Donjon (Comic)

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Donjon ist eine seit 1998 erscheinende französische Comicserie von Lewis Trondheim, Joann Sfar, Christophe Blain, Manu Larcenet und anderen Künstlern, vielen davon mit Verbindung zum Independent-Verlag L’Association. Sie erscheint im Original dennoch im Großverlag Delcourt und ist aufgefächert in mehrere Haupt- und Nebenserien. Die deutsche Übersetzung erschien ab 1999 zuerst im Carlsen Verlag, aktuell wird sie bei Reprodukt herausgegeben. Donjon ist eine Parodie auf andere, ebenfalls oft über eine Vielzahl von Bänden gehende Werke des Fantasy-Genres.

Inhalt und Konzept[Bearbeiten]

Der Name des Comic leitet sich vom französischen Begriff des Hauptturmes einer mittelalterlichen Befestigungsanlage ab, ebenso wie vom morphologisch verwandten englischen Ausdruck Dungeon, der für das Verlies einer Burg steht. Joann Sfar konzeptionierte die Serie als Parodie auf Rollenspiele wie Dungeons & Dragons.[1][2] Während bei diesem Spielprinzip „Heldengruppen“ in Kerker und Höhlen steigen, um Monster zu töten und von diesen bewachte Schätze sich anzueignen, wird diesem Unterfangen in Donjon ein kommerzielles Konzept entgegengestellt. Der Donjon ist, der französischen Bedeutung des Wortes entsprechend, ein monumentale Turmanlage. In diesem sind Monster rekrutiert, die eindringende Helden töten sollen, sowie anderes Personal zur Wartung von Fallen. Das Geschäft finanziert sich aus dem Verkauf der Waffen und anderer Ausrüstung jener Helden, die auf der Suche nach Gold und Erfahrung in die Festung eindringen.

Die Serien[Bearbeiten]

Die Albenserie Donjon besteht aus drei Haupt- und drei (auf Deutsch bislang nur zwei) Nebenserien. Als Zeitlinie werden sogenannte „Level“ angegeben, die im Falle der Hauptreihen der Bandnummerierung entsprechen und nicht mit den Erfahrungsstufen aus Rollenspielen zu verwechseln sind. Im französischen Original reimen sich die Titel jeder Reihe.

Donjon Morgengrauen erzählt von der Jugend von Hyazinth de Cavallère, des späteren Geschäftsführers des Donjons. Die Zeitlinie erstreckt sich von Level -99 theoretisch bis 0, wobei der Übergang fließend ist und ein Nebenband auf Level -4 thematisch eher der Folgeepoche zuzuordnen ist.[3]

Donjon Zenit beginnt in der Hauptserie mit Level 1 und handelt von der Blütezeit des Donjons. Hier werden Herbert und Marvin als eigentliche Hauptfiguren der Serie etabliert, während Hyazinth, nun „Wärter“ genannt, eine wichtige Nebenfigur ist.

Donjon Abendrot, formal mit Level 101 beginnend, erzählt eine apokalyptische Geschichte, in der Terra Amata, die Welt des Donjons, zerfällt. Das Leben besteht auf durch die Gravitation zusammen gehaltenen fliegenden Inseln fort und mit dem „roten Marvin“ gesellt sich hier eine neue und junge Hauptfigur zu den gealterten Helden.

Donjon Parade, Monster und Bonus sind die drei Nebenserien. In Parade erleben Herbert und Marvin kürzere, in sich abgeschlossene, Abenteuer, die allesamt zwischen Level 1 und 2 liegen. Während diese Serie als einzige bislang ausschließlich von einem Zeichner, Manu Larcenet, umgesetzt wurde, wechseln in Monster die Zeichner mit jedem Band ab. Diese Serie beleuchtet Nebenaspekte der Hauptserie oder ergänzt sie durch die Sichtweise anderer Figuren. Bonus hingegen beinhaltet bislang ein Sekundärwerk und einige Alben in schwarz-weißer Reproduktion und ist auf Deutsch nicht erschienen.

