Biosphärenreservat Donaudelta
| Biosphärenreservat Donaudelta | ||
|---|---|---|
| Donaudelta | ||
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| Lage: | Tulcea, Rumänien | |
| Nächste Stadt: | Kreis Tulcea und Constanța in Rumänien und in der Ukraine | |
| Fläche: | 4178 km² | |
| Gründung: | 1991 | |
Das Biosphärenreservat Donaudelta befindet sich im Mündungsgebiet der Donau ins Schwarze Meer. Das Donaudelta ist nach dem Wolgadelta das zweitgrößte Delta Europas und erstreckt sich auf einem Gebiet von 5800 km², wovon 4178 km² unter Naturschutz stehen, davon befinden sich 3446 km² in den Kreisen Tulcea und Constanța in Rumänien und 732 km² in der Ukraine. Das Donaudelta umfasst das Gebiet zwischen den drei Stromarmen Chilia, Sulina und Sfântu-Gheorghe sowie den südlich davon gelegenen Lagunen des Razim-Sinoie-Seenkomplexes.
Am 27. August 1990 wurde das gesamte Donaudelta durch den Erlass der rumänischen Regierung zum Biosphärenreservat erklärt. Im Jahr 1991 erfolgte die Eintragung des Donaudeltas in die Liste der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung der Ramsar-Konvention. Am 15. Februar 1993 wurde es durch die UNESCO in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommen und vom rumänischen Staat durch das Gesetz 82/1993 zum Naturschutzgebiet von nationaler und internationaler Bedeutung ausgewiesen. Seit 1998 ist auch der ukrainische Teil des Donaudeltas ein anerkanntes Biosphärenreservat.
Am 5. Juni 2000 verpflichteten sich die Regierungen von Rumänien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine zum Schutz und zur Renaturierung der Feuchtgebiete entlang der etwa 1000 Kilometer langen unteren Donau. Dieser vom WWF initiierte "Grüne Korridor" wurde damit zum größten grenzüberschreitenden Schutzgebiet in Europa. Das Biosphärenreservat Donaudelta beherbergt das größte zusammenhängende Schilfrohrgebiet der Erde und ein bedeutendes Vogelschutzreservat. Hier lebt die größte Pelikankolonie Europas.
Inhaltsverzeichnis |
Klima [Bearbeiten]
Das vorherrschende kontinentale Klima, mit nur 457,2 mm Regenfall pro Jahr, ist durch die Nähe zum Meer und durch die hohe Luftfeuchtigkeit der zahllosen Seen und Flüsse der Region Schwankungen unterworfen. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 11–11,6 °C[1] im Winter und 21 °C im Sommer. Aus der Richtung der kontinentalen Zone Russlands weht im Winter ein kalter Wind, der den Namen Crivăț trägt und das Wasser der Donau in manchen Jahren zufrieren lässt. Im Sommer sind die starken Winde heiß und trocken. Sie trocknen den Boden aus und verwandeln ihn in Staub.[2]
Die beiden Temperaturextrema, die hier gemessen wurden, waren -23,6 °C, am 9. Februar 1929 und +37,5 °C, am 20. August 1946. In Tulcea steigt das Thermometer jährlich etwa 100 Tage über +30 °C. In Sulina sind 80 warme Tage im Jahr. Zwischen Mai und Oktober beträgt der mittlere Wert der Temperatur +19,0 °C und die Sonne scheint circa 300 Stunden im Monat. Ein weiterer wichtiger meteorologischer Faktor sind die Niederschläge. Der Regen geht meistens als Platzregen nieder und ist von kurzer Dauer. Die meisten Niederschläge fallen im Monat Juni und die wenigsten im Februar und März. Es gab auch Dürrejahre (1942), als in Sulina die gesamte jährliche Niederschlagsmenge nur 134,4 mm betrug. Der Wind weht hier nahezu ständig. Windstille Tage gibt es im Laufe eines Jahres höchstens 25–30. Die vorherrschende Windrichtung ist die von Nordosten, des Öfteren aber weht auch ein südöstlicher Wind. Die Fischer im Delta unterscheiden zehn Hauptwinde und jeder hat einen Namen.[3]
| Durchschnittstemperatur (Monatsdurchschnitt/Jahresdurchschnitt)[3] | |||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Monat | Jan | Feb | Mar | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | jährlich |
| Tulcea | −1,8° | −0,2° | 4,2° | 10,3° | 16,2° | 19,9° | 22,2° | 21,1° | 17,4° | 12,6° | 6,2° | 1,8° | 10,8° |
| Sulina | −0,7° | −0,2° | 4,1° | 9,6° | 15,8° | 20,1° | 22,5° | 21,8° | 17,9° | 12,7° | 6,8° | 2,1° | 11,1° |
| Niederschlagsmenge (Monatsdurchschnitt/Jahresdurchschnitt in mm)[3] | |||||||||||||
| Monat | Jan | Feb | Mar | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | jährlich |
| Tulcea | 35,5 | 26,4 | 30,8 | 35,7 | 39,4 | 50,2 | 46,9 | 44,5 | 37,7 | 32,0 | 29,4 | 35,0 | 443,0 |
| Sulina | 24,2 | 21,0 | 21,1 | 21,6 | 34,2 | 45,5 | 34,5 | 40,8 | 26,4 | 33,6 | 27,2 | 28,9 | 359,0 |
Geschichte [Bearbeiten]
Geschichtsschreiber, Geographen und Reisende des Altertums berichteten über die Mündungen der Donau. Unter ihnen Herodot, der in den Jahren 454–447 v. Chr. verschiedene Gegenden bereiste darunter auch das Mündungsgebiet der Donau und somit der Nachwelt wertvolle Aufzeichnungen über das Donaudelta hinterließ. Auch der Geschichtsschreiber Polybios (201–120 v. Chr.) erwähnte die großen Schlammmengen, die der Fluss ins Meer schleppt, sowie eine für die Navigation gefährliche Sandbank. Wertvolle Aufzeichnungen machten auch der Geograph und Ethnograph Strabon sowie der Geograph und Mathematiker aus Alexandrien Claudius Ptolemäus.[4]
Entstehung [Bearbeiten]
Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass sich das Donaudelta aus einer Bucht geformt hat in einer Zeit als sich der Meeresspiegel zwischen 50 und 60 Meter unter dem heutigen befand. In dieser Etappe deutete sich ein sogenannter "Anfangsgürtel" an, der seinen mittleren Teil vor mehr als 10.000 Jahren begonnen hat. Die Entstehung dieses Anfangsgürtels, die dem heutigen Letea, Caraorman und Crasnicol entspricht, führte schließlich zur Eindämmung dieser Bucht. Durch weitere Ablagerungen von Milliarden Tonnen von Schwemmstoffen bildete sich das heutige Delta, das sich in ständiger Änderung befindet. So schleppt die Donau bei mittlerem Hochwasser über 6000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, bei Ceatalul Chiliei, da wo sich die Donau in zwei Arme teilt. Die Donau schwemmt circa 80 Millionen Tonnen Erde mit sich. Durch diese riesengroßen Mengen von Schwemmmaterial, sowie durch die Strömungen und Wellen bildete sich ein Labyrinth von Kanälen, Seen und Schilf.[4]
Erst seit dem Ende der Kleinen Eiszeit wächst der angehäufte Sand in der Mündungsbucht der Donau in das Schwarze Meer. Von den Berghängen der Alpen und Karpaten wird seitdem Geröll und feiner Schlamm in die Donau gespült. Das grobe Geröll setzt sich bereits in strömungsstarken Bereichen des Flusslaufes ab. Der feine Schlamm wird bis in die Untere Donau transportiert und landet schließlich im Schwarzen Meer. Die Meeresströmungen verteilen den Schlamm nicht im ganzen Meer, sondern häufen ihn in der Meeresbucht an. Durch den Berg von Sand und Schlamm zieht sich an der Oberfläche ein Irrgarten von Wasserläufen. Einige davon werden immer wieder von Sand oder Schilfinseln verstopft und verlanden, andere werden durch Hochwasser neu geschaffen. So verändert sich das Delta ständig. Ziemlich unverändert bleiben nur die drei großen Mündungsarme der Donau, denn sie sind inzwischen zum großen Teil kanalisiert und begradigt. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde das Delta beruhigt. Man baute Deiche, die weite Gebiete vor Überflutungen schützten. Man befestigte die Ufer der Schifffahrtswege im Delta, so dass die Mäander nicht mehr wandern konnten. Die Schifffahrt nahm zu, die Häfen wurden ausgebaut.[5]
Küstenmorphologie [Bearbeiten]
Parallel zur Küstenlinie reihen sich, vor allem im Bereich des Sfântu-Gheorghe-Arms, mehrere in Staffeln angeordnete Dünengürtel auf, die ältere Küstenlinien anzeigen. Am stark sedimentierenden Chilia-Arm wird die Küstenlinie vor allem östlich von Wylkowe immer weiter vorgeschoben; gegenwärtig um vier bis fünf Meter pro Jahr. Noch im 15. Jahrhundert war der Hafen von Chilia Veche nur fünf Kilometer vom Meer entfernt, heute sind es etwa 30 Kilometer. Auch der südlich fließende Sfântu-Gheorghe wächst kräftig ins Meer hinein. Seine Schwebstoffe – rund 80 Millionen Tonnen pro Jahr – werden mit der Meeresströmung nach Südwesten transportiert. Die durch Ablagerungen entstandenen, lang gezogenen Nehrungen haben aus ehemaligen Meeresbuchten den heutigen Razim-See und die benachbarte Sinoie-Lagune geformt. Der Sulina-Arm, mit 72 Kilometern der kürzeste der drei Stromarme, wächst aktuell nicht mehr. Zur Sicherung der Schiffspassage wurden Betonmauern bis weit ins Meer gezogen, wodurch die Schwebstoffe hinausgeführt werden und für den Küstenaufbau nicht mehr zur Verfügung stehen. Die zahlreichen stehenden Gewässer im Delta sind von der Sinkstoffzufuhr abgeschnitten, weshalb sie nur allmählich verlanden. Etwas Besonderes der westlichen Schwarzmeerküste sind der Jalpuch- und der Kotlabuch-See auf der ukrainischen Seite des Deltas. Bei diesen langgezogenen, tiefen Seen handelt es sich um sogenannte Limane, ehemalige pleistozäne Flussmündungen, sogenannte Ria, die im Holozän durch die Ablagerungen der Donau vom offenen Meer abgetrennt wurden.[6]
Biosphärenreservat [Bearbeiten]
Die Donau ist der bedeutendste Vorfluter Südosteuropas und die Sammelader für die großen Flüsse der Ostalpen (Inn, Drau), der Karpaten (Theiß) und der östlichen Dinariden (Save). Am Beginn des Deltas westlich von Tulcea beträgt der mittlere Durchfluss 7320 m³/s Allerdings sind die Differenzen zwischen Niedrigwasser (2000 m³/s) und Hochwasser (24 000 m³/s) erheblich. Flussabwärts von Tulcea verteilt sich das Wasser auf die drei großen Stromarme Chilia, Sulina und Sfântu-Gheorghe. Der sowohl aus rumänischer als auch aus ukrainischer Sicht entlegene und äußerst dünn bevölkerte Raum mit seinen rund 3,5 Einwohnern pro Quadratkilometer gilt als das größte Feuchtgebiet in Europa und als ein wichtiges Refugium für zahllose Pflanzen und Tiere. Der weite Mündungsbereich wird von großen Schilfbeständen beherrscht. Von der Strömung getrieben, bewegen sich schwimmende Schilfinseln durch den amphibischen Raum, der dauernder Veränderung unterworfen ist. Die Gewässer werden von natürlichen Dämmen eingefasst, die jedoch bei jedem Hochwasser überflutet werden.[6]
1938 wurde der Letea Wald zum Naturreservat erklärt. Am 27. August 1990 wurde das gesamte Donaudelta, durch den Erlass der rumänischen Regierung zu einem Biosphärenreservat erklärt. Dies hat zur Gründung der Administraţia Rezervaţiei Biosferei Delta Dunării (abgekürzt ARBDD, deutsch Verwaltung des Biosphärenreservates des Donaudeltas) geführt.[7] Das Hauptziel der ARBDD ist es, die Ausbeutung der Naturressourcen zu verhindern, die das natürliche Gleichgewicht stört. Aus diesem Grund ist z. B. in manchen Perioden des Jahres das Jagen und Fischen verboten. Im Jahre 1991 erfolgte die Eintragung des Donaudeltas in die Liste der Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung der Ramsar-Konvention. Am 15. Februar 1993 wurde es durch die UNESCO in die Liste der Weltnaturerbe aufgenommen und vom rumänischen Staat durch das Gesetz 82/1993 zum Naturschutzgebiet von nationaler und internationaler Bedeutung erklärt. 1998 wurde dann auch der ukrainische Teil des Donaudeltas zum Biosphärenreservat erklärt.
Grüner Korridor [Bearbeiten]
Am 5. Juni 2000 verpflichteten sich die Regierungen von Rumänien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine zum Schutz und zur Renaturierung der Feuchtgebiete entlang der etwa 1000 Kilometer langen unteren Donau. Dieser vom WWF initiierte "Grüne Korridor" wurde damit zum größten grenzüberschreitenden Schutzgebiet Europas. Vor allem die damit verbundene Verpflichtung der vier Länder, einen 600.000 Hektar großen "Grünen Donau-Korridor" zu schaffen, zeichnete der WWF als "Geschenk an die Erde" aus. Es ist das bis jetzt größte grenzüberschreitende Renaturierungsvorhaben in Europa.[8]
Landschaft des Jahres 2007/2009 [Bearbeiten]
Seit 1989 erklärt die Naturfreunde Internationale (NFI) jeweils für zwei Jahre eine grenzüberschreitende und ökologisch wertvolle europäische Region zur Landschaft des Jahres. Das Projekt setzt an den aktuellen Herausforderungen einer Region an, erarbeitet gemeinsam mit der Bevölkerung und allen regionalen Interessengruppen Perspektiven für eine nachhaltige Entwicklung und verwirklicht entsprechende Maßnahmen. Leitziel jeder Landschaft des Jahres ist die nachhaltige Entwicklung der ausgewählten Region. Dabei wird eine ausgewogene Balance zwischen der Umsetzung von Projekten und konkreten Tourismus-, Freizeit-, Kultur-, Natur- und Umweltschutzaktivitäten für breite Teilnehmerkreise sowie politischer Bewusstseins- und Lobbyarbeit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene angestrebt.[9]
Maßnahmen [Bearbeiten]
In diesem Sinne führte die Naturfreunde Internationale verschiedene Maßnahmen mit folgenden Zielen durch:
- Nachhaltiger Tourismus
Tourismus ist im Donaudelta ein zentrales Thema – aus wirtschaftlicher wie aus Naturschutzperspektive. Sowohl der Kreisrat Tulcea als auch die Biosphärenreservatsverwaltung führen daher Projekte durch, um die touristische Infrastruktur und Vermarktung sowie das Besuchermanagement im Biosphärenreservat zu verbessern. Zu diesem Zweck wurden Fortbildungsmaßnahmen wie Kurse für "Nature Guides" und für Pensionsbetreiber organisiert.[10]
- Biodiversität und Umweltbildung
Ein wichtiger Ansatzpunkt für das Schaffen von Umweltbewusstsein sind Schulen. Daher war die Zusammenarbeit mit der Abteilung für Umwelterziehung und -bildung der Biosphärenreservatsverwaltung sowie deren kooperierenden Schulen und Initiativen besonders eng.[10]
- Nachhaltige Schilfnutzung
Schilf spielte im Donaudelta als Rohstoff seit jeher eine wichtige Rolle. Heute ist jedoch nur noch der Export hochwertigen Schilfs für Reetdächer wirtschaftlich relevant. Große Flächen „minderwertigen“ Schilfs werden nicht mehr geerntet und ein Prozess der Nährstoffanreicherung und allmählichen Verlandung setzt ein, der den Charakter des Deltas in weiten Teilen erheblich ändern wird. Die Verarbeitung von nicht exportfähigem Schilf zu innovativen, marktfähigen Produkten ist daher ökologisch sinnvoll und eine ökonomische Chance für die Region.[10]
Beschreibung [Bearbeiten]
Das Biosphärenreservat Donaudelta umschließt das eigentliche Delta zwischen den drei Donauarmen, dem Chiliaarm im Norden, der gleichzeitig die Grenze zur Ukraine bildet, dem Sulinaarm in der Mitte und dem Sfântu-Gheorghe-Arm im Süden sowie den Razim-Sinoie-Seenkomplex, der aus den Seen Razim, Sinoie, Zmeica und Golovița besteht.
Eigentliches Delta [Bearbeiten]
- Chiliaarm
Der größte und zugleich auch wirtschaftlich ergiebigste Donauarm ist der nördliche Chiliaarm. Etwa 10 km von Tulcea entfernt, trennt er sich bei der Verzweigung in Ismail vom Tulceaarm und führt 67 % der gesamten Wassermenge des Stromes zum Meer. Durch mehr als zwei Dutzend verschieden große Mündungen erreicht er das Meer und aus den Sand-, Kies- und Schlammablagerungen und angeschwemmten Resten von Organismen entsteht ein eigenes Delta von ungefähr 243.000 Hektar. Zwei Fünftel davon liegen auf ukrainischem Gebiet. Der ganze Chiliaarm ist 116 km lang und bildet die natürliche Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine.[3]
- Sulinaarm
Der Sulinaarm ist von der Abzweigung bis zum Meer nur 63 km lang und führt etwa 13 % des gesamten Stromwassers. Zwar ist diese Menge verhältnismäßig gering, doch ist er, infolge von Regulierungsarbeiten und Strombettvertiefungen, die in den Jahren 1858–1902 durchgeführt wurden, und durch die pausenlos stattfindenden Bagger- und Instandhaltungsarbeiten für die Schifffahrt der wichtigste Donauarm. Durch die Stromverwaltung der unteren Donau wird auch für Hochseeschiffe mittlerer Tonnage die entsprechende Wassertiefe (23 Fuß, 7,32 Meter) gesichert. Der Sulinaarm läuft in gerader Linie von Westen nach Osten. Seine großen Krümmungen hat man schon zu Beginn des Jahrhunderts geebnet und so wurde der ursprünglich 84 km lange Weg auf 62 km verkürzt.[3]
- Sfântu-Gheorghe-Arm
Die übrige Wassermenge, etwa 20 %, gelangt durch den Sfântu-Gheorghe-Arm ins Meer. Das ist der südlichste und landschaftlich schönste Teil des Donaudeltas. In seiner Umgebung sind die Spuren der menschlichen Eingriffe am wenigsten sichtbar. Er bildet bis Murighiol die nördliche Grenze der Dobrudschaer Hochebene. Dieses Gebiet ist verhältnismäßig schwach besiedelt. Hingegen ist hier die Pflanzen- und Tierwelt sehr mannigfaltig.[3]
Razim-Sinoie-Seenkomplex [Bearbeiten]
Das Biosphärenreservat Donaudelta steht zu 75–80 % ständig oder zeitweise unter Wasser und umfasst auch den Razim-Sinoie-Seenkomplex, der aus den Seen Razim, Sinoie, Zmeica und Golovița besteht.[1]
Die sehenswürdige Umgebung der Lagunen ist touristisch noch wenig bekannt und genutzt. Westlich und südlich grenzen sie an die Dobrudschaer Hochebene, im Norden sind sie mit dem Sumpfgebiet des Sfântu-Gheorghe-Arms benachbart, im Osten bildet eine Reihe von niedrigen Sandbänken ihre Grenze.
Der Razimsee lag einst der Ortschaft Jurilovca gegenüber und war bei Portița mit dem Meer verbunden. Heute deutet nur noch der Name Portița (rumänisch Türchen) auf die einstige Verbindung hin. Der trennende Deich, der zwischen den zwei Wasserreichen angelegt worden ist, wird oft von heftigen Stürmen heimgesucht. Der Razelmsee bildet gemeinsam mit anderen Seen wie Golovița, Zmeica und Sinoe einen zusammenhängenden Komplex, dessen Tiefe zuweilen drei Meter erreicht und dessen Gesamtoberfläche ungefähr 87.000 Hektar beträgt.[3]
Deltabewohner [Bearbeiten]
14.000 Menschen leben hier auf kleinen Inseln, gebildet aus Fluss- und Meersandbänken. 68,5 % der Bevölkerung lebt in Dörfern und 31,5 % in der Stadt Sulina. Einst lebten hier vorwiegend Lipowaner. In diese unzugänglichen Gebiete zogen sie sich einst auf der Flucht vor den religiösen Nachstellungen der orthodoxen Kirche zurück. Sie, die die Kirchenreformen des Patriarchen Nikon ablehnten, siedelten sich in dieser einsamen Gegend an und bildeten die Keimzelle der dünnen Besiedlung des Donaudeltas. Ihre Geschichte kann man in Wylkowe, einem kleinen Ort am Ausgang des Donaudeltas, gut erkunden. Der kleine Ort wird das Venedig der Ukraine genannt, weil sich durch den gesamten Ort ein System von Kanälen und Brücken zieht, die von den Bewohnern als Transportwege genutzt werden.[11] Doch in dem dünnbesiedelten Gebiet leben auch andere Volks- und Religionsgruppen wie Rumänen, Haholen, Ukrainer, Ungarn, Bulgaren, Deutsche, Tataren, Armenier, Juden, Griechen, Türken, Gagausen und Roma.[12] Die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 3,5 Einwohner pro Quadratkilometer.[13]
Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung des Donaudeltas war laut der Volkszählung von 2002 wie folgt:[13]
- Rumänen: 12.666 Personen (87 %)
- Russen, Lipowaner: 1438 Personen (10 %)
- Ukrainer: 299 Personen (2 %)
- Andere Ethnien: (1 %)
Beschäftigungen:
Circa 15,3 % der Bevölkerung leben vom Fischfang, 29 % sind in der Forst- und Landwirtschaft beschäftigt, 15,7 % arbeiten in der Industrie, im Bauwesen und im Handel sowie und Dienstleistungsbereich. 15,4 % leben von Tourismus, Verkehr- und Telekommunikationen, 1,9 % arbeiten im Gesundheitsbereich, 5,7 % sind in der Bildung sowie im Unterrichts- und Kulturwesen tätig, weitere 13,5 sind in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt und 3,6 % sind in anderen Bereichen tätig. Die Wohnsiedlungen sind durch die drei Donauarme Chilia, Sulina und Sfântul Gheorghe, welche die Haupttrinkwasserquelle darstellen, voneinander geteilt. Die Bevölkerung war immer von den natürlichen Ressourcen und vom Fischfang abhängig. Viehzucht und Imkerei wurden durch externe Interessen gefördert. So wurde und wird das Naturerbe der Gegend bewahrt.[1]
Geschützte Zonen [Bearbeiten]
Das Biosphärenreservat Donaudelta wurde gemäß IUCN in vier verschiedene Schutzzonen unterteilt, die sich durch die Art der Umweltschutzmaßnahmen unterscheiden:
Streng geschützte Zonen [Bearbeiten]
Die Kernzonen des Biosphärenreservats Donaudelta sind streng geschützte Zonen. Sie dienen primär der Erhaltung der Biodiversität und der wissenschaftlichen Arbeit. Innerhalb des Reservats stehen 50.573 Hektar unter absolutem Schutz, so auch die Wälder Letea- und Caraorman, die Seen Răducu, Nebunu, Belciug, Potcoavă und Rotundu, die Popina Insel oder die Brackwasser Murighiol.
Die 18 streng geschützte Zonen des Biosphärenreservats Donaudelta sind:[14]
| Lfd. Nr. | Geschützte Zone | IUCN-Kategorie | Fläche in Hektar |
|---|---|---|---|
| 1. | Rosca-Buhaiova-Schutzgebiet | IV | 9.625 |
| 2. | Letea-Wald | IV | 2.825 |
| 3. | Răducu-See | IV | 2.500 |
| 4. | Nebunu-See | IV | 115 |
| 5. | Vătafu-Lunguleț-Schutzgebiet | IV | 1.625 |
| 6. | Caraorman-Wald | IV | 2.250 |
| 7. | Brackwasser "Sărături-Murighiol" | IV | 87 |
| 8. | Erlenwald Erenciuc | IV | 50 |
| 9. | Popina-Insel | IV | 98 |
| 10. | Sachalin-Zătoane-Seen | IV | 21.410 |
| 11. | Periteasca-Leahova-Schutzgebiet | IV | 4.125 |
| 12. | Landspitze "Cap Doloșman" | IV | 125 |
| 13. | Sandbank "Grindul Lupilor" | IV | 2.075 |
| 14. | Istria-Sinoie-Schutzgebiet | IV | 400 |
| 15. | Sandbank "Grindul Chituc" | IV | 2.300 |
| 16. | Rotundu-See | IV | 228 |
| 17. | Potcoava-See | IV | 625 |
| 18. | Belciug-See | IV | 110 |
Pufferzonen [Bearbeiten]
Rund um die streng geschützten Zonen sind auf einer Fläche von über 223.300 Hektar die so genannten Pufferzonen eingerichtet. Sie umgeben die streng geschützten Gebiete, um einen besseren Schutz zu gewährleisten. Dazu gehören die Marine Pufferzone.[1]
Wirtschaftszonen [Bearbeiten]
Die Wirtschaftszonen mit einer Fläche von 306.100 Hektar bilden einen weiteren Teil des Donaudeltas und bestehen aus frei überschwemmten und gestauten Zonen für die Landwirtschaft, den Fischfang, Forstwirtschaft und Wohngebiete.[1]
Renaturierungszonen [Bearbeiten]
Die ökologischen Gleichgewichtszonen sind Gebiete, in welchen die Verwaltung des Biosphärenreservats Donaudelta technische Mittel und Technologie einsetzt, um die Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts zu unterstützen.[1] Als Teil eines Managementplans zur Erhaltung der Biodiversität wurden bis heute 15.000 Hektar zur ökologischen Wiederherstellung renaturalisiert.[15] Dies ist die größte ökologische Renaturierungszone in ganz Europa. Die wiederhergestellten Feuchtgebiete erhielten ihren ursprünglichen Zustand wieder und bieten einen geeigneten Lebensraum für die Tier- und Pflanzenvielfalt der Region.[16]
Wirtschaft [Bearbeiten]
Rohstoffe [Bearbeiten]
Bewohner und Wirtschaftsunternehmen ernten das Schilf des Deltas. Das Schilf wird auch nach Westeuropa exportiert und dort als Schilfmatte verkauft oder zum Decken von Dächern verwendet. Auch Zäune werden aus Schilf geflochten. Außerdem ist diese Pflanze der wichtigste Heizstoff des Deltas. Die industrielle Verarbeitung des Schilfes ist auf seinen reichen Zellulosegehalt zurückzuführen. Man gewinnt nicht bloß den Rohstoff zur Papierherstellung daraus, sondern erzeugt durch ihre Weiterverarbeitung die verschiedensten Produkte, wie Äther und Alkohole.[3]
An vielen Stellen, wo die ursprünglichen Pflanzen aus irgendeinem Grund ausgestorben sind, erscheinen statt dem Schilf andere Gewächse und zwar hauptsächlich Binsenarten mit ihren langen, bajonettförmigen Blättern und den braunen, samtenen Kolben. Nach entsprechender Bearbeitung werden auch aus diesen vielerlei nützliche Gegenstände hergestellt, wie geflochtene Körbe, Hüte, Matten oder Wandbehänge. Eine weitere für Wirtschaft und Ökologie wichtige Pflanze ist die Wassernuss. Ihre hartschalige Frucht, die sich vom Stängel löst, ist für viele Wassertiere eine bedeutende Nahrungsquelle.[3]
Wie das Schilf können auch Sand und Lehm als Baustoff verwendet werden. Ein besonderer „Rohstoff“ des Deltas sind seine Fische. 75 Arten leben im Delta, viele davon sind Speisefische. Die Fischer des Deltas wollen den Stör nun nachzüchten, in Fischzuchtanlagen. Denn im Fluss sind nicht mehr genügend Störe, um den Weltmarkt zu beliefern. Für den Wiederaufbau der Störpopulation im Fluss soll in einem großen Projekt Grundwissen gesammelt werden.[17]
Landwirtschaft und Viehzucht [Bearbeiten]
Im Donaudelta, hauptsächlich im Westen, werden Mais, Weizen, Futterpflanzen und Gemüse auf den Ackerböden der Landarme angebaut. Die Futterpflanzen sind für die Viehzucht, wie Schafe, Kühe, Schweine notwendig. Für Landwirtschaft und Viehzucht gibt es ausgewiesene Wirtschaftszonen.[18]
Die Deltabewohner betreiben eine extensive Viehzucht. Gezüchtet werden Hausschweine Vom Frühling bis zum Spätherbst lebt die Sau im Röhricht, dort wirft sie ihre Jungen, die dann auch daselbst heranwachsen. Der Besitzer schneidet bloß, sein Zeichen ins Ohr der jungen Tiere und einmal wöchentlich bringt er ihnen einen Korb Mais, damit sein Vieh nicht hoffnungslos verwildert. Auch eine primitive Schilfhütte stellt er ihnen zusammen. Gewöhnlich wühlen die Schweine um dieses Flickwerk herum, suchen Wassernüsse und tote Fische am Flussufer, fressen Muscheln und Schnecken, ebenso die mehligen Wurzeln der Binsen, sie plündern Vogelnester aus, jagen junge Vögel Schlangen und Frösche. Vor dem Schlachten werden die Schweine einige Wochen mit Mais und Kartoffeln ernährt, um diese allzu gemischte Nahrung auszugleichen, damit der unangenehme Fischgeschmack aus dem Schweinefleisch verschwindet.[3]
Während der Schifffahrten im Delta erblickt man oft hirtenlose, anscheinend verirrte Rinderherden. Die graue oder rötlich-braune Farbe dieser Tiere, über deren Rücken ein heller Streifen, Abstreif genannt, verläuft, ihre aufwärts oder nach vorn gerichteten Hörner, das Hochhalten des Kopfes, ihre raschen Bewegungen sind Zeichen ihres primitiven Charakters. Die rauen Bedingungen des Deltas haben aus dem friedlichen Wiederkäuer eine spezifische Art dieser Landschaft gemacht, die selten, aber nicht ausnahmsweise genauso verwildert wie das Hausschwein. Will man es nach Hause bringen, so muss es durch einen Jäger erschossen werden. Der Milchertrag ist praktisch gleich Null. Die ganze Milch, die erzeugt wird, trinkt das Kalb. In der Herbstzeit, wenn es von den Stichen der Blutegel, Mücken und Bremsen nicht mehr geplagt wird, mästet es sich und dann pflegt man es zu schlachten. Wenn man von den Rindern spricht, muss man auch die Büffel erwähnen. Dieser Wiederkäuer hat sich in dieser sumpfigen Welt, die an seine indische Urheimat erinnert, gut akklimatisiert.[3]
Die in den Wirtschaftshöfen der Deltadörfer lebenden Hunde sind eher Jagdhunde als Haustiere. Besonders im Besitz der Jäger begegnet man Exemplaren, die man als Spürhunde bezeichnen könnte. Die Hausgänse und –enten kreuzen sich häufig mit den Wildenten und Wildgänsen.[3]
Die Imkerei ist eine uralte Beschäftigung der Deltabewohner und wird auch heute noch praktiziert. Ebenso die Seidenraupenzucht, an die uns heute noch die von sorgfältigen Hausfrauen bewahrten, feingewebten "Peschkire" (Tücher) erinnern.[3]
Industrie und Handel [Bearbeiten]
Tulcea, in der Übergangszone zwischen Trockenland und Delta gelegen, ist der Verkehrsknotenpunkt und das wirtschaftliche Zentrum des Deltas. Zum Stadtbild von Tulcea gehören mehrere Industriewerke, die Tonbrennerei "Dealul Taberei", das Hüttenkombinat, sowie die riesigen Schiffsreparaturwerkstätten, die modernen Tiefkühlhäuser, die imposanten Hotels "Delta", "Egreta" und "Dunărea". In Tulcea gibt es 290 Handelseinheiten, davon sind 87 Lebensmittelläden, 16 Imbissstuben, 13 Gaststätten, elf Konditoreien und Bretzelbäckereien.[3]
Die Lebensmittelindustrie wird von der Fleisch- und Fischverarbeitung in Tulcea und Sulina geprägt. Auch im Delta selbst gibt es kleinere Fischverarbeitungseinrichtungen, die „Cherhana“ genannt werden. Die Fischproduktion erreicht bei den Süßwasserfischen jährlich 8150 Tonnen, bei den Donauheringen 600 Tonnen, beim Stör 32 Tonnen und bei den Meeresfischen 560 Tonnen. Es gibt auch eine kleinere Produktion von Fröschen und Krebsen. Ein anderer Zweig der Lebensmittelindustrie beschäftigt sich mit der Verarbeitung und dem Verkauf von Kaviar. Dieses Recht muss durch Konzessionen erworben werden, wodurch die gesammelten und verkauften Kaviarmengen kontrolliert werden.[18]
Transport und Verkehr [Bearbeiten]
Aufgrund der großen Wasserflächen und des Fehlens von Straßen ist das dominierende Verkehrsmittel im Delta das Schiff. Der reguläre, lokale Wasserverkehr findet mit kleineren Schiffen auf allen drei Donauarmen und in den Kanälen statt. Lediglich auf dem Sulinaarm, der speziell ausgebaut wurde, können die Hochseefrachter verkehren. Hier transportiert man Eisenerz und Koks für Galați, Bauxit und Aluminium für und von Tulcea.[18]
Der Stützpunkt der Hochseefischereiflotte Rumäniens befindet sich unweit der Bus- und Bahnstation und des Hafens für Personenverkehr. Tulcea ist seit dem Altertum eine bedeutende Hafenstadt; außerdem Basis der rumänischen Flussmarine.
Wirtschaftlich gesehen ist die Donau vor allem für die Schifffahrt eine wichtige Einnahmequelle. Die Ukraine hatte stets große wirtschaftliche Nachteile, da der Schiffsverkehr fast ausschließlich über Rumänien abgewickelt wurde. Um die Schifffahrt im ukrainischen Kilja-Arm, dem nördlichsten der drei Donau-Hauptarme, zu fördern, beschloss die ukrainische Regierung im Jahr 2004, den Nebenarm Bystre schiffbar zu machen. Nach damaligen Einschätzungen ukrainischer Experten sollten die Veränderungen keine gravierende Auswirkungen auf das Ökosystem des Donaudeltas haben. Die Bauarbeiten des Bystre-Kanals begannen.[19]
Im Rahmen der Espoo-Konvention der Vereinten Nationen wurde eine internationale Delegation in die Region entsandt, die zu dem Ergebnis kam, dass der schon erfolgte Eingriff ökologische Folgen haben wird und dass eine Fortsetzung der Kanalarbeiten eine Gefahr darstelle. Die Bauarbeiten wurden eingestellt. Der WWF und das Bioreservat des Donaudeltas in Wylkowe plädieren für eine Alternative zum Kanal. Sie erkennen die wirtschaftliche Notwendigkeit eines ausgebauten Transportsystems an, sind aber daran interessiert, die Schäden für das Ökosystem möglichst gering zu halten. Laut WWF könnte weiter flussaufwärts ein Kanal gebaut werden, der dort durch ein ökologisch weniger empfindliches Gebiet verlaufen würde. Das ukrainische Verkehrsministerium hält die Alternativen jedoch weder finanziell noch technisch für realisierbar. Außerdem brächten sie geringeren wirtschaftlichen Nutzen.[19]
In der Nähe der Ortschaft Mihail Kogălniceanu wurde, 15 Kilometer von Tulcea entfernt, ein Flugplatz errichtet.[3]
Mit dem Auto ist das Donaudelta über die Europastraßen E 60 und E 67 und mit dem Zug über die Bahnstrecke București-Constanța zu erreichen.
Tourismus [Bearbeiten]
Das Donaudelta entwickelt sich immer mehr zu einem beliebten Touristenziel. Der Ausgangspunkt für ein Abenteuer im Delta ist Tulcea, eine Stadt die sich in der Nähe des Punktes befindet, wo sich die Donau in drei Arme teilt. In Tulcea sind moderne Hotels und Naturkundemuseen über das Delta zu finden. Tulcea liegt 71 Kilometer von Sulina, einer kleinen Stadt an der Mündung des Sulinaarms ins Schwarze Meer, entfernt. Auf diesem Arm der Donau kann man vom Deck gemütlicher Schiffe die Flora, Fauna und Dörfer des Deltas bewundern. Mit einem Boot kann man die engen Kanäle entlang rudern. Dafür benötigt man einen Pass, der von der Leitung des Reservats ausgestellt wird.[20] Die Zahl der Donaukreuzschifffahrten ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Internationale Reedereien und Reiseveranstalter bieten immer mehr Kreuzschifffahrten bis ins Donaudelta an. Die wichtigsten touristischen Orte sind neben Tulcea Maliuc, Mila 23, Sulina und Sfântu Gheorghe.
Den Touristen stehen Hotels, Pensionen, Urlaub am Fischerhof und Privatunterkünfte in allen Orten des Donaudeltas zur Verfügung. Auch für Camping-Touristen ist gesorgt. Sehr beliebt sind bei den Touristen die vielen entweder fixen oder beweglichen schwimmenden Hotels. Als Tourist stehen einem verschiedene Aktivitäten zur Auswahl: Öko- und Dorftourismus, Vogelbeobachtung, Angeln und Jagd, Fahrten mit dem Ruder- oder Motorboot, Fahrten zu den Natursehenswürdigkeiten der Umgebung (Seen, Wälder, Fischerdörfer), Kanufahrten und Wassersport-Tourismus jeglicher Art, Erholung in der Natur oder aber Fachreisen für Naturwissenschaftler, Ornithologen, Forscher, Studenten und andere Experten.[1]
Viele Leute besuchen das Delta, um hier zu fischen. Unter ihnen gibt es Stammgäste, die Jahr für Jahr wiederkehren und denen einige Teile des Schilflandes gut vertraut sind. In den Gewässern, wo das Angeln erlaubt ist (das Verzeichnis dieser Stellen ist bei dem Jagd- und Sportanglerverein des Kreises Tulcea zu finden), dürfen all jene fischen, die einen gültigen Angelschein besitzen. Jedermann darf im Delta diesen Sport betreiben, wenn sein Schein – sei er auch in anderen Gegenden des Landes ausgestellt – für Flachlandgewässer bestimmt ist. Die Erlaubnis für Gebirgsbäche ist ungenügend. In diesem Fall muss man eine zeitweilige Bewilligung beim Anglerverein in Tulcea beantragen. Ein solcher Ausweis ist 30 Tage gültig und wird aufgrund des Personalausweises gegen eine Gebühr ausgestellt. Seit 1973 ist die Jagd im Delta auf jedes Wasserwild verboten, um den Wildbestand seltener Arten zu schützen.[3]
Tourismus und Naturschutz vereinen Ornithologen mit ihren Vogelbeobachtungcamps. Die Teilnehmer lernen dort nicht nur, wie man sich im Delta korrekt verhält, sondern entwickeln eine nachhaltige Liebe zur Natur. Viele kommen immer wieder, helfen den Forschern, die Fülle an Arten zu protokollieren, zu beobachten und neue Naturfreunde anzuleiten. Vom ersten Ruderzentrum aus, das 2012 in Crișan eröffnet wurde, kann man in leicht zu steuernden, traditionellen Holzbooten interessant zusammengestellten Wasserrouten folgen, ohne Fauna und Flora groß zu stören.[15]
- Kulturelles Erbe
Überbleibsel alter griechischer und römischer Siedlungen, wie Halmyris in Murighiol und Aegyssus in Tulcea, zeugen von der sehr alten Geschichte des Handels im Donaudelta. Die archäologischen Ausgrabungen in der Region haben zahlreiche Spuren alter wertvoller Kultur sichergestellt. Beispielgebend ist die hier ausgegrabene Hamangia-Kultur. Die am gleichnamigen Donauarm gelegenen Stadt Sulina war bis ins 19. Jahrhundert ein wichtiger Donau- und Schwarzmeerhafen sowie Sitz der Donaukommission. Der alte Leuchtturm und die Gebäude der ehemaligen Donaukommission zeugen davon. Die zahlreichen alten Kirchen verschiedener Konfessionen sind der Beweis, dass einst hier viele Menschen verschiedener Kulturen gelebt haben. Die Dörfer um das Delta herum weisen auf türkische Einflüsse hin.[21]
- Siehe auch: Städte in Mösien
Freizeit und Sport [Bearbeiten]
Unterhaltungs- und Bildungsmöglichkeiten bieten das Strandbad „Ciuperca” mit Campingplatz, drei Sportstadien, zwei Sporthallen, fünf Kinos, zwei Freilichtkinos und mehrere Bibliotheken. In dem kulturellen und wissenschaftlichen Leben der Stadt spielt das Deltamuseum mit seinen naturwissenschaftlichen, geschichtlichen, kunsthistorischen und ethnographischen Abteilungen eine wichtige Rolle. Eine Fülle von Kenntnissen dieser Themenkreise findet sich in den Ausgaben einer periodischen Veröffentlichung des Museums, namens „Peuce”. Peuce war eine Insel im Süden des Deltas, die es nicht mehr gibt und deren Lage heute nicht mehr genau bestimmbar ist.[3]
Neben Segeln und Rudern sind vor allem der Fischfang und die Jagd beliebte Sportarten, die im Donaudelta betrieben werden.
Die älteste ist die Methode des Fischfangs mit der Harpune. Ähnlich geht man auch mit dem gebogenen, scharfen Schneidehaken, der an einem meterlangen Seil befestigt ist, um. Das Schlagnetz ist ebenfalls ein uraltes Fanggerät.[3]
Eine hier übliche Jagdweise ist die winterliche Fischotterjagd, die nur dann betrieben werden kann, wenn die Gewässer von einer gleichmäßig dicken Eisschicht bedeckt sind und wenn sich darunter keine größeren Luftkammern bilden, wo der Fischotter zu Luft kommen könnte, ohne gezwungen zu sein, bis ans Loch hochzusteigen. Hunde, die in der Fischotterjagd bewandert sind, folgen genau auf der Eisoberfläche dem darunterschwimmenden Tier und leiten es ihrem Herrn zu dem Eisloch.[3]
Die Wildschweinjagd mit Hunden auf dem Eis erfordert große Geistesgegenwart, Mut und körperliche Kraft. Im Delta halten sich riesige Wildschweine auf, deren Gewicht, Kraft und Angriffsbereitschaft denen der Karpatenwildschweine nicht nachstehen.[3]
Der Wasserhuhnfang mit Schlittschuhen ist eine eigenartige Jagdweise, die heutzutage nur noch in der Umgebung des Razelmseekomplexes (Jurilovca, 6 Martie, Sarichioi, Sabangia, Vişina usw.) in Ausnahmefällen betrieben wird. Im Herbst werden die fetten Wasserhühner auch mit Booten auf dem offenen Wasserspiegel der Teiche gejagt, wo das zufluchtbietende Röhricht weit entfernt ist.[3]
Die am meisten verbreitete Fangweise im Delta ist das Fallenstellen. Mit einer gut aufgestellten Falle von entsprechender Größe und Stärke kann man alles fangen, beginnend mit dem Wiesel bis zum Wildschwein und von dem Wasserhuhn bis zum Schwan. Zum Fallenstellen braucht man eine Bewilligung. Diese wird vom Forstamt oder Jagdverein gegen Gebühren ausgestellt. Die Fallensteller sind vorwiegend Fischer und Jäger, die das Delta und die Gewohnheiten der Tiere gut kennen.[3]
Flora [Bearbeiten]
Das Reservat ist ein Schmelztiegel unterschiedlicher paläarktischer und Mittelmeerzonen. Es stellt ein einzigartiges dynamisches Feuchtgebiet mit Ökosystem dar und ist das größte zusammenhängende Schilfrohrgebiet der Erde. Das Plankton „Plaur“ aus festen oder schwimmenden Schilfrohrinseln ist einzigartig.
Sumpfgebiet [Bearbeiten]
Als größtes Sumpfgebiet Europas ist hier das meiste Schilfrohr der Welt vorhanden. Das Schilf kann bewegliche oder feste Schilfrohrinseln bilden, die sogenannten „Plaur“, die aus Rohrkolben, Sumpffarn, Wasserminze u. a. bestehen. Die Schilfbestände bedecken 194.954 Hektar und das „schwimmende Plaur“ circa 1000 km².[22]
Das Mündungsgebiet der Donau umfasst ein einzigartiges Netzwerk eng miteinander verbundener Lebensräume und Ökosysteme: Röhrichte, schwimmende Inseln, Altarme und Seen, Auenwälder sowie extreme Trockenbiotope auf Dünen.[8]
Das Wasserschutzgebiet verläuft sich in Kanälen und Abzweigungen, Schilfrohrinseln, zahlreichen Flüssen und Sümpfen, verschlungenen Eichenwäldern mit Lianen und Kletterpflanzen, Dünen und alten Fischerdörfern.[1]
Im Donaudelta dominiert schilfige Sumpfvegetation, die 78 % der gesamten Oberfläche des Deltas ausmacht, also 180.000 Hektar. Dies stellt die größte zusammenhängende Schilffläche der Erde dar. Das Schilf ist eine über 30 Millionen Jahre alte Pflanze. Es kann eine Höhe von über sechs Meter erreichen. Forschungen zeigen, dass das Schilf seit circa 8000 Jahren im Delta wächst.[23] Das Schilf des Deltas bildet über und unter der Wasseroberfläche ein wahres Dickicht. Seine zum Teil stammdicken Wurzeln verflechten sich im Schlamm zu einem dichten Gewebe. Manchmal wird dieser dicke Wurzelteppich durch Hochwasser oder Gas, das aus verfaulten Pflanzenteilen entstanden ist, aus seiner ursprünglichen Lage gelöst und vom Grund freigerissen. So entstehen die schwimmenden Schilfinseln, die sogenannten „Plaur”. Dieses Wort entstammt dem slawischen „plavaty”, was soviel wie schwimmen bedeutet.[3]
„Plaur“ - Schwimmende Inseln [Bearbeiten]
Ein typisches Phänomen im Donaudelta sind die schwimmenden Inseln, auch "Plaur" genannt. Die in allen Größen vorkommenden Gebilde bestehen aus ineinander verflochtenen Rhizomen von Schilf und Binsen, die sich vom Boden abgelöst haben und wie ein Floß über die Wasseroberfläche gleiten. Bei Überschwemmung bieten sie Wildschweinen, Luchsen, Marderhunden, Füchsen, Bisamratten und anderen Tieren rettenden Lebensraum. Daneben gibt es fest am Boden verankerte Inseln, die im Falle von Hochwasser überflutet werden. Auf einem Plaur wachsen auch Farne, Minze, Zwergweiden und Kletterpflanzen oder wilder Hanf, aus dem die Fischer früher Hemden machten. Dieses Milieu bietet Kolonien von Pelikanen gute Entwickelungsmöglichkeiten.[24]
Sie sind eine Formation von ungefähr 20 verschiedenen Pflanzen, die miteinander verwachsen sind. Das Hauptelement ist jedoch Schilf. Oft lösen sich diese Formationen durch den Wind los und bilden schwimmende Inseln mit einer Dicke von ein bis zwei Metern. Die schwimmenden Inseln beherbergen Kolonien des Rosapelikans, aber auch Wildschweine, Nerze und Füchse können hier angetroffen werden.[23] Auf der Oberfläche einer solchen schwimmenden Insel bildet sich eine reiche Humusschicht, die einen guten Nährboden für verschiedene Pflanzen bildet. Hier wächst häufig eine bestimmte Art von Sumpffarngewächsen, der sogenannte Sumpfwurmfarn. Die Bewohner des Deltas sagen, dass diese Pflanze nur dort gedeiht, wo das schwimmende Schilf dick genug ist, um ein Menschengewicht tragen zu können. Wo hingegen das Sumpfvergissmeinnicht wächst, dorthin solle man sich nicht wagen. An diesen Stellen gibt der Pflanzenteppich nach, und ist man unter das „Plaur” gelangt, hat man keine Chance mehr, herauszukommen.[3]
Schwemmland [Bearbeiten]
Das Donaudelta, eine in ständiger Veränderung befindliche Fluss-Meer-Niederung, besteht zu 13 Prozent aus Schwemmland und 87 Prozent nehmen Wasseradern und Sümpfe ein.[25]
„Grinduri“ - Flussinseln [Bearbeiten]
Das Schwemmland des Donaudeltas verteilt sich auf drei große Flussinseln (rumänisch: Grinduri).[25]
- die Letea-Insel, zwischen dem Chilia- und dem Sulinaarm
- die Sfântu-Gheorghe-Insel, zwischen dem Sulina- und dem Sfântu-Gheorghe-Arm
- die Dranov-Insel, zwischen dem Sfântu-Gheorghe-Arm und dem Lagunenkomplex Razelm-Sinoie[25]
Diese Inseln bestehen aus älteren Lößschichten, auf denen oft mehrere Meter hoher Sand lagert, so dass diese Gebiete vor allem im östlichen Teil Dünencharakter haben. Sie sind nur noch an wenigen Stellen ursprünglich bewaldet, so bei Letea und bei Caraorman.[25]
Die zentralen Teile dieser Inseln sind im Gegensatz zu den noch heute wichtigen Hafenorten erst seit etwa 300 Jahren locker besiedelt. An den Peripherien der kleinen Delta-Dörfer erstrecken sich meist Felder und Weideflächen; letztere werden häufig extensiv als Rinderweiden genutzt.[25] Die Weiden sind die wichtigsten Baumsorten der Schwemmgebietwälder. Bei hohem Wasserstand entwickeln sich an ihren Stämmen viele Nebenwurzeln. Die Weidenstämme werden schnell hohl und der Moderungsprozess wird durch das Einwirken eines Schmarotzers, des Schwefelporlings, noch beschleunigt. Die von ihm befallenen Stämme leuchten weithin von der grellgelben, phosphoreszierenden Farbe, die dieser Pilz entwickelt. In den oft menschengroßen Höhlungen im Inneren der Bäume finden viele Vögel Unterschlupf.[3]
Waldgebiete [Bearbeiten]
Die Waldgebiete Letea- und Caraorman sind teilweise von bis zu 250 Meter langen und zehn Meter breiten Sanddünen, und von bis zu 50 Meter hohen Bäumen bedeckt. Die verschiedenartige Flora der Wälder stellt sich durch die zahlreichen Kletterpflanzen zur Schau.
- Letea-Wald
Der Letea-Wald ist das älteste Naturreservat der Dobrogea. Er bildet aus Sicht der Wissenschaft eine interessante Landschaft aus riesigen Eichen. Man findet hier die Graueiche, die weiße und die schwarze Pappel, die Ulme, die weiße Weide, die Erle und die Esche. Der tropische Aspekt des Leteawaldes ist gegeben durch die Liane, die hier sehr verbreitet ist. Neben der Liane trifft man auch andere Hängepflanzen z. B. die wilde Weinrebe, den Hopfen, den Efeu und die Ackerwinde.[23]
- Caraorman-Wald
Auf dem Sandboden mariner Herkunft hat sich ein Eichenwald gebildet, dessen Name "Caraorman" in der türkischen Etymologie "Schwarzer Wald" bedeutet. Im Caraorman-Wald, an der Stelle, die unter dem Namen "Fântâna Vânătorilor" (deutsch: Jägerbrunnen) bekannt ist, steht die größte Eiche des Deltas. Wegen ihrer Äste, die sich auch auf dem Boden ausstrecken, wird sie die "Kniende Eiche" genannt. Sie ist 400 Jahre alt und hat einen Umfang von zwölf Metern.[26]
Wasserpflanzen [Bearbeiten]
Desgleichen sind im Donaudelta folgende Wasserpflanzen anzutreffen:
- Weiße Seerose (Nymphaea alba)
- Gelbe Teichrose (Nuphar lutea)
- Froschlöffelgewächse (Alismataceae)
- Wasserschere (Stratiotes aloides)
Fauna [Bearbeiten]
Das Biosphärenreservat Donaudelta beheimatet ein international bedeutsames Vogelreservat mit mehr als 300 Brut- und Zugvögel und stellt einen wichtigen Lebensraum für über 5000 Tier- und Pflanzenarten dar. Unter den über 70 Fischarten, die hier leben, befindet sich auch der Kaviar produzierende Störlachs.[1] Das Donaudelta liegt im Schnittpunkt der europäischen Vogelzugstraße und bietet etwa 325 Vogelarten in großer Zahl Brut-, Rast- und Nahrungsplätze.[8]
Das Donaudelta enthält drei größere Vogelreservate und mehrere kleine Schutzzonen. Das Roșca-Buhaiova-Hrecisca-Reservat schützt die letzten großen europäischen Brutkolonien der Rosapelikane (etwa 1500 Exemplare) und Krauskopfpelikane. Das Perișor-Zătoane- und das Periteașca-Leahova-Reservat umfasst im Sommer Aufenthalts- und Brutgebiete von Höckerschwänen, Gänsen, Enten, Kranichen usw., dazu gemischte Nistkolonien verschiedener Reiherarten, im Winter die Überwinterungsgebiete zahlreicher nordischer Zugvögel. Kleine Schutzgebiete liegen bei Murighiol (Stelzenläufer, Säbelschnäbler), Marhelova (gemischte Reiherkolonien), Uzlina (Pelikane), Istria (Wassergeflügel), Insel Popina (Fuchsgansbrutstätte).[27]
Im Biosphärenreservat Donaudelta leben 4029 Tierarten, davon 3477 Wirbellose und 552 Wirbeltiere.[28]
Wirbellose [Bearbeiten]
Die Wirbellosen sind vertreten durch:[28]
- 73 Arten Würmer und Rädertierchen
- 91 Arten Weichtiere
- 115 Krebstierarten
- 168 Arten Spinnentiere
- 2244 Insektenarten
- Insekten
Unter den Insekten kommen verschiedene Arten von Mücken, Fliegen, Milben und Spinnen vor.
- Mücken
Die bekannteste Mückenart ist die berüchtigte Malariamücke (Anopheles maculipennis). Zwar stellte das Schwemmgebiet der Donau und besonders die Deltagegend einst eine berüchtigte Brutstätte der Malaria dar, aber mittlerweile wurde das Wechselfieber, ausgemerzt. Zentren für die Bekämpfung der Malaria mit einem speziell ausgebildeten Personal wurden ins Leben gerufen. Die Bekämpfung der Malaria fand in zwei Richtungen statt. Für die Ausrottung der Mücken, griff man auch zu biologischen Waffen. So wurde die aus Amerika stammende Karpfenart namens Gambusia angesiedelt, die ein großer Mückenvertilger ist und in der Umgebung von Mangalia und Bukarest heimisch wurde. Noch wesentlicher war aber die Hilfe der Singvögel und der Fledermäuse. Die Ausrottung der Mücken allerdings brachte kein so radikales Ergebnis wie die medizinische Bekämpfung. Die Anopheles trifft man vereinzelt auch heute noch an. Sie ist an ihrer Größe und den scheckigen Flügeln zu erkennen.[3]
Eine andere Mückenart, die Culex, ist kein Verbreiter von Krankheiten, aber sie ist auch ein Blutsauger. Eine unangenehme Gesellschaft leisten dem Menschen auch die Stechmücken (Asdea vexans) und die Sumpfmücken (Mansonia richiardii). Ihre Larven leben in Pfützen und Teichen, ja sogar im Wasser, das sich in Baumhöhlen und Dachrinnen ansammelt.[3]
- Fliegen
Die in den Sumpfgebieten heimischen Fliegenarten, besonders die verschiedenen Bremsen bereiten Mensch und Tier viele Qualen. Unter ihnen gibt es Arten, die die ansehnliche Größe von 15–20 mm erreichen können.[3]
- Milben
Eine andere quälende Schmarotzergruppe sind die zu den Milbenarten gehörenden Zecken (Ixodiidae). In ihrem Larvenzustand schmarotzen sie auf Kriechtieren, Vögeln und Kleinsäugetieren. Die ausgewachsenen Zecken greifen gerne größere Säugetiere an, unter anderen auch den Menschen. Sie lauern auf Grashalmen und Sträuchern und lassen sich auf die Vorbeigehenden fallen. Die bekannteste Zeckenart ist der Gemeine Holzbock (Ixodes Ricinus), die, wenn sie satt, ist, ihrem Namen entsprechend in Größe und Form einem Rizinuskern ähnelt.[3]
- Spinnen
Die Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus Tredecimguttatus) ist eine Giftspinne, deren Giftabsonderung viel gefährlicher ist als die aller bunten Tropenschlangen. Diese Spinne ist verhältnismäßig klein – das Männchen 3–5 mm, das Weibchen 15 mm lang. Sie ist samt-schwarz und trägt rote Punkte auf dem Hinterleib. Es ist zu bemerken, dass in den letzten Jahren am Zăgan-See östlich von Tulcea noch jemand von so einer Spinne gebissen wurde.[3]
- Riesenläufer
Der letzte Gliederfüßer ist der Riesenläufer (Scolopendra cingulata). Man begegnet ihm auf der Insel Popina.[3]
Wirbeltiere [Bearbeiten]
Vogelarten [Bearbeiten]
Eine Besonderheit des Donaudeltas ist seine einzigartige Vogelwelt. Das Delta wird von den wichtigsten Wegen der Zugvögel Europas durchquert. Hier rastet die von jenseits des nördlichen Polarkreises kommende Eisente oder die Flussseeschwalbe, wenn sie aus Südafrika zurückkehren. Hier lebt die größte Pelikankolonie Europas, hier nisten viele Zwergscharben, die in anderen europäischen Ländern selten vorkommen, ebenso Rallen, Reiher, der braune Sichler und der Löffler. Die Gegend von Sfântu Gheorghe und Letea birgt die riesigen Horste der Seeadler und einige noch vorhandene Exemplare der edlen Vögel des Falkensports, die Würgefalken, die hierher zurückgedrängt wurden. Die Sandinseln der Meeresküste beherbergen Tausende von Schwalbennestern. Hier rasten Unmengen von Enten- und Läuferarten, die dann weiterziehen. Die ornithologischen Beobachtungen bringen fast jedes Jahr Überraschungen. Oft erscheinen Exemplare neuer Vogelarten, deren Existenz aufgrund interessanter Fotografien bewiesen wird. Das Delta stellt immer noch ein wahres Paradies für Biologen und Ornithologen dar. Die Spezialisten sind zweckentsprechend ausgerüstet: mit Feldstechern und Parabolspiegeln, die mit Tonbandgeräten kombiniert sind, mit Fotoapparaten samt Teleobjektiv und allerlei gut illustrierter Fachliteratur.[3]
- Schreitvögel
Der Haubentaucher und der Rothalstaucher sind grau und haben eine silberweiße Bauchseite. Der Schwarzhalstaucher und der Seetaucher sind dunkelfarben.
Von den drei in Rumänien vorkommenden Kormoranarten kann man im Delta nur dem gemeinen Kormoran und der Zwergscharbe begegnen. Der Kormoran ist ungefähr so groß wie eine Ente, die Zwergscharbe hingegen viel kleiner. Fliegen mehrere zusammen, so reihen sie sich auch für kurze Strecken zu einer Keil- oder Linienformation. Die mit kleinen Flügelschlägen fliegenden Zwergscharben ordnen sich nicht in Reihen ein, sondern fliegen verstreut.
Die Pelikane sind das Wahrzeichen des Deltas. Hier leben zwei Arten, der etwas größere Krauskopfpelikan und der häufiger vertretene Rosapelikan. Es sind große Vögel mit einer Flügelspannweite von 2,5 Meter. Hunderte von Rosapelikanen gesellen sich zu großen Schwärmen. Für größere Entfernungen reihen sie sich in Keil- oder Linienformationen ein. Während des Fischens werden sie meistens von Lachmöwen begleitet, die auf verletzte Fische, die den Pelikanen zum Opfer fallen, warten.
Die Reiher sind langhalsige und langbeinige Vögel verschiedener Größe. Weiße Reiher gibt es zwei Arten, den Silberreiher und den Seidenreiher. Der Silberreiher ist ein Vogel von der Größe eines Storches. Der hellste unter den bunten Reiherarten ist der Fischreiher, der an Ufern, am Rande der Röhrichte, manchmal auch recht weit vom Wasser, auf den Wiesen oder Ackerfeldern zu sehen ist. Etwas kleiner ist der Purpurreiher, der dunkler als der erstgenannte ist. Noch kleiner ist die Rohrdommel. Die Farbe und die gedrungene Gestalt des jungen Nachtreihers erinnern an jene der Rohrdommel. Das feine, hellgelbe Gefieder des Rallenreihers sieht während des Fluges beinahe weiß aus. Selten hat man das Glück, einen Zwergreiher zu erblicken.
Auch die Löffler gehören zur Familie der Reiher, aber sie unterscheiden sich von den anderen Reiherarten durch ihre Flugweise. Der Löffelreiher ist nahezu weiß. Der Braune Sichler scheint während des Flugs schwarz zu sein und ähnelt der Zwergscharbe, fliegt aber im Gegensatz zu dieser in einer dichteren Schar.
Der Schwarzstorch, der fast so groß ist wie der Weißstorch, ist eine Seltenheit. Er ist nur in der Brust- und Bauchgegend weiß, die übrigen Körperteile sind dunkelbraun bis schwarz. Während der weiße Storch die Nähe des Menschen sucht, ist der schwarze Storch misstrauisch und scheu.[3]
- Gänsevögel
Die Schwäne sind die größten Gänsevögel. Im Delta leben zwei Arten. Am häufigsten begegnet man dem Höckerschwan. Im Winter ziehen sich die Singschwäne aus ihren nordischen Nistgebieten ins Delta zurück.
Die verschiedenen Arten Gänse werden in schwarze, weiße und graue eingeteilt. Die ersten kommen von den Nordküsten und aus der Tundra Eurasiens. Von ihnen erscheint allein die Rothalsgans in größerer Zahl. Die wichtigste Vertreterin der grauen Gänse ist die gemeine Graugans, die Ahne unserer Hausgans. Die andere nur vom Herbst bis zum Frühling im Delta anwesende Gans ist die Blässgans. Sie ist dunkler als die Graugans. Manchmal sieht man auch andere Arten, so z. B. die viel kleinere, aber in der Farbe ähnliche Zwerggans und die dunklere, wesentlich größere Saatgans. All diese weilen nur den Winter über im Delta. Bekannte Winteraufenthaltsorte der Rothals- und Blässgänse sind die Gegend von Baia, die getreidebesäten Hügel von Agighiol und Sarinasuf.
Die Stockente, die Stammmutter unserer gemeinen Hausente, ist fast überall verbreitet. Im Sommer erscheint im Delta eine viel kleinere, ungefähr taubengroße, gedrungenere Entenart, die Knäkente. Die kleinste Entenart aber, die gleichzeitig auch am schnellsten fliegen kann, ist die Krickente. Die Löffelente kann man nur im Herbst und im Frühling während ihres Durchzugs erblicken. Die Spießente hat eine charakteristische Gestalt, die während des Flugs in die Länge gestreckt erscheint. Die bisher aufgezählten Arten schwimmen, indem sie den Schwanz aufrecht halten. Währenddessen tauchen sie den Schnabel oft ins Wasser zum Gründeln. Diese und noch sehr viele ähnliche Arten bilden die Gruppen der sogenannten Schwimmenten. Der Körper der Tauchenten ist breiter, ihr Schnabel und Hals sind kürzer als die der Schwimmenten. Ihre charakteristischen Vertreter im Delta während des Sommers sind die tabakbraunen, fast schwarzen Moorenten, die etwas größeren Tafelenten und die Kolbenenten. In der kalten Jahreszeit besuchen auch andere Tauchenten das Mündungsgebiet der Donau. Es ist vorwiegend die Reiherente und der Zwergsäger.
Die Rost- und Brandgänse gehören zu einer Gruppe, die den Übergang zwischen Gänsen und Enten bildet und Charakterzüge beider Arten vereint. Von diesen zwei Arten begegnet man der Brandgans öfter. Die seltenere Rostgans ist fuchsrot, mit weiß-schwarz-grünen Flügeln. Sie ist in der Umgebung von Istria anzutreffen.[3]
- Greifvögel
Die Raubvögel bilden eine sehr reiche Gruppe. Ihr größter und sehenswürdigster Vertreter ist der Seeadler. Auf der Insel Letea und dem Sfântu-Gheorghe-Arm bei Caraorman, in den Kronen der alten Baumriesen kann man Adlerhorste erblicken. Ein charakteristischer Raubvogel des Röhrichts ist die Rohrweihe. Die Rohrweihe ist nur in der warmen Jahreszeit zu sehen. Im Herbst und im Frühling erscheint auch die Kornweihe. Manchmal kann man einen großen Raubvogel mit hellem Bauch sehen, der über dem Wasser auf einer Stelle schwebt oder eben auf das Wasser stürzt, zuweilen sogar darin verschwindet. Das ist der Fischadler. Am häufigsten kann man ihn am Sulinaarm, in der Nähe des Oretin-Sees beobachten, wo er oft auf Telefonmasten sitzt. Ein anderer bekannter Aufenthaltsort des Fischadlers, besonders in der Zeit der Wanderung, ist die Insel Sachalin. Die Falken und Turmfalken sind spitzflüglige, raschfliegende Raubvögel, die man meistens während ihres Fluges sehen kann. Ihr größter Vertreter im Delta ist der Würgefalke. Der taubengroße Baumfalke mit dunklem Rücken und braungetupftem, rötlichem Bauchteil ist einer der häufigsten Vögel des Deltas. Er bevorzugt die ruhige Umgebung des Sfântu-Gheorghe-Armes. Seine Libellenjagd ist eine wahre Sehenswürdigkeit. Vorwiegend morgens und abends zieht der gleichgroße Rotfußfalke auf die Jagd aus. Dieser Raubvogel ist ein häufiger Gast der Insel Letea.[3]
- Hühnervögel
Der am häufigsten vorkommende Hühnervogel ist der Fasan, der seit 1969 in verschiedenen Zeiträumen hier angesiedelt wurde. Fasanen wurden in der Umgebung von Letea, Caraorman, Sfântu Gheorghe, Maliuc und Rusca angesiedelt, und seither haben sie sich im ganzen Delta verbreitet. Die meisten Fasanen findet man auf der Insel Letea, wo sie charakteristische Vögel des dortigen Sandbodengestrüpps geworden sind. Im eigentlichen Delta kommt das Rebhuhn nicht vor. Es lebt nur am Rande der Dobrudschaer Hochebene. Der kleinste hühnerartige Vogel ist die Wachtel, die besonders im Frühling in der Zeit des Zugs, in großen Mengen an der Küste beobachtet werden kann. In manchen Jahren stoßen viele von ihnen gegen den Leuchtturm von Sulina und von Sfântu Gheorghe.[3]
- Kranichvögel
Von den Wasserrallen lebt im Delta nur der gemeine Kranich. Eine andere, kleinere Art, der Jungfernkranich, ist hier ein seltener Gast. Nur wenige Paare brüten in der Umgebung des Sfântu-Gheorghe-Arms. Die Kraniche ziehen in Keilform geordnet in großer Höhe. Die kleineren Wasserrallen hausen im dichtesten Gestrüpp verborgen. Meistens erblickt man nur das Blässhuhn und das Wasserhuhn. Letzteres ist einer der häufigsten Vögel des Deltas. Ähnlich ist auch das kleinere Teichhuhn. Der kleine, schmale Körper der langschnäbligen Wasserralle mit dem braunen Rücken und den grauen Seitenfedern kann man nur selten zu Gesicht bekommen. Das Tüpfelsumpfhuhn, das kleine Sumpfhuhn und das Zwergsumpfhuhn huschen wie Mäuse durch das undurchdringliche Röhricht. Der knarrende Wachtelkönig bewohnt die benachbarten feuchten Wiesen. Im eigentlichen Delta ist er nur in der Zeit des Zuges zu sehen.[3]
- Schnepfenvögel
Unter den Schnepfenvögeln sind der Säbelschnäbler und der Stelzenläufer im Donaudelta vertreten. Sie bewohnen Salzbodengebiete bei Murighiol, die Salzsümpfe von Plopu, die Inseln Sachalin und Letea. Der Austernfischer ist auch so groß wie die obigen zwei Vögel. Auf salzigem Boden, an der Küste, kann man auch den Seeregenpfeifer erblicken. Der Kiebitzregenpfeifer ist so groß wie eine Taube. Hauptsächlich dieser unterscheidet sich vom Goldregenpfeifer. Die geeignetste Stelle, um die Schnepfenvögel in der Zeit des Zuges in der Norddobrudscha zu beobachten, ist die Wiese zwischen Mihai Viteazul und Sinoie. Der jammernde Kiebitz hat lange Federn am Hinterkopf. Die taubengroße Waldschnepfe zieht im Herbst in großen Scharen über das Delta. Ihretwegen war einst der Wald von Letea königliches Jagdgebiet. Den Waldschnepfen ähnlich sind die Bekassinen. Die Doppelschnepfe, die einen ganz hellen Schwanz hat, fliegt gerade auf und lässt dabei keinen Ruf ertönen. So ähnlich verhält sich auch die Zwergschnepfe. Die Uferschnepfe ist ungefähr so groß wie eine Waldschnepfe. Der große Brachvogel ist fast so groß wie eine Henne. Sein langer, gebogener Schnabel und das grau-braun-schwarz gestreifte Gefieder ähnelt jenem des Regenbrachvogels. Beide Vögel bevorzugen feuchte Wiesen. Die Umgebung von Plopu, die Wiese zwischen Letea und C. A. Rosetti bilden ein regelrechtes Regenbrachvogelgebiet. Die zahlreichen Läuferarten bevorzugen sumpfige, morastige Stellen. Der Rotschenkel pfeift dreisilbig. Der etwas größere Grünschenkel hat einen Schwanzstreifen, der bis zu seinem Rücken reicht, und einen etwas aufwärts gebogenen Schnabel. Das Männchen des Kampfläufers erscheint bei jedem Exemplar anders gefärbt. In der Umgebung von Murighiol-Plopu und öfters auf den Wiesen von Istria sieht man manchmal einen raubvogelartig fliegenden pfeiferartigen Vogel mit Schwalbenschwanz. Das ist die Rotflügel-Brachschwalbe. Bei guter Beleuchtung sieht man die innere, rostbraune Seite ihrer Flügel. Dadurch kann man sie von der ihr sehr ähnlichen, aber viel selteneren Schwarzflügelbrachschwalbe unterscheiden. Leicht zu erkennen ist der taubengroße, erdfarbene Triel. Er bevorzugt trockene, sandige Gebiete Letea, Caraorman, die Insel Sachalin, die Hügel bei Murighiol. Eine lerchengroße, fülligere Art dieser Vögel hat einen dickeren, stärker gebogenen Schnabel, der ständig mit Morast beschmiert zu sein scheint. Dies ist der Sumpfläufer. Im Frühling und im Herbst kann man Strandläufer mit hufeisenförmigem, schwarzem Brustfleck sehen. Das ist der Alpenstrandläufer. Kennzeichnend für den Sichelstrandläufer sind der gebogene Schnabel, die hohe Gestalt und das schöne, rotbraune Hochzeitskleid. Eine seltenere Art und gleichzeitig die größte ist der Roststrandläufer, der aus dem hohen Norden stammt. Er wurde einige Male in der Umgebung von Istria gesehen. Sehr zutraulich ist das etwa spatzengroße Odinshühnchen.[3]
- Möwen- und Schwalbenvögel
Am besten kann man die Raubmöwen an der Meeresküste beobachten, aber sie dringen auch ins Delta vor. In Rumänien kennt man drei Arten davon. Die zwei mittleren Federn der kleinen Raubmöwe sind verlängert, bei der mittelgroßen Raubmöwe sind die gleichen Federn abgerundet und bei der Schmarotzerraubmöwe keilförmig zugespitzt.
Der häufigste, alltägliche Vogel des Deltas und der Meeresküste ist die taubengroße Lachmöwe. Man kann sie beinahe überall und zu jeder Zeit sehen. Eine andere gemeine Möwenart ist die gewaltige Silbermöwe mit hellgrauem „Mantel”. Die Sturmmöwe, die zwar kleiner ist, ähnelt der Silbermöwe sehr stark. Sie sucht die rumänische Küste nur in der kalten Jahreszeit auf. So wie ihr Name sagt, sind die Koppfedern und die des Hinterkopfes der Schwarzkopfmöwe kohlschwarz, das Gefieder der Flügel jedoch auffallend hell. Die Zwergmöwe ist so groß wie ein Star, und man kann sie öfters im Delta sehen. Die größte dunkelköpfige Möwenart ist die Fischmöwe Das erste nachgewiesene Exemplar wurde 1979 bei Crișan gefangen. Seither wurde diese Art mehrmals gesichtet. An der Meeresküste kann man die Heringsmöwe beobachten. Zu erwähnen ist noch die Mantelmöwe mit schwarzem Rücken und gleichfarbigen Flügeln.
Die Seeschwalben sind schlanke, mit den Möwen verwandte Vögel. Der Schwanz all dieser Arten ist gegabelt. Die häufigste Art ist die Flussseeschwalbe. Etwas größer ist die Brandseeschwalbe. Die Lachseeschwalbe trägt diesen Namen ihrer charakteristischen Stimme wegen, die einem Lachen gleicht. Die größte Seeschwalbenart ist die Raubseeschwalbe. Das größte Seeschwalbengebiet ist die Insel Sachalin, wo alle, im Land bekannten Arten, zu finden sind. Am leichtesten ist die Trauerseeschwalbe zu bestimmen, deren Gefieder nahezu ganz schwarz ist. In Größe und Farbe ähnelt ihr die Weißflügelseeschwalbe. Etwas grauer ist die Weißbartseeschwalbe, deren heller Gesichtsfleck von weitem zu erkennen ist.[3]
- Taubenvögel
Die hier in größter Anzahl vorkommende Taubenart ist die Hohltaube, die in den anderen Teilen des Landes kaum zu finden ist. Die größte Wildtaube ist die Ringeltaube. Während die Hohltaube sich Wälder, die reich an hohlen Bäumen sind, und deren Umgebung als Aufenthaltsorte wählt, entfernt sich die Ringeltaube weit davon und sucht ihre Nahrung auf Ackerfeldern. In der Zeit der Frühlingszüge werden die Espenhaine in der Umgebung von Murighiol-Plopu von Ringeltauben bevölkert.
Von den Nachtraubvögeln ist der Steinkauz am häufigsten anzutreffen, besonders in den Dörfern, denn er entfernt sich nur selten von den bewohnten Orten. Im Gegensatz zu ihm führt die Waldohreule ein ausgesprochen an die Wildnis gebundenes Leben. Die größte europäische Eulenart ist der Uhu. Die Sumpfohreule kann man im Delta in der Durchzugszeit sehen.[3]
- Baumvögel
Außer dem gutfliegenden Bienenfresser kann man alle Arten meist auf niedrigen Ästen oder Büschen erblicken. Der Bienenfresser und die Blauracke setzen sich gerne auf Telefondrähte, der Wiedehopf tut das nur selten und der Eisvogel gar nicht. Zu einer erwähnenswerten Art gehört der in den Wäldern von Caraorman und Letea lebende, dohlengroße Schwarzspecht. Der Grünspecht, der in anderen Gegenden verbreitet ist, kommt in der Norddobrudscha nicht vor. Eine andere häufige Art ist der Grauspecht.
Die Uferschwalbe ist im ganzen Delta zu sehen. Die Mauersegler gehören nicht zu den eigentlichen Schwalben, bloß ihrer langflügeligen Gestalt wegen werden sie zu ihnen gerechnet. Sie sind häufiger als die „echten” Schwalben im Delta anzutreffen.[3]
- Singvögel
Aus der artenreichen Familie der Singvögel können einige erwähnt werden. Bemerkenswert ist die Kalanderlerche, die größte Lerchenart Europas, die vor allem in der Hügelgegend von Istria zu finden ist. Die Beutelmeise baut, wie auch ihr Name sagt, kunstvolle, beutelförmig hängende Nester. Der Rosenstar ist ein aus asiatischen Steppen stammender Gast. Die Reihe wird vom Weidensperling geschlossen, der im Storchennestreisig nistet. Eine solche Nesterkolonie findet man in der Nähe der Wegabzweigung von Rândunica auf einem der Bäume, die die Landstraße gegen Constanța säumen. Diese Kolonie ist seit Jahren bekannt und erweitert sich ständig.[3]
Fischarten [Bearbeiten]
Mit seinen 45 Arten Süßwasserfischen stellt das Delta einen wichtigen Lebensraum für Fische dar.
Die bedeutendste Art dieser Fischgruppe ist der Europäische Hausen (Huso huso). Die Fachliteratur verzeichnete sogar neun Meter lange und 1300 Kilogramm schwere Exemplare. Er kann über 100 Jahre alt werden. In der Laichzeit verlässt der Riesenhausen seinen gewohnten Lebensraum, das Schwarze Meer, und dringt in die Donau, bis zum Eisernen Tor vor, um dort unter entsprechenden chemischen, thermischen und besonderen Lichtverhältnissen seine etwa sieben Millionen Eier abzulegen. Die Tiere schwimmen dann ins Meer zurück und nach ein bis zwei Jahren folgen ihnen die ausgeschlüpften Hausenjungen, die von der Strömung des Flusses mitgerissen werden. Die Zahl der Störe nimmt jedoch nicht nur durch den intensiven Fischfang immer mehr ab sondern auch als Folge der Umweltverschmutzung. Aufgrund ihrer geringen physiologisch-ökologischen Anpassungsfähigkeit sind diese Fische sehr empfindlich. Ihre Zahl wird auch durch die Vermehrung der Wasserkraftwerke vermindert, da sie, trotz Einbau von Fischtreppen, nicht in entsprechender Zahl ihre uralten Laichstellen im Oberlauf des Flusses erreichen können. Vor einigen hundert Jahren gelangten sie in der Donau sogar bis nach Wien, Preßburg und Budapest. Heute aber werden die Störe in die Küstengewässer des Schwarzen Meeres und in den Unterlauf der Donau zurückgedrängt. Die wichtigsten Produkte sind das Fleisch und der Rogen der Störarten. Ersteres, Batog, genannt wird gesalzen und geräuchert und ist eine gesuchte Exportware. Der bläulichschwarze, großkörnige Rogen ist der sogenannte Schwarze Kaviar, der von mehreren Störarten stammen kann. Die Vorbereitung des Kaviars erfordert spezielle Fachkenntnisse. Im ganzen Delta wird er nur noch in der Fischsammelstelle von Sfântu Gheorghe in größerem Maße zubereitet.[3]
Im Verhältnis zu anderen Heringarten ist die wirtschaftliche Bedeutung des Donauherings sehr groß. Der Fettgehalt seines Fleisches, das gesalzen und geräuchert eine ausgezeichnete Dauernahrung ist, beträgt 25 %. Die Heringe bilden einen wichtigen Grundstoff für die Konservenfabriken in Sulina und Tulcea. Im Verhältnis zu anderen Heringarten ist die wirtschaftliche Bedeutung des Donauherings sehr groß. Ein ausgewachsener Donauhering wiegt 300–800 Gramm.[3]
Der Wels verlässt in der Laichzeit im Frühling seinen tief unter den Wurzeln und in den ausgespülten Uferhöhlungen verborgenen Schlupfwinkel, um mit den überschwemmenden Gewässern in die Deltaseen einzudringen. Das Weibchen legt 50.000–200.000 Eier, die, wie dann auch die ausgeschlüpfte Brut, vom Männchen umhegt werden. Es verscheucht alle anderen Fische aus der Umgebung der Brutstelle. Sinkt der Wasserstand, verlässt der Wels als erster die Seen und kehrt in die Flüsse zurück.[3]
Folgende Fischarten sind im Delta anzutreffen:
- Sternhausen (Acipenser stellatus)
- Hausen (Huso huso)
- Waxdick (Acipenser gueldenstaedtii)
- Karpfen (Cyprinus carpio)
- Wels (Silurus glanis)
- Zander (Sander lucioperca)
- Hecht (Esox lucius)
- Barbe (Barbus barbus)
- Glattbutte (Scophthalmus rhombus)
- Karausche (Carassius carassius)
Säugetiere [Bearbeiten]
Die Säugetiere sind in Donaudelta durch 54 Arten vertreten, wie:[28]
- Fischotter (Lutra lutra)
- Europäischer Nerz (Mustela lutreola)
- Bisamratte (Ondatra zibethicus)
- Feldhase (Lepus europaeus)
- Wildschwein (Sus scrofa)
- Rotfuchs (Vulpes)
- Wolf (Canis lupus)
- Europäischer Iltis (Mustela putorius)
- Hermelin (Mustela erminea)
- Marderhund (Nyctereutes procyonoides)
- Wildkatze (Felis silvestris)
- Wildpferde können bei Letea und Sfântu Gheorghe beobachtet werden. Historische Dokumente belegen, dass die Vorfahren der heutigen Pferdepopulation vor 300 bis 400 Jahren durch die Tataren in den Norden des Donaudeltas kamen und dort heimisch wurden. Durch den Zusammenbruch der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) nach der Revolution von 1989 wurden weitere Tiere von der Bevölkerung im Gebiet freigelassen. [29] Heute gibt es etwa 10.000 wildlebende Pferde im Donaudelta. Umweltschützer befürchten, dass die Herden das ökologische Gleichgewicht im Delta bedrohen und schlagen Alarm. Forscher vermuten jedoch, dass diese Pferde eine neue Rasse gebildet haben könnten und fordern den Schutz der Tiere.[30]
Reptilien [Bearbeiten]
In den Waldgebieten und Sanddünen leben selten auch Reptilien, wie:
- Nattern (Colubridae)
- Schlangen (Serpentes)
- Schildkröten (Testudinata)
An den gelben Flecken in der Ohr-Gegend ist die Wassernatter leicht zu erkennen. Die häufigste Vertreterin dieser Reptilien im Delta ist die Würfelnatter. Bei ihr fehlen die gelben „Ohren”-Flecken, hingegen ist ihr Rücken mit eckigen Flecken betupft. Im eigentlichen Delta ist noch die Glattnatter, die nur auf der Insel Letea gesehen werden kann, anzutreffen. An der unmittelbaren Grenze des Deltas, in der Dobrudschaer Hochebene ist die Zornschlange heimisch. Hier leben noch die Äskulapnatter und die Vierstreifennatter. Im Süden der Dobrudscha, der nicht mehr zum eigentlichen Deltagebiet gehört, ist die einzige europäische Riesenschlangenart, die Sandboa, bekannt. Im Delta und in seiner Umgebung kennt man zwei verschiedene Arten von Giftschlangen, die Sandotter und die Steppenotter. Erstere bewohnt, im Gegensatz zu ihrem Namen, felsige, steinige Berghänge.[3]
Amphibien [Bearbeiten]
Die Amphibien sind mit zehn Arten im Donaudelta vertreten:[28]
- Seefrosch (Rana ridibunda)
- Rotbauchunke (Bombina bombina)
- Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea)
- Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)
- Erdkröte (Bufo bufo)
- Wechselkröte (Bufo viridis)
- Syrische Schaufelkröte (Pelobates syriacus balcanicus)
- Kleiner Wasserfrosch (Rana lessonae)
- Donau-Kammmolch (Triturus dobrogicus)
- Teichmolch (Triturus vulgaris)
Naturdenkmal [Bearbeiten]
Folgende Arten des Biosphärenreservats Donaudelta wurden zum Naturdenkmal erklärt:[28]
- Brandgans (Tadorna tadorna)
- Rostgans (Tadorna ferruginea)
- Kolkrabe (Corvus corax)
- Großtrappe (Otis tarda)
- Zwergtrappe (Tetrax)
- Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus)
- Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus)
- Stelzenläufer (Himantopus himantopus)
- Löffler (Platalea leucorodia)
- Egretta
- Seidenreiher (Egretta garzetta)
- Schmutzgeier (Neophron percnopterus)
- Maurische Landschildkröte (Testudo graeca ibera)
Literatur [Bearbeiten]
- Botond J. Kiss: Das Donaudelta. Menschen, Tiere, Landschaften. Kriterion Verlag, Bucureşti 1988, OCLC 165166325.
- Walter Roth: Gesang der Fischer. Als Arzt im Donaudelta. Hora Verlag, Hermannstadt 2004, ISBN 973-8226-32-5.
- Klaus-Jürgen Hofer: Im Donaudelta. Brockhaus Verlag, Leipzig 1989, ISBN 3-325-00159-9.
Weblinks [Bearbeiten]
- nfi.at (PDF; 3,1 MB), Donau-Delta.Landschaft des Jahres 2007–2009
- whc.unesco.org Biosphärenreservat Donaudelta in der World Haritage List der UNESCO
- rumaenien-info.at, Das Donaudelta
- ddbra.ro, Offizielle Website des Biosphärenreservats Donaudelta
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b c d e f g h i rumaenien-info.at, Das Donaudelta
- ↑ carolin.ro, Das Donaudelta. Geografie.
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at adatbank.transindex.ro (PDF; 10,6 MB), Botond J. Kiss: Das Donaudelta. Menschen, Tiere, Landschaften. Kriterion Verlag, Bucureşti 1988.
- ↑ a b donaudelta.de, Bilder aus dem Donaudelta
- ↑ planet-schule.de, Uwe Gradwohl: Biosphärenreservat Donaudelta.
- ↑ a b diercke.de, Johann-Bernhard Haversath: Donaudelta, Diercke Arbeitsblätter
- ↑ ddbra.ro, Administrația Rezervației Biosferei Delta Dunării
- ↑ a b c wwf.de, Die Donau. Lebensader Europas
- ↑ nfi.at, Landschaft des Jahres
- ↑ a b c nfi.at (PDF; 3,1 MB), Donaudelta. Landschaft des Jahres 2007–2009. Abschlussbericht
- ↑ donaudelta-lipowaner, Das Donaudelta. UNESCO Biosphärenreservat. Die Lipowaner in Vilkovo
- ↑ donaudelta.de, Bilder aus dem Donaudelta
- ↑ a b ddbra.ro, Biosphärenreservat Donaudelta. Bevölkerung
- ↑ ddbra.ro/, Biosphärenreservat Donaudelta. Zweckbestimmte Zonen
- ↑ a b www.adz.ro, ADZ, Nina May: „Wenn wir das Donaudelta verlieren, wird Rumänien erst wirklich arm sein“. Naturschützer schlagen Alarm – nur zehn Prozent des Biosphäre-Reservats sind tatsächlich streng geschützt
- ↑ info-delta.ro, Zone strict protejate in Delta Dunarii
- ↑ planet-schule.de, Uwe Gradwohl: Welches sind die „Rohstoffe“ des Deltas?
- ↑ a b c carolin.ro, Das Donaudelta. Wirtschaft
- ↑ a b boell.de, Das Donaudelta: sensibles Ökosystem und diplomatischer Zankapfel
- ↑ turism.ro, Das Donaudelta. Ein einzigartiges Paradies Europas
- ↑ rumaenien-info.at, Das Donaudelta. Landschaft des Jahres 2008–2009
- ↑ deltadunarii/flore.ro, Delta Dunării. Flora
- ↑ a b c carolin.ro, Das Donaudelta. Vegetation.
- ↑ adz.ro, ADZ, Nina May und George Dumitriu: Wilde Pferde und schwimmende Inseln
- ↑ a b c d e landesmuseum.at (PDF; 1,4 MB), G. Köhler: Notizen zur Orthopterenfauna des Donaudeltas
- ↑ deltadreamholiday.ro, Caraorman-Wald
- ↑ eastern-images.de, Werner Kremm: Rumäniens Naturschutzgebiete
- ↑ a b c d e ddbra.ro/fauna, Fauna Rezervației Biosferei Delta Dunării
- ↑ vier-pfoten.de, Wildpferde im Donaudelta
- ↑ geo.de, Wilde Pferde im Donaudelta
Liste der Nationalparks, Biosphärenreservate und Naturparks in Rumänien