Dill (Pflanze)
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Anethum graveolens | ||||||||||||
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Der Dill (Anethum graveolens) ist eine Gewürzpflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Sie stammt ursprünglich aus Vorderasien, wird heute jedoch weltweit angebaut.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Merkmale
[Bearbeiten] Vegetative Merkmale
Dill ist eine sommerannuelle einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 30 bis 75 Zentimeter, selten bis zu 120 Zentimeter erreicht. Die ganze Pflanze ist glatt und duftet stark aromatisch. Die Stängel wachsen aufrecht und verzweigen sich meist im oberen Abschnitt. Besonders die unteren Laubblätter sind drei- bis vierfach fiederschnittig, fein zerteilt in borstliche Abschnitte; die oberen Blätter sind weniger stark geteilt und kleiner. Nebenblätter fehlen.
[Bearbeiten] Blütenstände, Blüten und Früchte
Die großen Blütenstände sind tragblattlose, 15 bis 30-strahlige Doppeldolden, sie weisen einen Durchmesser von 5 bis 15 cm auf und enthalten zehn bis 25 Döldchen. Die Döldchen weisen einen Durchmesser von 3 bis 5 cm auf und enthalten 15 bis 25 Blüten. Die Blütenstiele sind 6 bis 10 mm lang. Die kleine Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind verwachsen. Die fünf Kronblätter sind (dotter)gelb. Es ist nur ein Kreis mit fünf Staubblättern vorhanden. Zwei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Die zwei Griffel sind kurz. Die Blüte besitzt einen nektarabsondernden Diskus und wird von Insekten aller Art, besonders jedoch von Käfern bestäubt. Die Blütezeit reicht von Mai bis August.
Die eiförmigen, braunen, trockenen Spaltfrüchte sind 3 bis 5 mm lang und 2 bis 2,5 mm breit; sie zerfallen in zwei schmal geflügelte Teilfrüchtchen mit grau-weißen Längsrippen. Die Früchte reifen meist zwischen Juli und September. Als Flügelflieger werden sie über den Wind ausgebreitet, ferner bei Nässe auch als Adhäsionshafter.
[Bearbeiten] Inhaltsstoffe
100 g getrocknetes Dillkraut enthält im Durchschnitt 5,5 g Wasser, 20 g Protein, 4,0 g Fett, 57,0 g Kohlenhydrate, 12,0 g Rohfaser und 0,1 bis 0,35 g Ätherisches Öl. An Mineralstoffen sind Kalium mit 3,3 g, Calcium mit 1,7 g und Natrium mit 0,2 g nennenswert.
Für die Nutzung als Gewürz ist der Gehalt an ätherischen Ölen ausschlaggebend. In den Früchten beträgt ihr Anteil sogar 2 bis 4 %. Beim Gartendill besteht das ätherische Öl vorwiegend (bis 60 %) aus Carvon. Weitere Bestandteile sind Limonen, α- und β-Phellandren, Terpinen, Apiol, p-Cymen, α-Pinen und ein Hexahydro-Benzofuran-Derivat, das für das typische Aroma verantwortlich ist. In Summe sind 90 Inhaltsstoffe bekannt.
[Bearbeiten] Verbreitung
Der Dill ist ursprünglich in Vorderasien verbreitet. In Mitteleuropa wird er wahrscheinlich seit der Römerzeit kultiviert, hier ist er selten verwildert zu finden.[1]
[Bearbeiten] Systematik
Innerhalb der Art Anethum graveolens werden drei Sippen unterschieden, die teils als Varietäten, teils als Unterarten eingestuft werden:
- Gartendill (Anethum graveolens L. var. hortorum Alef.) mit vorwiegend Carvon im ätherischen Öl.
- Ackerdill (Anethum graveolens L. var. graveolens)
- Indischer Dill (Anethum graveolens L. subsp. sowa bzw. f. sowa) ist dem Gartendill sehr ähnlich, aber weniger aromatisch. Er enthält vor allem Dillapiol und Carvon.
[Bearbeiten] Anbau
Gartendill ist bezüglich des Bodens wenig anspruchsvoll, lediglich verdichtete Böden und Staunässe verträgt er nicht. Optimal sind mittelschwere, feuchtwarme Böden mit einem hohen Humusanteil, beispielsweise Nidermoorstandorte. Klimatisch gesehen kann der Anbau in ganz Europa erfolgen. Lange Tage fördern die Blütenbildung, deshalb wird Dill in südlichen Ländern vor allem im Winter und Frühling angebaut.
Bezüglich der Fruchtfolge ist nach Dill oder anderen Doldenblütlern eine Pause von vier Jahren vor einem erneuten Dillanbau einzuhalten. Grund ist besonders die Fusarium-Welke. Vorfrüchte mit organischer Düngung sind sind günstig, besonders Hackfrüchte. Dill entzieht dem Boden viel Kalium und relativ wenig Phosphor. Dennoch ist eine gute Phosphor-Versorgung wichtig, da Phosphor-Mangel sich stark auf das Wachstum auswirkt.
Dill wird im Freiland wie ich Gewächshauskultur angebaut, im Gewächshaus in Bodenkultur wie in erdeloser Kultur. Nach der geplanten Verwendung wird unterschieden zwischen Anbau für die
- Krautgewinnung, wobei Bund- und Topfware für den Frischmarkt und Schüttware für die industrielle Verarbeitung angebaut wird, und
- Körnergewinnung und Krautdrogengewinnung unterschieden wird.
Bei Dill gibt es etliche Sorten, die auf vier Herkunftsgruppen zurückgehen: normale diploide Sippen, Mammutsorten, tetraploide Sippen und Sorten aus dem Drogenhandel.
Die Vermehrung erfolgt generativ. Vegetative Vermehrung findet nur in der Züchtung Verwendung. Im Freiland überwiegt Direktsaat, im erdelosen Anbau ist auch Vorkultivierung in Töpfen verbreitet. Dill hat eine langsame Jugendentwicklung und ist deshalb gegen Verunkrautung empfindlich.
Für den Frischmarkt werden vor allem Dillspitzen mit 15 bis 25 cm Länge geerntet, für Industrieware liegen die Längen bei 30 bis 35 cm (Gemüsetrocknungsindustrie) oder 40 bis 60 cm (Gewürzgurkenverarbeitung). Durch zeitversetzten Anbau erfolgt die Ernte kontinuierlich von Ende Mai bis Oktober. Der Ertrag an Dillkraut liegt zwischen 15 und 30 Tonnen pro Hektar und Jahr, der an Dillspitzen zwischen 10 bis 18 Tonnen pro Hektar und Jahr[2]. Frischware wird meist händisch geerntet, Kraut für Trocknung und Gefrierkonservierung vorwiegend maschinell.
Körnerdill wird vor Vollreife geerntet, meist Ende August/Anfang September. Der Ertrag liegt bei 0,8 bis 1,2 Tonnen pro Hektar und Jahr[2].
Der Anbau im Gewächshaus erfolgt vorwiegend für Bundware oder Topfware, die in den Wintermonaten in den Verkauf gelangen.
[Bearbeiten] Krankheiten und Schädlinge
An Viruserkrankungen können das Gurkenmosaikvirus (cucumber mosaic virus), das Selleriemosaikvirus (celery mosaic virus) und das Luzernemosaikvirus (alfalfa mosaic virus) Schäden anrichten, die sich in Scheckungen und Nekrosen der Blätter manifestieren.
Die wirtschaftlich wichtigste Krankheit ist due Fusarium-Welke (Fusarium culmorum). Sie vernichtet junge Bestände und schädigt Pflanzen auch nach der Blüte noch stark. Bei Auftreten erfordert sie einen Standortwechsel der Kulturen. Der Doldenbrand (Arten von Erwinia und Pseudomonas) verursacht in feuchten Jahren starke Ertragsausfälle. Echter Mehltau (Erysiphe heraclei), Rostpilze besitzen bei Dill keine wirtschaftliche Bedeutung.
An tierischen Schädlingen sind Wurzelgallenälchen (Meloidogyne hapla), die Wurzelnematode Trichodorus christiei, sowie verschiedene Blattläuse (besonders Gierschblattlaus (Cavariella aegopodii) und Wanzenarten zu nennen.
[Bearbeiten] Verwendung
Gartendill ist eine vielseitig verwendete Gewürzpflanze. Er wird für Salate, Saucen, Konserven und für Kräuteressenzen verwendet. Blätter wie Blütendolden sind ein wichtiges Gewürz für Einlegegurken. Meist werde die Dillspitzen verwendet, in frischem, getrocknetem, tiefgefrorenem oder gefriergetrocknetem Zustand. Seltener wird das Dillkraut (das junge Kraut) oder die ganze oberirdische Pflanze verwendet.
Dill wirkt anregend auf die Magenfunktion, unterstützt somit den Verdauungsprozess. Dilldrogen vermindern die Gasansammlung im Verdauungstrakt.
[Bearbeiten] Geschichte
Dill wurde bereits im Alten Ägypten als Kulturpflanze angebaut und als Heil- und Gewürzpflanze verwendet. Im antiken Griechenland und Rom wurde er ebenfalls als Gewürzpflanze verwendet. Nach Mittel- und Nordeuropa kam der Dill wahrscheinlich durch Mönche, die ihn in ihren Klostergärten anpflanzten. Im Capitulare de villis Karls des Großen wird Dill als anetum angeführt.
[Bearbeiten] Belege
- Beschreibung in der Flora of China. (Merkmale außer Inhaltsstoffe)
- Georg Vogel: Handbuch des speziellen Gemüsebaues. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1996. ISBN 3-8001-5285-1, S. 1026-1034.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6
- ↑ a b Georg Vogel: Handbuch des speziellen Gemüsebaues. Stuttgart 1996, S. 1031