Zeichnerische Umsetzung[Bearbeiten]

Die meisten Figuren sind als anthropomorphe Tiere gestaltet, Ausnahmen sind Fabelwesen wie Trolle und Vampire. Zudem besteht in der Malerei von Terra Amata die Stilrichtung, Personen als Menschen darzustellen, was den jungen Marvin in Der Sohn der Drachenfrau befremdet. Er findet Hyazinths Gattin in ihrer realen Gestalt als Vogel viel hübscher. Hyazinth schätzt hingegen diese Stilrichtung sehr, dies befindet nicht nur der Maler,[4] man sieht es auch an einem Portrait von Hyazinths Geliebter, der Schlangenfrau Alexandra.[5]

Während Sfar und Trondheim, was die Geschichten der Serie betrifft, allein verantwortlich zeichnen und sämtliche bislang erschienenen Alben zu zweit geschrieben haben, liegt die zeichnerische Umsetzung in den Händen vieler Künstler, die mit der Vorlage oft sehr individuell umgehen, sodass ihr Beitrag zu Donjon an ihr übriges Œuvre erinnert. Selbst der deutsche Comiczeichner Andreas, der in seinen übrigen Werken nie mit anthropomorphen Tieren arbeitet, bleibt leicht erkennbar, durch die von ihm typischerweise oft verwendeter extrem hochformatiger Panels, die sich mitunter säulenhaft über die Höhe einer ganzen Seite ziehen.[6] Dennoch bleiben die handelnden Figuren immer leicht wiedererkennbar.

Figuren[Bearbeiten]

Herbert von Vaucanson / Der Große Khan (frz. Herbert de Vaucanson alias le Grand Khân)

Die Ente aus dem Land, in dem die Vögel frei sind und Herzog von Vaucanson (duc de Vaucanson), hat eine schwere, prägende Kindheit hinter sich. Den Umstand, dass Herbert während der Schulzeit im Affekt einen seiner Lehrer getötet hat und daraufhin gegen seinen Vater im Zweikampf antreten musste, verbirgt er vor seinen Freunden. Abgesehen von diesen unschönen Kindheitserlebnissen, die in Donjon noch nicht näher beleuchtet wurden, ist Herbert jedoch ein sorgloser, etwas naiver Taugenichts, der sich gerne um Arbeit drückt und immer mit allen Mitteln versucht, sich von Schwierigkeiten fernzuhalten. Das geht allerdings gründlich schief, als er in seiner Funktion des Botenjungen und Putzmannes im Donjon den Barbaren Ababakar Oktopuss, der mit seiner Sandale Königsgräber aufwühlt, zum Wärter des Donjons bringen soll. Oktopuss stirbt unterwegs durch die Hand des tumben Zongo – woraufhin Herbert nichts Besseres zu tun weiß, als sich selbst als Ababakar Oktopuss auszugeben.

Diese neue Rolle erfordert auch das Tragen des Schwertes von Oktopuss. Herbert weiß nicht, dass es sich bei dieser Waffe um das Schicksalsschwert handelt, das seinem Träger erst zu Diensten ist, wenn dieser drei große Taten mit bloßen Händen vollbracht hat. So lange kann vom Träger des Schwertes keine andere Waffe geführt werden. Als seine falsche Identität auffliegt, soll er sich als Krieger bewähren oder für den Donjon sterben.

Marvin, der stolze Drachist / Der Staubkönig (frz. Marvin alias le Roi-poussière)

Marvin ist ein Freund von Herbert. Marvin ist zu Beginn der Serie noch ein roter, fliegender Drachist mit Lendenschurz und einer Menge Schädelschmuck am Leib. Er verliert aber bereits im ersten Zenit-Album seine Flügel und als er sich von seinem Meister abwendet, legt er auch die Schädel ab und sich selbst eine Rüstung zu. Marvins beeindruckendste Angriffstechnik ist das Tong Deum, bei dem er eine feurige Brühe spuckt, die sich aus seinen Magensäften zusammensetzt und äußerst ätzend ist.

Marvin, der der Rasse der Drachisten, einer intelligenten, zweibeinig gehenden Untergruppe der Drachen angehört, ist einem strengen Ehrenkodex verpflichtet: Er darf niemanden töten, der ihn beleidigt. Marvin hasst deshalb die Leute aus der Stadt der Hasen und hat geschworen, die Stadt in zwanzig Jahren niederzubrennen. Außerdem ist er Vegetarier und glaubt an die Ehre eines Kriegers.

Seine Liebe gilt der dicken Sonja, einer diebischen Riesin, und nichts macht ihn nervöser, als die Gegenwart von kleinen Kindern. Auch kann er sehr gut Plätzchen backen.

Der Wärter / Hyazinth de Cavallère (frz. Gardien du Donjon / Hyacinthe de Cavallère alias la Chemise de la nuit)

Der verschrobene, mürrische kleine Vogel raucht stets Pfeife, weswegen der Boden seines Arbeitsraumes in dichten Qualm gehüllt ist. Er leitet den Donjon und unterhält die dort lebenden Monster. Weil ihm nach dem Tod seiner geliebten Alexandra nichts geblieben ist, als das finstere Gemäuer, stellt er die Sicherheit des Donjon vor alles andere. Mit einem Profitstreben hortet er seine Schätze in einem Saal tief in den Mauern der Feste, in dem auch der riesige Donjon-Drache haust. Den Namen Hyazinth vermeidet der Wärter.

Das Verhalten des jungen Hyazinth unterscheidet sich grundlegend von seinem späteren Charakter: Er ist gütig, freigiebig, idealistisch, naiv, liebenswert und ständig den widrigen Umständen seiner Umwelt ausgeliefert. Als junger Mann verlässt er den Landsitz seines Vaters und kommt in die Stadt Antipolis, um dort zu studieren. Als Kommilitonen lernt er seine späteren engsten Vertrauten Alkibiades, den Gnomonisten, und Horus, den Totenbeschwörer, kennen. Hier verliebt er sich auch in die Meuchelmörderin Alexandra.

Als Hyazinth erkennt, dass die ganze Stadt, eigentlich die gesamte Welt korrupt und ungerecht ist, entschließt er sich, das Verbrechen zu bekämpfen und nimmt dazu eine zweite Identität an: „Das Hemd der Nacht“. Leider stehen Hyazinths Taten, die sein Onkel und sein Vorarbeiter Jean-Michel ihm auftragen, allzu oft im krassen Gegensatz zu dem, was Hyazinth als Hemd der Nacht für die Gerechtigkeit tut.

Von kleinen Kobolden bekommt Hyazinth aus Dankbarkeit dafür, dass er sie gerettet hat, die Pfeife des lieben Gottes geschenkt. Mit verschiedenen magischen Tabaksorten erhält er seitdem durch beständiges Rauchen erstaunliche Fähigkeiten: Er kann seine Mitmenschen nackt oder gar ohne Haut sehen, durch Wände gehen und vieles mehr.

Prinzessin Isis von Zephalonien (frz. Isis de Céphalonie, princesse barbare)

Um einen Schwund an Besuchern im Donjon zu kompensieren, erfindet Herbert kurzerhand die mysteriöse, im Verlies als Geisel gefangene Prinzessin Isis, die sich - zur großen Überraschung aller - als keineswegs erfunden und sehr lebendig erweist. Tatsächlich kennen sich Herbert und Isis flüchtig aus ihrer Kindheit, sollte doch der Erpel von Vaucanson die Prinzessin der katzengestaltigen Krosaken von Zephalonien einst heiraten, um den Konflikt zwischen beiden Völkern zu beenden. Unwillkürlich wählt er ihren Namen für einen vermeintlichen Hilferuf, woraufhin die Prinzessin ihre Chance sieht und in den Donjon flieht. Sie ist nicht bereit, die großen, geistlosen Muskelberge zu heiraten, die ihr Vater, der Anführer der Krosaken ihr zur Seite stellen will. Stattdessen sehnt sie sich nach einem schwächlichen, klugen, poetischen Gemahl, der auch in Gestalt von Herbert gefunden zu sein scheint. Ihr Vater sieht dies allerdings anders und verspricht Isis dem Wärter des Donjon. Widerwillig, um weitere Komplikationen zu vermeiden, stimmt dieser zu - nur um kurze Zeit später von Isis mit Herbert betrogen zu werden.

Nubbel (frz. Grogro)

Der beste Freund von Marvin und Herbert ist ein tollpatschiges, dickes, haariges Donjon-Monster. Nubbels liebstes Hobby ist Essen - und zwar alles, was sich nicht schnell genug in Sicherheit bringt oder ihm ausdrücklich vom Wächter verboten wurde. Er hat eine besondere Vorliebe für Hasen.

Horus (frz. Horus alias Horous, nécromant)

Horus ist ein Totenbeschwörer und beherrscht unterschiedlichste Techniken, seinen Mitmenschen Gedärme oder Extremitäten zu entfernen und diese wieder einzusetzen. Er kann auch untote Esel beschwören und leitet die Skelettfußballmanschaft im Donjon.

Alkibiades (frz. Alcibiade, magicien)

Der Gnomonist kann durch die Augen von Riesen oder durch Kristallkugeln wahrsagen und dient im Donjon als wissenschaftlicher Berater.

Roter Marvin (frz. Marvin Rouge)

Der rote Marvin stammt aus Lispelamm, der Stadt der Hasen. Dort gilt ein rotes Fell als böses Omen, seit sich der Drachist Marvin für seine Beleidigung durch die Hasen gerächt hat. Deshalb wird jeder Hase, der mit rotem Fell zur Welt kommt, Marvin getauft und verjagt. Marvin lebt als einsamer Krieger in der Wildnis, als er dem alten Drachisten Marvin begegnet, der zu diesem Zeitpunkt blind und flügellos ist. Er wird zu dessen ständigem Begleiter und nennt ihn Meister. Der Rote Marvin ist voller Energie und Tatendrang und strotzt vor Selbstbewusstsein, ist aber gleichzeitig aufgrund seiner Jugend ungestüm, frech und häufig auch tollpatschig. Er hat ständig wechselnde Beziehungen zu Mädchen, die er nur schwer in Einklang bringen kann.

Zongo

Das Wildschwein mit violettem Fell heißt eigentlich Tristan Chambon und ist der zurückgebliebene Sohn des Leiters des Leichenschauhauses der Nekromanten in Antipolis, Victor Chambon. Dieser will, dass sein Sohn Nekromantie studiert, doch Zongo findet bald in der Burg der Cavallères Unterschlupf. In „Zenit“ gehört er zu den stärksten Monstern des Donjon. Das einzige Wort, das er zu beherrschen scheint, ist „Zongo“, und seine einzige nennenswerte Fähigkeit besteht darin, Lebewesen und Gegenstände mit seiner Keule zu Klump zu hauen.

Professor Hippolyt

Der Zoologe Hippolyt ist ganz zu Beginn von „Morgendämmerung“ aus Antipolis in die Burg der Cavallères geflüchtet. In den dortigen, immer größer werdenden Verliesen hält er verschiedenste Monster zu Forschungszwecken. Er ist der Vater von Alkibiades.

Alexandra

Die schöne Schlangenfrau Alexandra ist eine skrupellose Meuchelmörderin, die für alle Mächtigen von Antipolis arbeitet. In „Morgendämmerung“ ist sie Anführern der Mördergilde und verliebt sich in Hyazinth de Cavallère. Blain gestaltete sie nach Vorbild von Filmdiven der 1960er Jahre wie Brigitte Bardot oder Jane Fonda.[7]

Kadmiom

Kadmiom ist in „Morgendämmerung“ ein wichtiger Handlanger der Mördergilde. In „Zenit“ ist er der oberste Kerkermeister des Donjon.

Guillaume de la Cour

Der adelige Gockel de la Cour ist ein hinterhältiger Winkeladvokat und Erzfeind des Donjon. Er kann zwar weder kämpfen noch zaubern, aber beraubt seine Umwelt dafür durch dubiose Verträge, Erlasse und andere bürokratische Gemeinheiten. De la Cour verdankt seine Geschäftstüchtigkeit seiner berechnenden und geizigen Mutter.

Orlondow

Der drachistischer Schamane haust in einer Senke in einem steinernen Hügel, der nur durch ein Loch auf der Oberseite betreten werden kann. Er spricht zu weit entfernten Personen durch das Feuer und scheint einer der Wenigen zu sein, die in der chaotischen Lage der „Abenddämmerung“ noch den Durchblick haben.

Gilberto

Gilberto ist Orlondows rechte Hand. Er ist ein etwas schräger Vogel mit großem Wissen um magische Pflanzen und Substanzen, hat allerdings ein kleines Drogenproblem.

Orte[Bearbeiten]

Die Burg de Cavallère ist der Stammsitz des Adelsgeschlechts der Cavallères in Morgengrauen. Sie wurde durch die Arbeit zahlreicher Kobolde zum von zahlreichen Monstern bevölkerten Donjon erweitert, dessen höchste Türme man aus zehn Tagesreisen Entfernung sehen kann. In „Zenit“ ist das Geschäftsmodell des Donjon bereits voll ausgebildet: Neugierige Abenteurer werden von den Schätzen des Donjon angelockt, kommen in den Kämpfen mit den Monstern in den meisten Fällen um und vermehren mit ihren eigenen Habseligkeiten den Donjon-Schatz. Ab und zu lässt man einen Abenteurer mit ein paar Schätzen laufen, der damit Werbung für den Donjon macht. In „Abenddämmerung“ ist der Donjon zu einem Hort des Bösen geworden, der schwarzen Festung, in der die Gehenna regiert.

Antipolis ist eine unübersichtliche Metropole, nicht weit von der Burg der Cavallères entfernt. Sie hat eine große Universität und ist von einem breiten Wassergraben umgeben. Zahlreiche Personen verlangen für die Benutzung ihrer Brücken, Stege oder Fähren Geld. Die Regierung der Stadt ist korrupt und bestechlich. Durch ein riskantes Projekt zum Bau einer U-Bahn stürzt die gesamte Stadt in Morgengrauen ein.

Die von einer hohen Holzpalisade umgebene Stadt Schweinsfuhl ist ein Fluchtort für alle verfolgten Zauberer. Nur Magiebegabte dürfen die Stadt betreten. Alle Behausungen sind entweder unter grünen Hügeln gebaut oder sehen aus wie Kugeln aus Moos mit Fenstern und Türen. Haupttreffpunkt der Stadt ist eine unterirdische Kneipe, in der die Gäste zwischen großen Baumwurzeln sitzen.

Lispelamm, die Stadt der Hasen, ist überaus provinziell und kleinbürgerlich. Ihre Einwohner begegnen ausnahmslos jedem Auswärtigen mit einer geradezu selbstverständlichen Fremdenfeindlichkeit. Die Stadt ist allerdings für ihr köstliches Bier berühmt.

Vaucanson ist das Stammland der Vögel und Herberts Heimat. Der Name geht auf den französischen Erfinder Jacques de Vaucanson zurück, der im 18. Jahrhundert durch die Konstruktion mechanischer Automaten berühmt wurde, vor allem durch seine mechanische Ente.

In Köterburg, der Stadt der Hunde, leben alle Vögel wie Sklaven und in einem Ghetto. Sie dürfen weder Kleidung noch Waffen tragen, mit den Hunden sprechen oder sie ansehen. Einmal im Jahr werden zahlreiche Vögel von den Hunden getötet, mit Maronen gefüllt und verspeist.

Die große Pupulu ist die Festung der Olfen und wird von einer großen Mauer umgeben ist. Olfen sind kleine, kugelige Wesen, die sehr harmlos aussehen, tatsächlich aber gefährliche und streitlustige Krieger sind. In der großen Pupulu gibt es eine Botanothek, ein riesiges Archiv der Kräuter und Drogen.

Das Divinascopus ist weniger Stadt als ein riesiges Observatorium mit zahlreichen Teleskopen. Die Astrologen hier kennen den genauen Verlauf der Zukunft.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Sfar schlug Trondheim längere Zeit vor, ein Comicprojekt gemeinsam zu realisieren. Ursprünglich beschränkte sich die Serie auf Donjon Zenit.[1] 1996 erschien der erste Teil: Les Insoumis (dt. Die Rebellen) der Comicserie Troll, deren ersten drei Teile Sfar zusammen mit dem Co-Szenaristen Jean-David Morvan sowie Zeichner Olivier Boiscommun entwickelte. 1998, im gleichen Jahr wie Das Herz einer Ente, folgte der zweite Le dragon du donjon (dt. Der Drachenhort, in einem Band mit Die Rebellen erschienen), der die gleiche Grundidee, Pen-&-Paper-Rollenspiele mit dem Mittel eines kommerzialisierten „Dungeons“ zu parodieren ohne anthropomorphe Figuren umsetzte.[8] Die Entwicklung von Donjon begann 1997, nachdem Trondheim L’Association verlassen hatte.[1] Es ist demzufolge unklar, für welche der beiden Serien die Idee zuerst entwickelt wurde.

Donjon Abenddämmerung entstand, da Sfar Lust hatte, für die Serie zu zeichnen. Trondheim lehnte ab, da er mit anderen Arbeiten ausgelastet war, ließ sich durch den Entwurf der ersten drei Seiten dann aber doch überzeugen, sich daran zu beteiligen. Ohne es Ernst zu nehmen, schlug Trondheim daraufhin vor, das Konzept durch eine Vorgeschichte zu erweitern. Donjon Morgengrauen war geboren und wurde zunächst von Blain zeichnerisch umgesetzt. In Folge schrieben Sfar und Trondheim 20 bis 30 kleinere Episoden, die sie als Trickfilmserie produzieren lassen wollten. Dieses Vorhaben scheiterte, doch wurden Geschichten daraus später für Donjon Parade adaptiert.[1]

Übersicht über die Alben[Bearbeiten]

Bd./Level Donjon Morgengrauen (Donjon Potron-Minet)(1) Zeichner Kolorist Erscheinungsdatum(2)
-99 Das Hemd der Nacht (La chemise de la nuit) Christophe Blain Walter 2001 (11/1999)
-98 Ein Rächer in Bedrängnis (Un justicier dans l'ennui) Christophe Blain Walter 2002 (04/2001)
-97 Das Ende einer Jugend (Une jeunesse qui s'enfuit) Christophe Blain Walter 2006 (05/2003)
-84 Nach dem Regen (Après la pluie) Christophe Blain Walter 2007 (05/2006)
-83 Der letzte Ritter (Sans un bruit ) Christophe Gaultier Walter 2010 (09/2008)
Bd./Level Donjon Zenit (Donjon Zénith)(1) Zeichner Kolorist Erscheinungsdatum(2)
1 Das Herz einer Ente (Cœur de canard) Lewis Trondheim Walter 1999 (03/1998)
2 Der König der Krieger (Le roi de la bagarre) Lewis Trondheim Walter 2000 (10/1998)
3 Die Prinzessin der Barbaren (La princesse des barbares) Lewis Trondheim Walter 2000 (02/2000)
4 Missglückter Zauber (Sortilège et avatar) Lewis Trondheim Brigitte Findakly & Lewis Trondheim 2002 (02/2002)
5 Hochzeit mit Hindernissen (Un mariage à part) Boulet Boulet 2007 (06/2006)
6 Der verlorene Sohn (Retour en fanfare) Boulet Boulet & Lucie Albion 2009 (11/2007)
Bd./Level Donjon Abenddämmerung (Donjon Crépuscule)(1) Zeichner Kolorist Erscheinungsdatum(2)
101 Der Drachenfriedhof (Le cimetière des dragons) Joann Sfar Walter 2001 (04/1999)
102 Der Vulkan von Vaucanson (Le volcan des Vaucanson) Joann Sfar Walter 2002 (03/2001)
103 Armaggedon Joann Sfar Walter 2007 (04/2002)
104 Das fliegende Meer (Le dojo du lagon) Kerascoët Walter 2010 (06/2005)
105 Die neuen Zenturionen (Les nouveaux centurions) Kerascoët Walter 2011 (10/2006)
106 Bärendienste (Révolutions) Obion Walter 2011 (06/2009)
110 Hoher Septentrion (Haut Septentrion) Alfred Walter 2014 (03/2014)
111 La fin du Donjon(5) Mazan Walter - (03/2014)
Bd./Level Donjon Parade(1) Zeichner Kolorist Erscheinungsdatum(2)
1/1-2 Noch ein Verlies (Un donjon de trop) Manu Larcenet Walter 2004 (09/2000)
2/1-2 Der Weise aus dem Ghetto (Le sage du ghetto) Manu Larcenet Walter 2004 (09/2001)
3/1-2 Der Tag der Frösche (Le jour des crapauds) Manu Larcenet Walter 2005 (04/2002)
4/1-2 Gören, Grünzeug und Geziefer (Des fleurs et des marmots) Manu Larcenet Walter 2005 (11/2004)
5/1-2 Nubbeltechnik (Technique Grogro) Manu Larcenet Walter 2008 (06/2007)
Bd.(3)/Level Donjon Monster (Donjon Monsters)(1) Zeichner Kolorist Erscheinungsdatum(2)
1/-4 Hans-Hans, der Schreckliche (Jean-Jean la terreur) Mazan Walter 2006 (05/2001)
2 (12)/3-4 Das Auge des Riesen (Le géant qui pleure) Jean-Christophe Menu Walter 2012 (10/2001)
3/103 Die Hauptkarte (La carte majeure) Andreas Walter 2007 (12/2002)
4 (6)/103 Der schwarze Fürst (Le noir seigneur) Blanquet Blanquet 2008 (06/2003)
5 (8)/-97 Der große Herzensbrecher (La nuit du tombeur) Jean-Emmanuel Vermot-Desroches Walter 2010 (02/2003)
6 (4)/40 Geheimsache Gerstensaft (Du ramdam chez les brasseurs) Yoann Yoann 2008 (04/2003)
7/-90 Der Sohn der Drachenfrau (Mon fils le tueur) Blutch Walter 2009 (09/2003)
8 (11)/-85 Die schöne Mörderin (Crève-cœur) Carlos Nine Carlos Nine 2010 (01/2004)
9 (2)/75 Die Armeen der Tiefe (Les profondeurs) Patrice Killoffer Walter & Patrice Killoffer 2006 (08/2004)
10 (5)/95 Die Ehre der Soldaten (Des soldats d'honneur) Bézian Walter 2008 (01/2006)
11 (10)/-400 Der Herr der Automaten (Le grand animateur) Stanislas Dominique Thomas(4) 2010 (09/2007)
12 (9)/7 Das Buch des Erfinders (Le grimoire de l'inventeur) Nicolas Kéramidas Walter 2010 (01/2008)
Bd./Level Donjon Bonus(4) Zeichner Kolorist Erscheinungsdatum(2)
1/? Clefs en main Joann Sfar & Lewis Trondheim — (schwarzweiß) (10/2001)
2/-90 Mon fils le tueur Blutch — (schwarzweiß) (07/2004)
3/95 Des soldats d'honneur Bézian — (schwarzweiß) (05/2006)
4/-84 Après la pluie Christophe Blain — (schwarzweiß) (12/2006)

1 In Klammer der originale französische Titel 2 In Klammer das originale Erscheinungsdatum 3 In Klammer die vom Original abweichende deutsche Nummerierung 4 Mit Unterstützung von Robin Doo 5 Bislang nicht auf Deutsch erschienen

Rezeption[Bearbeiten]

Andreas Platthaus lobt Donjon als „irrwitzigste Comicserie der Welt“. Für ihn vereint die Serie „japanischen Umfangswahnsinn mit französischer Erzählhybris“. Trondheim und Sfar sind für ihn als Zeichner wie Szenaristen „gleichermaßen perfekt“ und sie können zudem auf eine Riege herausragender Zeichner und mit Walter auf einen „fantastischen Koloristen“ zurückgreifen.[9]

Kritischer wird insbesondere Donjon Monsters von Stefan Pannor aufgenommen, laut ihm „freilich immer ein wenig Hit and Miss“[10]. Insbesondere Hans-Hans der Schreckliche und Die Armeen der Tiefe können ihn nur was die Zeichnungen betrifft überzeugen, die Geschichten bleiben belanglos und vorhersehbar.[11] Der Schwarze Fürst und besonders Der Sohn der Drachenfrau sind aber auch in Pannors Augen „ganz exorbitable Unterhaltungscomics“. „[...D]ie gesamte Donjon-Saga ist letztlich auf den Kontrast zwischen ins absurde überhöhter Gewalt und poetischer Komik angelegt.“[10]

Während Platthaus 2003 Trondheim und Sfar die Vollendung der 300 Alben der Hauptserie im übrigen noch zutraute,[9] erkannte Pannor 2007 dies doch als selbstironisches Mittel der Satire auf den „Größenwahn der Fantasy“ an.[11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Kai-Steffen Schwarz, Volker Hamann: Lewis Trondheim. In: Reddition 57: L’Association, Edition Alfons, Barmstedt 2012, S. 19.
  2. Günter Krenn: Joann Sfar. In: Reddition 57: L’Association, Edition Alfons, Barmstedt 2012, S. 40.
  3. Die Welt des Donjon. Reprodukt, 2013, S. 3, abgerufen am 17. November 2013 (PDF – 7,6 MB, Werbeprospekt zu Donjon).
  4. Blutch, Joann Sfar, Lewis Trondheim: Donjon Monster Bd. 7: Der Sohn der Drachenfrau. Reprodukt, Berlin 2009, ISBN 978-3-941099-09-8, S. 22.
  5. Joann Sfar, Lewis Trondheim: Donjon Zenit Bd. 1: Das Herz einer Ente. Reprodukt, Berlin 2007, ISBN 978-3-938511-41-1, S. 46.
  6. Andreas, Joann Sfar, Lewis Trondheim: Donjon Monster Bd. 3: Die Hauptkarte. Reprodukt, Berlin 2007, ISBN 978-3-938511-57-2.
  7. Marco Behringer: Blain. In: Reddition 57: L’Association, Edition Alfons, Barmstedt 2012, S. 60.
  8. Joann Sfar, Jean-David Morvan, Olivier Boiscommun: Troll Buch 1. Finix Comics, Hadamar 2013, ISBN 978-3-941236-80-6, S. 66–90.
  9. a b Andreas Platthaus: Andreas Platthaus' VENTIL No. 3. Juli 2003, abgerufen am 19. November 2013.
  10. a b Stefan Pannor: Zwischendurch – ein kleines Fantasy-Round-up. 29. Mai 2009, abgerufen am 19. November 2013.
  11. a b Stefan Pannor: Joann Sfar, Lewis Trondheim: Donjon Monster. Januar 2007, abgerufen am 19. November 2013.