Donareiche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bonifatius lässt die Donareiche fällen (Gemälde von 1737)
Bonifatius fällt die Donareiche (Bernhard Rode, 1781)
Nach vollendeter Tat

Die Donareiche war ein dem germanischen Gott Donar bzw. Thor geweihter Baum bei Geismar, heute Stadtteil von Fritzlar, in Nordhessen.

Fällung durch Bonifatius[Bearbeiten]

Bekannt ist die Eiche durch eine Begebenheit während der Missionstätigkeit des Bonifatius. Laut der um 760 verfassten Vita Sancti Bonifatii des Willibald von Mainz befand sich Bonifatius auf einer Missionsreise im Nordosten des Frankenreichs im heutigen Hessen. Er benutzte dabei wahrscheinlich die von den bereits seit Chlodwig christianisierten Franken errichtete und besetzte Büraburg als Basis, welche in Sichtweite am Südufer der Eder gegenüber der heutigen Stadt Fritzlar lag. Um die zum Großteil noch nicht zum Christentum bekehrten Chatten zu überzeugen, suchte er die Ohnmacht der altgermanischen Götter zu beweisen und ließ im Jahre 723, unter dem Schutz fränkischer Soldaten und in Gegenwart zahlreicher Chatten, die Eiche fällen, die eines der wichtigsten germanischen Heiligtümer war.

„quorum consultii atque consilio arborem quandam mirae magnitudmis, quae prisco paganorum vocahulo appellatur robur Jovis in loco, qui dicitur Gaesmere, servis dei secum astantibus, succidere tentavit“

„Auf ihren Rat hin legte er in Gegenwart seiner Brüder die Axt an eine Eiche von ungeheurer Größe, die von den Heiden als Jupiter-Eiche bezeichnet wurde und an einem Ort stand, der Geismar genannt wird.“

– Vita Bonifatii 8, 22 M.G., Scr. II, 343. Walter Baetke: Die Religion der Germanen in Quellenzeugnissen, Frankfurt/M. 1944 S. 130

Aus dem Holz der Eiche ließ Bonifatius an einem nicht näher bezeichneten Ort ein dem Hl. Petrus geweihtes Bethaus (oratorium) bauen. Um 732 wird in der Bonifatius-Vita des Willibald berichtet, Bonifatius habe in Fritzlar eine St. Peter geweihte Kirche und ein Kloster erbauen lassen.

Hypothesen zum Standort der Donareiche[Bearbeiten]

Archäologische Nachweise zum Standort der Eiche sind nicht bekannt. Die Überlieferung basiert auf der Bonifatius-Vita des Willibald, die als Standort der Eiche eindeutig die Ortsbezeichnung Gaesmere (Geismar) nennt.[1] Die damalige chattische Siedlung „Altgeismar“ lag einige hundert Meter südlich des heutigen Ortskerns von Geismar und wurde in den 1970er Jahren ausgegraben. An welchem Ort das erste Bethaus aus dem Holz der Eiche erbaut wurde, wird nicht erwähnt. Als Standort der um 732 erbauten St. Peterskirche und des Klosters benennt Willibald Friedeslar (Fritzlar),[2] an deren Stelle später der heutige Fritzlarer Dom errichtet wurde. Aufgrund des Patroziniums wird allgemein angenommen, dass sich auch schon das erste St. Peter geweihte Bethaus an der gleichen Stelle befand.

Die unterschiedlichen Ortsangaben lassen sich damit erklären, dass schon für das erste Bethaus der höher gelegene heutige Domhügel als Standort gewählt wurde, weil er sich – wie später auch geschehen – gut zur Befestigung ausbauen ließ und als Bauplatz besser geeignet war. Das Holz eines Baumstammes über die geringe Entfernung von nur ca. 1−1,5 km von Geismar nach Fritzlar zu transportieren, war auch mit damaligen Mitteln problemlos möglich, wenn man nicht gerade durch Wald oder Sumpf musste.

Eine anderslautende Hypothese, das erste Bethaus des Bonifatius sei direkt an der Stelle der Donareiche errichtet worden und der heutige Fritzlarer Dom befinde sich damit an dieser Stelle, begründet sich insbesondere darauf, dass sich germanische Heiligtümer eher auf Höhen als in Niederungen befanden und der Fritzlarer Domhügel zur Zeit des Bonifatius wahrscheinlich zur Flur von Geismar gehörte. Somit entfiele auch der angeblich mühselige Transport des Holzes auf den Domhügel. Diese Hypothese widerspricht zwar der schriftlichen Überlieferung der Bonifatius-Vita, die ausdrücklich zwei verschiedene Ortsnamen nennt, allerdings erst knapp 50 Jahre später verfasst wurde, als sich um die Bonifatiuskirche und das dortige Kloster längst eine neue Siedlung namens Friedeslar (Ort des Friedens) gebildet hatte.

Als Standort der Donareiche wurde weiterhin auch der einige Kilometer nordwestlich gelegene Johanneskirchenkopf zwischen Geismar, Züschen und Wellen vermutet. Weitere Hypothesen, nach der die Donareiche auf dem Hülfensberg bei Geismar an der Frieda oder bei Hofgeismar in Nordhessen gestanden habe, gelten als wenig wahrscheinlich, da diese Orte weit entfernt liegen und Bonifatius kaum das Holz der Eiche zum Bau seiner Kapelle bis nach Fritzlar hätte transportieren lassen.

Ausbreitung des Christentums[Bearbeiten]

Büraburg wurde im Jahre 742 von Bonifatius zum ersten Bistum in den neu missionierten Territorien erhoben. Das Bistum wurde allerdings nach dem Tode des ersten Bischofs, Witta, nicht wieder besetzt, sondern von Lullus, Bonifatius' Nachfolger als Erzbischof von Mainz, in das Bistum Mainz eingegliedert, um dadurch Mainz die Aufsicht über die Missionsarbeit in den weiter östlich gelegenen Gebieten zu sichern.

Literarische Erwähnung[Bearbeiten]

Literarische Erwähnung fand die Donareiche unter anderem in Wolfdietrich Schnurres Der Schattenfotograf.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rau, Reinhold (Berb.): Briefe des Bonifatius. Willibalds Leben des Bonifatius. Darmstadt 1968, S. 494: "...in loco qui dicitur Gaesmere".
  2. Levison, Wilhelm (Hg.): Scriptores Rerum Germanicorum in usum scolarum ex monumentis germaniae historicis, Bd. 57. Hannover/Leipzig 1905, S. 35: "...videlicet ecclesias Domino fabricavit; undam quippe in Friedeslare, quam in honore sancti Petri dedicavit..."

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Donareiche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien