Dili (Distrikt)

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Distritu Dili (tetum)
Distrito de Díli (port.)
Indonesien Oecusse (Distrikt) Cova Lima Bobonaro (Distrikt) Ermera (Distrikt) Liquicá (Distrikt) Dili (Distrikt) Aileu (Distrikt) Ainaro (Distrikt) Manufahi Manatuto Baucau (Distrikt) Lautém (Distrikt) Viqueque (Distrikt)Lage des Distrikts Dili
Über dieses Bild
Hügel von Dili
Daten
Hauptstadt Dili
Fläche 368,12 km² (13.)[1]
Einwohnerzahl (2011) 245.873 (1.)[2]
Bevölkerungsdichte 667,9 Einw./km² (1.)[2]
Zahl der Haushalte (2010) 35.224 (1.)[1]
ISO 3166-2: TL-DI
Subdistrikte Einwohner[1] Fläche[1]
Atauro 8.602 140,50 km²
Cristo Rei 54.936 65,33 km²
Dom Aleixo 105.154 33,12 km²
Metinaro 4.727 91,24 km²
Nain Feto 26.592 5,15 km²
Vera Cruz 34.015 32,77 km²
Karte
Übersichtskarte vom Distrikt Dili

Dili ist ein Distrikt von Osttimor. Distrikthauptstadt ist die Stadt Dili, die gleichzeitig Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum Osttimors ist.

Geographie[Bearbeiten]

Die Seen von Tasitolu und die Insel Atauro im Hintergrund

Der Distrikt Dili ist mit 368,12 km² der kleinste des Landes. Er liegt an der Nordküste Timors an der Sawusee und grenzt im Osten an Manatuto, im Süden an Aileu und im Westen an Liquiçá. Zum Distrikt gehört die Insel Atauro, 30 km nördlich der Landeshauptstadt.

Der Distrikt unterteilt sich in sechs Subdistrikte und 31 Sucos:

Der Verwaltungssitz des Distrikts befindet sich in Caicoli. Die Stadt Dili erstreckt sich über mehrere Subdistrikte. Weitere Siedlungen im Distrikt befinden sich in Dare (Subdistrikt Vera Cruz), Hera (Cristo Rei) und Metinaro (Metinaro). Das Land steigt von der Küste her schnell an, so dass der Großteil der Landschaft bergig ist. Nahe der Westgrenze liegt der Tibarsee, einer der wenigen größeren Seen Osttimors. Drei kleine Salzseen liegen daneben in Tasitolu. Sie sind eine ausgewiesene Important Bird Area. Ebenso die Areia Branca am Ostende der Dilibucht und die komplette Insel Atauro. Die Important Bird Area Curi reicht von Osten her in den Distrikt von Dili rein. Nach zwei Stränden schließen sich östlich der Hauptstadt 30 Kilometer Lagunen und Mangroven an der Küste an, in der eine kleine Population von Salzwasserkrokodilen lebt, dem Nationaltier Osttimors.[3]

Die Flüsse des Distrikts, wie der Rio Comoro, führen während der Trockenzeit, wie die meisten anderen im Norden Timors, kein Wasser, während selbst die Hauptstadt Dili während der Regenzeit von Überflutungen betroffen ist.

Dilis Klima ist typisch für die Nordküste Osttimors. In der Trockenzeit werden Temperaturen bis über 35 °C erreicht, nachts sinkt das Thermometer auf 20 °C. In der Regenzeit liegt die Temperatur bei etwa 27 °C. Der Jahresdurchschnitt liegt bei 26,7 °C. Regen fällt fast nur in der Regenzeit von Ende November bis April. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1000 mm.

Einwohner[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl in Dili

Im Distrikt leben 245.873 Menschen (2011),[2] mehr als in jedem anderen Distrikt im Land. Entsprechend ist hier auch die Bevölkerungsdichte mit 667,9 Einwohnern pro Quadratkilometer am größten.[2] Die am stärksten besiedelten Subdistrikte sind Nain Feto, Dom Aleixo, Cristo Rei und Vera Cruz. Dünn besiedelt sind dagegen Atauro und Metinaro mit 61,2 und 51,8 Einwohnern pro Quadratkilometer. Der Altersdurchschnitt liegt bei 20,8 Jahren (2010) und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 18,8.[1]

Zwischen 1990 und 2004 wuchs die Zahl der Einwohner jährlich um 2,53 %, zwischen 2001 und 2004 aufgrund der starken Zuwanderung aus den anderen Landesteilen sogar um 12,58 %. Hatte in Dom Aleixo 2004 jede Frau durchschnittlich 4,51 Kinder (niedrigster Wert landesweit), stieg die Anzahl über 5,02 Kinder in Nain Feto, 5,04 in Vera Cruz, 5,35 in Atauro und 7,02 Kinder in Metinaro, bis auf 7,16 Kinder pro Frau in Cristo Rei an (Landesdurchschnitt 6,99). Die Kindersterblichkeit lag 2002 in Atauro bei 103 Todesfällen pro 1000 Lebendgeburten (1996: 94), in Metinaro bei 96 (111), in Nain Feto bei 69 (77), in Cristo Rei bei 68 (107), in Vera Cruz bei 66 (83) und in Dom Aleixo bei 56 (76). Der Landesdurchschnitt betrug 98.

Kinder in Dili
Blick auf Dili

Während die Amtssprache Tetum die dominierende Sprache an der Küste ist (hier wird der als Amtssprache verwendete Dialekt Tetum Praça gesprochen), wird im Landesinneren des Distrikts und in Metinaro oft die Nationalsprache Mambai gesprochen, die im 18. Jahrhundert noch die dominierende Sprache der Region war.[4] Über 81 % sprechen als Muttersprache Tetum, 4,7 % Mambai. In Hera und Becora Leten wird auch der Subdialekt Lolein verwendet (550 Einwohner), der eine Variante des Isní ist. Er wurde dort im 19. Jahrhundert von Einwanderern aus Turiscai eingeführt. Auf der Insel Atauro wird die Nationalsprache Wetar gesprochen, die in Osttimor Atauru oder Adabe genannt wird (5.500).

Die Zuwanderung aus anderen Landesteilen ist in Dili am stärksten. Nur 54 % der Bevölkerung ist im Distrikt geboren worden. Dili ist ein Schmelztiegel, in dem sich alle Ethnien Osttimors treffen. So sprechen hier 500 Einwohner Baikeno, 850 Bunak, 850 Fataluku, 500 Galoli, 280 Idalaka-Dialekte neben Lolein, 1.500 Kawaimina-Dialekte, 900 Kemak, 300 Makalero, 4.200 Makasae und 200 Tokodede. Der Distrikt Dili hat die größte Gruppe von Einwohnern mit Bahasa Indonesia als Muttersprache in Osttimor (1.800). Außerdem leben hier knapp die Hälfte aller Portugiesisch (344) und zwei Drittel aller Englisch als Muttersprache sprechenden Osttimoresen. Dazu kommen 400 der insgesamt 500 Chinesischsprecher des Landes. Berücksichtigt man auch die Zweitsprachen, so sprechen 75,5 % Tetum, 70,8 % Bahasa Indonesia und 19,1 % Portugiesisch. Die Analphabetenrate beträgt 25,8 % (Frauen: 29,1 %; Männer: 22,9 %). 37,7 % der über 18-jährigen haben die Sekundarschule abgeschlossen (Frauen: 33,8 %; Männer: 41,0 %).[5]

2004 waren 93,3 % der Einwohner Katholiken, 4,5 % Protestanten, 1,1 % Muslime, 0,5 % Anhänger der traditionellen, animistischen Religion Timors, 0,2 % Buddhisten und 0,1 % Hindu.[6]

Durch die starke Zuwanderung von Arbeitssuchenden aus dem ganzen Land kommen in Cristo Rei, Nain Feto und Dom Aleixo durchschnittlich zwischen 113 und 120 Männer auf 100 Frauen. In den anderen Subdistrikten ist das Ungleichgewicht weniger extrem; auf Atauro ist es sogar ausgeglichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Dilis
Portugiesische Kanone am Hafen von Dili

1520 gründeten die Portugiesen die Siedlung Dili in der gleichnamigen Bucht. Ab dem 10. Oktober 1769 wurde sie nach der Vertreibung der Portugiesen aus Lifau zur Hauptstadt der Kolonie. Während der Rebellion von 1861 wurde die Stadt von den aufständischen Timoresen bedroht. Die Angreifer konnten abgewehrt werden. Bei der der Revolte der Moradores 1887 fiel die Stadt in totalen Terror. 1912 konnte ein weiterer Angriff auf Dili bei der großen Rebellion von Manufahi abgewehrt werden.[7] Atauro wurde von den Portugiesen genutzt, um politische Gefangene aus Portugal, von Timor und anderen Kolonien zu verbannen.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 1942 landeten japanische Truppen in Dili und besetzten die neutrale Kolonie bis 1945.

Nach der Nelkenrevolution 1974 sollte die Kolonie auf die Unabhängigkeit vorbereitet werden, doch als sich eine Dominanz der linksgerichteten FRETILIN abzeichnete, kam es 1975 in Dili zu Straßenkämpfen zwischen ihr und der konservativen UDT. Portugals letzter Gouverneur Mário Lemos Pires floh nach Atauro. Die FRETILIN ging aus den Kämpfen als Sieger vor, doch inzwischen hatte Indonesien begonnen nach und nach das Grenzland zu besetzen. Angesichts der Bedrohung hoffte die FRETILIN auf internationale Unterstützung und erklärte daher am 28. November 1975 Osttimor von Portugal unabhängig. Neun Tage später, am 7. Dezember, begannen indonesische Truppen offiziell mit der Invasion des Landes und besetzten den Großteil des Distrikts. Atauro wurde erst am 30. Dezember von den Indonesiern besetzt. Es folgte ein jahrzehntelanger Guerillakrieg zwischen den Indonesiern und der timoresischen Widerstandsbewegung FALINTIL. Am 10. Juni 1980 griffen FALINTIL-Einheiten einen Fernsehsender am Rande der Hauptstadt Dili an. Nach dem Überfall begann auch Indonesien Atauro als Gefängnisinsel und Umsiedlungslager zu benutzen. 1982 lebten hier 4.000 Inhaftierte. Erst 1986 wurde das Lager wieder geschlossen. Am 12. November 1991 forderte ein Massaker durch indonesische Soldaten nach einer Beerdigung auf dem Friedhof Santa Cruz über 200 Todesopfer.

Australische INTERFET-Soldaten in Dili 2000

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum am 30. August 1999, eskalierte die Gewalt. Als am 4. September das Ergebnis veröffentlicht wurde, das sich für die Unabhängigkeit aussprach, zogen pro-indonesischen Milizen plündernd und mordend durch Dili. 67 Menschen starben, etwa die Hälfte der Gebäude wurden dabei beschädigt; in einigen Sucos waren es sogar bis zu 90 %. Die Gesamtzahl der zerstörten Gebäude wird mit 7165 angegeben. Besonders schlimm betroffen war Metinaro. Berichte aus Dare sprachen von wahllosem Töten. Verschont von den Ausschreitungen blieb allein das abgelegene Atauro.

Am 20. September 1999 landeten die ersten Einheiten der internationalen Friedenstruppe INTERFET auf dem Flughafen bei Dili. Nach wenigen Tagen hatte die Eingreiftruppe die Lage vollständig unter Kontrolle. Die meisten Milizen hatten sich bereits in den Westteil der Insel zurückgezogen. Die Vereinten Nationen übernahmen die Verwaltung des Landes. Am 20. Mai 2002 wurde Osttimor in die Unabhängigkeit entlassen mit Dili als Hauptstadt.

Infolge der Desertation eines Großteils der Streitkräfte Osttimors kam es 2006 zu den schlimmsten Unruhen seit der Unabhängigkeit. Auf dem Höhepunkt der Unruhen rief die Regierung von Osttimor die von Australien geführte International Stabilization Force ins Land um wieder Ruhe und Ordnung zu Sorgen. Ihr folgte zusätzlich eine UN-Polizeimission. Bandenkämpfe erschütterten die Stadt und den Distrikt noch Jahre danach. Zumeist trafen Jugendbanden aus dem West- und dem Ostteil des Landes gewaltsam aufeinander. 2008 einigten sich die Banden unter Vermittlung der katholischen Kirche auf ein Friedensabkommen. Seitdem haben die Vorfälle stark abgenommen und die 30.000 Flüchtlinge innerhalb des Distrikts konnten mit der Rückkehr in ihre Wohnorte beginnen.

Politik[Bearbeiten]

Der Distriktsadministrator wird von der Landesregierung in Dili ernannt. Der ehemalige Distriktadministrator Ruben João Braz de Carvalho (2001[8] – 2007?) wurde 2011 vom Distriktsgericht Dili zu dreieinhalb Jahre Haft verurteilt. Ihm wurden Missmanagement, Amtsmißbrauch und die Veruntreuung von 21.800 US-Dollar für Privatzwecke vorgeworfen.[9] Im Februar 2012 bekleidete Jaime Correia das Amt.[10] Der derzeitige Administrator ist Gaspar Soares (Stand Februar 2014).[11]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Reisanbaugebiete in Dili
Ein alltäglicher Anblick auch in der Stadt. Ein Schwein in Dili

Laut der Volkszählung von 2010 arbeiten 36 % aller Einwohner, die zehn Jahre oder älter sind (Landesdurchschnitt: 42 %). 8 % sind arbeitslos (5 %).[12] 26,2 % der Haushalte betreiben Ackerbau, 50,1 % Viehzucht (Stand: 2010).[1] An den Küsten wird gefischt. In Metinaro und am Rio Comoro wird etwas Reis angebaut (1 % aller Haushalte im Distrikt Dili), in den Bergen gibt es Obstbäume und in der Stadt haben die Einwohner kleine Küchengärten. Von allen Haushalten im Distrikt bauen 15 % Kokosnusspalmen an, 10 % Gemüse, 3 % Kaffee, 17 % Maniok (Produktion 2008: 1.129 t) und ebenso viele Mais (1.885 t).[12][13] Als Haustiere halten die Menschen hauptsächlich Hühner (69.310 in 34 % der Haushalte) und Schweine (28.571, 36 %). Daneben auch Ziegen (14.486, 10 %), Rinder (3.597, 2 %), Wasserbüffel (1.467, 1 %), Schafe (1.784, 1 %) und Pferde (1.430, 1 %).[12] Mit 48 % arbeiten zudem so viele Timoresen in Dienstleistungsbereichen, (zum Beispiel Verwaltung, Hotelgewerbe und Transport), wie in keinem anderen Distrikt des Landes.

Dili ist die wichtigste Hafenstadt Osttimors. Fähren verbinden die Stadt mit Atauro und der osttimoresischen Exklave Oecusse. In Hera gibt es einen Fischereihafen und den Marinestützpunkt des Landes. Ein weiterer Militärstützpunkt des Landes liegt in Metinaro. Der Flughafen Presidente Nicolau Lobato International Airport in Comoro wird sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Busse verbinden die Hauptstadt mit den anderen Orten im Land. Besser ausgebaute Überlandstraßen führen durch Dili entlang der Küste von West nach Ost und nach Süden in das Landesinnere Richtung Aileu.

Zwei kommunale Radiosender senden aus dem Distrikt: Lorico Lian (FM 100,5 MHz) und Rakambian (FM 99,5 MHz).[14]

Weblinks[Bearbeiten]

Mangroven in Dili
 Commons: Distrikt Dili – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b c d Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in figures 2011 (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 5. Mai 2013
  3. Tony Wheeler, Xanana Gusmao, Kristy Sword-Gusmao: East Timor. Lonely Planet, London 2004, ISBN 1-74059-644-7
  4. The Languages of East Timor: Some Basic Facts im Internet-Archiv
  5. Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  6. District Pritory Tables: Dili 2004 (PDF; 13,0 MB)
  7. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  8. National Directory of Studies and Research
  9. Diario Nacional, 9. August 2011, Dili District Court decides to jail Braz three years and six months
  10. Webseite der Regierung Osttimors:MoJ publishes the land maps for the Nain Feto and Vera Cruz sub-districts, Dili district
  11. Descentralização Administrativa na República Democrática de Timor-Leste: Dili, abgerufen am 7. Februar 2014
  12. a b c Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  13. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in Figures 2008 (PDF; 3,7 MB)
  14. ARKTL – Asosiasaun Radio Komunidade Timor-Leste (englisch)

-8.5666666666667125.56666666667Koordinaten: 9° S, 126° O