Diktiergeräten[Bearbeiten]

Magnetisierbare Speichermedien[Bearbeiten]

Eine entscheidende Verbesserung war die Aufzeichnung auf magnetisierbaren Speichermedien aus Kunststoff. Zunächst auf Tonband (entwickelt von der BASF 1935) oder auf Magnetscheiben mit einem Durchmesser von 20 cm (AEG Modell Kurier). Später wurden bei bandbetriebenen Diktiergeräten Compact Cassetten, Mini- oder Mikrocassetten verwendet. Um längere Aufnahmezeiten zu erreichen, wird die bei Compactcassetten übliche Bandgeschwindigkeit von 4,75 cm/s bei mit Mini- oder Microcassetten betriebenen Geräten auf 2,4 oder 1,2 cm/s verringert. Dadurch wird der Frequenzgang eingeengt und die Klangqualität der Aufnahmen ist begrenzt. Analoge Diktiergeräte sind daher nicht für Musikaufnahmen geeignet. Sie bieten jedoch gegenüber digitalen Geräten den Vorteil des einfach möglichen Spulens und der einfachen Überspielbarkeit von Bandpassagen. Zeitweilig waren für den Gebrauch mit Microcassetten Geräte erhältlich, die kaum größer waren als eine Microcassette selbst, auch Ausführungen mit Autoreverse waren erhältlich.

Aufgrund der Verdrängung durch Digitalgeräte sind analoge Diktiergeräte heute zwar noch im Einsatz, haben jedoch kommerziell nur noch eine geringe Bedeutung.

Digital[Bearbeiten]

Digitale Diktiergeräte zeichnen Audiodaten durch ein verlustbehaftetes Kompressionsverfahren auf einem digitalen Datenspeicher auf. Diese digitalen Daten können beliebig kopiert, archiviert und weiterverarbeitet werden. Insbesondere durch den technischen Fortschritt der Spracherkennungssysteme haben digitale Lösungen eine weit größere Leistungsfähigkeit als analoge erreicht.

Je nach Preisklasse und Nutzergruppe des Geräts unterscheiden sich die Eigenschaften eines digitalen Diktiergeräts sehr stark. Die Entwicklung von digitalen Diktiergeräten begann Mitte der 90er Jahre. 1997 wurde das SpeechMike von Philips auf den Markt gebracht.[4]

Speichertechnik[Bearbeiten]

In der Regel werden fest im Gerät integrierte Flash-Speicher verbaut, in hochwertigeren Geräten kommen aber auswechselbare Speicherkarten zum Einsatz, die deutlich größere Kapazitäten erlauben. Eine Sonderstellung haben Geräte mit MiniDisc als Speichermedium. Diese Geräte wurden fast ausschließlich von der Firma Sony hergestellt. Über ein Nischendasein sind diese Geräte jedoch nie hinausgekommen.

Kompressionsverfahren[Bearbeiten]

Um die Kapazität ihrer Geräte sinnvoll nutzbar zu machen und die Weiterverarbeitung – wie Archivierung oder Versendung über Internet – zu vereinfachen, verwenden die Hersteller unterschiedliche Kompressionsverfahren. Meist werden dabei proprietäre Audiocodecs verwendet, in hochwertigen Geräten kommen die herstellerunabhängigen Verfahren DSS und DSS Pro zum Einsatz.

Ergonomie[Bearbeiten]

Da professionelle Anwender von Diktiergeräten möglicherweise hunderte von Bedienschritten am Tag an ihren Geräten durchführen, werden an hochwertige Diktiergeräte sehr hohe Ergonomieanforderungen gestellt. Um diesen zu genügen, werden z.B. Schiebeschalter verwendet, Gehäuseformen und -materialien optimiert oder häufig genutzte Funktionen besonders schnell erreichbar gemacht.

Funktionsumfang[Bearbeiten]

Je nach baulichem Aufwand des Geräts kann ein breites Funktionsspektrum unterstützt werden. Professionelle Geräte erlauben es z. B., Diktate zu übersprechen oder sie partiell zu löschen oder stellen eine leistungsfähigere Verwaltung der Aufnahmen (Datum- und Zeitstempel, Autorkennung, Indexmarkierungen, etc.) bereit.

Schnittstellen und Software[Bearbeiten]

Lediglich Einsteigergeräte verzichten auf eine Schnittstelle zum PC, da ohne sie keine elektronische Weiterverarbeitung erfolgen kann. Eine häufige Anwendung wäre beispielsweise die Anbindung an eine Spracherkennungssoftware.

Für hochwertige Geräte werden Schreibplatzsoftware und Workflow-Management-Programme angeboten. Auch wird von derartigen Geräten oft erwartet, dass spezielles Zubehör – wie beispielsweise Fußschalter – verfügbar ist.

Smartphones[Bearbeiten]

Smartphones können mittels spezieller Software ebenfalls sprachliche Mitteilungen aufzeichnen. Herausragender Vorteil ist, dass die Diktate direkt an eine Schreibkraft zu jeder Zeit, von jedem Ort per Mobilfunk versandt werden können. In der Regel können auch diese Aufzeichnungen mit den Standard-Transkriptionssystemen der bekannten Hersteller abgehört und geschrieben werden. Als Universalgeräte verfügen Smartphones allerdings nicht über eindeutig für das Diktieren bestimmte Bedienelemente und die weiter oben genannten ergonomischen Eigenschaften, die serielles Diktieren ermöglichen.

Historische Typen[Bearbeiten]

In den 1950er- bis 1970er-Jahren gab es auch Plattengeräte, die auf Magnettonplatten aufzeichneten. Bei dem System „Assmann“ etwa wurde auf einer Kunststoffplatte auf jeder Seite eine Rille mit einer auf dem Boden aufgebrachten Magnetspur als Tonträger benutzt. Die frühen Geräte sahen wie Plattenspieler aus, nur dass im Tonarm ein Magnetkopf anstelle des Nadelsystems angebracht war. Spätere Geräte verfügten über einen Deckel, der die Platte etwa zu zwei Drittel bedeckte und in den neben dem eigentlichen Tonarm-System auch eine besondere Mechanik eingebaut war. Diese trieb einen Zeiger an der Oberfläche des Deckels voran, der über eine Skala glitt. Die Skalenoberfläche war als Vertiefung ausgebildet und dadurch so beschaffen, dass dort auch mit derselben Skala bedruckte Papierstreifen eingelegt werden konnten. Der Zeiger konnte elektromagnetisch heruntergedrückt werden und stanzte dann eine Markierung in den Papierstreifen. Auf diese Weise wurden die einzelnen Diktate auf der Platte markiert. Der Papierstreifen wurde abschließend beschriftet und zusammen mit der Platte der Schreibkraft übergeben, die anhand des Streifens die Diktate einzeln ansteuern und abarbeiten konnte.

Dictaphone zeichnete auf eine A5-Tonfolie, Rols zeichnete auf eine abreißbare Einweg-Diktierfolie auf. Stenocord, Philips, Sanyo, Sony, Olympus, Grundig, Assmann, Compur, Olympia und Lanier arbeiteten alle mit einer Diktierkassette.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b History of the Dictation Machine - Ediphone and Dictaphone. In: www.recording-history.org. Abgerufen am 23. Mai 2015.
  2.  Development of the Phonograph at Alexander Graham Bell's Volta Laboratory. (Gutenberg, abgerufen am 23. Mai 2015).
  3. a b Dictating Machines. In: www.officemuseum.com. Abgerufen am 23. Mai 2015.
  4. Unternehmenspräsentation Diktierlösungen von Philips Speech Processing, S.6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diktiergeräte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien