Doboj

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Doboj
Добој

Wappen von Doboj

Doboj (Bosnien und Herzegowina)
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Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Republika Srpska
Koordinaten: 44° 44′ N, 18° 5′ O44.73444444444418.087777777778146Koordinaten: 44° 44′ 4″ N, 18° 5′ 16″ O
Höhe: 146 m. i. J.
Fläche: 813,9 km²
Einwohner: 77.223 (2013)
Bevölkerungsdichte: 95 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 53
Postleitzahl: 74000
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gliederung: 78 Ortsgemeinschaften
Bürgermeister: Obren Petrović (SDS)
Webpräsenz:
Stadtansicht
Altstadt von Doboj

Doboj (serbisch-kyrillisch Добој) ist eine Stadt in der Republika Srpska, im Norden von Bosnien und Herzegowina. In der eigentlichen Stadt leben 35.000 Einwohner und im gesamten Gebiet der Gemeinde 77.223, einschließlich der umliegenden Ortsgemeinschaften.

Name[Bearbeiten]

Der im deutschen Sprachraum veraltete Name der Stadt ist Doblitz.

Geographie[Bearbeiten]

Die auf 146 m über dem Meeresspiegel liegende Stadt Doboj befindet sich im zentralen Norden Bosniens, am Fluss Bosna. In Doboj münden die Usora und die Spreča in die Bosna. Die Stadt befindet sich zudem nahe dem Berg Ozren und den beiden Seen Orlovo und Goransko.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Volkszählung 1991[Bearbeiten]

Zum Zeitpunkt der Volkszählung 1991 hatte die Stadt Doboj 27.498 Einwohner, von denen sich

  • 11.154 (40,56 %) als Bosniaken
  • 8.011 (29,13 %) als Serben
  • 4.365 (15,87 %) als Jugoslawen
  • 2.714 (9,86 %) als Kroaten bezeichneten. [1]

Schätzung 1998[Bearbeiten]

Doboj ist seit dem Bosnienkrieg mehrheitlich von Serben bevölkert. Allerdings leben auch eine gewisse Anzahl Bosniaken und Kroaten in der Stadt, deren Rückkehr durch die Grenzlage zur Föderation begünstigt wurde.

Serbisch-orthodoxe Kirche Heilige Apostel Peter und Paul
Moschee Selimija in der Altstadt (Čaršija)
Römisch-katholische Kirche

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits die Römer erbauten im 1. Jahrhundert ein Kastell in der Nähe der heutigen Stadt. Teile des römischen Bauwerkes dienten im 13. Jahrhundert zum Bau der Festung, um die sich in der nachfolgenden Zeit eine städtische Siedlung entwickelte.

Seit dem Kriegsbeginn im Jahr 1992 ist die Stadt aufgrund von Flucht und Vertreibung mehrheitlich von orthodoxen Serben bewohnt. Ab 2000 kehrten viele Angehörige der anderen Ethnien in ihre Häuser zurück. Konflikte zwischen den Volksgruppen gibt es heute kaum noch.

In der Nähe des Busbahnhofs wurde ein großes Schwimmbad gebaut, in dem gelegentlich auch Konzerte stattfinden. Wenige Meter neben dem Schwimmbad befinden sich die Fußballplätze der Sloga Doboj. Zurzeit spielt der Verein in der zweiten bosnischen Liga.

Im Herbst 2005 wurde in Doboj das moderne Einkaufszentrum BmD Centar eröffnet. Unweit des Einkaufszentrums wird eine neue orthodoxe Kirche gebaut, die größer als die bisherige in der Altstadt sein wird. Im Zentrum der Stadt wurde ein altes Kaufhaus zu einem weiteren Einkaufszentrum umstrukturiert, das auch einen modern eingerichteten Supermarkt der Einzelhandelskette "Konzum" aus Kroatien beherbergt. Daneben werden weitere Wohn- und Gewerbeobjekte gebaut.

Durch die geographische Lage an der Frontlinie waren große Teile Dobojs während des Krieges stark umkämpft, weswegen die Umgebung nach wie vor stark vermint ist.

Das field office der europäischen Polizeimission (EUPM) ist geschlossen, die Betreuung des Gebietes erfolgt durch Banja Luka. Militärisch ist die EU durch ein Camp der portugiesischen Streitkräfte vertreten (Camp Doboj). Das polnische Militär zog im September 2005 ab und übergab sein Camp an die bosnischen Streitkräfte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Erst viele Jahre nach dem Krieg hat Doboj mit einer ernsthaften Wirtschaftsentwicklung begonnen. Nur 34,5 % der arbeitsfähigen Bevölkerung gehen momentan einer offiziellen Beschäftigung nach. Das Problem der Arbeitslosigkeit ist in ländlichen Gebieten noch ausgeprägter. Die alten landwirtschaftlichen Kooperativen sind zusammengebrochen. Nicht einmal 250 Landwirte in der Gemeinde Doboj besitzen mehr als 5 Hektar Land.

Nur drei Firmen ist es gelungen, die Zahl der Beschäftigten nach der Privatisierung zu erhöhen. Das sind RKTK Doboj, eine Kalksteinmine und Kalkfabrik in Sevarlije; TKS Dalekovod, ein Hersteller von Überlandleitungen, Stahlmasten und dazugehörigen Metallkonstruktionen im Norden von Doboj; und die Braunkohlemine Stanari im Westen. In allen drei Fällen handelt es sich um ausländische Direktinvestitionen.

Im März 2006 lag das Durchschnittseinkommen bei 520 KM und der Wert des monatlichen Warenkorbs betrug 460 KM.

In dem kleinen Dorf Stanari nahe Doboj wird das Kohle-Bergwerk Rudnik betrieben. Es ist im Besitz der britischen Investmentfondsgesellschaft EFT. Durch den Kauf des Kohle-Bergwerkes durch das englische Unternehmen wurden viele Arbeitsplätze gesichert.[2]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Infrastruktur der Opština Doboj ist zwar insgesamt veraltet, jedoch im Landesvergleich gut.

Begünstigt durch die Ortslage hat sich die Stadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt entwickelt. Hier kreuzen sich die beiden Hauptbahnstrecken des Landes. Im Tal der Bosna verläuft der Paneuropäische Verkehrskorridor Nr. Vc, wo neben der Eisenbahn auch künftig die Autobahn A1 verlaufen wird.

In der Stadt hat die Bahngesellschaft Željeznice Republike Srpske (ŽRS) ihren Sitz, die die Bahnstrecken der Republika Srpska betreibt.

Sport[Bearbeiten]

Der bekannteste Fußballverein der Stadt ist FK Sloga Doboj.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Oberhalb von Doboj liegt die Festung Doboj aus dem 13. Jahrhundert mit Aussicht auf die Stadt und das Bosnatal. Zwei Moscheen wurden im Stadtgebiet wieder aufgebaut, sowie die kleine römisch-katholische Kirche. Die serbisch-orthodoxe Kirche unweit der Festung hat den Krieg unbeschadet überstanden und eine zweite befindet sich im Bau. Des Weiteren kann man bei Doboj ein römisches Lager/Castell besichtigen.[2]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bosnian Congres - census 1991 - North of Bosnia. Hdmagazine.com. Abgerufen am 23. November 2013.
  2. a b European Stability Initiative: A Bosnian Fortress. Return, energy and the future of Bosnia (PDF-Datei; 424 kB), 19. Dezember 2007.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Doboj – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien