Dogs of the Dow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dogs of the Dow ist eine Anlagestrategie für Aktien. Sie verfolgt das Ziel, durch die Auswahl von Aktien nach der Höhe der Dividendenrendite eine bessere Performance zu erzielen als der Gesamtmarkt, der durch einen Index abgebildet wird.

Bezeichnung[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Dogs of the Dow ist eigentlich irreführend. Der Name der Strategie stammt aus der US-amerikanischen Umgangssprache. Dort bezeichnet der Begriff dog eine minderwertige Sache. An der Börse wird der Begriff dog daher für Aktien mit einer schlechten Kursentwicklung in der Vergangenheit verwendet. Gemäß der Anlagestrategie Dogs of the Dow sollen aber nicht die Aktien mit einer schlechten Kursentwicklung gekauft werden, sondern jene mit einer hohen Dividendenrendite.

Dennoch hat sich die Bezeichnung Dogs of the Dow im US-amerikanischen Börsenjargon als Bezeichnung für die dividendenstärksten Aktien innerhalb des Dow Jones Index etabliert. In Anlehnung an den amerikanischen Ausdruck werden die dividendenstärksten Aktien innerhalb des DAX zum Teil als Dogs of the DAX und die dividendenstärksten Aktien innerhalb des EuroStoxx 50 als Dogs of the Eurostoxx 50 bezeichnet.

Vorgehensweise[Bearbeiten]

Am ersten Börsentag eines Jahres (Stichtag), kauft der Anleger aus den in einem Index enthaltenen Aktien (beim Dow Jones und beim DAX sind dies jeweils 30, beim EuroStoxx 50 50 Aktien) die 10 Aktien, welche die höchste Dividendenrendite aufweisen. Die gekauften Aktien werden ein Jahr bis zum nächsten Stichtag gehalten, ohne dass der Anleger in irgendeiner Weise auf das Börsengeschehen reagiert. Am nächsten Stichtag wird der Bestand umgeschichtet. Alle Aktien, die nicht mehr zu den 10 mit der höchsten Dividendenrendite gehören, werden verkauft. Mit dem Verkaufserlös werden diejenigen Aktien gekauft, die neu in die Gruppe der 10 dividendenstärksten Aktien aufgestiegen sind. Die Umschichtung wird jedes Jahr zum Stichtag wiederholt.

Erfolg[Bearbeiten]

Langfristig konnten in der Vergangenheit mit der Strategie meist bessere Ergebnisse erzielt werden als mit einer Anlage, die den jeweiligen Gesamtmarkt oder Index komplett abbildete. Betrachtet man längere Anlagehorizonte (z.B. 20 Jahre), kann für fast alle Zeiträume und zugrunde liegende Indizes eine Outperformance der Strategie gegenüber dem Index nachgewiesen werden. Diese grundsätzlich positive Bilanz darf aber nicht als Erfolgsgarantie angesehen werden.

Erstens hat die Strategie lediglich zum Ziel, eine bessere Performance als der zugrunde liegende Index zu erzielen. Das heißt, verliert ein nach der Strategie Dogs of the Dow aufgebautes Depot weniger als der Gesamtmarkt, so wird dieses für den Anleger negative Ergebnis als Erfolg der Strategie gewertet.

Zweitens hat die Strategie in der Vergangenheit nur bei langjähriger Anwendung ihre Überlegenheit gegenüber den Indizes zeigen können. Bei kürzeren Anlagehorizonten (z.B. 2 Jahre) finden sich häufig Phasen, in denen sich die nach der Dividendenrendite ausgewählten Aktien schlechter entwickelten als der Gesamtmarkt. Dies war insbesondere zwischen 1993 und 2008 mehrfach der Fall.

Drittens beruhen die Erfolge bei langfristiger Anlage vor allem auf der deutlichen Outperformance der Strategie in den 1970er und 1980er Jahren. In den 1990er Jahren und den Jahren ab 2000 fiel die Outperformance wesentlich geringer aus. In den zehn Jahren von 2002 bis 2012 entwickelte sich ein Dogs of the Dow-Depot per Saldo nur geringfügig besser als der Dow Jones Index. In den einzelnen Jahren erzielte die Strategie gegenüber dem Dow Jones folgende Out- bzw. Underperformance (ausgedrückt in Prozentpunkten): 2002: +6,1 % / 2003: -0,4 % / 2004: -0,9 % / 2005: -6,8 % / 2006: +11,2 % / 2007: -7,9 % / 2008: -7,8 % / 2009: -5,8 % / 2010: +6,4 % / 2011: +7,9 % / 2012: +-0,0 %.

Varianten[Bearbeiten]

Abgeleitet von der oben dargestellten Grundidee von Dogs of the Dow gibt es mittlerweile mehrere Varianten. So sieht z.B. die Variante Low Five vor, aus den 10 dividendenstärksten Aktien nur die jeweils 5 billigsten zu kaufen. Eine andere Abwandlung besteht in der Einschränkung, dass von den 10 Dividendenstars nur jene gekauft werden sollen, die im abgelaufenen Geschäftsjahr Gewinne gemacht haben, da eine Dividendenzahlung bei Verlust die Substanz des Unternehmens schmälert.

Verbreitung[Bearbeiten]

Es existieren mehrere Aktienfonds und Exchange-traded funds (ETF), die nach dieser Strategie oder einer Abwandlung davon Aktien auswählen. Die Deutsche Börse hat 2005 einen eigenen Index geschaffen, den DivDAX, der nur die 15 dividendenstärksten DAX-Werte enthält. Darüber hinaus existieren auch Anlagezertifikate, die auf der Aktienauswahl nach der Höhe der Dividendenrendite beruhen.

Kritik[Bearbeiten]

Die Anlagestrategie Dogs of the dow konnte ihre Vorteilhaftigkeit über längere Anlagezeiträume nur empirisch nachweisen. Es gibt aber keine Begründung, warum die Strategie in der Vergangenheit zum Erfolg geführt hat. Solange dieser kausale Zusammenhang nicht gefunden ist, ist die Frage, ob auch in Zukunft mit einer Outperformance der Strategie zu rechnen ist, nicht zu beantworten. In den Jahren seit 2005 gibt es, wie viele Untersuchungen zeigen, zahlreiche Anzeichen, dass die Dividendenstrategie heutzutage keineswegs ein besseres Abschneiden als der Gesamtmarkt garantiert. So zeigt beispielsweise der DivDax seit 2008 eine deutliche Underperformance gegenüber dem Dax[1].

Bezüglich des kausalen Zusammenhangs zwischen Dividendenrendite und Anlageerfolg wurde vor allem angeführt, dass Manager von Aktiengesellschaften, die regelmäßig eine hohe Dividende ausschütten, durch die Dividendenzahlung diszipliniert werden. Da der Gewinn vergangener Jahre durch die Dividendenzahlung aus dem Unternehmen abfließe, könne sich das Management nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen, sondern müsse stets für neue Gewinne sorgen. Dies führe zu einem kontinuierlichen Unternehmenserfolg und damit auch zu steigenden Aktienkursen.

Ob diese Argumentation zutrifft, ist aber fraglich, da auch ein umgekehrter kausaler Zusammenhang konstruierbar ist: Allen Aktiengesellschaften, die eine hohe Dividende bezahlen, wird bei jeder Ausschüttung Eigenkapital entzogen, was die Substanz des Unternehmens schwächt und seine Anfälligkeit in Krisen erhöht. Außerdem erfordert der Abfluss von Eigenkapital die vermehrte Aufnahmen von Fremdkapital, was wiederum zu einer erhöhten Zinsbelastung und damit zu einem geringeren Unternehmenserfolg führt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael O'Higgins und John Downes: Beating the Dow. Collins-Verlag, New York 2000, ISBN 0-06-662047-3
  • Mit 10 Ausschüttungsstars auf bessere Zeiten setzen, S.36f in: Börse-Online, Nr.3 2009, ISSN 0934-8441
  • Auf den Hund gekommen, S.20f in: Börse-Online, Nr.2 2013, ISSN 0934-8441

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. http://www.wiwo.de/blogs/Hankes-Boersen-Bibliothek/2011/06/06/warum-dividenden-nicht-das-mas-aller-dinge-bei-der-aktienauswahl-sind/