Dintikon

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Dintikon
Wappen von Dintikon
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Lenzburgw
BFS-Nr.: 4194i1f3f4
Postleitzahl: 5606
UN/LOCODE: CH DTK
Koordinaten: 659716 / 24634947.3652768.229176448Koordinaten: 47° 21′ 55″ N, 8° 13′ 45″ O; CH1903: 659716 / 246349
Höhe: 448 m ü. M.
Fläche: 3.73 km²
Einwohner: 2125 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 570 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 23,3 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.dintikon.ch
Dintikon

Dintikon

Karte
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Waldweiher südlich neben der Landstrasse von Ammerswil nach Dintikon
Dorfeinfahrt von Ammerswil her kommend

Dintikon (schweizerdeutsch: ˈtɪntɪikχə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Lenzburg im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt am westlichen Rand des unteren Bünztals, knapp fünf Kilometer südöstlich des Bezirkshauptorts.

Geographie[Bearbeiten]

Das alte Dorfzentrum befindet sich am Ostabhang des Rietenbergs. Zu dieser Hügelkette, welche die natürliche Grenze zum Seetal bildet, gehören der Herrliberg (506 m ü. M.) im Nordwesten, die Hochrüti (562 m ü. M.) und die Hochwacht (667 m ü. M.) im Westen sowie das Grossmoos (664 m ü. M.) im Süden. Nördlich des Dorfzentrums liegt der Ortsteil Langelen mit Neubausiedlungen und Industriegebiet. Dintikon bildet das südliche Ende eines vier Kilometer langen Siedlungsbandes, das quer über das ganze Ebene des Bünztals bis nach Dottikon und Hägglingen reicht.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 373 Hektaren, davon sind 157 Hektaren bewaldet und 70 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 667 Metern auf der Hochwacht, der tiefste auf 420 Metern an der nördlichen Gemeindegrenze.

Nachbargemeinden sind Hendschiken im Norden, Villmergen im Osten, Seengen im Süden, Egliswil im Westen und Ammerswil im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Während der Römerzeit bestand hier ein Wirtschaftsgebäude für die Metallverarbeitung. Die erste urkundliche Erwähnung von Tintinchova erfolgte im Jahr 893 in einem Zinsrodel des Fraumünsters in Zürich. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Tintinghofun, was «bei den Höfen der Sippe des Tinto» bedeutet.[3] Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Die niedere Gerichtsbarkeit wechselte mehrmals den Besitzer: Zuerst die Herren von Hallwyl, danach die Freiherren von Fridingen und schliesslich die Herren von Ballmoos.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Dintikon gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Nachdem Bern 1450 die niedere Gerichtsbarkeit erworben hatte, bildete das Dorf einen Teil des Gerichtsbezirks Othmarsingen im Amt Lenzburg. 1528 führten die Berner die Reformation ein. In den Villmergerkriegen (1656 und 1712) wurde das Dorf von vorbeiziehenden Truppen verwüstet, das Langelenfeld südöstlich des Dorfes war Schauplatz der Zweiten Schlacht von Villmergen. Dorfbrände in den Jahren 1585, 1737, 1835 und 1856 richteten ebenfalls grosse Schäden an. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Dintikon gehört seither zum Kanton Aargau.

Am 23. Juni 1874 wurde die Eisenbahnlinie RupperswilWohlen der Aargauischen Südbahn eröffnet. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Dintikon von kleinbäuerlichen Selbstversorgungsbetrieben geprägt. Wie damals üblich, betrieben viele Dorfbewohner neben der Landwirtschaft noch ein Handwerk. Die Baumwollweberei und die Strohflechterei brachten im 18. und 19. Jahrhundert zusätzlichen Verdienst. Eine 1992 abgetragene Ziegelhütte produzierte von 1836 bis 1910 handgefertigte Biberschwanzziegel. Nach der Stilllegung der Ziegelhütte wurde dort bis 1960 der aus der benachbarten Brennerei angefallene Trester luftgetrocknet und zu Heizzwecken verwendet. Die heute in Lenzburg domizilierte Firma Arova-Mammut (Seilerwaren) war ursprünglich ein Betriebszweig einer Töpferei in Dintikon, die Gärtnereien der Umgebung mit Blumentöpfen und die Hafner mit Ofenkacheln belieferte. Arova-Mammut wurde 1878 aus Platzgründen nach Lenzburg verlegt.

Anfangs des 20. Jahrhunderts siedelten sich in den Nachbargemeinden Dottikon und Villmergen diverse Fabriken an. Dazu gehören die Bally-Schuhfabrik und die Sprengstoff-Fabrik beim Bahnhof Dottikon-Dintikon. Sie brachten für die Dintiker neue Verdienstmöglichkeiten. Dies bewog die meisten Landwirte zur Aufgabe ihres Kleinbetriebes, so dass heute weniger als ein Dutzend landwirtschaftliche Betriebe übriggeblieben sind. Die Eröffnung der nahe gelegenen Autobahn begünstigte die Ansiedlung zahlreicher Industrie- und Dienstleistungsbetriebe, seit 1980 ist die Bevölkerungszahl um fast zwei Drittel angestiegen.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Schwarz weisser Schräglinksbalken, belegt mit drei roten, gelb bebutzten Rosen mit grünen Kelchblättern.» Erstmals erscheint das Wappen in dieser Form auf dem Gemeindesiegel von 1811, die genaue Bedeutung ist jedoch unbekannt.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 673 524 715 783 817 887 835 1074 1307 1960

Am 31. Dezember 2013 lebten 2125 Menschen in Dintikon, der Ausländeranteil betrug 23,3 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 48,2 % reformiert. 37,1 % römisch-katholisch und 2,4 % moslemisch; 0,4 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 93,0 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,8 % Italienisch, 0,9 % Albanisch, 0,8 % Serbokroatisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Dintikon gehört zum Friedensrichterkreis Othmarsingen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Dintikon gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 1300 Arbeitsplätze, davon 3 % in der Landwirtschaft, 21 % in der Industrie und 76 % im Dienstleistungsbereich.[9] Viele Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden der Umgebung, beispielsweise Lenzburg, Villmergen und Wohlen.

Die 1911 gegründete Setz Gütertransport AG war ursprünglich im Handel mit Landesprodukten und Holz tätig, heute ist sie eines der bedeutendsten Transportunternehmen der Schweiz und Tochtergesellschaft der schweizerischen Post. Papyrus Schweiz (früher Sihl + Eika) besitzt in Dintikon seit 1993 ein grosses Logistikzentrum.

Verkehr[Bearbeiten]

Dintikon ist verkehrsgünstig gelegen. Zwischen dem Ortsteil Langelen und dem Bahnhof verläuft die wichtige Hauptstrasse 25 (LenzburgZug). Der Anschluss Lenzburg der Autobahn A1 ist sechs Kilometer entfernt. Interessanterweise liegt der Bahnhof Dottikon-Dintikon an der SBB-Eisenbahnlinie AarauArth-Goldau in keiner der beiden namensgebenden Gemeinden, sondern auf dem Gemeindegebiet von Villmergen. Eine Buslinie der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg verbindet Dintikon mit dem Bahnhof Lenzburg, eine Postautolinie führt nach Wohlen.

Bildung[Bearbeiten]

Schulhaus Dintikon

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Villmergen besucht werden, die Bezirksschule in Dottikon. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen Aargau.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 129–130.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 141.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.