Dock (Schifffahrt)

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Funktionsweise der gebräuchlichsten Dock-Bauarten. oben: Trockendock, unten: Schwimmdock. Der Eindockvorgang findet von links nach rechts statt.
Schiff im Schwimmdock

Ein Dock ist eine Einrichtung, die dazu dient, Schiffe trockenzulegen, damit Arbeiten am Unterwasserschiff durchgeführt werden können. Docks werden heute meist entweder als Trockendock oder als Schwimmdock ausgeführt. Die meisten Docks werden von Werften betrieben. Trockendocks, die zum Bau neuer Schiffe verwendet werden, bezeichnet man als Baudocks.

Trockendock[Bearbeiten]

Schlepper bewegen das als Schwimmkörper gebaute Sperrtor von Trockendock Elbe 17 im Hamburger Hafen.

Ein Trockendock ist ein Bassin, das sich mit einem wasserdichten Abschluss von der übrigen Wasserfläche absperren lässt. Durch Absenken des Wasserspiegels im Bassin kann ein sich darin befindendes Schiff trockengelegt werden.

Das Bassin wird als Dockkammer bezeichnet, die gegen das Wasser gerichtete Seite mit dem Sperrtor als wasserdichter Abschluss ist das Dockhaupt. Das Sperrtor ist entweder als Schleusentor oder als flutbarer Schwimmkörper ausgeführt, der zum Verschließen des Trockendocks in einen Falz am Dockhaupt eingeschwommen werden kann. Durch Fluten setzt sich der Schwimmkörper vor dem Dockhaupt auf Grund und wird nach dem Entleeren der Dockkammer von dem Wasser vor dem Trockendock dichtend gegen den Falz gedrückt. Am Boden der Dockkammer sind Pallen angebracht, welche die Last des Schiffes tragen, solange dieses trocken liegt.

Beim Eindocken wird das Schiff meist mit Winden in die Dockkammer hineingezogen, während auf der Seite des Dockhauptes Schlepper die genaue Positionierung übernehmen. Das Schiff wird mittig in der Kammer ausgerichtet und festgelegt, bevor das Sperrtor geschlossen wird. Danach wird das Wasser in der Dockkammer abgepumpt, so dass der Wasserspiegel sinkt und das Schiff auf den Boden der Kammer absackt. Sobald der Kiel auf den Kielpallen aufzuliegen beginnt, werden die Kimmpallen mit ihren Gewindestangen in der Höhe an den Schiffsrumpf angepasst, so dass die Last des Schiffs gleichmäßig auf den Boden der Kammer verteilt ist. Schiffe mit einem ausgeprägten Kiel müssen zusätzlich mit Balken seitlich gegen die Wand der Dockkammer abgestützt werden. Nach dem vollständigen Abpumpen des Wassers können die Arbeiten am trocken liegenden Schiff beginnen.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Das Trockendock wurde um 200 v. Chr. im ptolemäischen Ägypten erfunden. Der antike griechische Autor Athenaios gibt in seinem Werk Das Gelehrtenmahl eine recht ausführliche Beschreibung des Aufbaus und der Funktionsweise.[1] Die Tatsache, dass Athenaios seinen Bericht 400 Jahre später abfasste (um 200 n. Chr.), deutet darauf hin, dass Trockendocks die gesamte Antike hindurch bekannt waren und genutzt wurden.

China[Bearbeiten]

Trockendocks wurden in China um 1400 zum Bau der großen Schatzschiffe verwendet. Die größten gebauten Schiffe waren zwischen 59 und 84 Meter lang und sollen 9 Masten gehabt haben.

Deutschland[Bearbeiten]

Blick auf das Bremerhavener Doppeldock im Modell der Wenckewerft im Historischen Museum Bremerhaven
Abbildung der früheren Lloyd Werft Bremerhaven mit dem Doppeldock

Die ältesten deutschen Trockendocks entstand in Bremerhaven. Die erste Anlage wurde 1837 bis 1840 von Johann Lange angelegt und nach 1860 durch seinen Sohn Carl Lange um eine zweite Anlage ergänzt.[2]

Ein weiteres Trockendock entstand 1845 bis 1846[3] in der Werft F. W. Wencke. Es hatte hölzerne Dockwände und war 52 m lang und 32 m breit mit einer Einfahrtsbreite von 11 m[4]. Der Schwiegersohn des Werft-Gründers, Albert Rosenthal, ließ 1860 die Anlage um eine zweite 81 m lange Kammer ergänzen, wobei die gemeinsame Einfahrt auf 15 m verbreitert wurde. Die hölzernen Wände wurden später durch solche aus Muschelkalk- und Ziegelsteinen ersetzt. Überreste dieser 4,8 m tiefen Anlage sind heute noch erhalten und stehen unter Denkmalschutz.[5]

Auch bei Schau & Oltmanns (1856) und bei Hermann Friedrich Ulrichs (1865) entstanden Trockendocks in den genannten Jahren[2]. Die Lloydwerft errichtete 1871 ein Doppeldock.

Galerie Trockendock[Bearbeiten]

Liste ausgewählter Trockendocks[Bearbeiten]

Namen Länge (m) Breite (m) Ort Land Koordinaten Betreiber Bemerkungen
Harland & Wolff
Main Dock
556 93 Belfast Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 54° 36′ 29″ N, 5° 54′ 2″ W54.608055555556-5.9005555555556 Harland & Wolff größtes europäisches Trockendock [6]
HDW
Trockendock 8a
426 88 Kiel DeutschlandDeutschland Deutschland (54° 19′ 17″ N, 10° 9′ 14″ O54.32138888888910.153888888889) Howaldtswerke-Deutsche Werft [7]
Wadan Yards
Dockhalle
340 67 Wismar DeutschlandDeutschland Deutschland (53° 53′ 55″ N, 11° 26′ 23″ O53.89854811.439643) Nordic Yards Wismar Dockhalle, Höhe: 13 m [8]
Meyer Papenburg
Baudock II
482 45 Papenburg DeutschlandDeutschland Deutschland (53° 5′ 48″ N, 7° 21′ 25″ O53.0967047.356892) Meyer Werft größtes überdachtes Baudock der Welt. Abmessungen der Dockhalle IV: Länge: 504 Meter, Breite: 125 Meter, Höhe: 75 Meter[9][10][11]
Blohm + Voss
Trockendock Elbe 17
351 59 Hamburg DeutschlandDeutschland Deutschland (53° 32′ 30″ N, 9° 57′ 47″ O53.5416666666679.9630555555556) Blohm + Voss [12]
Lloyd Werft
Kaiserdock II
335 40 Bremerhaven DeutschlandDeutschland Deutschland (53° 34′ 3″ N, 8° 33′ 26″ O53.5675748.557212) Lloyd Werft [13]
Damen
Dock 3
420 80 Brest FrankreichFrankreich Frankreich (48° 23′ 3″ N, 4° 27′ 12″ W48.384166666667-4.4533333333333) Damen Ship Repair Brest [14]
Louis Joubert Schleuse

Normadie Dock

350 50 Saint-Nazaire FrankreichFrankreich Frankreich (47° 16′ 36″ N, 2° 11′ 49″ W47.276666666667-2.1969444444444) Hafen Nantes-Saint-Nazaire Schiffsschleuse die auch als Trockendock dient. Siehe auch Operation Chariot.

[14]

Dubai Drydocks
Dock 3
521 100 Dubai Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate (25° 15′ 0″ N, 55° 16′ 2″ O25.2555.267222222222) Dubai Drydocks [15]
Newport News Shipbuilding
Dry Dock 12
661 76 Newport News Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten (37° 0′ 3″ N, 76° 26′ 51″ W37.000833333333-76.4475) Newport News Shipbuilding Unterteilbar in zwei Kammern, die je ein Flugzeugträger der Nimitz-Klasse aufnehmen können[16]

Schwimmdock[Bearbeiten]

Fregatte im Schwimmdock

Ein Schwimmdock ist eine schwimmende, tauchfähige Vorrichtung, welche Schiffe für Wartungsarbeiten am trockengelegten Rumpf aufnehmen kann.

Zum Eindocken eines Schiffes werden die Fluttanks des Schwimmdocks mit Wasser gefüllt, so dass das Dock absackt. Nachdem der benötigte Freiraum über dem Dockboden erreicht worden ist, wird das Schiff mit Winden in das Dock gezogen und mit Hilfe von Schleppern genau mittig positioniert und festgelegt. Dann werden die Fluttanks des Schwimmdocks wieder leergepumpt, so dass das Dock sich wieder anhebt und das Schiff wie beim Trockendock auf die Pallen zu liegen kommt.

Siehe auch: Schwimmsteg

Geschichte[Bearbeiten]

Vorläufer der heutigen Schwimmdocks. Holzschnitt, Venedig 1560

Renaissance[Bearbeiten]

Ein Vorläufer des Schwimmdocks heutiger Bauart findet sich in einem kleinen italienischen Buch namens Descrittione dell'artifitiosa machina, das 1560 in Venedig erschien. In dem Büchlein legt ein unbekannter Autor eine neue Methode dar, ein auf Grund gelaufenes Schiff zu bergen, und bittet um das Privileg, seine Konstruktion anwenden zu dürfen. Ein beigefügter Holzschnitt zeigt ein Schiff, das steuerbord und backbord von zwei großen Schwimmgerüsten flankiert ist, die über dem Schiff zu einem Dach zusammengefügt sind. Über eine Reihe von Tauen, die vom Dach heruntergelassen werden, wird das Schiff in eine aufrechte Position gehoben.[17]

1691 konstruierte der dänische Admiral Henrik Span ein Schwimmdock, von dem die folgende Medaille zeigt. Die Inschrift auf der Rückseite lautet übersetzt: "Im Jahre 1691 n. Chr., unter der Herrschaft des besten Königs Christian V., wurde durch die Tüchtigkeit und den Fleiß von Henrik Span die Schiffsmaschine erfunden, mit deren Hilfe alte und durch langen Gebrauch zerbrochene Schiffe mit durchaus großer Zeit- und Aufwandsersparnis repariert und gleichsam in Neuzustand versetzt werden können, und in solchem Maße wurde eine Annehmlichkeit, die die Natur verweigert hatte, durch Technik bereitgestellt."

Moderne[Bearbeiten]

Ein aus Holz gebautes Schwimmdock wurde 1858 auf der Stülcken Werft in Hamburg in Dienst gestellt. Das Schwimmdock in der heutigen Form wurde 1893 von dem US-amerikanischen Schiffbauer Gilbert entwickelt. Das erste Dock dieser Bauart war bis 1911 in Betrieb.

Galerie Schwimmdocks[Bearbeiten]

Ähnliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Dockschiff Blue Marlin transportiert ein Sea-Based X-Band Radar
Modell eines Schiffskamels mit Segelschiff

Ein Dockschiff bezeichnet ein Transportschiff, das seinen Rumpf unter die Wasseroberfläche absenken kann, um schwimmende Lasten aufzunehmen.

In den Niederlanden wurden vor dem Bau des Noordhollandsch Kanaals eine ähnlich Einrichtung zum Transport großer Schiffe zum Hafen von Amsterdam verwendet, die Schiffskamel genannt wurde. Die Einrichtung wurde auch in anderen Häfen genutzt, um Schiffen mit zu großem Tiefgang das Anlegen zu ermöglichen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Athenaios, C.D. Yonge (Hrsg.): The deipnosophists, or, Banquet of the learned of Athenæus. Volume I, Book V, Henry G. Bohn, London, S. 325 ([1], abgerufen am 25. August 2012).
  2. a b Die übrigen Werften an der Geeste. In: Bremerhaven.de. Abgerufen am 25. Juni 2013.
  3. F. W. Wencke. In: Wikipedia.de. Abgerufen am 25. Juni 2013.
  4. Werften in Bremerhaven: F. W. Wencke (1833 bis 1900). In: Wikipedia.de. Abgerufen am 25. Juni 2013.
  5. Die Geschichte des Wencke-Docks: Schiffbau an der wirtschaftlichen Keimzelle der Stadt. In: Bremerhaven.de. Abgerufen am 25. Juni 2013.
  6. Harland & Wolff:Interactive Brochure, Seite 11, abgerufen am 16. Juni 2012
  7. Howaldtswerke-Deutsche Werft:Kapazität Docks
  8. Nordic Yards: Kurzprofil Wismar, abgerufen am 16. Juni 2012
  9. Spiegel Online, 18. Januar 2008:Meyer-Werft baut größte Dockhalle der Welt
  10. Schiffbau Pappenburg (PDF; 4,9 MB), Flyer der Meyer Werft, abgerufen am 11. August 2012
  11. Erweiterung Halle VI - Baudock II - Meyer Werft Papenburg. Abgerufen am 25. August 2012.
  12. Blohm + Voss Repair Docking Capacities (PDF; 5,8 MB), abgerufen am 15. Juni 2012
  13. Lloyd Werft Bremerhaven: Werftlayout, abgerufen am 15. Juni 2012
  14. a b Damen: Damen Shiprepair Brest, abgerufen am 16. Juni 2012
  15. Drydocks World: Yard Map, abgerufen am 16. Juni 2012
  16. Newport News Shipbuilding: Facilities & Capabilites, abgerufen am 16. Juni 2012
  17. George Sarton: Floating Docks in the Sixteenth Century, in: Isis, Bd. 36, Nr. 3/4. (Okt. 1946), S. 153-154 (153)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Docks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien