Dima Hasao

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Distrikt Dima Hasao
ডিমা হাছাও জিলা
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Assam
Verwaltungssitz: Haflong
Fläche: 4.853 km²
Einwohner: 213.529 (2011)
Bevölkerungsdichte: 44 Ew./km²
Website: nchills.gov.in

Dima Hasao (Assamesisch: ডিমা হাছাও Ḍimā Hāchāo [ˈdima ˈhasaʊ]; bis 2010 North Cachar Hills) ist ein Distrikt im indischen Bundesstaat Assam. Verwaltungssitz ist der Ort Haflong. Dima Hasao gehört zu den von den sogenannten Stammesvölkern (tribals) besiedelten Teilen Assams: Über zwei Drittel der Einwohner des Distrikts sind Angehörige indigener Völker, hauptsächlich Dimasa, Naga und Kuki. Aufgrund dessen besitzt Dima Hasao den Status eines autonomen Distrikts.

Geografie[Bearbeiten]

Landschaft beim Dorf Khobak im Distrikt Dima Hasao

Der Distrikt Dima Hasao liegt im Süden Assams an der Grenze zu den Bundesstaaten Nagaland, Manipur und Meghalaya. Nachbardistrikte sind Karbi Anglong und Nagaon (Assam) im Norden, Peren (Nagaland) im Nordosten, Tamenglong (Manipur) im Südosten, Cachar (Assam) im Süden sowie Jaintia Hills (Meghalaya) im Westen. Die Fläche des Distrikts beträgt 4.853 Quadratkilometer. Damit ist er flächenmäßig der drittgrößte Distrikt Assams.

Der gesamte Distrikt ist bergig und zerklüftet. Er wird von den Barail-Bergen eingenommen, welche die Brahmaputra-Ebene im Norden und das Barak-Tal im Süden voneinander trennen. Die höchsten Berge sind der Jhingtubum (1867 Meter), Nairakula (1422 Meter) und Hemelowa (1367 Meter). Die meisten Erhebungen erreichen 600–900 Meter. In der Nähe von Haflong ist der Abbruch zum Shillong-Plateau sehr deutlich und abrupt. Die wichtigsten Flüsse sind der Kapili, ein Nebenfluss des Brahmaputra, mit seinen Zuflüssen Diyung und Mahur sowie der Jatinga, der nach Süden zum Surma fließt.

Südlich der Distriktshauptstadt Haflong tritt während der Monsunmonate das Phänomen eines massenhaften Vogel-„Selbstmordes“ auf. Die Tiere stürzen in mondlosen Nächten durch den Nebel auf den Talboden von Jatinga. Die Jaintia (Synteng), seit 1905 im Tal, sahen die Vögel als Gottesgeschenk und töteten sie. Dieser Vogelmord ging nach Protestaktionen von Ornithologen um 40 Prozent zurück. Indische Wissenschaftler erklären das Phänomen durch heftige Winde und durch Veränderungen des Magnetfeldes im Talwasser infolge des Monsuns, sodass die Vögel, etwa 44 Arten, die Orientierung verlieren und Lichtquellen anfliegen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Felstempel in Maibong stammt aus der Zeit des Kachari-Königreichs

Das Gebiet des Distrikts Dima Hasao war in früheren Zeiten Teil des Kachari-Königreichs. Die Kachari-Rajas, die zur ethnische Gruppe der Dimasa gehörten, hatten ihre Hauptstadt ursprünglich weiter nördlich in Dimapur. Nachdem der Eroberung Dimapurs durch die Ahom zogen sich die Besiegten ihre Hauptstadt in das Gebirgsland nach Maibong im heutigen Distrikt Dima Hasao. 1706 wurde auch Maibong vom Ahom-Herrscher Rudra Singh eingenommen. Daraufhin überquerten die Kacharis die Barail-Berge und ließen sich in der Ebene um Khaspur nieder. 1790 bekannte sich die Herrscherfamilie zum Hinduismus. 1819 eroberte das westwärts expandierende Birma das Kachari-Königreich und zwangen dessen Herrscher Gobind Chandra zur Flucht. Nachdem die Briten, die mittlerweile über Bengalen herrschten, die Birmaner im Ersten Anglo-Birmanischen Krieg (1824–1826) besiegt hatten, setzten sie Gobinda Chandra wieder ein. Nachdem dieser 1830 ohne Erben gestorben war, fiel sein Herrschaftsgebiet 1832 gemäß der Doctrine of Lapse an die Briten. Der Nordteil des ehemaligen Königreiches stand wurde unterdessen unter der Kontrolle eines Usurpators namens Tularam. 1854 wurde auch dieses Gebiet von den Briten annektiert.

Das neuerworbene Gebiet wurde als Distrikt Cachar in die Provinz Assam Britisch-Indiens eingegliedert. Dem heutigen Distrikt Dima Hasao entsprach dabei die 1880 eingerichtete Subdivision North Cachar. Nach der indischen Unabhängigkeit wurde das Gebiet 1951 aus dem Distrikt Cachar gelöst und zusammen mit Teilen der Distrikte Sivasagar, Nagaon und Khasi and Jaintia Hills zum Distrikt United Mikir and North Cachar Hills zusammengelegt. Dieser wurde 1970 wiederum in die Distrikte Mikir Hills (seit 1976 Karbi Anglong) und North Cachar Hills geteilt. 2010 wurde der Distrikt North Cachar Hills nach der größten Volksgruppe der Dimasa in Dima Hasao umbenannt. Dies führte zu Protesten der Nicht-Dimasa-Bevölkerung, die forderte, den Dimasa-dominierten Teil als separaten Distrikt abzuspalten.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Der Distrikt Dima Hasao ist nur dünn besiedelt. Nach der indischen Volkszählung 2011 hat er 213.529 Einwohner. Gemessen an der Einwohnerzahl ist er der kleinste Distrikt Assams. Die Bevölkerungsdichte ist mit 44 Einwohnern pro Quadratkilometer die niedrigste aller Distrikte Assams und beträgt gerade einmal ein Neuntel des Mittelwerts des Bundesstaates (397 Einwohner pro Quadratkilometer). Ein verhältnismäßig hoher Anteil der Einwohner (28,7 Prozent) lebt in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit der zweithöchste unter den Distrikten Assams und doppelt so hoch wie der Durchschnitt des Bundesstaates (14,1 Prozent). Im Vergleich zur letzten Volkszählung 2001 war die Einwohnerzahl um 13,5 Prozent und somit etwas langsamer als im Mittel Assams (16,9 Prozent) gewachsen. Die Alphabetisierungsquote liegt mit 79,0 Prozent über dem Durchschnitt des Bundesstaates (73,2 Prozent).[3]

Der größte Teil der Einwohner des Distrikts Dima Hasao gehört indigenen Völkern an, die in offiziellen Statistiken als „Stammesvölker“ klassifiziert werden. Die indische Volkszählung 2001 klassifiziert 68,3 Prozent der Bevölkerung als Stammesangehörige (scheduled tribes). Damit weist Dima Hasao unter allen Distrikten Assams den höchsten Anteil der Stammesbevölkerung auf. Die größte ethnische Gruppe bilden die Dimasa (Kachari), die die Hälfte der Stammesbevölkerung ausmachen, gefolgt von den Naga und Kuki. Unter der Stammesbevölkerung sind verschiedene tibetobirmanische Sprachen verbreitet. Als Verkehrssprache zwischen den verschiedenen Stämmen dient ein Pidgin-Sprache auf Basis des Hindi, Haflong Hindi genannt.[4] Amtssprache ist das Assamesische, die Hauptsprache Assams.

Unter den Einwohnern des Distrikts Dima Hasao stellen Hindus nach der Volkszählung mit 70,0 Prozent die Mehrheit. Daneben gibt es eine größere christliche Minderheit von 26,7 Prozent. Der christliche Bevölkerungsanteil ist der höchste aller Distrikte Assams. Muslime sind mit 2,5 Prozent nur eine kleine Minderheit.[5]

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Nach dem sechsten Anhang zur indischen Verfassung, der besondere Bestimmungen für die Stammesgebiete in den indischen Nordostbundesstaaten vorsieht, besitzt Dima Hasao einen Autonomiestatus. 1952 wurde der North Cachar Hills District Council als kommunales Selbstverwaltungsorgan am eingerichtet. Von den 16 Mitgliedern werden 12 gewählt und vier von der Regierung ernannt. In den Stammesgebieten gibt es keinen privaten Landbesitz. Weiterhin besteht ein beratendes Komitee, das für die Entwicklung der Stammesgebiete zuständig ist.

Obwohl die Förderung der Stammesbevölkerung als für indische Verhältnisse vorbildlich gilt, haben sich – wohl von ähnlichen Gruppen in den benachbarten Bundesstaaten inspiriert – in den letzten zwanzig Jahren einige kleinere Autonomiebewegungen gebildet, wobei bei einigen der Übergang zum Banditentum fließend zu sein scheint (vgl. Separatistische Organisationen im Nordosten Indiens). Die Karbi Longri North Cachar Hills Liberation Front (KLNLF), die sich 2004 von der seit 2000 bestehenden United Peoples Democratic Solidarity (UPDS) abspaltete, ist eine der aktivsten Gruppen. Die Dima Halam Daoga (DHD), mit mehreren Fraktionen und ihre radikalere Abspaltung Black Widow (BW) haben im September 2009 endgültig ihre Waffen abgegeben.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Durch seine schwer zugängliche Lage in den Bergen ist der Distrikt Dima Hasao wirtschaftlich unterentwickelt. Der wichtigste Erwerbszweig ist die Landwirtschaft, die nach der Volkszählung 2001 54 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt.[6] Die Stammesvölker in den Bergen betreiben vielfach noch Brandrodung. Hauptfrucht ist Trockenreis, von dem jedoch in der gebirgigen ertragsarmen Landschaft nicht genug angebaut werden kann. Zusätzliche wichtige Feldfrüchte sind Kürbis, Chili, Rhizinus, Ingwer, Hirse und Mais. Gesät wird im April/Mai, Haupterntezeit ist Ende November. Bewaldet waren 1982 von 489.000 verfügbaren Hektar 63.000. Der Großteil des Distrikts ist Brache mit 405.000 Hektar. 4800 Hektar werden bewässert, jedoch wird nur auf 1000 mehr als eine Ernte eingefahren. In 205 Dörfern wird Serikultur getrieben. Bergbau und Industrie spielen eine geringere Rolle. Bei Garampani wird Kalkstein abgebaut, der von vier Zementfabriken im Distrikt verwertet wird.

Die wichtigste Verkehrsverbindung durch den Distrikt Dima Hasao ist der National Highway 54, der von Tuipang in Mizoram über Aizawl und Silchar kommend in Nord-Süd-Richtung durch die Barail-Berge führt und bei Dabaka in den National Highway 35 in Richtung Guwahati mündet. Durch eine Meterspurstrecke von Silchar nach Lumding ist der Distrikt auch an das Eisenbahnnetz angeschlossen.

Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
(2001)[7]
Haflong 35.906
Mahur 5.485
Maibong 7.664
Umrangso 9.024

Literatur[Bearbeiten]

  • S. C. Bhatt (Hrsg.): The Encyclopædic District Gazetteers of India. Volume 10: North-Eastern Zone: Arunachal Pradesh. Assam. Gyan, New Delhi 1997, ISBN 81-212-0556-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Website des Distrikts Dima Hasao: Jatinga Bird Mystery.
  2. The Times of India: Non-Dimasas to boycott polls over district demand, 14. März 2011.
  3. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 (PDF; 16,7 MB) und Paper 2 (MS Excel; 62 kB).
  4. Indian Express: In this Assam district, Hindi unites 11 tribes, 10. September 2007.
  5. Census of India 2001: Basic Data Sheet. District North Cachar Hills (20), Assam (18). (PDF; 55 kB)
  6. Census GIS India.
  7. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order) (Version vom 16. Juni 2004 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten]