Domenico Montagnana

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Domenico Montagnana (* 24. Juni 1686 in Lendinara (Provinz Rovigo); † 6. März 1750 in Venedig) war ein venezianischer Geigenbauer.

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater Paolo war Schuhmacher („Calzolaio“) und hatte Adriana Spinelle 1669 in Lendinara geheiratet. Domenico hatte sieben Geschwister, von denen einige, wie auch seine Mutter 1695, früh starben. Ein Bruder kam später ebenfalls nach Venedig und arbeitete in Domenicos Werkstatt. Es wird angenommen, dass Montagnana sich seit 1701 in Venedig aufhielt und dass er bei Matteo Sellas und Matteo Goffriller in der Lehre war. Pietro Guarneri (Pietro II, 1695–1762/63) (Bruder des Giuseppe Guarneri del Gesù) war eine Zeitlang in seiner Werkstatt, bevor er zu seinem Konkurrenten wurde.

„battezzato 29 Giugno 1686 - Sabato“ - im Dom Santa Sofia in Lendinara wurde Montagnana getauft

Seine „Lauter“-Werkstatt, die er 1711 oder 1712 eröffnete, lag in der Calle dei Stagneri im Viertel San Bartolomeo[1] in Venedig. Er führte das Schild sub signum Cremonae.

In Venedig heiratete er Caterina Berti und hatte mit ihr sechs Töchter. Lodovica, die erste, kam im Jahre 1719 zur Welt, aber starb bereits im Jahr 1734. Seit der letzten Geburt war Caterina erkrankt und starb schließlich nach zwanzig Jahren Paralyse im Jahr 1748. Im Jahr 1734 schätzte er den Nachlass des Kollegen Angelo Sopran, in dem sich eine Anzahl deutscher Instrumente befand. Nach dem Tod Domenicos im Jahr 1750 wurde in einem Vertrag festgelegt, dass der Nachbarsohn und Geselle Domenicos, Giorgio Serafin, seinen väterlichen Betrieb Scolo dei Marzeri in dem Betrieb der Töchter alla Cremona aufgehen lassen müsse und dass er binnen acht Monaten die eine Schwester, Antonia, heiraten solle. Diese Hochzeit fand am 21. November 1751 statt, dem höchsten Feiertag Venedigs. Serafin konnte nun nicht nur über ein umfangreiches Betriebskapital verfügen und die Verträge für die Ausrüstung und Wartung der Streichinstrumente verschiedener venezianischer Kirchenorchester und der Orchester der Hospitäler weiterführen, sondern er übernahm auch verschiedene Instrumente, so zwei von Girolamo Amati und eines von Stainer, in einen wohlgeordneten Betrieb, dessen Profit er mit den Schwestern teilen musste.

Das Wohnhaus der Montagnana wurde im Zuge der von der österreichischen Herrschaft eingeleiteten städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen im Jahr 1857 abgerissen.

Montagnana baute Streichinstrumente wie Violinen, Bratschen, Violoncelli und auch Kontrabässe. Im Jahre 1730 sei ihm die Konstruktion einer besonderen Bauart für die Violine gelungen. Bekannt ist Montagnana aber vor allem als Erbauer von Violoncelli.

Verbreitung seiner Instrumente[Bearbeiten]

Es wird geschätzt, dass es heute noch mehr als 100[2] von Montagnana gebaute Instrumente gibt, davon sind viele noch in Gebrauch und werden von berühmten Musikern gespielt, sie sind dabei auch im Besitz privater oder öffentlicher Sammlungen.

Mischa Maisky spielt seit 1973 auf einem Montagnana-Cello

Ein Instrument von Montagnana spielen oder haben gespielt: Lynn Harrell, Mischa Maisky, Orlando Cole, Nathaniel Rosen, Ralph Kirshbaum, Truls Mørk, Alfred Wallenstein, Yo-Yo Ma, Emanuel Feuermann, Jan Vogler, Heinrich Schiff.

In Montagnanas Geburtsstadt Lendinara findet jährlich ein Festival statt, bei dem auch seine Instrumente zur Geltung kommen.

Berühmte Instrumente[Bearbeiten]

  • Ex-Hekking (1721) - 2011 gespielt von Jan Vogler, Dresden
  • Petunia (1733) - im Besitz von Yo-Yo Ma
  • Feuermann (1735) - ein Schweizer Sammler
  • Sleeping Beauty (1739) - im Besitz von Heinrich Schiff, vorher Gregor Piatigorsky
  • Baron Steinheil (1740) (unbekannt)
  • Duchess of Cleaveland (1740) (unbekannt)
  • Ex-Servais (1738) - im Besitz von Nathaniel Rosen
  • Montagnana (1710) - war im Besitz von Guilhermina Suggia

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefano Pio, Liuteri & sonadori, Veniceresearch 2002
  • Willibald Leo Freiherr von Lütgendorff, Die Geigen und Lautenmacher von Mittelalter bis zur Gegenwart, 2 Bände, Frankfurt 1922.
  • Thomas Drescher: Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Tutzing : Schneider 1990 (ie. Ergänzungsband zu Willibald Leo Freiherr von Lütgendorff, Die Geigen und Lautenmacher von Mittelalter bis zur Gegenwart)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Campo San Bartolomeo siehe italienische Wikipedia it:Campo San Bartolomeo
  2. Ralf Kirshbaum schätzt 40 Celli, nach anderen Angaben, so Cozio sind es insgesamt 112, davon 27 Celli, 3 Bratschen, 2 Kontrabässe