Dobrzany

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Dobrzany
Wappen von Dobrzany
Dobrzany (Polen)
Dobrzany
Dobrzany
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Stargard Szczeciński
Fläche: 5,34 km²
Geographische Lage: 53° 21′ N, 15° 26′ O53.35444444444415.428888888889Koordinaten: 53° 21′ 16″ N, 15° 25′ 44″ O
Einwohner: 2387
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 73-130
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZST
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Woiwodschaftsstraße 151:
ŚwidwinGorzów Wielkopolski, Abzweig: Sulibórz (11 km)
Schienenweg: PKP-Linie Ulikowo-Piła, Bahnstation: Oganica
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 18 Ortschaften
13 Schulzenämter
Fläche: 135,12 km²
Einwohner: 5065
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 37 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3214033
Verwaltung (Stand: 2010)
Bürgermeister: Jan Prościak
Adresse: ul. Staszica 1
73-130 Dobrzany
Webpräsenz: www.dobrzany.pl
Rathaus - 2010

Dobrzany (deutsch Jacobshagen, auch Jakobshagen) ist eine Kleinstadt und Sitz einer Stadt- und Landgemeinde in der polnischen Woiwodschaft Westpommern im Kreis Stargard Szczeciński (Stargard in Pommern).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt in Hinterpommern am Ostufer des Saatziger Sees (polnisch Jezioro Szadzkie) im Südwesten der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die nächste größere Stadt ist Stargard Szczeciński, 25 Kilometer in westlicher Richtung gelegen. Nur über Nebenstraßen sind die Landesstraßen 10 und 20 zu erreichen. Durch den Ort fließt die Pezinka (Gestohlene Ihna), ein Nebenfluss der Ihna. Im Osten schließt sich ein größeres Wald- und Seengebiet an.

Stadt Dobrzany[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Bei Ausgrabungen wurde in Jacobshagen Handwerksgeräte aus der Steinzeit gefunden, datiert auf das 7. Jahrhundert v. Chr. Aus dem 10. Jahrhundert n. Chr. wurden östlich und westlich der Stadt Burgen entdeckt, eine als Ringanlage mit einem Doppelwall umschlossen. Im Schutz der Burgen entwickelte sich eine Siedlung, aus der im 12. Jahrhundert Jacobshagen entstand. Anfang des 14. Jahrhunderts kam sie in den Besitz der pommerschen Familie von Steglitz, Lehnsleute der Herzöge von Stettin. Die Stadtrechte wurden Jacobshagen allerdings von Jakob von Guntensberg im Jahre 1336 verliehen, aus dessen Vornamen sich der Name der Stadt ableitete.

1359 wurde die Burgherren von Saatzig Eigentümer von Jacobshagen. Die Einwohner lebten hauptsächlich von der Landwirtschaft, am See wurde eine Mühle betrieben, und es wurde Bier gebraut. 1567 erteilte Pommernherzog Barnim IX. der Stadt das Recht, zwei Jahrmärkte abzuhalten. Im Zusammenhang mit dem Bau der Kirche durch Joachim von Wedell wird 1598 erwähnt, dass Jacobshagen dem Amt Saatzig als Mediatstadt zugeordnet war.

Als Hinterpommern nach dem Dreißigjährigen Krieg brandenburgisch wurde, kam Jacobshagen zum „Saazig-Freyenwalder Kreis“. Ein großer Stadtbrand, der am 17. Juni 1781 von der Mühle ausging, vernichtete den Ort bis auf vier Häuser. Nur mit Unterstützung durch Preußenkönig Friedrich II. konnte die Stadt unter Leitung des bekannten pommerschen Architekten David Gilly wieder aufgebaut werden. Man bediente sich dabei der Steine der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Saatziger Burg.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert hatte die Stadt eine evangelische Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht und eine Oberförsterei. Als am 20. August 1896 die Kleinbahnstrecke Kashagen–Klein Spiegel mit einem Bahnhof in Jacobshagen eröffnet wurde, hatte die Stadt endlich Anschluss an die modernen Verkehrswege gefunden. Trotzdem hielt sich Ansiedlung neuer Betriebe bei nur 1.900 Einwohnern in Grenzen. Es entstanden lediglich ein Sägewerk, eine Ziegelei und eine Molkerei. Außerdem gab es um die Jahrhundertwende am Ort eine Färberei und eine Buntweberei.

Notgeld von 1920

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Jacobshagen am 2. März 1945 von der Roten Armee erobert. Dabei wurde die Stadt zu sechzig Prozent zerstört, die Innenstadt fiel den Kämpfen völlig zum Opfer. Wie ganz Hinterpommern wurde die Stadt anschließend unter polnische Verwaltung gestellt, und es erfolgte die Umbenennung der Stadt in Dobrzany. Es begann nun die Zuwanderung von Polen aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die an ihren Heimatorten im Allgemeinen von der zuständigen Sowjetkommandantur vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit anzunehmen oder auswandern zu müssen. Die deutsche Bevölkerung wurde aufgrund der so genannten Bierut-Dekrete aus Jacobshagen vertrieben.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1740: 586
  • 1784: 922[2]
  • 1812: 986
  • 1831: 1301
  • 1861: 1948
  • 1900: 1867[3]
  • 1925: 1730[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Hl.-Erzengel-Michael-Kirche, 1782-1784 erbaut nach einem Entwurf von David Gilly.

Bedeutende Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Andere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • David Hollaz (1648–1713), deutscher lutherischer Theologe, ab 1692 Propst in Jacobshagen

Deutsch-Polnische Kontakte[Bearbeiten]

Zwischen der ehemaligen deutschen und der heutigen polnischen Bevölkerung gibt es seit den 90er Jahren regelmäßige Kontakte. Sie reichen von einfachen Besuchen bis zur gemeinsamen Grabpflege oder der Ausstattung der örtlichen Bibliothek mit deutschsprachigen Büchern.

Gmina Dobrzany[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde umfasst eine 135 km² große Fläche und nimmt damit 8,9 % des Gebietes des Powiat Stargardzki (Kreis Stargard) ein. Mit fast 5.000 Einwohnern steht sie an 77. Stelle der 114 Städte und Gemeinden der Woiwodschaft Westpommern.

Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Dobrzany gehören die Stadt Dobrzany und die Schulzenämter

Weiterhin sind die Dörfer Grabnica (Gräbnitzfelde), Kielno (Kehlunger) und Okole (Wokuhl) Teil der Gemeinde.

Verkehr[Bearbeiten]

Innerhalb des Gemeindegebietes gibt es keine größere Verkehrsstraße. Die einzelnen Ortsteile sind durch Nebenstraßen verbunden. 11 Kilometer östlich der Gemeinde führt die Woiwodschaftsstraße 151 vorbei, die die Kreisstädte Świdwin (Schivelbein), Łobez (Labes) und Choszczno (Arnswalde) in der Woiwodschaft Westpommern und Gorzów Wielkopolski (Landsberg a.d. Warthe) in der Woiwodschaft Lebus verbindet.

Die Gmina Dobrzany ist mit der Bahnstation Ognica (Stolzenhagen) an die Bahnstrecke 403 Ulikowo-Piła (Wulkow - Schneidemühl) der Polnischen Staatsbahn angebunden.

Im Jahre 1896 wurde die Bahnlinie der Saatziger Kleinbahnen von Kashagen (heute polnisch: Kozy) über Jacobshagen (Dobrzany) nach Klein Spiegel (Poźradło) gebaut. In Kashagen bekam sie später Anschluss an die Kleinbahnlinie von Dramburg (Drawsko Pomorskie) nach Alt Damerow (Stara Dąbrowa). Die Bahnlinie existiert heute nicht mehr.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Schulz (Hrsg.): Der Kreis Saatzig und die kreisfreie Stadt Stargard – Ein pommersches Heimatbuch. Rautenberg, Leer 1984, ISBN 3-7921-0307-9.
  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 235-236 (Volltext)
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. II. Teil, Band IV, Anklam 1868, S. 365-382, online.
  • Fritz Knack: 600 Jahre Jacobshagen. 1336 - 1936. Festschrift, zugleich ein geschichtlicher Beitrag zur Heimatkunde des Kreises Saatzig in Pommern. Band 7 der Reihe Pommersche Heimatbücher von Fritz Knack. Greifswald 1936.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dobrzany – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. Ausführliche Bewchreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern (Ludwig Wilhelm Brüggemann, Hrsg.). II. Teil, 1. Band, Stettin 1784, S. 212-216.
  3. Meyers Großes Konversationslexikon. 10. Band, Leipzig und Wien 1907, S. 158
  4. Der Große Brockhaus. 9. Band, Leipzig 1931, S. 320.