Dom zu Roskilde

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Kathedrale von Roskilde
Detail des Sarkophages Margarethe I., Königin von Dänemark, Norwegen und Schweden (1353–1412)
Ansicht des Altars

Der Dom zu Roskilde (dänisch: Roskilde Domkirke) der evangelisch-lutherischen Volkskirche Dänemarks ist der erste gotische Dom aus Backstein. Das in Roskilde auf der dänischen Insel Seeland stehende Gebäude trug somit maßgeblich zur Verbreitung der Backsteingotik bei. Die 1280 fertiggestellte Kirche ist der traditionelle Begräbnisort der dänischen Könige und in neuerer Zeit Touristenmagnet. 1995 nahm die UNESCO den Dom in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Baugeschichte[Bearbeiten]

Laut Saxo Grammaticus errichtete Harald Blauzahn 985 die erste Kirche auf dem Hügel von Roskilde über der Bucht und wurde dort auch bestattet.[1] Es ließen sich allerdings keine Überreste dieser Kirche nachweisen. Im 11. Jahrhundert ließ Estrid, die Schwester von Knut dem Großen und Mutter von Sven Estridsson, an derselben Stelle eine steinerne Kirche bauen.

Der Bau der Backsteinkirche wurde in den 1170er Jahren im romanischen Stil begonnen und um 1280 mit dem gotischen Chor beendet. In den folgenden Jahrhunderten wurden mehrere Kapellen innerhalb und außerhalb der Kirche angebaut. Ursprünglich diversen Heiligen gewidmet, wurden sie später durch Grabkapellen und Mausoleen der Könige im jeweiligen Stil der Zeit ersetzt. 1690 ließ sich Christian V. im vorher der Geistlichkeit vorbehaltenen Chor ein Grabmal für sich und seinen Sohn und ihre Ehefrauen errichten.

Architektonisch handelt es sich bei dem Dom um eine gewölbte dreischiffige Emporenbasilika mit Umgangschor (ohne Kapellen), Querhaus und Doppelturmfassade. An den Hauptbaukörper sind zahlreiche Nebengebäude angebaut, die überwiegend als Grabkapellen dienen. Es sind dies auf der Nordseite von West nach Ost: Die Glücksburger Kapelle, die Sankt Brigitten-Kapelle, die Sankt Andreas-Kapelle, die Kapelle Christians IV. und Oluf Mortensens Vorhalle; auf der Südseite von West nach Ost die Dreikönigskapelle (darüber der Rittersaal mit dem Dommuseum), die Kapelle Frederiks V. und der Kapitelsaal. In einem vor der Kirche freistehenden Bau befindet sich die Grabstätte Frederiks IX.

Ausstattung[Bearbeiten]

Der Hauptaltar ist ein Antwerpener Retabel von 1560. Als nachreformatorisches Kunstwerk zeigt er in detailreicher Schnitzerei Szenen aus Jesu Kindheit und der Passion mit der Kreuzigung im Mittelpunkt.

In der Kirche liegen die Gräber von 21 dänischen Königen und 17 Königinnen, darunter Harald Blauzahn, Margarethe I., Christian IV. und Friedrich IX.. Margarethes Leichnam war ursprünglich wie ihr Vater und ihr Sohn in der Klosterkirche von Sorø begraben gewesen, wurde aber 1413 nach Roskilde überführt. Ihr Grab wurde im Dänisch-Schwedischen Krieg zerstört. Die erste Grabkapelle mit drei Altären, an denen Priester für sein Seelenheil beten sollten, ließ der erste Oldenburger König Christian I. für sich und seine Nachfahren errichten, allerdings nutzten diese den Roskilder Dom erst nach der Reformation als Begräbnisstätte. Im Gegensatz zu ihrem Vorfahren, in dessen Kapelle sich kein Denkmal seiner selbst befindet, errichteten Christian III. und Friedrich II. sich gewaltige, prunkvolle Mausoleen im Stil der Renaissance.

Da der Dom nicht nur Königen als Grablege diente, ist der Boden mit Hunderten Grabplatten bedeckt. Auch in der Krypta befinden sich Gräber.

Eine Kuriosität ist die sogenannte Königssäule, auf der die Körpergröße verschiedener europäischer Herrscher eingezeichnet ist, angefangen von Christian I. mit 2,19 m, der selbst die 2,08 m von Zar Peter dem Großen erheblich übertraf.

Orgel[Bearbeiten]

Historische Orgel

Die Orgel im Dom zu Roskilde zählt zu den bedeutendsten von Dänemark. Sie umfasst alte Register in einem reich verzierten Gehäuse, die bis in die Zeit der Renaissance zurückreichen. Im Jahr 1554 schuf der niederländische Orgelbauer Herman Raphaëlis Rottenstein-Pock eine neue Orgel mit Rückpositiv, dessen Gehäuse sowie drei bis vier Flötenregister erhalten sind. Das Untergehäuse stammt von der Vorgängerorgel aus dem 15. Jahrhundert. Die friesischen Bildschnitzer und Schreiner Per Jensoen aus Leeuwarden und Jan van Boelswart aus Bolsward sowie Gregorius von Lübeck gestalteten den Prospekt und die Emporenbrüstung. In den 1650er Jahren fand ein eingreifender Erweiterungsumbau in ein dreimanualiges Instrument statt, der einem Neubau unter Einbeziehung älterer Teile gleichkam. Möglichweise war Johan Lorentz der Ältere beteiligt, dessen Arbeit von seinem Meistergesellen Gregor Mülisch († 1654) fortgeführt und von Peter Karstensen Botz 1654/55 vollendet wurde. Die Register von Pedal und Hauptwerk fanden in einem gemeinsamen Gehäuse ihren Platz, das Caspar Lubekke im Stil des Barock gestaltete.[2] Hinzu kam ein separates Brustwerk in Form einer Baldachinorgel über dem Spieltisch.[3]

Im Jahr 1833 wurde die Orgel von Jürgen Marcussen und Andreas P. W. Reuter einschneidend umgebaut, das Brustwerk entfernt, ein schwellbares Oberwerk, neue Trakturen und eine neue Windanlage eingebaut, die Tonhöhe verändert und das Pedalwerk hinter das Hauptwerk aufgestellt. Im Jahr 1877 wurde die Orgel durch die Firma Busch romantisiert. Die Firma Frobenius führte 1926/27 einen Umbau nach den Prinzipien von Albert Schweitzer mit pneumatischen Trakturen durch. 1952 bis 1957 baute dieselbe Firma die Orgel nochmals um. All diese Umbaumaßnahmen wurden im Rahmen einer umfassenden Restaurierung im Jahr 1991 durch Marcussen & Søn unter Leitung des Orgelsachverständigen Cornelius H. Edskes wieder rückgängig gemacht und der Zustand von 1655 weitgehend wiederhergestellt. Das Pedal wurde wieder mit dem Hauptwerk hinter einem gemeinsamen Prospekt vereint, der Spieltisch und die Windanlage mit vier Keilbälgen rekonstruiert und das Brustwerk in der ursprünglichen Gestalt angebracht. Verlorene Register wurden in der Mensur und Bauweise anhand verbliebener Reste oder alter Vorbilder sorgfältig rekonstruiert, die Windladen mit dem Tonumfang von 1654 gefertigt, aber gegenüber dem Zustand von 1654 je zwei Register im Hauptwerk und Brustwerk ergänzt. Im Rückpositiv wurden die Töne Fis und Gis auf den Kanzellen von 1833 als Subsemitonien beibehalten. Seit 1991 verfügt das wertvolle Instrument, das für zahlreiche CD-Einspielungen diente, über 33 Register.[4]

I Rückpositiv CDE–g3
Gedact 8′ R
Principal 4′ B
Gedact 4′ R, M
Octava 2′ B
Salicional 2′ B
Sedecima 1′ B
Sesquialtera II B
Mixtur III B
Hoboy 8′ B
Tremulant
II Hauptwerk CDEFGA–c3
Bordun 16′ R/M
Principal 8′ M
Spitzflöjt 8′ R
Octava 4′ M, wenig B
Rohrflöjt 4′ M
Nassath 22/3 M
Super Octava 2′ M, wenig B
Mixtur IV–V 11/3 M, wenig B
Trompet 8′ M
III Brustpositiv CDEFGA–c3
Gedact 8′ M
Gedactflöjt 4′ M
Octava 2′ M, wenig B
Waltflöjt 2′ M
Sedecima 1′ M, wenig B
Regal 8′ B
Geigen Regal 4′ M, wenig B
Pedal CDE–d1
Principal 16′ B
Octava 8′ M, wenig B
Gedact 8′ M, wenig B
Octava 4′ M
Mixtur IV 2′ M
Posaun 16′ M
Trompet 8′ M
Schalmei 4′ M
Tremulant
R = Rottenstein-Pock, 1554
B = Lorentz/Mülisch/Botz, 1654/55
M = Marcussen, 1991

Königsgräber[Bearbeiten]

Folgende Mitglieder des dänischen Königshauses liegen im Dom begraben:

  1. Harald I. Blauzahn, König von Dänemark und Norwegen (910–987)
  2. Sven I. Gabelbart, König von Dänemark (965–1014)
  3. Sven II. Estridsson, König von Dänemark (1020–1074)
  4. Prinz Christoph († 1363) - (Junker Christoffer, Sohn von Waldemar IV. Atterdag)
  5. Margarethe I., Königin von Dänemark, Norwegen und Schweden (1353–1412)
  6. Christoph III., König von Dänemark, Norwegen und Schweden (1416–1448)
  7. Christian I., König von Dänemark, Norwegen und Schweden (1426–1481)
  8. Dorothea von Brandenburg, Königin von Dänemark, Norwegen und Schweden (1430–1495) – (Gemahlin von König Christoph III. und König Christian I.)
  9. Christian III., König von Dänemark und Norwegen (1503–1559)
  10. Magnus, König von Livland (1540–1583) – (Sohn von König Christian III.)
  11. Friedrich II., König von Dänemark und Norwegen (1534–1588)
  12. Prinz Frederik (* 15. August 1599; † 9. September 1599) – (Sohn von König Christian IV.)
  13. Anna Katharina von Brandenburg, Königin von Dänemark und Norwegen (1575–1612) – (Gemahlin von König Christian IV.)
  14. Prinz Ulrik (* 30. Dezember 1578; † 27. März 1624) – (Sohn von König Friedrich II.)
  15. Sophie von Mecklenburg, Königin von Dänemark und Norwegen (1557–1631) – (Gemahlin von König Friedrich II.)
  16. Prinz Ulrik (* 2. Februar 1611; † 12. August 1633) – (Sohn von König Christian IV.)
  17. Prinz Christian (1603–1647) – (Sohn von König Christian IV.)
  18. Christian IV., König von Dänemark und Norwegen (1577–1648)
  19. Prinzessin Magdalena Sibylle von Sachsen (* 23. Dezember 1603; † 6. Januar 1668) – (Gemahlin von Prinz Christian)
  20. Friedrich III., König von Dänemark und Norwegen (1609–1670)
  21. Sophie Amalie von Braunschweig-Lüneburg, Königin von Dänemark und Norwegen (1628–1685) – (Gemahlin von König Friedrich III.)
  22. Prinz Christian (* 25. März 1675; † 27. Juni 1695) – (Sohn von König Christian V.)
  23. Christian V., König von Dänemark und Norwegen (1646–1699)
  24. Prinz Vilhelm (* 21. Februar 1687; † 23. November 1705) – (Sohn von König Christian V.)
  25. Charlotte Amalie von Hessen-Kassel, Königin von Dänemark und Norwegen (1650–1714) – (Gemahlin von König Christian V.)
  26. Louise zu Mecklenburg, Königin von Dänemark und Norwegen (1667–1721) – (erste Gemahlin von König Friedrich IV.)
  27. Friedrich IV., König von Dänemark und Norwegen (1671–1730)
  28. Anna Sophie von Reventlow, Königin von Dänemark und Norwegen (1693–1743) – (zweite Gemahlin von König Friedrich IV., sie liegt nicht an seiner Seite im Chor, sondern mit drei ihrer Kinder in der nördliche Turmkapelle)
  29. Christian VI., König von Dänemark und Norwegen (1699–1746)
  30. Louise von Großbritannien, Königin von Dänemark und Norwegen (1724–1751) – (erste Gemahlin von König Friedrich V.)
  31. Friedrich V., König von Dänemark und Norwegen (1723–1766)
  32. Sophie Magdalene von Brandenburg-Kulmbach, Königin von Dänemark und Norwegen (1700–1770) – (Gemahlin von König Christian VI.)
  33. Prinzessin Charlotte Amalie (* 6. Oktober 1706; † 28. Oktober 1782) – (Tochter von König Friedrich IV.)
  34. Sophie Friederike von Mecklenburg (1758–1794) – (Gemahlin von Prinz Frederik)
  35. Juliane von Braunschweig, Königin von Dänemark und Norwegen (1729–1796) – (zweite Gemahlin von König Friedrich V.)
  36. Prinz Frederik (1753–1805) – (Sohn von König Friedrich V.)
  37. Christian VII., König von Dänemark und Norwegen (1749–1808)
  38. Prinzessin Charlotte (* 30. Oktober 1789; † 28. März 1824) – (Schwester von König Christian VIII.)
  39. Friedrich VI., König von Dänemark und Norwegen (1768–1839)
  40. Christian VIII., König von Dänemark und Norwegen (1786–1848)
  41. Prinzessin Juliane (* 18. Februar 1788; † 9. Mai 1850) – (Schwester von König Christian VIII.)
  42. Maria von Hessen-Kassel, Königin von Dänemark und Norwegen (1767–1852) – (Gemahlin von König Friedrich VI.)
  43. Prinz Ferdinand (* 22. November 1792; † 29. Juni 1863) – (Bruder von König Christian VIII.)
  44. Friedrich VII., König von Dänemark (1808–1863)
  45. Caroline Amalie von Schleswig-Holstein, Königin von Dänemark und Norwegen (1796–1881) – (zweite Gemahlin von König Christian VIII.)
  46. Prinzessin Caroline (* 28. Oktober 1793; † 31. März 1881) – (Tochter von König Friedrich VI.)
  47. Prinz Vilhelm (* 10. April 1816; † 5. September 1893) – (Bruder von König Christian IX.)
  48. Louise von Hessen-Kassel, Königin von Dänemark (1817–1898) – (Gemahlin von König Christian IX.)
  49. Christian IX., König von Dänemark (1818–1906)
  50. Marie von Orléans (* 13. Januar 1865; † 4. Dezember 1909) – (Gemahlin von Prinz Valdemar)
  51. Prinz Hans (* 5. Dezember 1825; † 27. Mai 1911) – (Bruder von König Christian IX.)
  52. Friedrich VIII., König von Dänemark (1843–1912)
  53. Louise von Schweden-Norwegen, Königin von Dänemark (1851–1926) – (Gemahlin von König Friedrich VIII.)
  54. Prinz Valdemar (1858–1939) – (Sohn von König Christian IX.)
  55. Christian X., König von Dänemark (1870–1947)
  56. Prinz Erik (1890–1950) – (Sohn von Prinz Valdemar)
  57. Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin, Königin von Dänemark (1879–1952) – (Gemahlin von König Christian IX.)
  58. Prinzessin Eleonore (* 1895; † 1966) – (Gemahlin von Prinz Viggo)
  59. Prinz Viggo (* 25. Dezember 1893; † 4. Januar 1970) – (Sohn von Prinz Valdemar)
  60. Friedrich IX., König von Dänemark (1899–1972)
  61. Margrethe, Herzogin von Parma (* 17. September 1895; † 18. September 1992) – (Tochter von Prinz Valdemar)
  62. Prinz Christian (* 1932; † 1997)
  63. Ingrid von Schweden, Königin von Dänemark (1910–2000) – (Gemahlin von König Friedrich IX.)

Dagmar von Dänemark (1847–1928), die als Maria Fjodorowna Frau von Zar Alexanders III. und Mutter des letzten Zaren Nikolaus II. war, lag bis zur Überführung ihrer Gebeine 2006 in die Familiengruft der Zarenfamilie in der Peter-und-Paul-Kathedrale in Sankt Petersburg ebenfalls im Dom zu Roskilde begraben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesta Danorum 10. Buch Kap. 8.4.
  2. Fotos der Orgel von Hilbrand Edskes & Elly Kooiman, gesehen 2. Dezember 2013.
  3. Harald Vogel: Textbeilage zur CD Dietrich Buxtehude: Orgelwerke. Vol. 6. MD+G L 3426. 1993, S. 2–4.
  4. Orgel in Roskilde, gesehen 2. Dezember 2013.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dom von Roskilde – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

55.64266944444412.080308333333Koordinaten: 55° 38′ 34″ N, 12° 4′ 49″ O