Dirty Harry

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dirty Harry (Begriffsklärung) aufgeführt.
Filmdaten
Deutscher Titel Dirty Harry
Originaltitel Dirty Harry
Dirty harry de.svg
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1971
Länge 102 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Don Siegel
Drehbuch Harry Julian Fink,
Rita M. Fink,
Dean Riesner,
John Milius
Produktion Robert Daley,
Carl Pingitore,
Don Siegel für Warner Bros.
Musik Lalo Schifrin
Kamera Bruce Surtees
Schnitt Carl Pingitore
Besetzung

Dirty Harry ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm aus dem Jahre 1971. Der in San Francisco spielende Thriller wurde von Regisseur Don Siegel inszeniert und zählt zu den bekanntesten und einflussreichsten Polizeifilmen. Er zeigt den unkonventionellen, von Clint Eastwood dargestellten, Inspektor Harry Callahan auf der Jagd nach einem psychopathischen Serienmörder.

Handlung[Bearbeiten]

Ein unbekannter Killer tötet vom Dach eines Wolkenkratzers aus ein ahnungsloses Mädchen. Der Täter hinterlässt eine Nachricht, in der er verkündet, jeden Tag einen Menschen zu töten, sollte die Stadt nicht ein Lösegeld von 100.000 Dollar zahlen. Er gibt an, als Nächstes einen „katholischen Priester oder einen Nigger“ zu töten, unterschrieben ist die Nachricht mit Scorpio. Der Bürgermeister beauftragt Inspektor Harry Callahan damit, den Killer schnellstens zu fassen. Callahan, ein zynischer Einzelgänger, ist für seine harten, wenn auch effektiven Ermittlungsmethoden bekannt und hat regelmäßig Ärger mit seinen Vorgesetzten.

Mit seinem jungen Partner Gonzales, der dem widerwilligen Inspektor zwangsweise zugeteilt wird, nimmt Callahan die Ermittlungen auf. Inzwischen gibt die Stadt an, das Lösegeld zahlen zu wollen, um Zeit zu gewinnen. Der Killer lässt sich mit der Antwort, man sei bereit zu zahlen, brauche aber Zeit, um das Geld zusammen zu bekommen, nicht abspeisen und versucht einen schwarzen Jugendlichen zu erschießen. Dabei wird er von der Polizei gestört, er kann aber fliehen. Später erschießt er einen zehnjährigen Schwarzen. Die Polizei vermutet, dass Scorpio als Nächstes einen Priester töten möchte, wie angekündigt, und stellt ihm eine Falle. Nach einer Schießerei mit Callahan entkommt er und tötet dabei einen Polizisten.

Am nächsten Tag entführt Scorpio ein 14-jähriges Mädchen, er vergewaltigt und begräbt es lebendig. Er erhöht seine Lösegeldforderung auf 200.000 Dollar. Bei der aufwändigen Lösegeldübergabe wird der Inspektor von Scorpio, einem jungen Psychopathen in Hippie-Aufmachung, durch die Stadt gehetzt und später brutal misshandelt. Sein Partner Gonzales wird schwer verletzt. Callahan kann Scorpio sein Springmesser ins Bein stoßen, dieser entkommt ohne das Geld. Er flieht in ein nah gelegenes Krankenhaus. Dort erfährt Callahan, wo das Versteck des Killers ist und presst durch Folter den Aufenthaltsort des Mädchens heraus. Das Mädchen kann nur tot geborgen werden, die Obduktion ergibt, dass sie von Scorpio kurz nach ihrer Entführung ermordet wurde.

Scorpio kommt frei, da ihm sein Recht auf einen Anwalt vorenthalten und die Hausdurchsuchung seines Verstecks ohne richterliche Vollmacht durchgeführt wurde, alle Beweise wurden dadurch unbrauchbar (Früchte des vergifteten Baumes). Callahan verfolgt Scorpio, um ihn bei einer kriminellen Handlung zu erwischen. Dieser lässt sich gegen eigene Bezahlung zusammenschlagen und startet eine öffentliche Kampagne gegen Inspektor Callahan, dem Willkür und Brutalität vorgeworfen wird.

Scorpio überfällt ein Spirituosengeschäft und besorgt sich so Geld und eine Waffe. Er entführt einen Schulbus und fordert die 200.000 Dollar und ein Flugzeug. Der Bürgermeister will zahlen und verbietet Callahan, etwas gegen den Killer zu unternehmen. Dieser will Scorpio dennoch stellen und kann den Bus stoppen. Scorpio flieht zu Fuß in einen alten Steinbruch. Dort nimmt er einen Jungen, der an einem See angelt, als Geisel und fordert Callahan auf, seine Waffe wegzulegen. Dieser senkt seine Waffe, hebt sie dann aber noch einmal schnell und schießt dem Killer in die Schulter. Als der Mörder nochmals zu seiner Waffe greift, wird er von Callahan erschossen und fällt ins Wasser. Angewidert wirft der Inspektor seine Polizeimarke in den anliegenden See.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Handlung des Films basiert auf den Ereignissen um den „Zodiac-Killer“, der in den späten 1960er Jahren in San Francisco wahllos Menschen erschoss. Der „Zodiac Killer“ wurde nie gefasst.

Die Filmfigur des Callahan geht auf den echten Zodiac-Ermittler Dave Toschi zurück, der Detective beim SFPD war.

Zunächst sollte Frank Sinatra die Rolle des Harry Callahan spielen.[1] Als Sinatra wegen einer Handverletzung ausschied, waren Steve McQueen, Paul Newman und John Wayne für die Rolle im Gespräch. Schließlich wurde sie von Clint Eastwood übernommen. Die Rolle des Scorpio sollte zunächst von Audie Murphy gespielt werden, der dann aber bei einem Flugzeugabsturz verstarb. Bevor Don Siegel die Regie übernahm, waren auch Irvin Kershner und Sydney Pollack in der engeren Wahl.

Der Film sollte zunächst in Seattle gedreht werden, doch Siegel und Eastwood entschieden sich für San Francisco als Schauplatz. Clint Eastwood führte alle Stunts in dem Film selbst aus, darunter auch den riskanten Sprung von der Brücke auf das Dach des fahrenden Busses.

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Erfolg[Bearbeiten]

Dirty Harry erwies sich weltweit als Hit und wurde zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres 1971. Nachdem Clint Eastwood durch seine Western und Action-Filme bereits sehr populär geworden war, gelang ihm mit diesem Film der Durchbruch zum Hollywood-Superstar.

In der zynischen, illusionslosen Figur des Harry Callahan spiegelte sich der Zeitgeist der Vietnam- und Watergate-Ära wider. Das Misstrauen gegenüber den etablierten Institutionen wurde von Callahan in drastischer Weise artikuliert, indem er die bestehenden Gesetze als „crazy (verrückt)“ bezeichnete. Der Film thematisiert die Problematik des im amerikanischen Strafprozessrecht konsequent gehandhabten Beweisverwertungsverbotes für unrechtmäßig erlangte Beweismittel. Callahan bezeichnet die dahingehenden Gesetze als verrückt, weil sie dazu führen, dass erkannte Mörder unbehelligt bleiben, obwohl die identifizierte Tatwaffe bei ihnen gefunden wurde.

Doch während in den New-Hollywood-Filmen derselben Zeit die Gesellschaft aus einer linken Perspektive kritisiert wurde, vertrat Callahan in der Rolle des überlebensgroßen Revolvermannes eher konservative Ideale. Callahan „löste“ die Probleme mit seinem riesigen Revolver (ein Smith & Wesson Mod. 29 im Kaliber .44 Magnum) – „Die bläst einem den Kopf weg“; „Das ist eine .44-er Magnum, die stärkste Handfeuerwaffe der Welt.” (Callahan); „Wir drei… Smith, Wesson und ich.” (Dirty Harry kommt zurück).

In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass der Skorpion-Killer ein Hippie ist und der Film in der Flower-Power-Metropole San Francisco spielt. Die naheliegende Deutung ist, dass Dirty Harry auch ein – in bürgerlichen Kreisen – weit verbreitetes Unbehagen gegenüber der Gegenkultur der 1960er Jahre ausdrückt. Immer wieder gibt es im Film auch abfällige Bemerkungen zur Homosexualität.

Dirty Harry wurde kontrovers diskutiert und zum Beispiel von der einflussreichen Filmkritikerin Pauline Kael scharf angegriffen, da er ihrer Ansicht nach Selbstjustiz propagierte. Clint Eastwood wies diese Deutung zurück und ließ für die Fortsetzung Dirty Harry II – Calahan (1973) eine Handlung entwerfen, mit der er die Kritik an Dirty Harry entkräften wollte: Callahan bekämpft hier eine Gruppe von Polizisten, die Lynchjustiz praktizieren.

Die widersprüchliche Figur des Inspektors Callahan war für viele Zuschauerschichten attraktiv und wurde im Lauf der Jahre zu einem Kultcharakter des amerikanischen Kinos.

Der harte, zynische Grundton von Dirty Harry prägte den internationalen Kriminal- und Polizeifilm der 1970er Jahre. Einflüsse sind zum Beispiel in dem sehr erfolgreichen Selbstjustiz-Film Ein Mann sieht rot (1974) mit Charles Bronson oder in dem französischen Thriller Angst über der Stadt (1974) mit Jean-Paul Belmondo zu erkennen.

In jedem Dirty-Harry-Film wird während der ersten fünf Minuten eine Person ermordet. In jedem Film verhindert Callahan einen Raubüberfall.

Der bekannte Einzeiler „Go ahead, make my day!“ (in der deutschen Fassung „Na los doch, make my day!“, in etwa „Na los doch, versüß mir den Tag!“), mit dem Callahan seine Widersacher zu einer unüberlegten Aktion provozieren will und seine Verachtung für sie ausdrückt, wurde erst 1983 in Dirty Harry IV – Dirty Harry kommt zurück gesprochen. Ursprünglich stammt dieser Satz aus dem Film Vice Squad, der ein Jahr vorher gedreht wurde und in dem der Schauspieler Gary Swanson diese Worte spricht.

Die letzte Szene des Films nimmt auf das Ende von Fred Zinnemanns Western Zwölf Uhr mittags Bezug.

Der Begriff Dirty Harry findet auch im allgemeinen Sprachgebrauch Verwendung für die scheinbar effiziente Methode von Polizei oder Geheimdiensten, mittels Folter an Informationen zu gelangen.[2]

Fortsetzungen[Bearbeiten]

Die Popularität der Dirty-Harry-Figur war in den 1970er und 1980er Jahren so groß, dass bis 1988 vier Fortsetzungen produziert wurden. Nach allgemeinem Tenor erreichte keine die Qualität des Originalfilms.

Kritiken[Bearbeiten]

„[…] ein sehr stilisierter Film […], mit Bildern von einer Schönheit, die in merkwürdigem Kontrast zur Handlung steht.“

Georg Seeßlen[3]

„Thriller, perfekt in Schnitt und Kameratechnik, atmosphärisch dicht in seiner Milieuzeichnung, doch andererseits auch äußerst fragwürdig, was die Methoden der Verbrechensbekämpfung und den Aspekt der Selbstjustiz anbelangt.“

TV Spielfilm Filmlexikon[4]

„Dirty Harry ist, bei hohen formalen Qualitäten, einer der härtesten und zwiespältigsten Filme, den das amerikanische Actionkino der 70er Jahre hervorgebracht hat. Don Siegel sieht die Welt häßlich, brutal, ohne Menschlichkeit, doch ist seine Verbitterung ohne eine moralische Dimension wohl nicht denkbar: Sein Zynismus macht ihm keinen Spaß.“

Lexikon des internationalen Films[5]

„Erst durch die lakonische Verkörperung des Anti-Helden „Dirty Harry“, der den Großstadtdschungel wie ein Jäger durchstreift, wurde Eastwood auch in den USA ein Star. Seinen Erfolg verdankt der Film nicht nur ihm: Die schnörkellose Regie Don Siegels und das sarkastische Skript sind ebenso stark.“

Cinema[6]

Deutsche Bearbeitung[Bearbeiten]

In diesem ersten Dirty Harry-Film war der Schauspieler Rolf Schult die deutsche Stimme von Clint Eastwood. Ab dem zweiten Film übernahm Klaus Kindler, der allgemein als der deutsche Stammsprecher Eastwoods angesehen wurde, diesen Part.

Weiterverwertung[Bearbeiten]

Die DVD des Films erschien im Dezember 2001. Sie beinhaltet unter anderem ein halbstündiges Making-of des Films. Ebenfalls 2001 erschien eine Dirty Harry Edition, die alle 5 Filme der Reihe enthielt. Im Juni 2008 erscheint eine neue Dirty Harry Collection, die neben verbesserten Bild auch mehr Extras enthalten soll.

2005 erschien von Williams Electronics Games ein Flipper zu den Filmen von Dirty Harry.[7]

1990 brachte Publisher Mindscape ein Videospiel basierend auf Dirty Harry für das Nintendo Entertainment System heraus, entwickelt wurde es von Gray Matter. Das Spiel wurde überwiegend negativ bewertet.[8]

2008 sollte ein Dirty-Harry-Videospiel erscheinen, in dem Dirty Harry von Clint Eastwood selbst synchronisiert werden sollte. Das Projekt wurde abgebrochen. Eine Veröffentlichung in den nächsten Jahren ist nicht zu erwarten.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Arnold: Dirty Harry: Don Siegel und seine Filme. Vertigo Verlag, München 2003, ISBN 3-934028-05-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cinema: Hintergrundartikel Voll von der Rolle: Hollywoods Besetzungskarussel Ausgabe 02/11, S. 80.
  2. Andrian Kreye: Dirty Harry im Weißen Haus. In: sueddeutsche.de. 8. Mai 2011, abgerufen am 8. Mai 2011.
  3. Georg Seeßlen: Mord im Kino : Geschichte und Mythologie des Detektiv-Films / Filmografie: Georg Seeßlen: Bibliografie: Jürgen Berger. Rowohlt, Reinbek 1981 (Grundlagen des populären Films, 8. Rororo Sachbuch; 7396) , ISBN 3-499-17396-4, S. 269.
  4. Das große TV Spielfilm Filmlexikon. Digitale-Bibliothek-Sonderband (CD-ROM-Ausgabe). Directmedia, Berlin 2006, ISBN 3-89853-036-1, S. 2865.
  5. Dirty Harry im Lexikon des Internationalen Films
  6. Cinema.de: Filmkritik
  7. http://www.ipdb.org/search.pl?any=dirty+harry&search=Search+Database&searchtype=quick
  8. http://voices.yahoo.com/retro-video-game-review-dirty-harry-nes-10829121.html
  9. http://uk.gamespot.com/ps3/action/dirtyharryworkingtitle/news.html?sid=6166620&om_act=convert&om_clk=newlyadded