Dilschhausen

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50.8177777777788.6577777777778261Koordinaten: 50° 49′ 4″ N, 8° 39′ 28″ O

Dilschhausen
Stadt Marburg
Höhe: 261 m ü. NN
Fläche: 6,27 km²
Einwohner: 188 (31. Dez. 2010)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35041
Vorwahl: 06420
Karte

Lage von Dilschhausen in Marburg

Dilschhausen ist mit rund 190 Einwohnern der kleinste dörfliche Außenstadtteil der hessischen Universitätsstadt Marburg.

Geografie[Bearbeiten]

Dorf und Gemarkung Dilschhausen werden von den Bergen und Hügelkuppen namens Bernhard, Störner (Staatswald), Calderische Höhe, Koppe, Mittelberg, Stackelberg, Auersberg, Nesselberg und Rotlaub umgeben (von Nordwest ausgehend nach Ost usw.).[1]

Das Tal wird von zwei Bächen durchflossen. Von Nordwest nach Osten fließt der Wältersbach, von Nord nach Süd der Calderbach. Der letztere, kleinere mündet zwischen Ortskern und Bubenmühle in den Wältersbach. Die Quelle des Hauptfließgewässers liegt auf dem bewaldeten Hügelland namens Störner.

Nach Osten grenzt Elnhausen, nach Süden Nesselbrunn, nach Westen Damshausen, gen Norden Caldern an das Dorf. Die Kernstadt Marburg ist laut einem Dokument aus 1747 gute zwei Stunden Fußweg entfernt.[2]

Entstehung und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Dilschhausen im Jahr 1259. Auf Grund alter Funde wird jedoch davon ausgegangen, dass bereits im 10. Jahrhundert Menschen im Gebiet des heutigen Ortes lebten.

Die Urkunde liegt als Depositum des Klosters Haina im Hessischen Staatsarchiv Marburg. Eigentumsrechtlich gehört sie laut den Recherchen des Marburger Stadtarchivars Ulrich Hussong dem Landeswohlfahrtsverband Hessen als Rechtsnachfolger des Klosters Haina.[3]

Dilschhausen bestand jahrhundertelang als eine Doppelsiedlung aus Ober- und Unter-Dorf, die unterschiedliche Feudaleigentümer, Gerichtszuständigkeiten und Pfarrzugehörigkeiten aufwiesen. Erst mit der napoleonischen Besetzung im frühen 19. Jahrhundert ergab sich erstmals die verwaltungstechnische Einheit beider Ortsteile. Ab August 1821 war auch die unterschiedliche Gerichtsbarkeit beider Dorfteile (Gerichte Reizberg und Caldern) Vergangenheit.[4] Kirchenrechtlich war das Unterdorf der über eine Stunde Fußweg entfernten Pfarrei Michelbach zugeordnet, das Oberdorf gehörte zur Kirchgemeinde Weitershausen. Ab 15. Juli 1816 erreichten die Unterdilschhäuser Bürger eine Übertragung der Küster-Kirchamtspflichten an ihren Dorflehrer. Erst am 28. Mai 1856 erreichten die Dilschhäuser eine Vereinigung von Ober- und Unterdorf zu einer eigenständigen Filialgemeinde der Pfarrei Weitershausen.[5]

Geografisch waren die beiden Häusergruppen des Dorfes getrennt durch den Wälterbach mit seinen sumpfigen Auen. Heute zieht sich anstelle der Bachaue die Trasse der Kreisstraße 72, die Teil der am 18. August 1979 eingeweihten Umgehungsstraße ist, als „trennendes Band“[6] durch das Dorf. Trotz geschwindigkeitsbegrenzender Beschilderung gab es sogar Schlagzeilen in der Lokalzeitung Oberhessische Presse vom 30. Juli 1987 über die als „Rennstrecke“ missbrauchte Straße.[7]

Am 1. Juli 1974 wurde Dilschhausen mit damals 134 Einwohnern zusammen mit zwölf anderen Dorfgemeinden nach Marburg eingemeindet.[8] Im Jahr 2009 wurde mit großer Feier das 750-jährige Bestehen des Dorfes begangen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kapelle
Ehemalige Kornmühle

Als besonders sehenswert gilt die etwa zeitgleich mit der Marburger Elisabethkirche im 13. Jahrhundert erbaute romanische Kapelle aus Bruchsteinmauerwerk.[9]

Neben der Kirche war seit 1747 das Gemeindebackhaus die „Dorfzentrale“ (Prof. Siegfried Becker). Die Abschaffung der Privatbacköfen auf fürstliche Verordnung hin diente der Brandverhütung und der Holzeinsparung.[10] Zum Backen wurde in früheren Zeiten das halb im Souterrain liegende Untergeschoss aus Mauerwerk genutzt. Diese Nutzung besteht seit Jahrzehnten nicht mehr; das Haus ist im Privatbesitz. Im Geschoss darüber gibt es eine kleine, über eine steile Freitreppe erreichbare Mietwohnung aus Fachwerk.[11]

Das „Dorf in der Stadt“ Dilschhausen besteht gegenwärtig (2009) aus vier Straßen mit 46 Hausnummern. Die Weitershäuser Straße umfasst mit 31 Häusern den Großteil. Sie verbindet das Unter- mit dem Oberdorf. Die Straße Bubenmühle im Unterdorf umfasst sechs Häuser und führt in Richtung Elnhausen zu der ehemaligen landgräflichen, um 1527 erbauten Kornmühle. Dieses etwa 700 Meter außerhalb des Kern-Dorfes liegende zweistöckige Fachwerk-Gebäude (Dorfname Millisch) wird seit Aufgabe des Mühlenbetriebs Ende der 1950er Jahre als Wohnhaus genutzt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der Vergangenheit war das Dorf ausschließlich von landwirtschaftlichen Betrieben geprägt. Die kleineren Hofbesitzer gingen nebenher noch einer handwerklichen Tätigkeit nach. Es gab einen Stellmacher, einen Schmied, einen Müller. Außerdem gab es ehemals zwei Gaststätten im Ort.

Zu Beginn der 1950er gab es elf landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Die Betriebsgrößen von 12 bis 30 Hektar Nutzfläche wurden für den Anbau von Getreide, Kartoffeln, Futterrüben, Klee oder Luzerne sowie die Haltung von Milchvieh, Schweinen und Hühnern genutzt. Zusätzlich zur Nutzfläche hatten die Bauernhöfe zumeist Waldbesitz.

Gegenwärtig (Stand 2009) gibt es noch zwei Landwirte im Vollerwerb sowie vier Nebenerwerbsbetriebe. Alle sind Mitglied im Wasser- und Bodenverband Marburger Land, so dass Großmaschinen wie der Mähdrescher überbetrieblich genutzt werden können. Absehbar erscheint, dass die Zahl der Landwirtschaftsunternehmen künftig noch weiter zurückgehen wird.[12]

Vereine[Bearbeiten]

Vor allem in Anbetracht der geringen Einwohnerzahl des Ortes existiert in Dilschhausen ein reges Vereinsleben. Neben einer Freiwilligen Feuerwehr, von deren Mitgliedern jedes Frühjahr ein Theaterstück präsentiert wird, gibt es einen Kirchenchor, eine Dorf-Burschen- und Mädchenschaft sowie seit Januar 1991 einen Damengymnastikverein.

Im 1926 gegründeten Kirchenchor sowie im Gymnastikverein sammeln sich die älteren Bürger des Dorfes. Laut Angaben im Stadtschriftenband umfasste der Chor 2009 fünfzehn Sänger, die Gymnastik-Gruppe 27 aktive und passive Vereinsmitglieder.

Die Dorfburschenschaft sammelt die Jungen im Dorf. Ab Vollendung des 15. Lebensjahrs dürfen die Jugendlichen vor Ort mitmachen. Formell gegründet als Verein wurde die Gruppe 1980. Zuvor waren 1974 und 1978 jeweils ein Burschenkirmes-Dorffest organisiert worden. Seit 1990 gibt es ein von der Burschenschaft ausgerichtetes jährliches Straßen-Dorffest mit einem schön gelegenen überdachten Festplatz auf einem früheren Maissilo. Weitere Aktivitäten sind Fußballturnierteilnahme, Polterabende, gemeinsame Fahrten, ein jährliches Skatturnier zwischen den Jahren, die Brauch-Aktivitäten rund um den alljährlichen Maibaum. Ein eigener Grenzgang wurde 1988 und 1989 durchgeführt, danach aber wieder fallengelassen.[13]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Hussong (Hrsg.): Geschichte eines Dorfes am Wältersbach. 750 Jahre Dilschhausen 1259-2009. (Reihe: Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur, Band 93), Marburg 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dilschhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lit. S. 409; Kapitel Die Landschaft
  2. Lit. S. 409; Kapitel Die Landschaft
  3. In den Marburger Stadtschriften Band 93 findet sich über diese Urkunde ein neunseitiger Text.
  4. Stadtschriftband S. 3
  5. Stadtband S. 8
  6. Stadtband S. 9
  7. Stadtband S. 1
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387.
  9. Vgl. Siegfried Beckers Forschungsbericht S. 19–80 des Stadtschriftenbands
  10. s. Lit. S. 81–91 Kapitel Das Gemeindebackhaus
  11. s. Lit. S. 252
  12. s. Lit. S. 454–457 Kapitel Landwirtschaft
  13. s. Lit. S. 461–468 Kapitel Burschenschaft