Dionysius von Alexandria

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Dionysios von Alexandria ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum gleichnamigen Astronomen des 3. Jahrhunderts v. Chr. siehe Dionysios von Alexandria (Astronom).
Dionysius von Alexandria

Dionysius von Alexandria (auch bekannt als Dionysius der Große; † 264/65) war der bedeutendste Schüler des Origenes und amtierte ab 248 als Bischof von Alexandria. Er gilt neben Cyprian von Karthago als einer der bedeutendsten Bischöfe des 3. Jahrhunderts.

Christenverfolgung des Decius[Bearbeiten]

Dionysius wurde als Heide aus angesehener Familie wahrscheinlich vor 190 geboren; er konvertierte dann früh zum Christentum und hatte nach eigenen Angaben eine Vision, der zufolge ihm die Gabe verliehen worden sei, jedwede Häresie zu widerlegen. Er übernahm um 232 von Heraclas die Leitung der bedeutenden Katechetenschule von Alexandria, an der zuvor bereits Origenes lehrte, bei dem Dionysius gelernt hatte. Im Jahr 249 kam es dann noch unter Kaiser Philippus Arabs in Alexandria zu ersten antichristlichen Ausschreitungen - Dionysius berichtet darüber in einem Brief an Bischof Fabius von Antiochia -, die dann im Jahr 250 mit der Christenverfolgung des Kaisers Decius eskalierten, die Dionysius zur Flucht in die Libysche Wüste zwang. Ebenso wie in anderen Städten war auch in Alexandria zum einen zu beobachten, wie zahlreiche Christen zu lapsi wurden, also ihrem Glauben angesichts der unmittelbaren Todesgefahr abschworen, zum anderen kam es aber auch zu zahlreichen Martyrien; zu nennen sind Julian und Kronion, die ebenso verbrannt wurden wie der Libyer Makarius und Epimachus; auch Alexander wurde, nach langer Haft, dem Feuer übergeben, gemeinsam mit vier Frauen; die Jungfrau Ammomarion starb durch Folterung; Mercuria und Dionysia, zwei betagte Frauen, wurden durch das Schwert hingerichtet; die Ägypter Heron, Ater und Isidorus wurden gefoltert und dann verbrannt; der fünfzehnjährige Dioskurus, der der Folter standgehalten hatte, wurde freigelassen; Nemesion wurde an der Seite zusammen mit zwei Räubern verbrannt. Zahlreiche Christen wurden in die Sklaverei verkauft.

Novatianisches Schisma[Bearbeiten]

In der Folge stellte sich die Frage, wie mit den lapsi zu verfahren war. Dionysius setzte sich für die Wiederaufnahme in die Glaubensgemeinschaft ein, zumal auch einige der während der Verfolgung Hingerichteten sich vor ihrem Tod hierfür ausgesprochen hätten. Damit stellte er sich auch gegen Novatian, der in Rom als Gegenbischof gegen Cornelius angetreten war. Der Briefwechsel zwischen Dionysius und Novatian, der auf Unterstützung durch den alexandrinischen Bischof hoffte, ist erhalten. Darin wies Dionysius Novatian zurecht, er hätte lieber das Martyrium erleiden statt seine Kirche spalten sollen. Dionysius' Haltung zeichnete sich durch Verständnis gegenüber den Sündern aus, denen er die Vergebung nicht vorenthalten wollte. Seine Autorität und seine praktischen Fähigkeiten als Organisator halfen dabei, dass im Osten die Kirche über die Frage der lapsi keine Spaltung erfuhr.

Wenig später verbreitete sich die Pest in Ägypten, die Dionysius in seinen Briefen eindringlich beschreibt, wobei er hervorhebt, dass die Heiden in dieser Zeit aus Angst vor Ansteckung ihre Freunde und Angehörigen verlassen hätten und dennoch mehr Tote zu beklagen gehabt hätten als die Christen, die einander treu geblieben seien.

Ketzertaufstreit[Bearbeiten]

Von der Provinz Africa aus verbreitete sich unterdessen der Ketzertaufstreit in der Kirche. Darin ging es um die Frage der Gültigkeit der Taufe, die von einem Häretiker gespendet wird. Cyprian von Karthago hatte sich vehement gegen die Gültigkeit dieser Taufen ausgesprochen und wurde dabei von Bischof Firmilian im kappadokischen Caesarea unterstützt. Die Synoden von Karthago in den Jahren 255 und 256 bestätigten diese Position. Dagegen stand der römische Bischof (ab 254 war dies Stephan I.), der ein objektives Sakramentsverständnis vertrat, das unabhängig von der Würde des Taufenden sei. Der pragmatisch veranlagte Dionysius suchte hier um der Einheit der Kirche willen den Ausgleich. Während er theologisch die Haltung Cyprians eher ablehnte, mahnte er zugleich Stephan, über diese Frage keine Kirchenspaltung zu provozieren. Daneben sandte er Briefe nach Rom, in denen er um die theologische Klärung einzelner Fälle von Ketzertaufen bat und in der Folge hielt er sich offenbar an die von Stephan verordnete Praxis, „Wiedertaufen“ zu verbieten.

Weitere theologische Streitfragen[Bearbeiten]

Der ägyptische Bischof Nepos predigte chiliastische Lehren, wonach Christus ein tausendjähriges Reich auf Erden errichten werde. Er berief sich dabei auf die Johannesapokalypse, deren apostolische Verfasserschaft Dionysius jedoch in seiner Schrift Perì epaggelion durch kritischen Vergleich mit dem Johannesevangelium bestritt - die Frage der Identität des Autors der Apokalypse ist bis heute umstritten. Vor allem im Bezirk Arsinoe war die Lehre des Nepos weit verbreitet und Dionysius ging persönlich in die dortigen Dörfer, um gegen den Chiliasmus zu predigen, wobei er auch Korakion, der dort die Schriften des Nepos verbreitet hatte, überzeugen konnte. Daneben setze er sich auch mit dem Atomismus des Epikur auseinander, den er in der Schrift Perì phýseos bekämpfte. Später war Dionysius auch in einen Streit mit Sabellianern verwickelt, die in der Christologie monarchianische Positionen vertraten. Dagegen nahm Dionysius eher eine Haltung ein, wie sie später Arius vertrat, indem er feststellte, der Sohn sei im Gegensatz zum Vater poíema, also geschaffen, und von diesem in der Substanz verschieden. Der seit 259 amtierende römische Bischof Dionysius verwarf diese Position seines alexandrinischen Amtskollegen als Irrlehre, während der Geschichtsschreiber Eusebius von Caesarea dem Dionysius von Alexandria Sympathien entgegenbrachte; die orthodox-trinitarische Kirche überging diese Episode meist, die als Streit der beiden Dionysiusse bezeichnet wird.

Valerianische Christenverfolgung[Bearbeiten]

Auf Kaiser Decius war nach der kurzen Herrschaft zweier weiterer Kaiser im Jahr 253 Valerian gefolgt, der im Jahr 257 eine groß angelegte Christenverfolgung in Gang setzte. Erneut musste Dionysius aus seiner Heimatstadt fliehen, doch während Cyprian in Karthago das Martyrium erlitt, blieb Dionysius dieses Schicksal erspart, auch wenn er erst unter Gallienus im Jahr 260 zurückkehren konnte. Alexandria wurde allerdings in der Folge durch bürgerkriegsähnliche Unruhen und durch den erneuten Ausbruch der Pest erschüttert.

Verehrung[Bearbeiten]

Dionysius starb betagt im Jahre 264, im Bischofsamt folgte ihm Maximus. Sein Gedenktag ist der 17. November; wegen eines irrtümlichen Datums, das sich eigentlich auf seine Flucht ins Exil bezog, findet sich zum Teil auch der 3. Oktober.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adolf von Harnack: Sammlung der Briefe des Dionysius von Alexandria, in: Harnack: Die Briefsammlung. des Apostels Paulus und der anderen vorkonstantinischen Briefsammlungen, 1926, S. 62 ff.
  • Philip Sheridan Miller: Studies in Dionysius the Great of Antioch (Diss. Erlangen), 1933
  • Symen Jacob Bouma: Dionysius von Antiochia (Diss. Amsterdam), 1943
  • August Ackermann: Der hl. Dionysius, Bischof und Märtyrer, Freiburg (Schweiz), 1960
  • Ephrem Boularand: Dionysius. d'Antioche et Arius, in: Bulletin de la littérature ecclésiastique 67, Toulouse 1966, S. 161 ff.
  • Wolfgang Bienert: Dionysius von Alexandrien: Zur Frage d. Origenismus im 3. Jh., Berlin, 1978
  • C. Weizsäcker, Adolf Harnack: Dionysius von Alexandrien, d. G.. In: Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RE). 3. Auflage. Band 4, Hinrichs, Leipzig 1898, S. 685–687.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Dionysius von Alexandrien. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1318–1320.
  • Eintrag in der Catholic Encyclopedia
Vorgänger Amt Nachfolger
Heraclas Bischof von Alexandria
248–264
Maximus