Diognetbrief

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der sogenannte Diognetbrief (griechisch Πρὸς Διόγνητον Ἐπιστολή) ist eine frühe christliche apologetische Schrift und vermutlich kein echter Brief. Verfasser und Datierung sind unklar. Ähnlichkeiten bestehen sowohl zu sehr frühen Schriften (um 120 n. Chr.: Kerygma Petri, Aristides) wie deutlich späteren (um 210 n. Chr.: Hippolyt von Rom, Klemens von Alexandrien).[1]

Der Verfasser nennt sich „Mathetes“, was kein Eigenname ist, sondern seine Eigenschaft als Schüler anzeigt. Der Diognetus, welcher Lehrer von Marcus Aurelius war, ist praktisch sicher nicht gemeint. Eine Identifikation mit Claudius Diogenes, Prokurator von Alexandrien zur Wende zum 3. Jh., ist ebenfalls unwahrscheinlich.

Der Brief ist in drei Handschriften überliefert, deren dritte, 1870 verloren, aber schon 1592 zum ersten Mal gedruckt, wurde in einem Codex des 13. Jh. überliefert, der Schriften enthielt, die Justin dem Märtyrer zugeschrieben wurden. Die ersten beiden sind vermutlich Kopien dieser dritten Fassung, da sie ebenfalls zwei Zeilen nicht überliefern, welche in der dritten Manuskriptfassung zerstört waren. Das zehnte Kapitel bricht ab, die zwei letzten Kapitel werden oft als spätere Hinzufügungen betrachtet, da Wendungen wie "dieses Wort, das von Beginn an war …" für diese Zeit typisch sind.

Die Formalia eines antiken Briefes fehlen. Der Aufbau kann wie folgt skizziert werden:

  • Einleitung: Verschiedene Fragen des Diognet: Auf welchen Gott vertrauen die Christen und warum glauben sie weder den Juden noch den Griechen? Was ist das für eine innige Liebe (Nächstenliebe)? Warum ist der christliche Glaube erst jetzt aufgetreten?
  • Kap. 2–4: Die heidnischen Götter(bilder) sind stoffliches Menschenwerk; die Juden glauben zwar an den richtigen Gott, verehren ihn aber falsch.
  • Kap. 5–6: Die Christen überragen die Welt wie die Seele den Leib.
  • Kap. 7–8: Über den allmächtigen und guten Gott der Christen.
  • Kap. 9–10: der Sohn erst brachte Rechtfertigung, aber schon der Vater schuf und ordnete den Kosmos
  • Kap. 11–12: wohl unechte Zusätze

Literatur[Bearbeiten]

  • Horacio E. Lona: „An Diognet“, Übersetzt und erklärt, hg. N. Brox, K. Niederwimmer, H. E. Lona, F. R. Prostmeier, J. Ulrich. (Kommentar zu frühchristlichen Apologeten, KfA, Vol. 8). Herder: Freiburg u.a., 2001. ISBN 3-451-27679-8.
  • Allgemeine Einleitung. Die beiden Apologien Justins des Märtyrers. Der Brief an Diognet. Übersetzt von Gerhard Rauschen. In: Frühchristliche Apologeten. Aus dem Griechischen oder Lateinischen übersetzt. Bd. 1. Kempten/München: Kösel 1913, S. VII–VIII. 55–173 (Bibliothek der Kirchenväter 12).
  • Schrift an Diognet. Eingeleitet, herausgegeben, übertragen und erläutert von Klaus Wengst. In: Ders.: Didache, Barnabasbrief, Zweiter Klemensbrief, Schrift an Diognet. München: Kösel 1984 ISBN 3-466-20252-3, S. 283-348. (Text auf Griechisch und Deutsch)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marrou, À Diognète, 260