Dismas

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Dismas, hier zur Rechten Jesu, bei der Heilig-Kreuz-Kirche (Abtei) in Südtirol

Dismas (auch Dysmas, Dimas oder seit dem Mittelalter Dumachus; † um 30 in Jerusalem) ist in der christlichen Tradition der Name des mit Jesus gekreuzigten „guten“ Verbrechers oder Schächers, der nach dem Lukasevangelium am Kreuz Reue gezeigt hat, wofür ihm Jesus das Paradies versprochen hat (Lk 23,39ff EU). Der Name des linken Schächers, der Jesus noch am Kreuz verspottet hat, ist laut dem apokryphen Nikodemusevangelium Gestas.

Der Name Dismas ist möglicherweise eine Ableitung vom Altgriechischen ἡ δυσμή, d.i. der Untergang, der Sonnenuntergang, im übertragenen Sinn das Lebensende.

Geschichte[Bearbeiten]

Hinweis auf eine alte Dismas-Verehrung der Fuhrleute in Landsberg am Lech
Figur des Dismas am Grazer Kalvarienberg

Die Namen der beiden mit Jesus hingerichteten Verbrecher werden in den Evangelien nicht genannt. Johannes erwähnt die Geschichte der beiden Schächer überhaupt nicht, während bei Matthäus (Mt 27,44 EU) und Markus (Mk 15,32 EU) beide Diebe Jesus verspotten. Die Geschichte vom 'guten' Schächer Dismas wird nur im Lukasevangelium (Lk 23,39-43 EU) erzählt; während Gestas Jesus am Kreuz verhöhnt, bittet Dismas Jesus um Beistand, wofür Jesus ihm verspricht, dass er mit ihm im Paradies sein werde.

Der Namen der beiden Schächer findet sich zum ersten Mal in der Acta Pilati 9,4 aus dem 4. Jhd. nach Christus. Hier werden sie Dusmas und Gestas genannt. Nach dieser apokryphen Erzählung soll der Erzengel Michael den Dismas mitsamt seinem Kreuz im Paradies empfangen haben, vermutlich deshalb ist das Attribut des Dismas seit der alten Kirche der Kreuzstab oder das 'Schächerkreuz'.

Im arabischen Kindheitsevangelium aus dem 6. Jahrhundert ist er der Räuber, der Josef und Maria auf der Flucht nach Ägypten in sein Haus aufgenommen haben soll. Deshalb soll ihm bei der Hinrichtung die Gnade der vollkommenen Reue zuteilgeworden sein. Sein Kreuz soll nach Zypern gelangt sein, wo Dismas besonders verehrt wird.

Theologische Bedeutung[Bearbeiten]

Dismas wurde nie offiziell kanonisiert, obwohl er seit der alten Kirche wie ein Heiliger verehrt und auch tituliert wurde.

Dismas wird in den Ostkirchen oft auf Ikonen geschrieben; da er bei der Kreuzigung der Schächer auf der rechten Seite Jesu war, wird bei Kreuzigungsikonen der Kopf Jesu nach rechts geneigt geschrieben, womit die Annahme des Sünders durch seine vollkommene Reue symbolisiert wird. Auf mittelalterlichen Gemälden erscheint teilweise ein Engel, der seine gerettete Seele ins Paradies führt. Bei einem bestimmten Typus von Auferstehungsikone führt Dismas mit seinem Schächerkreuz die alttestamentlichen Heiligen an und klopft als erster an der Tür des Paradieses.

In der Göttliche Liturgie des Johannes Chrysostomos wird sein Ausspruch "Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst" vor der Austeilung der Kommunion dreimal vom Priester gesprochen.

In der westlichen Kirche wird Dismas seit dem Mittelalter besonders von den Orden aus der franziskanischen Familie verehrt, heute etwa noch in der Kapuziner-Einsiedelei Sansepolcro in Mittelitalien.

Katholischer Gedenktag ist der 25. März, orthodoxer der 23. März.

Schutzpatronate[Bearbeiten]

Dismas ist Schutzpatron der italienischen Stadt Gallipoli in Apulien. Dismas gilt als Patron der zum Tode Verurteilten, Gefangenen und Totengräber. Aus diesem Grund wurden am Fuße von Galgenbergen teilweise Dismasstatuen aufgestellt, an denen der Verurteilte vor der Exekution ein letztes Gebet sprechen konnte.

Dismaskirchen:

  • Mariatroster Kapelle am Grazer Kalvarienberg
  • Kościół więzienny p.w. św. Dyzmy Dobrego łotra (Gefängnis-des-Dismas-Kirche) in Barczewo

Bekannte Namensträger[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dismas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien