Domino

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Dieser Artikel behandelt das Legespiel; zu anderen Bedeutungen siehe Domino (Begriffsklärung).
Dominopartie
Aufwändig gearbeitete Dominosteine besitzen in der Mitte kleine Noppen, sodass die Steine zur Erleichterung des Mischens nicht ganz flach auf dem Tisch zu liegen kommen; Dominoleisten hindern die Steine am Umfallen
Albert Anker: Das Mädchen mit den Dominosteinen, 2. Hälfte des 19. Jh.
Alle Steine eines 18er Dominospiels
Spielsteine aus Walknochen
Die 32 Steine des chinesischen Dominospieles
Dominoeffekt
Dominoeffekt Fall
Strand-Domino, 1932 in Miami
Domino-Spieler in einem Park in Tirana (Albanien)

Domino ist ein Legespiel mit rechteckigen Spielsteinen, meist aus Holz oder Kunststoff. Professionelle Spielsteine haben im Allgemeinen eine Größe von ca. 56 × 28 × 13 mm. Die Steine sind in zwei Felder geteilt, auf welchen zwischen null und je nach Umfang des Satzes bis zu 18 Augen in jeweils allen möglichen Kombination abgebildet sind. Nach der höchsten Augenzahl im Spiel unterscheidet man Doppel-6er, Doppel-9er, Doppel-12er, Doppel-15er und Doppel-18er Dominosets. Um das Spiel zu erleichtern, sind die Augenzahlen verschiedener Felder oft unterschiedlich koloriert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Herkunft des Dominospiels ist unklar. Chinesische Wurzeln und der Import der Steine durch Marco Polo werden vermutet, lassen sich aber nicht mit letzter Sicherheit belegen. Der Name zumindest lässt auf klösterliche Abstammung schließen, da er einmal von jenem langen schwarzen Mantel stammen kann, welcher scherzhaft als Domino bezeichnet wurde, oder aber von benedicamus domino, dem Siegesruf eines leidenschaftlich spielenden Abtes.

In den 1990er Jahren erschien in der Schweiz die erste Domino-Fach- und Satire-Zeitung Das schwarze Auge, redigiert von Grossmeister (GM) Beat Melcher.

Der erste deutsche Dominosportverein „FIDO Deutschland e. V.“ wurde am 22. August 2004 in Hagenow gegründet.

Regel[Bearbeiten]

Die Grundregel der meisten Dominospiele besteht darin, abwechselnd Steine mit Feldern gleicher Augenzahl aneinanderzufügen. Es beginnt der Spieler mit dem höchsten Doppelstein (z. B. bei einem Doppel-6er-Domino mit 6/6), nachdem zuvor die Steine verdeckt gemischt und verteilt wurden. Je nach Anzahl der Teilnehmer bleiben Steine übrig, die den Talon bilden. Wer nicht anlegen kann, zieht zwei Steine aus dem Talon oder setzt aus, sobald dieser aufgebraucht ist. Wer zuerst alle Steine angelegt hat, ist Sieger. Ihm werden die Augenzahlen der übrigen Steine der Mitspieler als Pluspunkte gutgeschrieben. Manche Varianten werden auch mit einem „Divisor“ gespielt. In diesem Fall erhält der Spieler Zusatzpunkte, wenn nach seinem Zug die Summe der Augen an allen Enden der Dominoschlange ohne Rest durch den Divisor geteilt werden kann. Übliche Divisoren sind:

  • 9er-Domino: Divisor 5
  • 12er-Domino: Divisor 7
  • 15er-Domino: Divisor 9
  • 18er-Domino: Divisor 11

Beispiel: Wenn bei einem Spiel mit dem 12er-Domino die Summen der freien Enden in der Dominoschlange gleich 21 ist, nachdem ein Spieler seinen Stein angelegt hat, so erhält dieser 21 durch 7 = 3 Bonuspunkte.

Wie mit Spielkarten und Würfeln, so können auch mit Dominosteinen sehr viele verschiedene Spiele gespielt werden. Gewinner ist meist, wer zuerst alle seine Steine abgelegt hat. Einige Varianten heißen:

  • Ungarisches Domino (Man darf so lange anlegen, wie man kann. Erst dann ist der Mitspieler an der Reihe)
  • Italienisches Domino (Die Summe der Augen zweier Steine spielt eine Rolle)
  • Französisches Domino (Die Steine werden nicht nebeneinander, sondern übereinander gelegt und eine Hälfte jeweils sichtbar gelassen)
  • Bukidomino, ein in Wien Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitetes Glücksspiel.
  • Domino Whist, eine Variante des Blockdominos für vier Spieler in zwei Partnerschaften
  • Pai Gow, ein Glücksspiel mit den 32 Steinen des chinesischen Dominospiels, das in Spielbanken in den USA, Macao und Australien angeboten wird
  • Dominosa, ein Solospiel, erfunden von O.S.Adler, der die Anfangsbuchstaben seines Namens anhängte, verläuft ähnlich wie eine Patience.
  • Bilderdomino, eine Kindervariante mit Bilderaufdruck, meist als Lernspiel gedacht.

Daneben wurden viele Kartenspiele für das Spiel mit Dominosteinen adaptiert, so z. B. Poker, Einundzwanzig, Euchre, Cribbage, Auction Pitch (unter dem Namen „Forty Two“), Pinochle, Bézique (unter dem Namen „Bingo“), Loo, Hearts, …, ebenso wie Patiencen.

Diese Spiele wurden vor allem im amerikanischen Bible Belt entwickelt, da dort Spielkarten als "the devil’s prayer book" verpönt sind, das Spiel mit Dominosteinen aber (gerade noch) toleriert wird. Umgekehrt findet sich das von den Dominospielen her bekannte Anlegen auch in gewissen Kartenspielen, so in Fan Tan, das darum auch als Kartendomino bekannt ist.

Die Anzahl der Spielsteine errechnet sich aus \sum_{k=1}^{n+1} k = \frac{(n+1)(n+2)}{2}, wobei n für die höchste im Spiel vorhandene Augenzahl steht. Das Doppel-6er Domino enthält somit \sum_{k=1}^{6+1} k = \frac{(6+1)(6+2)}{2} = 28 Steine.

Domino wird in der Karibik mit vier Spielern gespielt (vgl. Domino Whist). Ähnlich wie bei dem deutschen Skat ist es wichtig, sich zu merken, welche Steine von welchem Spieler herausgelegt wurden. Spielt man diese Version des Domino, so erkennt man relativ schnell, dass es sich hier nicht mehr um ein Kinderspiel handelt. Ziel ist es, seine Steine als erster abzulegen. Jeder legt im Uhrzeigersinn jeweils einen Stein ab, falls überhaupt angelegt werden kann. Falls nicht, muss man solange aussetzen, bis man anlegen kann.

African Dominoes bezeichnet keine Form des Dominospiels, sondern Spielwürfel mit scharfen, das heißt nicht abgerundeten Kanten, die beim Craps verwendet werden.

Mathematische Denksportaufgaben[Bearbeiten]

Bei solchen Aufgaben sind vorgegebene Figuren zu bilden, bei denen die Augensummen in den entstehenden Zeilen und Spalten (und manchmal auch Diagonalen) gleich sind oder eine andere Bedingung erfüllen. Zusätzlich können Einschränkungen erfolgen, welche Dominosteine für die Aufgabe verwendet werden dürfen.

Geschicklichkeitsspiel[Bearbeiten]

Dominosteine können an ihrer Schmalseite aufgestellt werden, wobei sie sich dann in einem stabilen, aber empfindlichen Gleichgewicht befinden. Das bedeutet, dass ein solcher Dominostein durch einen leichten Stoß umgeworfen werden kann und dabei auch benachbarte Steine zum Fallen bringt (Domino-Effekt). Dieser Vorgang wird verwendet, um eine ganze Reihe oder auch Fläche derart aufgebauter Steine durch Anstoßen eines einzigen Steins zum Umfallen zu bringen. Das Geschicklichkeitsspiel besteht dabei natürlich nicht im Umfallenlassen, sondern im Aufstellen der Steine.

Für dieses Spiel werden häufig Steine ohne Augenaufdruck verwendet. Wenn die Steine in verschiedenen Farben gefärbt sind, ergeben sich beim Umfallen interessante grafische Effekte.

siehe auch: Domino Day

Domino-Weltmeister[Bearbeiten]

Immer zum Jahresende findet eine dezentrale FIDO-Domino-Weltmeisterschaft statt. Wenn sich Gruppen zu fünf Spielern zusammenfinden, spielen diese drei Runden mit einem Zwölfer-Dominospiel auf Divisor Sieben. Die Ergebnisse der drei Spiele werden an FIDO eingesandt, wo die Auswertung vorgenommen und der Weltmeister am darauffolgenden Tag bekanntgegeben wird.

Bisherige Domino-Weltmeister[Bearbeiten]

  • 2013: Guðný Ósk Scheving, Norwegen
  • 2012: Chris Währen, Schweiz
  • 2011: Hege Lofthus, Norwegen
  • 2010: Thomas Caflisch, Schweiz
  • 2009: Thomas Egeli, Schweiz
  • 2008: Guðný Ósk Scheving, Island
  • 2007: Alex Joss, Schweiz
  • 2006: Marina Despotovic, Schweiz
  • 2005: Irène Bader, Schweiz
  • 2004: Walti Bader, Schweiz
  • 2003: Ingo Rickmann, Deutschland
  • 2002: Verena Huser, Schweiz
  • 2001: Luzia Würsch, Schweiz
  • 2000: Walti Bader, Schweiz
  • 1999: Roland Behring, Deutschland
  • 1998: Frank Lindemann, Deutschland
  • 1997: Roswitha Siedelberg, Deutschland
  • 1996: Sigrid Sagevik, Norwegen
  • 1995: Anne Marie Hartvigsen, Norwegen

Maria-Theresa-Cup[Bearbeiten]

Die nach der WM zweitwichtigste jährliche Wettkampf-Veranstaltung im europäischen Domino-Sport ist noch vor der Europameisterschaft der Maria-Theresa-Cup,[1] der erstmals 2002 im schleswig-holsteinischen Hochdonn ausgespielt wurde. Seitdem fand er jeweils im Spätsommer in Kollow (Schleswig-Holstein), Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) und Schwarmstedt (Niedersachsen) statt.

Standardisierung der Dominosteine[Bearbeiten]

Da die Verwendung von Domino-Schriftzeichen noch recht selten ist, werden Dominosteine in Computerprogrammen meist als Grafiken dargestellt;
hier die verschiedenen Steine des Doppel-6er-Dominos als SVG

Seit Version 5.1 vom April 2008 sind die Steine des Doppel-6er-Dominos in horizontaler und vertikaler Ausführung als Unicode-Block Dominosteine (Domino Tile Symbols U+1F030U+1F093) Teil des Unicode-Standards und somit auch des Standards ISO/IEC 10646. Steine anderer Varianten wurden dort bisher nicht standardisiert.

100 Zeichen für 28 Steine[Bearbeiten]

Der Codeblock enthält 100 verschiedene Schriftzeichen, obwohl wie oben berechnet ein Doppel-6er-Domino-Spiel nur 28 verschiedene Steine umfasst. Sieben davon verfügen in den beiden Hälften über eine identische Augenzahl (0|0 bis 6|6). Die restlichen 21 Steine können mit der größeren Augenzahl zuerst oder mit der kleineren Augenzahl zuerst gelegt werden (z. B. 5|2 oder 2|5). Da Drehungen in der Zeichenkodierung nicht trivial abzubilden sind, wird daher für beide Möglichkeiten jeweils ein gesondertes Zeichen verwendet. Außerdem verfügt jeder Dominostein über eine Rückseite, die separat kodiert wird. Das ergibt   7 + 21 + 21 + 1 = 50   Zeichen. Unterscheidet man außerdem nach horizontaler und vertikaler Ausrichtung, erhält man   2 × 50 = 100   Zeichen.

Computerdarstellung[Bearbeiten]

Bisher enthält kaum eine der weit verbreiteten Schriftarten Zeichen für Dominosteine. Dort wird dann statt eines Dominosteins eine Ersatzdarstellung[2] verwendet, die sogenannte Replacement Glyph;[3] dabei kann es sich um ein rechteckiges Kästchen handeln, in dem ggf. der hexadezimale Wert des Zeichens aufgeführt ist. Um doch den Dominostein angezeigt zu bekommen, muss eine Schriftart verwendet werden, die eine passende Glyphe für das jeweilige Unicode-Zeichen enthält.

Zu den wenigen Schriftarten, die Zeichen für den Codeblock Dominosteine enthalten, gehört Code2001.

Domino in der Kunst[Bearbeiten]

Dominospieler; Karikatur von Honoré Daumier, 1839

Das Dominospiel hat auch viele Künstler inspiriert: Von Honoré Daumier stammt eine bekannte Karikatur von Dominospielern. In der ersten Szene von Umberto Giordano's Oper Fedora spielen die Diener des Grafen Andrejewitsch eine Partie Domino.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literaturverzeichnis[Bearbeiten]

  • Fritz Beck: Domino in vielen Spielarten (Perlen-Reihe. Bd. 656). Pechan-Verlag, Wien u. a. 1960.
  • Michael Engel: Das große Humboldt Domino-Buch. Vielfältige Varianten, orientalisches Domino, Einpersonenspiele u. v. m. (= Humboldt-Taschenbuch. Bd. 4030 Freizeit & Hobby). Humboldt-Verlag, Baden-Baden 2004, ISBN 3-89994-030-X.
  • Miguel Lugo: How to Play Better Dominoes. Sterling Publishing, New York NY 1998, ISBN 0-8069-8299-3 (früherer Titel Competitive dominoes).
  • Albert H. Morehead, Richard L. Frey, Geoffrey Mott-Smith: The New Complete Hoyle. The authoritative guide to the official rules of all popular games of skill and chance. Revised edition. Doubleday, New York NY 1991, ISBN 0-385-24962-4.
  • Reiner F. Müller: Spielend Domino lernen. Grundregeln und Variationen (= Falken-Bücherei 2045). Falken-Verlag, Niedernhausen/Ts. 1994, ISBN 3-8068-2045-7.
  • David Pritchard (Hrsg.): Das große Familienbuch der Spiele. Nikol-Verlag, Hamburg 1996, ISBN 3-930656-47-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Domino (Spiel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maria-Theresa-Cup
  2. Gemäß Kapitel 5.3 (PDF) des Unicode-Standards
  3. Erscheint hinter dem folgenden Doppelpunkt der horizontale Doppelfünfer, so unterstützt die verwendete Schriftart die Dominosteine: 🁙. Andernfalls ist dort die Replacement Glyph oder ein Block mit der Zeichencodierung zu sehen.