Diorit

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Dieser Artikel behandelt das Gestein Diorit. Für den Forschungsreaktor Diorit in Würenlingen in der Schweiz siehe dort.
Handstück eines Diorits
Dioritstatue im Louvre (um 2120 v. Chr.)
Muster des polierten Fürstensteiner Diorits (ca. 15 × 9 cm)
Diorit-Gesteine im QAPF- oder Streckeisendiagramm

Diorit (griech. dihorízein: unterscheiden, disharmonisch) ist ein Tiefengestein („Plutonit“) von dunkler bis schwarzer, seltener auch mittel- bis hellgrauer Färbung. Diorite sind nie farbig. Ihr vulkanisches Pendant ist der Andesit. Diorit steht von der Zusammensetzung her zwischen Granit und Gabbro und ist den Tonaliten ähnlich.

Mineralische Zusammensetzung[Bearbeiten]

Diorit besteht aus einem kristallisch-körnigen Gemenge von

und wenig Chlorit, in Varietäten kann auch Quarz beigefügt sein. Von Quarzdiorit spricht man bei Quarzanteilen von 5 bis 20 %. Übersteigen die Quarzanteile diesen Wert, liegt eine andere Gesteinsart, ein Tonalit, vor. Ferner finden sich in Dioriten als Nebenbestandteile Eisenmineralien, Apatit, Zirkon und Titanit. Ist die Hornblende durch den dunklen Magnesiaglimmer ersetzt, so spricht man vom Glimmerdiorit.

Eine selten vorkommenden Variante des Diorits ist der Kugeldiorit, ein Kugelgestein oder Orbiculit (franz. Diorite orbiculaire) aus konzentrisch aufgebauten Kugelschalen. Die Entstehung solcher silikatischen Orbiculite kann durch die plötzliche Unterkühlung eines überhitzten Magmas erklärt werden. Charakteristisch ist das radiale Kristallwachstum. Die Wachstumsgeschwindigkeit der Kristalle und die Diffusion der Komponenten in der Schmelze bestimmen die Entstehung der teilweise alternierenden Schalen, die durch Teilaufschmelzen und Rekristallisieren anderer Gesteinsteile entstanden sind.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Diorit bildet Gänge und Stöcke im Berg, und zwar meistens in Stufen aus dem Archaikum und dem Paläozoikum. Vorkommen in Europa finden sich in Ruhla, Brotterode, an der Rosstrappe, am Kyffhäuser, im Odenwald, im Bayerischen Wald, im Mühlviertel und im Eisengebirge von Böhmen, in der Normandie und in der Bretagne.

Das antike ägyptische Vorkommen vom Mons Claudianus ist eine Steinbruchslandschaft im Wadi Umm Hussein östlich des Gebel Fatira. Die Abbauaktivitäten sollen in der Zeit von Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) begonnen worden sein. Eine intensive Abbauperiode bestand in der Regierungszeit von Trajan (98–117 n. Chr.) und Hadrian (117–138 n. Chr.).

Kugeldiorit kommt außer um Ajaccio auf Korsika (u. a. Steinbruch südlich von Sainte-Lucie-de-Tallano) auch in Finnland (Ylöjärvi-Pengonpohja in der Nähe von Kuru), Slättemossa bei Järnforsen in Schweden und in Häuslern bei Groß Gerungs im Waldviertel (Niederösterreich) vor.

Anwendungen[Bearbeiten]

Antike Verwendungen für Diorite sind vielseitig nachweisbar. In Rom befinden sich Säulen aus den ägyptischen Steinbrüchen des Wadi Umm Hussein am Caesarforum, Pantheon, Trajantempel, Trajanforum, Palatin, Tempel der Venus und Roma sowie an der Villa Hadriana.

Dunkle Dioritsorten wurden vor allem in den 1950er und 1960er Jahren, heute noch vereinzelt als Material für die Grabmalgestaltung verwendet. Es gibt Verwendungsbeispiele tschechischer Sorten für Brückenverblendungen, Säulen und Fassadengestaltung in Prag.

Die meisten Diorite nehmen eine gute Politur an, aber sind wegen ihren hervorragenden Festigkeitseigenschaften handwerklich schwer zu bearbeiten. Aus diesem Grund sind sie in der Architektur der Neuzeit wenig vertreten. Gelegentlich werden sie für gedrehte Objekte, wie Säulen, Wasserbecken oder Vasen eingesetzt. Kugeldiorite werden von der Andenkenindustrie verarbeitet.

Wegen ihren guten Materialeigenschaften finden Diorite im Straßenbau Anwendung.

Natursteinsorten[Bearbeiten]

Bezeichnung Land Ort Erläuterungen
Marmor claudianum Ägypten im Wadi Umm Hussein / Ostwüste antike Bezeichnung
Travnik Grigio Bosnien-Herzegowina bei Travnik
Itaoca Brasilien Bundesstaat Espirito Santo
Nero Marcos Brasilien Bundesstaat Rio Grande do Sul
Preto Redençao Brasilien Bundesstaat Ceará
Tijuca Brasilien Rio de Janeiro
Fürstensteiner Diorit Deutschland Bayerischer Wald sogenannter Titanfleckendiorit
Grafenstein Deutschland Oberfranken ein Hornblende-Biotit-Dorit
Gronau Deutschland Odenwald Quarz-Gabbrodiorit
Anzola Italien Piemonte
Blazing Black Finnland bei Viitasaari
Kuru Black Finnland bei Kuru
Negro Arronches Portugal Santa Eulalia
Oplotnica Zeleni Slowenien bei Maribor
Negro Burguillos Spanien Provinz Badajoz
Negro Batalla Spanien Provinz Badajoz
Negro Ochavo Spanien Provinz Badajoz
Negro Valencia Spanien Provinz Badajoz
Bubovice Tschechien bei Příbram
Částkov Tschechien Eisengebirge
Hutbergdiorit Tschechien am Kaní hora (Hutberg) westlich von Žulová
Skorošice oder Slezký diorit Tschechien bei Šumperk
Třeboň Tschechien bei Budweis

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Diorit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien