Dissonanz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Dissonanz in der Musik. Für andere Bedeutungen siehe Dissonanz (Begriffsklärung)

Der Begriff Dissonanz (von lateinisch: dis = „unterschiedlich, auseinander“ und sonare = „klingen“) ist in der Musik die Bezeichnung für Intervalle und Akkorde, die in der traditionellen Musik als „auflösungsbedürftig“ empfunden werden.

Besonders solche Intervalle sind dissonant, deren Frequenzen „komplizierte“ Zahlenverhältnisse haben, etwa die große Septime (15:8), die kleine None (32:15) und die kleine Sekunde (16:15). Eine weitere starke Dissonanz ist der Tritonus.

Dissonanzwahrnehmung[Bearbeiten]

Im Laufe der Geschichte veränderte sich die Klassifizierung eines Intervalls als Dissonanz bzw. Konsonanz. Galt die Quarte in der frühen Mehrstimmigkeit noch als ausgesprochene Konsonanz (siehe Quartorganum), wird sie in der kontrapunktischen Satztechnik eindeutig als Dissonanz (Auffassungsdissonanz) behandelt (meist als Quartvorhalt). Auch die Auflösungsbedürftigkeit des Quartsextakkords verweist auf diese Sonderstellung. Andersherum die große Septime: Ihre charakteristische Reibung gehört im Jazz zur konsonant gehörten Kategorie, die nicht nach Auflösung verlangt (allerdings nur deshalb, weil sie durch Terzschichtung in einem Akkord entsteht und so einen Farbklang erzeugt). Deshalb müsste man richtiger Weise auch im Jazz bei der großen Septime von einer Dissonanz sprechen. Dass ein Intervall nicht als Dissonanz gehört wird, heißt nicht, dass es keine Dissonanz ist, sondern die Wahrnehmung der Dissonanz hat sich verändert. So müssen im Jazz Dissonanzen nicht mehr aufgelöst werden. Sie gehören als Farbklänge zur akkordischen Klangwelt des Jazz. Die abendländische Musikgeschichte zeigt über die Jahrhunderte hinweg die Tendenz, Dissonanzen immer stärker zur Geltung kommen zu lassen. Als ein Paradigma dieser Entwicklung gilt die Harmonik in Wagners Tristan, die Anhäufung von Dissonanzen ohne Auflösung lässt sich aber schon früher bei den meisten Romantikern nachweisen (vgl. etwa Chopins e-moll-Prélude op. 28,4). Vollends der klassischen Moderne, zumal der Atonalität Schönbergs und seiner Schüler gelingt die „Emanzipation der Dissonanz“.

Dissonanzbehandlung[Bearbeiten]

Im tonalen Kontext werden Dissonanzen über Kadenzen aufgelöst (siehe charakteristische Dissonanz).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Dissonanz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Siehe auch[Bearbeiten]