DocMorris

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DocMorris N.V.
Doc-Morris-Logo
Rechtsform Naamloze Vennootschap
Gründung 2000
Sitz Heerlen, Niederlande
Leitung Olaf Heinrich (Vorsitz), Christian Franken, Max Müller, Michael Veigel
Mitarbeiter rund 500
Umsatz 324 Mio. Euro (2012)[1]
Branche Pharmazie, Apotheken, Pharmadienstleistungen
Website www.docmorris.de

Die Versandapotheke DocMorris N.V. (vormals 0800DocMorris) ist eine niederländische Versandapotheke, die nach einer telefonischen, postalischen oder einer Bestellung über das Internet Arzneimittel vorwiegend an Kunden in Deutschland liefert. Das Unternehmen wurde im Jahre 2000 von dem niederländischen Apotheker Jacques Waterval und dem Deutschen Ralf Däinghaus gegründet.

Sitz[Bearbeiten]

Seinen Standort hat DocMorris seit seiner Gründung in den Niederlanden. Der Firmensitz befindet sich seit 2004 in Heerlen unweit der deutschen Grenze, rund 15 km von Aachen entfernt. Der Grund für die Wahl des Sitzes im Ausland war die Umgehung des bis 2003 in Deutschland geltenden Verbots des Arzneimittelversandhandels und der Wegfall der in Deutschland herrschenden Preisbindung auf rezeptfreie Medikamente.

2015 eröffnet DocMorris auf etwa 16.000 m² seine neue Logistik- und Verwaltungszentrale. [2]

Unternehmensfakten[Bearbeiten]

Doc Morris ist eine Aktiengesellschaft. Dem Vorstand gehören Olaf Heinrich, Michael Veigel und Max Müller an. Verantwortlicher Apotheker ist Christian Franken. Für das Unternehmen arbeiten rund 500 Mitarbeiter in den Niederlanden und in Deutschland,[3] davon sollen – nach Angaben von DocMorris – 90 ausgebildete Apotheker und "hochqualifiziertes pharmazeutisches Personal" zählen.[4]

Am 26. April 2007 übernahm die Celesio AG, eines der führenden internationalen Dienstleistungsunternehmen in den Pharma- und Gesundheitsmärkten, rund 90 % der Anteile an Doc Morris.[5] Die Gründer verließen das Unternehmen 2004 (Jacques Waterval) und 2009 (Ralf Däinghaus). DocMorris war dann zeitweise eine 100 %-Tochter der Celesio AG. Nach der Übernahme war DocMorris innerhalb Europas neben der Versandapotheke auch mit VorOrt-Apotheken in Deutschland, Irland, Schweden und Italien präsent. Die Apotheken außerhalb Deutschlands gehörten allerdings Celesio und erhielten nach der Übernahme den Markennamen DocMorris.[6]

2012 verkaufte Celesio DocMorris an die Zur Rose AG.[7] Die Apotheken in Irland, Schweden und Italien durften den Markennamen für eine Übergangszeit weiter nutzen.[6]

Am 12. Februar 2013 übernahm DocMorris den Anteil von K - Mail Order (vormals Klingel) an der Wellsana-Apotheke, die 2010 als Gemeinschaftsunternehmen von DocMorris und K - Mail Order gegründet wurde. [8][1]

Am 12. Juni 2013 wurde bekannt, dass DocMorris neuer Haupt- und Trikotsponsor von Alemannia Aachen wird.

Kunden[Bearbeiten]

Obwohl sich der Geschäftssitz in den Niederlanden befindet, bedient das Unternehmen überwiegend den deutschen Markt. Nach Unternehmensangaben belieferte man im Dezember 2007 den einmillionsten Kunden.[9] Bei rezeptpflichtigen Medikamenten gibt es zur schriftlichen Bestellung keine Alternative, da das Rezept dem Versender vorgelegt werden muss.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Anbieten und Bewerben von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln im Internet war gemäß Heilmittelwerbegesetz verboten und der Versand von Arzneimitteln nach dem deutschen Arzneimittelgesetz untersagt. Man berief sich auf die garantierte wirtschaftliche Freizügigkeit auf dem europäischen Binnenmarkt, um seine Geschäftstätigkeit auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland durchzuführen. Der Versandhändler trat dabei bewusst in einen Konflikt mit Gesetzen, Aufsichtsbehörden und deutschen Apothekern, die das Fremdbesitzverbot für Apotheken gefährdet sahen. Daher war das Geschäftsmodell und die Geschäftspraxis mehrfach Gegenstand von Gerichtsverhandlungen und führte schließlich auch zu Änderungen des deutschen Apotheken- und Arzneimittelrechts.

Gerichtsverfahren über den Versand von Arzneimitteln nach Deutschland (2003)[Bearbeiten]

Der Versand von Arzneimitteln aus den Niederlanden an deutsche Kunden war Gegenstand mehrerer Gerichtsverhandlungen, da nach deutschem Recht der Versand von apotheken- und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln untersagt war. In einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom Dezember 2003 wurde der grenzüberschreitende Arzneimittelversand als prinzipiell mit europäischem Recht vereinbar angesehen. Gleichzeitig erkannte das Gericht jedoch das damals in Deutschland bestehende Verbot des Versandes verschreibungspflichtiger Arzneimittel an.[10] Damit wurde das Kerngeschäft, der Versand verschreibungspflichtiger Arzneimittel, für illegal erklärt. Dieses Urteil hatte jedoch für den Versandhändler kaum praktische Bedeutung, da bereits zuvor eine Änderung des deutschen Arzneimittelgesetzes mit Erlaubnis zum Arzneimittelversand zum 1. Januar 2004 beschlossen wurde. Mit seinem Urteil vom 21. Juli 2006 schließlich erklärte das Landgericht Frankfurt den Versand verschreibungspflichtiger Medikamente aus dem europäischen Ausland für zulässig (AZ: 3-11 O 64/01, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).[11]

Eröffnung einer Filialapotheke in Deutschland (2006)[Bearbeiten]

DocMorris-Apotheke in Saarbrücken, unter den Arkaden der Kaiserstraße

Um das Geschäft in Deutschland noch weiter auszubauen, eröffnete das Unternehmen am 3. Juli 2006 in Saarbrücken ein Filialgeschäft. Die Erteilung der Betriebserlaubnis durch das saarländische Gesundheitsministerium überraschte, da nach dem deutschen Apothekengesetz nur Apotheker als Einzelperson (eingetragener Kaufmann) oder in einer nicht haftungsbeschränkten Personengesellschaft (Offene Handelsgesellschaft), nicht aber eine Aktiengesellschaft, zur Eröffnung und zum Betrieb einer Apotheke berechtigt sind (so genanntes Fremdbesitzverbot). Der Gesundheitsminister Josef Hecken begründete die dennoch erfolgte Zulassung damit, dass die Einschränkung im deutschen Apothekenrecht nicht mit dem höherrangigen Europarecht vereinbar sei.

Gegen die durch das saarländische Gesundheitsministerium erlassene Betriebserlaubnis dieser Apotheke wurde seitens einer niedergelassenen Apothekerin, einer Apothekerkammer und eines Apothekervereins mit der Begründung geklagt, dass man hiermit gegen das in Deutschland geltende Mehr- und Fremdbesitzverbot für Apotheken verstoße. Dem Gesundheitsminister Josef Hecken wurde Rechtsbeugung vorgeworfen. Das Landgericht Saarbrücken entschied, dass dieser Eilantrag nicht der Eile bedürfe und hat ihn daher abgewiesen. Die Klage gegen die Betriebserlaubnis bleibt hiervon unberührt.[12]

Am 13. September 2006 gewährte das Verwaltungsgericht des Saarlandes in Saarlouis drei Saarbrücker Apothekern vorläufigen Rechtsschutz und ordnete eine Schließung der Filiale an. Durch die Betriebserlaubnis sei die Chancengleichheit im beruflichen Wettbewerb verletzt. Am 22. Januar 2007 hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Saarlouis die Entscheidung des Verwaltungsgerichts (VG) aufgehoben, so dass die Filialapotheke zunächst weiter betrieben werden kann. Anders als das VG bewertete das OVG in seiner Urteilsbegründung die Niederlassungsfreiheit für Kapitalgesellschaften innerhalb der europäischen Union vorrangig vor deutschem Recht.[13] Zur Klärung der europarechtlichen Konformität des deutschen Rechts rief das VG den Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens an. Mit dem Urteil vom 19. Mai 2009 stellte der EuGH fest, dass die deutschen Regelungen im Apothekengesetz mit europäischem Recht vereinbar sind.[14] Zunächst blieb die DocMorris-Apotheke in Saarbrücken geöffnet, da das Unternehmen die abschließende Entscheidung des Saarländischen Verwaltungsgerichts abwarten wollte.[15] Schließlich musste Doc Morris seine Filialapotheke in Saarbrücken doch unverzüglich schließen. Unter Berufung auf das genannte Urteil des EuGH widerrief das saarländische Gesundheitsministerium nach eigenen Angaben die Betriebsgenehmigung für die Apotheke mit sofortiger Wirkung.[16] Gegen diesen Bescheid reichte DocMorris Klage vor dem Verwaltungsgericht des Saarlandes ein.[17] Am 27. Juli 2009 wurde die Filiale wiedereröffnet, diesmal als Franchiseapotheke, d. h. die vorher angestellte Apothekerin arbeitet wieder als selbständige Apothekerin, hat aber eine Markenpartnerschaft mit Doc Morris abgeschlossen.[18]

Franchiseapotheken[Bearbeiten]

Am 8. Januar 2007 wandelte das Unternehmen in St. Wendel im Saarland ebenfalls eine bestehende − und nach wie vor von einer deutschen Inhaberin eigenverantwortlich betriebene − Apotheke in eine Franchise-Filiale um, die gegen eine Lizenzgebühr das DocMorris-Logo führt. Eine zweite Franchiseapotheke öffnete in Flensburg. Mittlerweile gibt es über 160 Apotheken in Deutschland, die mit DocMorris einen Lizenzvertrag abgeschlossen haben. Dabei sind die Apotheker weiterhin selbständige Unternehmer, dürfen jedoch gegen eine Lizenzgebühr die Marke und Marketingunterstützung von DocMorris nutzen. Bis 2015 sollen sich dem Verbund 500 Apotheken angeschlossen haben.[18] Mit dem Verkauf von DocMorris an Zur Rose endete die „Markenpartnerschaft“. Bestehende Verträge müssen noch erfüllt werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Doc Morris – Zahlen und Fakten Abgerufen am 13. Juni 2013.
  2. "DocMorris baut auf das grenzüberschreitende Gewerbegebiet Avantis" Aachener Zeitung 8. Oktober 2014.
  3. Selbstdarstellung auf docmorris.de
  4. DocMorris: Team DocMorris-Webseite.
  5. Celesio kauft Internetapotheke Doc Morris. In: FAZ. 26. April 2007, abgerufen am 8. März 2013.
  6. a b Benjamin Rohrer: DocMorris verschwindet aus Italien, Schweden und Irland. In: Apotheke adhoc. 26. Oktober 2012, abgerufen am 8. März 2013.
  7. Versandapotheke: Schweizer kaufen DocMorris. In: Spiegel Online. 25. Oktober 2012
  8. DocMorris übernimmt Wellsana-Apotheke. Apotheke Adhoc, 13. Februar 2013.
  9. DocMorris - Die Geschichte von DocMorris.
  10. EuGH Urteil 11. Dezember 2003 C-322/01.
  11. Rezepte in Internetapotheken erlaubt. Spiegel Online, 25. Juli 2006.
  12. Gericht lehnt Schließung der ersten DocMorris-Apotheke ab. In: The Epoch Times. 9. August 2006, abgerufen am 8. März 2013.
  13. OVG hebt Schließung auf Pharmazeutische Zeitung 23. Januar 2007.
  14. tagesschau.de: Urteil des EuGH zum deutschen Apothekengesetz: EU-Richter stärken Apotheker im Streit mit Doc Morris (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, 19. Mai 2009.
  15. DocMorris: Fremdbesitz von Apotheken: Entscheidung liegt beim jeweiligen EU-Mitgliedstaat, Pressemitteilung vom 19. Mai 2009.
  16. Nach EuGH-Urteil: DocMorris muss deutsche Filialapotheke schließen. In: Spiegel online. 22. Mai 2009, abgerufen am 8. März 2013.
  17. FTD.de: DocMorris klagt gegen Apotheken-Schließung (Memento vom 4. September 2012 im Webarchiv Archive.today), abgerufen am 30. Mai 2009.
  18. a b Saarbrücker Doc-Morris-Apotheke eröffnet wieder, Saarbrücker Zeitung, 24. Juli 2009.