Ditfurt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ditfurt
Ditfurt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ditfurt hervorgehoben
51.83111111111111.202777777778125Koordinaten: 51° 50′ N, 11° 12′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Harz
Verbandsgemeinde: Vorharz
Höhe: 125 m ü. NHN
Fläche: 23,72 km²
Einwohner: 1565 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06484
Vorwahl: 03946
Kfz-Kennzeichen: HZ, HBS, QLB, WR
Gemeindeschlüssel: 15 0 85 090
Adresse der Verbandsverwaltung: Markt 7
38828 Wegeleben
Bürgermeisterin: Rena Jüngst
Lage der Gemeinde Ditfurt im Landkreis Harz
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Über dieses Bild
Bauernhof „Spieker“
Wassermühle
Der „Kantorberg“
Restaurant „Schützenhaus“
Heimatmuseum (im Hintergrund der Kirchturm von St. Bonifatius)

Ditfurt ist eine Gemeinde im Nordosten des Landkreises Harz im Tal der Bode und gehört zur Verbandsgemeinde Vorharz. Es liegt etwa sieben Kilometer nordöstlich von Quedlinburg.

Der Ort wird bereits um 800 in Aufzeichnungen des Klosters Fulda erwähnt.

974 wurde das Haufendorf Ditfurt als Deotfurdum erstmals urkundlich erwähnt, und nachher Dhietvorden (1148), Ditvorde (1288) und Ditforde (1458).

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die Ursprünge Ditfurts gehen bis in die Zeit Karls des Großen (Regierungszeit: 768 bis 814) zurück. Nachdem Karl der Große die Sachsen in den Sachsenkriegen bis an die Saale und Elbe besiegt hatte, ließ er um 800 im Vorharzland eine befestigte Heerstraße bauen – der heute noch sogenannte „Heerweg“. Sein Sohn, Ludwig der Fromme, baute 820 eine kaiserliche Residenzburg an der Stelle, wo heute das Ditfurter Vorwerk steht. Diese Burg bestand unter anderem aus einem hölzernen Wachhaus (das heutige Rathaus) und war von einer Mauer und Graben umgeben. Die letzten Spuren dieser Befestigungsanlagen lassen sich auch noch am Hohlweg und der Salzrinnenstraße finden. Im Schutz der Burg begann dann auch die Besiedelung des Ortes. Nach der Zeit Ludwigs des Frommen wurde ein Proviantmagazin, der sogenannte „Spieker“ (altdeutsch für Speicher), gebaut, in welchem zur Versorgung der Besatzung der dritte Teil der im Umland eingefahrenen Ernte gelagert wurde.

Die Besatzung der Befestigungsanlage wurde auch zur Beobachtung der Heerstraße und auf den umliegenden Warten eingesetzt. Drei Warten sind aus dieser Zeit bekannt: die Ihlenstedter Warte am Heerweg über der Bode, die Heidberg-Warte auf dem Heidberg und die Warte auf dem heutigen Kirchberg.

Heinrich I ließ um 930 ein Zollhaus errichten (der ehemalige Gasthof „Zum Deutschen Hause“ im Volksmund "Tolle"), welches auch als Herberge für Reisende diente. 1333 wurde die Burg zum Vorwerk umgebaut. Vom 10. Jahrhundert bis 1479 wurden auf dem Hösekinberg (östlich von Ditfurt) Gerichte, Landtage und Volksversammlungen abgehalten. In der Bode-Niederung fand zu diesen Anlässen auch ein bedeutender Markt statt, welcher mindestens eine Woche dauerte. In späterer Zeit verlagerte sich dieser Markt in die Neustadt von Quedlinburg.

Ditfurt zur Zeit der DDR[Bearbeiten]

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war Ditfurt (im Gebiet der sowjetischen Besatzungszone) ein von Landwirtschaft geprägtes Dorf. Mit der Bodenreform und der darauf folgenden Kollektivierung der Landwirtschaft mussten die Bauern ihr Land in die neu gegründeten Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs) einbringen. Bis zum Ende der DDR existierten zwei LPGs: die LPG(T) für Tierhaltung und die LPG(P) für Pflanzenproduktion.

Des Weiteren gab es ein „Fischkombinat“, das Fischkonserven verarbeitete.

Von Mitte der 1970er bis zum Jahr 1998 wurde südlich von Ditfurt Kies abgebaut. Es entstand ein See mit einer Größe von etwa 20 ha.

In der Nähe von Ditfurt befanden sich, neben dem Saatzucht-Versuchsgut, eine Kaserne der Sowjetarmee und ein 'funktechnischer Posten'[2] mit einer P-14-Radaranlage zur Luftraumaufklärung. An der Stelle der Radarantenne stehen heute zwei Windräder.

Entwicklung ab Ende des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Mitte der 1990er Jahre war Ditfurt in der Verwaltungsgemeinschaft Bode-Selke-Aue, die anschließend sich zur Verwaltungsgemeinschaft Ballenstedt/Bode-Selke-Aue vergrößerte. Durch die Gemeindegebietsreform in Sachsen-Anhalt schloss sich Ditfurt zum 1. Januar 2010 der neugegründeten Verbandsgemeinde Vorharz an.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung
Stand Zahl Quelle
31. Dezember 2002 1907 [3]
31. Dezember 2005 1817 [4]
31. Dezember 2006 1803 [5]
31. Dezember 2007 1764 [6]

Zum 31. Dezember 2008[7] sah die Einwohnerstruktur wie folgt aus: 11,1 % aller Einwohner waren unter 16 Jahren, 1,7 % zwischen 16–18, 8,1 % 18–25, 10,0 % im Bereich 25–35, 15,9 % 35–45, 24,7 % im Alter 45–60 und 28,6 % über 60 Jahre. Damit waren insgesamt 1003 Einwohner (entspricht 58,7 %) im Altersbereich 18–60 Jahren.

Herkunft des Ortsnamens[Bearbeiten]

Zur Entstehung des Ortsnamens gibt es eine alte Sage:

Der Teufel und der Herrgott hatten einen Pakt geschlossen. Der Teufel solle über die Berge und Gott über das flache Land herrschen. Als es sich der Teufel genau bedachte, meinte er: „Die Harzberge sind zwar sehr schön, aber es gibt leider nur sehr wenig Menschen und Dörfer dort.“ Also zog er eines Nachts los und sammelte auf dem flachen Land viele Dörfer in einen großen Sack. Als nun die Sonne aufging, war der Sack voll und der Teufel machte sich auf den Weg nach Hause.

Ganz unten in seinem Sack lag ein Dorf, dessen Kirche einen so spitzen Turm hatte, dass diese Spitze ein Loch in den Sack riss und das Dorf gerade am Ufer der Bode aus dem Sack purzelte. Der Teufel sah, dass ein Dorf aus seinem Sack gefallen war. Da es aber schon hell wurde und er nicht bei seinem Treiben gesehen werden wollte, sagte er nur: „Dit's furt“ und lief schnell weiter.

Durch den Ausruf des Teufels bekam Ditfurt den Namen, den es heute noch trägt.

→ Zur Herkunft der volkstümlichen Bezeichnung der Ditfurter als „Geelbein“ siehe Geelbein, Sage

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 entfielen alle 12 Sitze des Gemeinderats auf Vertreter von Wählergruppen, die vom Statistischen Landesamt aber nicht näher genannt werden.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die letzte Bürgermeisterin war Rena Jüngst, welche nach ihrer ersten Wahl am 19. Mai 1996 am 27. April 2003 in ihrem Ehrenamt bestätigt wurde. Vorher war seit der Wahl vom 12. Juni 1994 Michael Wölfer der Bürgermeister.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 14. Juni 2001 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „Im blauen Schild mit goldenem Innenbord zwei schräggekreuzte silberne Vorlegemesser mit dreimal schwarz genagelten goldenen Griffen.“

Die im Wappen dargestellten gekreuzten Kredenzmesser sind ohne Zweifel mit den Wappenzeichen der Äbtissin Anna II., Gräfin zu Stolberg-Wernigerode identisch. Zu diesem Thema erschien 1921 im Heimatborn (Beilage zum „Quedlinburger Kreisblatt“) folgende Veröffentlichung:

„… Da der Rat, als er jüngstens den Schoß (=Steuer) erleget, und deshalb es notwendig sei, je nach der Zeit auch Briefwerk zu verschicken, zum Siegeln der Briefe aber kein eigenes Insiegel besitze, gebeten habe, die Äbtissin möchte dem Rat nach ihrem Gefallen ein Insiegel oder Wappen geben, der Rat sich als Stifts-Untertanen bekenne und die Verleihung eines Siegels oder Wappens ein Tun ist, das ewig werden soll, so wird die Äbtissin schon das richtige finden, was sie dem Rate geben will und was ihm gebührt. Im Falle der Rat nun solches erhielte, wollte er, das Insiegel diesen Jahrmarkt graben (gravieren) lassen. …“ Die Gemeinde beruft sich auf die Darstellung der gekreuzten Messer im Wappenschild von 1710 über der Eingangstür des ehemaligen Amtes in Ditfurt und der Darstellung des Ditfurter Wappens im Band II, Deutsche Ortswappen (Preußen) von Otto Hupp (1925). Hier wird das Wappen in Blau zwei schräggekreuzten silbernen Vorlegemessern mit goldenen Griffen blasoniert.

Die Messer sind auf das Damenstift Quedlinburg zurückzuführen. Um 1541 wurde dem Dorf Ditfurt das Recht zur Verwendung dieses Wappens durch die Äbtissin erteilt.

Die Farben der Gemeinde sind Blau - Gold (Gelb).

Das Wappen wurde vom Niederorscheler Karl Heinz Fritze gestaltet.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge ist Blau - Gelb - Blau (1:2:1) gestreift mit dem aufgelegten Wappen der Gemeinde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Im Ditfurter Heimatmuseum sind bäuerlich-handwerkliche und dörfliche Kulturgüter zu sehen. In weiteren Abteilungen sind Archäologie und die Geschichte der Landwirtschaft in der Region dargestellt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kiessee
  • Ditfurter Wassermühle
  • Kriegerdenkmal für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Ditfurt
  • Grabstätten auf dem Ortsfriedhof für einen unbekannten Ungarn und einen namentlich bekannten Jugoslawen, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden
  • Sankt-Bonifatius-Kirche
  • freistehendes Fachwerk-Rathaus des Fleckens Ditfurt, dat. 1534, mit spätgotischen Heiligenfiguren, Arrestanbau

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Mit dem Ortsnamen ist das Adelsgeschlecht von Ditfurth verbunden.
  • Heinrich Mette (* 1735 Ditfurt; † 1806 Quedlinburg), Gärtner, Unternehmer und Mitbegründer der Saatzuchtwirtschaft in Quedlinburg.
  • Max Schewe (1896-1951), Maler und Graphiker

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe des Ortes (zwischen Quedlinburg und Ditfurt) gibt es eine Auffahrt (Quedlinburg Ost / L66) zur neu entstandenen Bundesstraße 6n. Ditfurt besitzt mit der Bahnstrecke Halberstadt-Quedlinburg-Thale Anschluss an das Eisenbahnnetz. Durch eine Buslinie der Harzer Verkehrsbetriebe ist Ditfurt mit der Stadt Quedlinburg verbunden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Brecht: Das Gebiet des vormaligen Reichsstifts Quedlinburg mit Angabe der Wüstungen, des Landgrabens u. der wichtigsten Flurnamen, Karte, Quedlinburg 1885²
  • Friedrich Schrienert: Ditfurter Chronik, Selbstverlag des Verfassers, Ditfurt 1904
  • Peter Stephan: Ditfurt. Demographie und Sozialgeschichte einer Landgemeinde nördlich des Harzes über 400 Jahre, in: Harz-Forschungen, Bd. 17, Wernigerode u. Berlin 2002
  • Bernd Feicke: Zwei Aktenstücke des Reichstiftes Quedlinburg aus dem 18. Jahrhundert, in: Harz-Zeitschrift 54/55 (2002/2003) 2004, S. 187-200, bes. S. 191-194, 197-199 (Abb. Mündigkeitserklärung 1801 für G. H. Bollmann durch die Quedlinburger Äbtissin Sophia Albertina)
  • Falko Grubitzsch u. a.: Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Bd. 7.2 - Landkreis Quedlinburg, Halle / Petersberg 2007, Art. Ditfurt, S. 94-109.
  • Bernd Feicke: Stadtgeschichte und der Schmuck historischer Rathäuser am Harz als Symbol stadtherrlicher Macht und städtischer Rechte …, in: Harz-Forschungen, Bd. 23, Berlin u. Wernigerode 2007, S. 227-277, bes. 247, 259 (Abb.)
  • Hans Blath, Ernst Kiehl: Ditfurt - Königshof, Amtshof, Heimatmuseum, in: Quedlinburger Annalen, Jg. 11 (2008), S. 67-78
  • Karl Schirwitz: Zwei Großgräber aus dem Harzvorland; Der „Kreienkopp“ bei Ditfurt, Zeitschrift des Harz- Vereins für

Geschicht und Altertumskunde, Jg. 68 (1935), Wernigerode, Selbstverlag des Vereins

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2013 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Kalter Krieg im Harzer Land
  3. Artikel Ditfurt in der Version vom 2. September 2004
  4. Artikel Ditfurt in der Version vom 24. April 2007
  5. Artikel Ditfurt in der Version vom 21. Juni 2007
  6. Artikel Ditfurt in der Version vom 6. August 2008
  7. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Ditfurt, Stand: 1. September 2009, abgerufen am 4. Februar 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ditfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien