Dipsadinae

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Dipsadinae
Sibon longifrenis

Sibon longifrenis

Systematik
Überordnung: Schuppenechsen (Lepidosauria)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Überfamilie: Nattern- und Vipernartige (Colubroidea)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Dipsadinae
Wissenschaftlicher Name
Dipsadinae
Bonaparte, 1838

Die Dipsadinae sind eine in Nord-, Mittel- und Südamerika vorkommende Unterfamilie kleiner Schlangen aus der Familie der Nattern (Colubridae).

Merkmale[Bearbeiten]

Die zu den Dipsadinae gehörenden Arten sind klein bis mittelgroß und werden 40 bis 120 cm lang. Der Körper ist seitlich meist etwas abgeflacht, so dass die Tiere höher als breit sind. Der große, abgeflachte Kopf sitzt bei vielen Arten keulenartig auf einem sehr schlanken Hals. Die Augen sind groß, stehen hervor und haben elliptische Pupillen. Die beiden Flügelbeine sind extrem kurz und stehen parallel. Die Mentalgrube, eine Grube unterhalb des Kopfes, die zentral zwischen den Kinnschilden und den Gularia liegt, fehlt. Die direkt über der Wirbelsäule liegenden Rückenschuppen sind oft vergrößert, was mit einer geringeren Zahl von Schuppenreihen korreliert. Im Unterschied zu anderen Schlangen ist bei den Dipsadinae nicht die linke, sondern die rechte Lunge reduziert. Dazu kommt bei einigen Gattungen eine Tracheallunge.

Viele Arten der Dipsadinae (Tribus Dipsadini) ernähren sich, ähnlich wie die Schlangen der asiatischen Familie Pareatidae, die früher zu den Dipsadinae gezählt wurden, von Schnecken und werden im deutschen als Schneckennattern bezeichnet. Der Kiefer der Schneckennattern ist darauf spezialisiert die Weichtiere aus ihrem Gehäuse herauszuholen. Dazu führen sie ihren Unterkiefer in das Gehäuse ein und ergreifen mit ihren vorne verlängerten Zähnen mit einer Drehung die Weichteile der Beute und ziehen sie anschließend aus dem Gehäuse. Die Kieferzähne stehen auf den vier zahntragenden, paarigen Kieferknochen in parallelen Reihen und werden von vorne nach hinten immer kleiner. Im Vergleich zu anderen Schlangen hat der Kiefer der Schneckennattern eine geringere Beweglichkeit.

Systematik[Bearbeiten]

Die Dipsadinae gehören als Unterfamilie zur großen Familie der Nattern (Colubridae). Ihre Schwestergruppe und nächste Verwandte sind die Pseudoxenodontinae. Beide zusammen bilden die Schwestergruppe der Wassernattern (Natricinae).[1] Die ursprünglich der Unterfamilie zugeordneten asiatischen Gattungen bilden heute die Familie Pareatidae und stehen dadurch außerhalb der Nattern.[2] Nach Pyron et al. ergibt sich folgende äußere Systematik:[1]

Nattern (Colubridae)


Natricinae


     

Pseudoxenodontinae


     

Dipsadinae




     

Scaphiodontophiinae


     

Calamariinae


     

Grayiinae


     

Eigentliche Nattern (Colubrinae)





Gattungen[Bearbeiten]

Tribus Pseudoboini:[3]

Tribus Dipsadini (Südamerikanische Schneckennattern):[3]

Insgesamt gehören über 700 Arten zu den Dipsadinae.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • K. Deckert, G. Deckert, G. E. Freytag, G. Peters, G. Sterba: Urania Tierreich, Fische, Lurche, Kriechtiere, Urania-Verlag, 1991, ISBN 3-332-00376-3
  • James A. Peters: The Snakes of the Subfamily Dipsadinae. Univ. of Michigan, Ann Arbor, 1960.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  R. Alexander Pyron, Frank T. Burbrink, Guarino R. Colli, Adrian Nieto Montes de Oca, Laurie J. Vitt, Caitlin A. Kuczynski und John J. Wiens: The phylogeny of advanced snakes (Colubroidea), with discovery of a new subfamily and comparison of support methods for likelihood trees. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. 2010, S. 329–342, doi:10.1016/j.ympev.2010.11.006.
  2. Vidal, N., Delmas, A.S., David, P., Cruaud, C., Couloux, A., Hedges, S.B. (2007): The phylogeny and classification of caenophidian snakes inferred from seven nuclear protein-coding genes. Comptes Rendus Biologies 330: 182-187 PDF
  3. a b  Nicolas Vidal, William R. Branch, Olivier S.G. Pauwels, S. Blair Hedges, Donald G. Broadley, Michael Wink, Corinne Cruaud, Ulrich Joger, Zoltán T. Nagy: Dissecting the major African snake radiation: a molecular phylogeny of the Lamprophiidae Fitzinger (Serpentes, Caenophidia). In: Zootaxa. 1945, 2008, ISSN 1175-5326, S. 51–66.
  4. Dipsadinae in The Reptile Database

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dipsadinae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien