Donauzivilisation

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Als Donauzivilisation, Donaukultur oder Alteuropa wird eine vorindoeuropäische chalkolithische Kultur des Balkans bezeichnet, die von ca. 5000 bis ca. 3500 v. Chr. existierte. Sie gilt als Vorgängerkultur der minoischen und der mykenischen Kultur. Bei der Donauzivilisation handelt es sich um einen Überbegriff verschiedener miteinander verwandter balkanischer Kulturen, die sämtlich von den neolithischen Kulturen von Sesklo in Griechenland und Starčevo-Criş in Serbien und Rumänien abstammen[1].

Regionalkulturen[Bearbeiten]

Die Donauzivilisation gliederte sich in verschiedene Regionalkulturen. Diese sind nach Gimbutas die Vinča-Kultur, die Tisza-Kultur, die Cucuteni-Trypillya-Kultur, die Karanovo-Kultur und die Lengyel-Kultur. Als weitere Kulturstufen innerhalb dieser Kulturprovinzen gelten die Butmir-Kultur, die Petrești-Kultur, die Danilo-Havar-Kultur, die Boian-Gumelnița-Kultur, die Hamangia-Kultur und die Dimini-Kultur.

Herausragende kulturelle Errungenschaften[Bearbeiten]

Die Alteuropäer besaßen herausragende kulturelle Errungenschaften und machten bahnbrechende Erfindungen, die zum Teil zuvor den Sumerern zugeschrieben wurden, so die ersten Großsiedlungen, bedeutend größer als alle Städte Mesopotamiens in der frühen Bronzezeit und auch größer als Çatalhöyük, die ersten dauerhaft bewohnten Orte (z. B. Larissa in Thessalien und Varna), die ersten Einfamilienhäuser mit über 100 m² Grundfläche, die ersten zweigeschossigen Reihenhäuser, das erste Töpferrad (Vorläufer der Töpferscheibe), die ersten Rollsiegel, die ersten Keramikbrennöfen mit regulierter und kontrollierter Brenntemperatur, die erste Metallgusstechnologie (für Kupfer), die ersten Goldartefakte, das erste Zahlen- und Schriftsystem, die erste Herstellung von Wein und Olivenöl und der erste Anbau von Kirschen, Erbsen und Petersilie.

Die Träger der Donauzivilisation[Bearbeiten]

Genetische Verwandtschaft[Bearbeiten]

Genetisch sind die Träger der Donauzivilisation am ehesten mit den heutigen Menschen des östlichen europäischen Mittelmeerraumes verwandt.

Sprache[Bearbeiten]

Welche Sprache die Träger der Donauzivilisation sprachen, ist mangels entsprechender Schriftquellen nicht bekannt. Ob es sich bei den Vinča-Zeichen um eine Schrift oder lediglich um Symbole oder nur dekorative Verzierungen handelt, ist bis heute unklar und umstritten.

Zuweilen wird vermutet, dass die neolithischen Sprachen der Donauzivilisation einem vorgriechischen Idiom geähnelt haben könnten, das den legendären Pelasgern zugeschrieben wird. Sprachwissenschaftler haben im Griechischen ein vorindogermanisches Substrat entdeckt, das darauf hindeuten könnte. Es handelt sich dabei besonders um Bezeichnungen für die Fauna und Flora der Ägäis sowie um Elemente der technischen Nomenklatur in den Bereichen des Pflanzenbaus, Bauwesen, Handwerk und um Wörter des religiös-kultischen Bereichs. Der Sprachwissenschaftler Harald Haarmann nimmt an, das mehr als ein Drittel des altgriechischen Wortschatzes aus nicht-indogermanischen Sprachen stammt.[2]

Die vorindoeuropäischen Wörter lassen sich (in abnehmender Zahl) finden bei Pflanzenbegriffen jeglicher Art (z. B. adraphaxus = „Spinat“ oder kastanon = „Kastanie“), Tierbegriffen jeglicher Art (z. B. bonasos = „Büffel“ oder thunnos = „Thunfisch“), Geräten/Gefäßen (z. B. kardopos = „Backtrog“ oder trubilon = „Schüssel“), religiösen Begriffen jeglicher Art (z. B. bretas = „Götterbildnis aus Holz“ oder thiasos = „Prozession zu Ehren der Gottheit“), Umweltbegriffen (z. B. lithos = „Stein“ oder eriole = „Wirbelwind“), sozialen Begriffen, Kleidung/Textilien (z. B. chlania = „Obergewand“ oder motos = „gezupfte Leinwand“), Körperteilen (z. B. kome = „Haar“ oder neduia = „Eingeweide“), Gebäuden/Wohnbegriffen (z. B. ikrion = „Querbalken“ oder thalamos = „Zimmer“), Handwerksbegriffen jeglicher Art (z. B. lalai = „Webgewicht“ oder keramos = „Ton“), Speisen (z. B. trugia = „süßer Wein“ oder korunthos = „Gerstenbrot“), Emotionen, Zeitbegriffen und Maßeinheiten.

Wirtschaftsleben[Bearbeiten]

Gefäß der Lengyel-Kultur, 4800 v. Chr.

Handel[Bearbeiten]

Der Handel der Donauzivilisation war ein Tauschhandel. Die wichtigsten Handelswege waren dabei die Flüsse, insbesondere die Donau, die mit Booten befahren wurden, ebenso wie die Küsten des Schwarzen Meeres. Bedeutende Handelswaren waren Obsidian, Spondylus-Muscheln, Salz und Metall, namentlich vor allem Kupfer. Als rituelle Geschenke im Rahmen des Handels wurden (komplette oder zerbrochene) Tonfigurinen verwendet.

Handwerk[Bearbeiten]

Die Träger der Donauzivilisation kannten verschiedene Formen des Handwerks und des Kunsthandwerks. Die Weberei und Textilherstellung erfolgte mithilfe eines vertikal gerichteten Webstuhls mit Webgewichten. Die so hergestellte Kleidung wurde drapiert getragen. Bei Frauen waren lange drapierte Röcke beliebt. Die Töpferei erfolgte mithilfe von Töpferrad und Brennofen. Bei der Metallbearbeitung dominierte die Verwendung von Kupfer, erst durch Kalthämmern und dann durch Metallschmelzen. Ab 4500 v. Chr. wurde dann auch Gold bearbeitet.

Alltagsleben[Bearbeiten]

Siedlungen und Behausungen[Bearbeiten]

Siedlungen[Bearbeiten]

Siedlungen der Donauzivilisation konnten unterschiedliche Ausmaße erreichen, vom Dorf bis zur megasettlement. Ebenso unterschiedlich war ihre Errichtung, die keinem vorgegebenen Schema folgte. Siedlungen konnten sowohl auf ebenem Grund als auch auf Siedlungshügeln oder gar auf beidem errichtet werden.

Behausungen[Bearbeiten]

Die Häuser der Donauzivilisation konnten auf verschiedene Weise errichtet werden, so mit Holzpfeilern und Wänden aus lehmverputztem Flechtwerk mit bis zu sechs Metern Länge oder mit Steinfundament und Lehmziegelwänden. Die Herdstelle, der Mittelpunkt des Hauses, war zugleich sakral und säkular, während diese Aufgabenbereiche sonst in der Raumaufteilung (sofern vorhanden) räumlich getrennt sein konnten. Auch Zweigeschossigkeit war möglich, ebenso der Bau von Reihenhäusern. Der zweite Stock wurde von außen über eine Leiter, die zu einem Balkon reichte, erreicht. Es gab runde Fenster und Satteldächer.

Soziale Organisation[Bearbeiten]

Die Gesellschaft der Donauzivilisation war keine staatlich-hierarchisch organisierte Gesellschaft, sondern eine egalitäre Gesellschaft: Es gab weder eine arm-reich-Unterscheidung noch herrschaftliche Wahrzeichen. Die Gesellschaft war wahrscheinlich matriarchalisch und Männer und Frauen besaßen die gleichen Rechte, gestützt durch ein Beziehungsnetz. Den Frauen kam eine zentrale Rolle zu (Matrifokalität). Die Familien umfassten Großeltern, Eltern und Kinder. Oberhaupt einer Familie war, zumindest in der Lengyel-Kultur, immer eine Frau (vergleiche Clanmutter bei den Indianern).

Nach dem Erlöschen einer matrilinearen Sippe wurde ihr Wohnhaus niedergebrannt. Ansonsten herrschte (während der Hochblüte der Donauzivilisation) ausschließlich Frieden. Eine Hierarchisierung und Patriarchalisierung trat erst ein, als die indoeuropäischen Steppenvölker im 4. Jahrtausend v. Chr. von Osten her in das Gebiet der Donauzivilisation einfielen.[3]

Religion und Totenkult[Bearbeiten]

Figur einer Göttin aus der Cucuteni-Trypillya-Kultur, 3800 bis 3600 v. Chr.

Gottheiten[Bearbeiten]

Es ist möglich einige, zumeist weibliche, Gottheiten der Donauzivilisation zu identifizieren. So existierte eine Göttin mit Vogelkopf, von der angenommen wird, dass sie Spenderin des Lebens und Schicksalsgöttin war. Die Schlangengöttin stand somit wohl für die Erhaltung und Erneuerung des Lebens. Eine schwangere Göttin diente als Fruchtbarkeitsgöttin, während eine gebärende Göttin das neue Leben gab und eine (als Mensch oder Bär mit Kind/Jungtier dargestellte) Kindeshüterin den Nachwuchs schützte. Eine junge Göttin mit erhobenen Armen schützte wohl die junge Natur im Frühjahr, während eine reifere Göttin mit vorstehendem Bauch die Fruchtbarkeit der Erde schützte. Eine aufrecht stehende Göttin war im Bereich des Herdes die Schützerin des Herdfeuers und der Familie, doch im Bereich außerhalb gelegener Backöfen wohl Göttin des Getreides und anderer Feldfrüchte sowie Schutzherrin der Brotbackkunst. Die große Göttin wurde von Fruchtbarkeit und Leben symbolisierenden Tieren wie dem Stier, der Schlange und dem Schmetterling (in stilisierter Form später die Doppelaxt der Minoer) begleitet. Auch vereinzelte männliche Gottheiten scheinen existiert zu haben.

Kultus[Bearbeiten]

Die Donauzivilisation verfügte über Schreine und Tempel, doch ohne spezifischen Gestaltungskanon. Jedoch war das Allerheiligste häufig überdacht, mit einem Vorhof versehen und meist von einer Mauer umgeben. Auch zweistöckige Tempel waren möglich. Es existierten Miniaturaltäre, häufig als dreibeinige Opfertische für Trankopfer, aber auch anthropomorphe Altäre oder Monumentalaltäre kamen vor. Auch die so häufigen Ton-Idole standen im Zusammenhang mit der Religion. Kulte können sowohl die Fruchtbarkeit als auch das Wasser betroffen haben. Auch Prozessionen können möglich gewesen sein, bei denen Masken eine große Bedeutung hatten, worauf Tonmodelle von Masken hinweisen könnten. Auf der Keramik der Donauzivilisation finden sich Darstellungen von Musik und Tanz, sicherlich auch in religiösem Zusammenhang.

Totenkult[Bearbeiten]

Die Toten der Donauzivilisation wurden etwas ferner, in der Nähe oder gar innerhalb der Wohnhäuser bestattet. Es gab Erd- und Urnenbestattung, Einzel- und Familien-/Sippengräber. Säuglinge wurden in eierförmigen Gefäßen bestattet. Urnenbestattungen fanden in hochwertigen Keramikgefäßen statt. Die Toten wurden wahrscheinlich sogar zweimal bestattet, worauf die geringe Vollständigkeit mancher Skelette hinweist. Auch Totenmasken waren bekannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Haarmann: Das Rätsel der Donauzivilisation - Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas. Verlag C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62210-6.
  • Harald Haarmann: Die Indoeuropäer. Herkunft, Spachen, Kulturen. (Seite 54ff), Verlag C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60682-3
  • Harald Haarmann: Geschichte der Sintflut. Auf den Spuren der frühen Zivilisationen. (Seite 95ff), Verlag C.H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49465-X

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Harald Haarmann: Das Rätsel der Donauzivilisation - Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas. Verlag C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62210-6, S. 50 f.
  2. Harald Haarmann: Lexikon der untergegangenen Sprachen, München 2002/2004, S. 30
  3. Harald Haarmann: Das Rätsel der Donauzivilisation. Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62210-6, S. 147–158.