Diphenylamin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Struktur von Diphenylamin
Allgemeines
Name Diphenylamin
Andere Namen
  • N-Phenylanilin
  • N-Phenylaminobenzol
Summenformel C12H11N
CAS-Nummer 122-39-4
PubChem 11487
Kurzbeschreibung

farblose, blättrige, schwach blumig riechende Kristalle[1]

Eigenschaften
Molare Masse 169,23 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,16 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

53 °C[2]

Siedepunkt

302 °C[2]

Dampfdruck

0,33 Pa bei 20 °C [2]

Löslichkeit
  • sehr schlecht in Wasser (40 mg·l−1 bei 20 °C) [2]
  • leicht löslich in Ethanol und Säuren[1]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
06 – Giftig oder sehr giftig 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301​‐​311​‐​331​‐​373​‐​411
P: 273​‐​280​‐​302+352​‐​309​‐​310​‐​501Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
Giftig Umweltgefährlich
Giftig Umwelt-
gefährlich
(T) (N)
R- und S-Sätze R: 23/24/25​‐​33​‐​50/53
S: (1/2)​‐​28​‐​36/37​‐​45​‐​60​‐​61Vorlage:S-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze
Toxikologische Daten

1120 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Diphenylamin oder auch N-Phenylanilin ist eine aromatische organische Verbindung mit der Summenformel C12H11N. Es gehört zur Stoffklasse der sekundären Amine.

Vorkommen[Bearbeiten]

Diphenylamin wurde in frischen Zwiebeln nachgewiesen. Ob diese Substanz genuin in der Pflanze vorkommt oder einen Rückstand aus der Pestizidbehandlung darstellt, ist nicht bekannt. Es gilt auch als Begleitsubstanz des Tees.

Herstellung[Bearbeiten]

Diphenylamin wird technisch durch oxid-katalysierte Desaminierung von Anilin hergestellt.

\mathrm{ 2 \ C_6H_5NH_2 \longrightarrow (C_6H_5)_2NH + NH_3}

Eigenschaften[Bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Diphenylamin bildet farblose bis graue, lichtempfindliche, blättrige Kristalle mit blumigem Geruch.[2]

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Diphenylamin ist ein Redoxindikator. Ein Farbwechsel findet statt zwischen oxidierter Form (blauviolett) und reduzierter Form (farblos).

Thermisch oder photochemisch kann Diphenylamin durch oxidativen intramolekularen Ringschluss zu Carbazol reagieren.

Als aromatisches Amin reagiert Diphenylamin zwar als schwache Base, kann aber auch selbst von starken Basen zum (mesomeriestabilisierten) Diphenylamid-Anion deprotoniert werden.

Verwendung[Bearbeiten]

Diphenylamin wird in der Landwirtschaft als Fungizid eingesetzt.[5] Diphenylamin hemmt die Oxidation des Terpens α-Farnesen.[6] Bei der Bekämpfung der Schalenbräune spielte es eine wichtige Rolle.[7]

Diphenylamin dient zum Nachweis von Nitrit-, Nitrat- und Chlorationen. Dabei wird es zu Tetraphenylhydrazin dimerisiert, das dann eine Benzidin-Umlagerung eingeht und zu einem farbigen chinoiden System (Chinoniminfarbstoff) oxidiert wird.

Diphenylamin (DPA) ist einer der am meisten verwendeten Stabilisatoren für Schießpulver. Seine Aufgabe ist das Abfangen von nitrosen Gasen (NOx) und sauren Bestandteilen. Dabei wandelt es sich in das als Karzinogen verdächtige N-Nitrosodiphenylamin um. DPA ist mit Nitroglycerin (NG) unverträglich. Ab einem Nitroglyceringehalt von 20 % (häufig auch schon darunter) werden andere Stabilisatoren (Centralit, 2-Nitro-DPA oder Akardit) eingesetzt. Auch mit Kaliumnitrat ist DPA nicht verträglich.

Ferner kann es zur Herstellung von Farbstoffen (wie Acid Yellow 36, Acid Yellow 63 und Acid Orange 5) und in Kautschukherstellung als Antioxidans und Vulkanisationsbeschleuniger verwendet werden.[8]

Diphenylamin eignet sich auch zum Stabilisieren von Ethern.

Diphenylamin mit konzentrierter Schwefelsäure in Eisessig (Dische-Reagenz) reagiert mit Desoxyribosen beim Erhitzen zu einem blauen Farbstoff.

Arylierung mit Iodbenzol führt zu Triphenylamin.[9]

Pharmakologische Bedeutung[Bearbeiten]

Diphenylamin wirkt stark blutzuckersenkend.

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Diphenylamin ist giftig beim Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut. Es besteht die Gefahr kumulativer Wirkungen. Bei Kontakt treten lokale Reizungen von Haut, Augen und Atemwegen auf. Die Hautresorption ist gering. Nach Resorption großer Mengen tritt Methämoglobinbildung auf.

Bei Aufnahme in den Körper sind irreversible schwere Gesundheitsschäden bis zur Todesfolge zu erwarten. Deshalb ist jeglicher Kontakt zum menschlichen Körper zu vermeiden.

Diphenylamin darf nicht mit Hexachlormelamin, Trichlormelamin und Oxidationsmitteln in Berührung gebracht werden. Im Brandfall treten gefährliche Zersetzungsprodukte auf wie nitrose Gase und Amine.

Diphenylamin sollte wegen der photochemischen Bildung von Carbazol unter Lichtschutz gelagert werden. Schutzhandschuhe bieten kurzzeitigen Staubschutz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Diphenylamin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 20. März 2014.
  2. a b c d e f g h Eintrag zu CAS-Nr. 122-39-4 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 30. Dezember 2007 (JavaScript erforderlich)
  3. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 122-39-4 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich).
  4. Seit dem 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  5. alanwood
  6.  F. E. Huelin, I. M. Coggiola: Superficial scald, a functional disorder of stored apples. V. – Oxidation of α-farnesene and its inhibition by diphenylamine. In: Journal of the Science of Food and Agriculture. 21, Nr. 1, Januar 1970, S. 44–48, doi:10.1002/jsfa.2740210113 (PDF).
  7. Schalenbräune - Vorbeugung ohne Diphenylamin (DPA)
  8. Datenblatt bei Lanxess
  9. F. D. Hager: Triphenylamine. In: Organic Syntheses, 1928, 8, S. 116, doi:10.15227/orgsyn.008.0116; Coll. Vol. 1 (1941), S. 544 (PDF).

Weblinks[Bearbeiten]