Diversitas

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Diversitas ist ein internationales Programm, das zum Ziel hat, die Erforschung der biologischen Vielfalt (Biodiversität) und menschliches Wohlergehen zu verflechten.

Das Internationale Sekretariat befindet sich in Paris. Es wird beherbergt vom Französischen National-Museum für Naturkunde - Muséum National d'Histoire Naturelle (MNHN), während die Büros der Kernprojekte in verschiedenen Ländern beheimatet sind.

Diversitas Leitbild[1][Bearbeiten]

Biologische Vielfalt (Biodiversität) ist die Grundlage des lebenserhaltenden Systems unseres Planeten. Sowohl natürliche als auch vom Menschen genutzte Ökosysteme liefern wichtige Ökosystemdienstleistungen, wie Nahrungs- und Faserherstellung, Speicherung von Kohlenstoff, Klimaregulation und Erholungsmöglichkeiten.

Diversitas (lateinisch für “Verschiedenheit”) wurde gegründet, sich den komplexen wissenschaftlichen Fragen zu widmen, die durch den Verlust an biologischer Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen aufgeworfen werden, und wissenschaftlich begründete Lösungen zu dieser Krise aufzuzeigen.

Diversitas ist ein internationales Programm mit einer zweifachen Mission:

  • Förderung, Unterstützung und Durchführung integrativer Biodiversitätsforschung, die biologische, ökologische und sozialwissenschaftliche Fachrichtungen verbindet
  • Bereitstellung einer soliden wissenschaftlichen Grundlage für (politische) Entscheidungsfindung, welche die Erhaltung der Vielfalt des Lebens auf der Erde sicherstellt, und gleichzeitig zu menschlichem Wohlergehen und Abbau der Armut beiträgt.

Die Ziele sollen erreicht werden durch:

  • Pflege eines ganzheitlichen Netzwerks renommierter Biodiversitätsforscher, das sich den Hauptproblemen der Biodiversitätswissenschaft widmet;
  • Gewinnung neuer Erkenntnisse durch den Austausch zwischen Wissenschaftlern über Nationen- und Fachgebietsgrenzen hinweg;
  • Zusammenführung der neuesten Erkenntnisse in der Biodiversitätsforschung zur Bewältigung globaler wissenschaftlicher Schwerpunkte;
  • Gewährleistung / Sicherstellung eines wirksamen Engagements der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft mit Politikern und Entscheidungsträgern, vor allem mit den einschlägigen internationalen Übereinkommen.
  • Aufbau der Biodiversitätsforschungs-Kompetenz durch die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern weltweit.

Historische Entwicklung von Diversitas [1][Bearbeiten]

Phase 1 (1991–2001): Biodiversität findet weltweit mehr Beachtung[Bearbeiten]

Diversitas wurde 1991 von drei internationalen Organisationen gegründet: Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO),[2] SCOPE (Scientific Committee on Problems of the Environment) und IUBS (International Union of Biological Science). [3] Zu dieser Zeit wurde die Notwendigkeit ersichtlich, sich komplexen wissenschaftlichen Fragestellungen zu widmen, die aufgrund von Verlust und Veränderung von globaler Biodiversität aufgeworfen wurden. Ziel der Initiative war es, ein internationales, nichtstaatliches Dachprogramm für Forschungsprojekte zu entwickeln.

Im Jahr 1996 konnten zwei neue Sponsoren, ICSU (International Council for Science) [4] und IUMS (International Union of Microbiological Societies) gewonnen werden.

Die in der ersten Dekade gewonnen Haupterkenntnisse wurden in einer Reihe von Büchern zusammengefasst. Diese bildeten die Grundlage für weitere, experimentelle und theoretische Forschung, durchgeführt zusammen mit dem International Geosphere-Biosphere Programme (IGBP). [5] Ebenso trugen die erzielten Forschungsergebnisse zum Global Biodiversity Assessment bei, einer Initiative des World Resources Institute (WRI), sowie zur Arbeit der Biodiversitäts-Konvention (Übereinkommen über die biologische Vielfalt, engl. Convention on Biological Diversity, CBD). Mit der CBD hat Diversitas eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit.[6]

Phase 2 (2002–2011): Ein internationales Rahmenwerk für die Biodiversitätswissenschaften[Bearbeiten]

2001 konsultierte Diversitas alle Stakeholder weltweit ob der Notwendigkeit, eine zweite Phase des Programmes einzuleiten. Die Ergebnisse der Konsultation sprachen zugunsten einer zweiten Phase, die integrativer, interdisziplinär und politik-relevanter werden sollte.

Der neue Diversitas Forschungsplan wurde 2002 veröffentlicht.[7] Um diesen umzusetzen, wurden neun Projekte ins Leben gerufen, die einen Kreis von Entdeckung, Beobachtung, Analyse und Informationsaustausch in Bezug auf übergreifende wissenschaftliche Fragen zur Artenvielfalt und damit zusammenhängenden Ökosystemdienstleistungen umfassen:

  • Global Invasive Species Programme (GISP) [8] – Ziel des Projekt sind die Verhinderung der Ausbreitung und das Management invasiver Arten
  • Global Mountain Biodiversity Assessment (GMBA) [9] – Ziel des Projekt sind die Erforschung und Vertiefung der Kenntnisse über montane Biodiversität
  • bioGENESIS [10] – Ziel des Projekt ist die Entwicklung eines evolutions-wissenschaftlichen Rahmens für die Biodiversitätswissenschaften
  • bioDISCOVERY [11] – Ziel des Projekts sind die Abschätzung, Beobachtung und Vorhersage in Änderungen der biologischen Vielfalt
  • ecoSERVICES [12] – Ziel des Projektes ist der Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität, Ökosystemfunktion und Ökosystemdienstleistungen
  • bioSUSTAINABILITY [13] – Ziel des Projekts ist die Entwicklung von adaptive Governance und Managementrichtlininen für die Nutzung von Ökosystemdienstleistungen
  • agroBIODIVERSITY [14] – Ziel des Projekts ist die Erstellung eines wissenschaftlichen Programms zugunsten nachhaltiger Nutzung von Agro-Ökosystemen
  • ecoHEALTH [15] – Ziel des Projektes ist die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und neu auftretenden Infektionskrankheiten
  • freshwaterBIODIVERSITY [16] – Ziel des Projekts ist die Erstellung eines biodiversitäts-wissenschaftlichen Programms zugunsten nachhaltiger Süßwasser-Ökosysteme

Außer der Arbeit in den Forschungsprojekten war Diversitas ein wichtiger Partner im Earth System Science Partnership (ESSP). [17] Das ESSP ist eine Zusammenarbeit zur integrativen Erforschung des Erdsystems, der Art und Weise, wie es sich verändert, und die Auswirkungen dessen auf globale und regionale Nachhaltigkeit. Diversitas führte auch in dieser zweiten Phase das Engagement im Dienst politischer Foren weiter, im Besonderen mit der Biodiversitäts-Konvention. Im Oktober 2005 richtete Diversitas die erste Open Science Conference in Oaxaca, Mexico aus. Dort bekräftigte die Wissenschaftsgemeinde ihre Unterstützung für die Schaffung eines wissenschaftlichen Gremiums zur Biodiversität, das einen zwischenstaatlichen Bestandteil enthalten sollte (cf. International Mechanism of Scientific Expertise on Biodiversity (IMoSEB )). Die zweite Open Science Conference, abgehalten in Kapstadt, Südafrika, im Oktober 2009 zog ein internationales Publikum von 700 Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern aus über 70 Ländern an, die viele Facetten der Biodiversitätswissenschaften und Politik vertraten.

Phase 3 (2012–2020): Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen für einen nachhaltigen Planeten[Bearbeiten]

Seit 2009, und in Anbetracht der Veränderungen im Biodiversitätspolitikumfeld, beschäftigt sich Diversitas mit der Überprüfung der Aktivitäten und der Überarbeitung des Forschungsplans von 2002. Der überarbeitete Diversitas-Science-Plan wurde im Jahr 2012 veröffentlicht.[18] In dieser laufenden Phase war und ist Diversitas an den folgenden Aktivitäten stark beteiligt:

Diversitas Deutschland e.V.[Bearbeiten]

Der Verein setzt sich vor allem dafür ein, die Biodiversitätsforschung mit gesellschaftsrelevanten Problemen des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung von Biodiversität zu verbinden. Zu seinen Hauptzielen gehören die Unterstützung von Wissenschaft und Forschung sowie die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Aus einer gemeinsamen Initiative des heutigen Vereins und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung heraus entstand mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung NeFo, das Netzwerk Forum Biodiversitätsforschung Deutschland.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Diversitas website - About: mission and history. Abgerufen am 11. April 2013.
  2. UNESCO - Biodiversity research, monitoring and management. Abgerufen am 11. April 2013.
  3. IUBS – Diversitas. Abgerufen am 11. April 2013.
  4. ICSU - Diversitas: An International Programme of Biodiversity Science. Abgerufen am 11. April 2013.
  5. IGBP Partners. Abgerufen am 11. April 2013.
  6. CBD – Partnership Agreements. Abgerufen am 11. April 2013.
  7. Diversitas Science Plan Phase 2: 2002-2011. Abgerufen am 11. April 2013.
  8. Global Invasive Species Programme. Abgerufen am 11. April 2013.
  9. Global Mountain Biodiversity Assessment. Abgerufen am 11. April 2013.
  10. bioGENESIS. Abgerufen am 11. April 2013.
  11. bioDISCOVERY. Abgerufen am 11. April 2013.
  12. ecoSERVICES. Abgerufen am 11. April 2013.
  13. bioSUSTAINABILITY. Abgerufen am 11. April 2013.
  14. agroBIODIVERSITY. Abgerufen am 11. April 2013.
  15. ecoHEALTH. Abgerufen am 11. April 2013.
  16. freshwaterBIODIVERSITY. Abgerufen am 11. April 2013.
  17. ESSP Partners. Abgerufen am 11. April 2013.
  18. Anne et alii Larigauderie: Biodiversity and ecosystem services science for a sustainable planet: the Diversitas vision for 2012–20 (PDF; 185 kB) Current Opinion in Environmental Sustainability, Elsevier. Abgerufen am 11. April 2013.
  19. GEO Participating Organisations. Abgerufen am 11. April 2013.
  20. IPBES and the Scientific Community. Abgerufen am 11. April 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

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