Dirk Nockemann

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Dirk Nockemann (* 5. Mai 1958 in Hagen) ist ein deutscher Jurist, Verwaltungsbeamter und Politiker (AfD). Von August 2003 bis März 2004 war er als Mitglied der Partei Rechtsstaatlicher Offensive Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg im Senat von Beust I. Nockemann gehörte mehreren Parteien an; bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2004 war er Spitzenkandidat der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und 2008 der Deutschen Zentrumspartei. Bei der Wahl 2015 kandidierte er auf Listenplatz 3 der AfD und zog in die Hamburgische Bürgerschaft ein.

Leben[Bearbeiten]

Jurastudium und Werdegang in der Verwaltung[Bearbeiten]

Nockemann studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. 1985 und 1989 legte er die juristischen Staatsexamina ab. Danach ließ er sich als Rechtsanwalt nieder.[1]

1991 wurde er Referatsleiter im CDU-geführten Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern. 1993 wurde er Leiter des Landesamts für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten in Schwerin,[2] zuletzt als Leitender Regierungsdirektor.[1]

Nockemann ist seit der Abberufung als Innensenator wieder als Verwaltungsbeamter tätig.[1] So wechselte er nach Aufgabe seiner politischen Ämter in die Behörde für Bildung und Sport, in der er bis heute Leiter der Abteilung für Immobilienangelegenheiten ist.

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

In seiner Jugend war er bei den Jusos[2] und der SPD aktiv.

Im Jahre 2000 schloss er sich der neu gegründeten Partei Rechtsstaatlicher Offensive von Ronald Schill an. 2001 wurde er in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Er wurde einer der beiden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, Schills Büroleiter[2] und Leiter der Präsidialabteilung sowie Leiter des Arbeitskreises Ausländerrecht. Nachdem Schill im August 2003 aus dem Amt des Innensenators entlassen wurde und auf Betreiben von Nockemann und Mario Mettbach die Partei verließ,[3] wurde Nockemann mit 60 von 119 Stimmen sein Nachfolger und blieb es bis März 2004. 2003/04 geriet er wegen seiner hermetischen Abschirmung des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg nach einer Terrordrohung in die Kritik. Bei der vorgezogenen Neuwahl am 29. Februar 2004 war Nockemann Spitzenkandidat der Partei Rechtsstaatlicher Offensive. Da diese jedoch mit 0,4 % den Wiedereinzug in die Bürgerschaft verfehlte[4] trat er am Folgetag aus der Partei aus, um in die CDU[5] zu wechseln.[1] Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Florian Hartleb wirkte Nockemann als Mitglied des Hamburger Senats „durchaus polarisierend“.[3]

Ende 2004 kündigte er an, zusammen mit dem Journalisten Udo Ulfkotte eine neue Partei zu planen.[5] Am 11. April 2006 kündigte Nockemann an, im folgenden Mai gemeinsam mit Norbert Frühauf eine Partei zu gründen, deren Programm „konservativ, sozial und bürgerlich“ ausgerichtet sein werde. Er behauptete, bereits 200 potentielle Mitglieder gesammelt zu haben. Schließlich blieb die Gründung einer neuen Partei jedoch aus, stattdessen wurde unter Führung Nockemanns und des ehemaligen Bundesvorsitzenden der Partei Rechtsstaatlicher Offensive Peter-Alexander von der Marwitz Anfang April 2007 ein Hamburger Landesverband der Deutschen Zentrumspartei gegründet. Zur Bürgerschaftswahl 2008 kandidierte Nockemann auf Platz eins der Zentrums-Landesliste. Er erklärte, das Zentrum sei eine „Partei der Mitte“ und rechnete bei der Bürgerschaftswahl 2008 mit 8 % der Stimmen. Am Wahltag entfielen auf das Zentrum 675 Stimmen (0,1 %).

2013 trat Nockemann der Euro-kritischen Partei Alternative für Deutschland[5] bei und ist dort stellvertretender Sprecher des Hamburger Landesverbands. Bei der Wahl am 25. Mai 2014 wurde er als Spitzenkandidat der AfD in die Bezirksversammlung Bergedorf gewählt.[6] Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2015 wurde Nockemann auf Platz drei der AfD-Landesliste[7] erneut in die Hamburger Bürgerschaft gewählt.

Familie[Bearbeiten]

Nockemann ist seit 1986 verheiratet und Vater eines Sohnes. Er lebt in Hamburg-Bergedorf.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dirk Nockemann, in Internationales Biographisches Archiv 22/2004 vom 29. Mai 2004 (rl) Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 19/2004, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Dirk Nockemann, in Internationales Biographisches Archiv 22/2004 vom 29. Mai 2004 (rl) Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 19/2004, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. a b c Florian Hartleb: Rechts- und Linkspopulismus. Eine Fallstudie anhand von Schill-Partei und PDS. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14281-X, S. 174.
  3. a b Florian Hartleb: Rechts- und Linkspopulismus. Eine Fallstudie anhand von Schill-Partei und PDS. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14281-X, S. 199.
  4. Florian Hartleb: Rechts- und Linkspopulismus. Eine Fallstudie anhand von Schill-Partei und PDS. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14281-X, S. 175.
  5. a b c Christian Endt, Lenz Jacobsen: Sie wollen die Alternative für Deutschland sein. Zeit Online, 18. April 2013, Nr. 16.
  6. Übersicht über die gewählten Mitglieder der Bezirksversammlung Bergedorf beim Statistikamt Nord, abgerufen am 30. Mai 2014.
  7. Alexander Schuller: Hamburger AfD strebt zehn Prozent bei Bürgerschaftswahl an. In: abendblatt.de, 4. Oktober 2014. Abgerufen am 5. Oktober 2014.