Dilmun

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel beschreibt den mythologischen Ort, zu den nach ihm benannten Schilfbooten siehe Dominique Görlitz#Dilmun

Dilmun (sumerisch kur.dilmun.na; akkadisch Tilmun; griech. Týlos) ist der sumerische Name für ein paradiesisches Land, vermutlich die Insel Bahrain.

Während der Bronzezeit stieg die Insel Bahrain auf Grund des in der Region einmaligen Vorkommens von Süßwasser in Form heute versiegter artesischer Quellen zu einem bedeutenden Handelsplatz auf. Die strategisch günstige Lage am Seehandelsweg zwischen Mesopotamien und dem Indus-Tal beförderte Wohlstand und Bedeutung von Dilmun zusätzlich .[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Gilgamesch nach der sumerischen Königsliste Anfang des 3. Jahrtausends v. Chr. ein König der ersten Dynastie der sumerischen Stadt Uruk landete nach der Flut gemäß einer Fassung der Sintflut-Erzählung (des Gilgamesch-Epos) in Dilmun.

Sargon von Akkad (etwa 2356 bis 2300 v. Chr.) gibt an, dass Schiffe aus Dilmun seinen Hafen anliefen. Auch das Reich Elam, dass den Handel mit Zinn kontrollierte, pflegte engen Kontakt mit Dilmun.

Im 14. Jahrhundert v. Chr. kontrollierten die Kassiten das südliche Mesopotamien und setzten einen Statthalter auf der Insel ein. Aus zwei Texten aus Nippur geht hervor, dass Ili-ippašra der kassitische Statthalter in Dilmun war. Er schickte Briefe an Illilija oder Enlil-kidinni, den Statthalter von Nippur unter Burna-buriaš II. und Kurigalzu II.[2] Ein dritter Brief ist sehr schlecht erhalten[3] Ein Siegel im Britischen Museum gehörte Uballissu-Marduk, Urenkel des Usiananuri šakkanakku von Dilmun und belegt ebenfalls die kassitische Herrschaft über die Insel[4], ist aber nicht genauer zeitlich einzuordnen.

Agum, Sohn des Kaštiliaš (also Agum III.) inspizierte nach der Chronik der frühen Könige seine Armee und marschierte gegen das „Seeland“. Darunter wird gewöhnlich das südliche Mesopotamien verstanden, aber eine Keilschrifttafel aus Qal'at al-Bahrain datiert aus dem 4. palu des kassitischen Herrschers Agum. Meist wird angenommen, dass sie Agum III. zuzuweisen ist [5]. Sie könnte also auf eine Eroberung von Bahrain hinweisen.

Im 8. Jahrhundert v. Chr. wird Dilmun als Vasall des assyrischen Reichs genannt, im 6. Jahrhundert v. Chr. war es Teil des Neubabylonischen Reichs. Um 800 v. Chr. soll Obiri laut assyrischen Keilschrifttexten in seinem mächtigem Palast regiert haben.

Liste der Herrscher und Statthalter[Bearbeiten]

(es werden nur die namentlich bekannten Regierenden genannt)

Name Funktion Datierung Quelle
Rimum König ca. 1470-1450 v. Chr. Inschrift aus Bahrein (Der Palast des Rimum, Diener des Inzak, der vom (Stamme) Agarum)
Usiananuri... kassitischer Statthalter ca. 1400-1380 v. Chr. Zylindersiegel seines Großenkels
Ili-ippaschra kassitischer Statthalter ca. 1340-1320 v. Chr. Zwei Briefe an Ililiya in Nippur
Uperi König ca. 720-706 v. Chr. Annalen von Sargon II.
Ahundaru I. König ca. 706-685 v. Chr. Annalen von Sargon II.
Qanaia König ca. 685-660 v. Chr. Annalen von Assurhaddon
Ahundaru II. König ca. 660-635 v. Chr. Annalen von Assurbanipal
Kephisodoros Strategos kurz vor 124 v. Chr. Bauinschrift eines Tempels
Yarhai Satrap der Charakene um 131 n. Chr. Inschrift aus Palmyra
Sanatruk Satrap (?) der Charakene um 131 n. Chr. wird von Tabari als König bezeichnet

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Geoffrey Bibby: Dilmun. Die Entdeckung der ältesten Hochkultur. Rowohlt, Reinbek 1973, ISBN 3-498-00440-9
  • Daniel T. Potts: Dilmun. New Studies in the Archaeology and Early History of Bahrain (= Berliner Beiträge zum Vorderen Orient, Band 2). Dietrich Reimer, Berlin 1983, ISBN 3496007443.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Randolf Rausch, Heiko Dirks, Katlen Trautmann: Die artesischen Quellen von Dilmun. Spektrum der Wissenschaft, Juni 2008, S. 62–69.
  2. Albrecht Goetze, The texts No. 615 and 641 of the Istanbul Museum. Journal of Cuneiform Studies 6, 1952, 142–145.
  3. BE XVII 88
  4. J. E. Reade, Commerce or Conquest: Variations in the Mesopotamia-Dilmun Relationship. In: H. A. Al Khalifa/M. Rice (Hrsg.), Bahrain through the Ages: The Archaeology (London, 1986), fig. 137
  5. D. T. Potts, Elamites and Kassites in the Persian Gulf. Journal of Near Eastern Studies 65/2, 2006, 116