Donativum
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Donativum (Plural: Donativa) war der Name, der im Römischen Reich den Geldgeschenken gegeben wurde, die die römischen Kaiser unter die Soldaten der Legionen oder der Prätorianergarde verteilten. Der Zweck des Donativum variierte, einige waren Ausdruck der Dankbarkeit für die entgegengebrachte Gunst, andere einfach Bestechung für Wohlwollen, das erwartet wurde. Donativa wurden anfangs üblicherweise zum Amtsantritt eines neuen Kaisers ausgegeben, im 2. und 3. Jahrhundert aber wurde diese Form der Bestechung ein zentraler Punkt für jeden erfolgreichen Regenten, zum Beispiel bei vielen Soldatenkaisern zwischen 235 und 284 – vor allem an die Prätorianergarde, die dem Kaiser wesentlich näher war und daher eine größere Gefahr für die Sicherheit darstellte. Die in Rom stationierten Kohorten waren schwierig ruhigzuhalten und schnell bei der Hand, wenn es darum ging, einen Mord zu begehen. Das Donativum unterstützte somit einen schrecklichen Weg, die Unterstützung und Loyalität der Prätorianer zu erhalten.
Kaiser Augustus hinterließ den Prätorianern noch eine beträchtliche Summe in seinem Testament, aber unter Tiberius’ Regierung wurden die Geldgeschenke quasi zur Pflicht. Die Prätorianer erhielten das Geld, um zuzulassen, dass Sejanus, ihr Präfekt, gestürzt wurde: Jeder Gardist erhielt 10 Goldstücke dafür, dass er davon Abstand nahm, ihn zu verteidigen. Im Jahr 41, nach dem Mord an Caligula, unterstützte die Garde Claudius, und nach einer kurzen Zeit begriff der Senat, dass es die Garde war, die ihn auf den Thron gesetzt hatte. Claudius gab ihnen 150 Aurei, etwa 3.750 Denare – zu denen die Senatoren jährlich 100 Sesterzen hinzutaten, um an Claudius’ Inthronisierung zu erinnern.
Auch nach der Auflösung der Prätorianergarde im Jahr 312 blieben kaiserliche, in der Spätantike oft als largition bezeichneten Donative an die Truppen (wenigstens aus Anlass des Herrschaftsantritts) mindestens bis ins 6. Jahrhundert hinein üblich.
| Kaiserliche Donativa an die Prätorianergarde 14–193 | |||
|---|---|---|---|
| Jahr | Kaiser | Anlass | Denare |
| 14 | Augustus | Testament | 250 |
| 31 | Tiberius | Loyalität beim Sturz des Sejanus | 1.000 |
| 37 | Caligula | Thronbesteigung | 500 |
| 41 | Claudius | Thronbesteigung | 3.750 |
| jährlich | Claudius | Regierungsjubiläum | 25 |
| 54 | Nero | Thronbesteigung | 3.750 |
| Sold für Morde | 500 oder weniger | ||
| 69 | Galba | Zusage an Nymphidius Sabinus, aber nicht gezahlt | 7.500 |
| 69 | Otho | Zusage | 1.250 |
| 69 | Vitellius | Zusage | 1.250 |
| 69 | Vespasian | regelmäßige Zuwendung | unbekannt |
| 79 | Titus | regelmäßige Zuwendung | unbekannt |
| 81 | Domitian | Verdoppelung des Donativum geplant, aber normale Summe gezahlt | unbekannt |
| 96 | Nerva | normales Donativum | unbekannt |
| 98 | Trajan | normales Donativum | unbekannt |
| 117 | Hadrian | normales Donativum verdoppelt | unbekannt |
| 138 | Antoninus Pius | normales Donativum und bei der Hochzeit der Tochter | unbekannt |
| 161 | Mark Aurel | Gemeinsame Regierung mit Lucius Verus | 5.000 |
| 180 | Commodus | normales Donativum; ein zweites versprochen, aber nicht gezahlt | unbekannt |
| 193 | Pertinax | wurde gezwungen, Commodus’ Zusage einzuhalten | 3.000 |
| 193 | Didius Julianus | ersteigerte den Thron | 7.250 |
| 193 | Septimius Severus | versprach ein Donativum, zahlte aber weniger | 250 |
[Bearbeiten] Literatur
Heinrich Otto Fiebiger: Donativum. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V,2, Stuttgart 1905, Sp. 1542–1545.