Donskoje (Kaliningrad, Swetlogorsk)

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Siedlung städtischen Typs
Donskoje/Groß Dirschkeim
Донское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Swetlogorsk
Erste Erwähnung 1339
Frühere Namen Tirschaym (nach 1339),
Tierskeim (nach 1563),
Dirschkeim (vor 1785),
Groß Dirschkeim (bis 1946)
Bevölkerung 2924 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40153
Postleitzahl 238570
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 420 000 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 56′ N, 19° 58′ O54.93444444444419.964722222222Koordinaten: 54° 56′ 4″ N, 19° 57′ 53″ O
Donskoje (Kaliningrad, Swetlogorsk) (Europäisches Russland)
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Lage im Westteil Russlands
Donskoje (Kaliningrad, Swetlogorsk) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Donskoje (russisch Донское, deutsch Groß Dirschkeim, litauisch Tirškaimis) ist eine Siedlung städtischen Typs[2] in der Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) der Russischen Föderation. Diese liegt im Rajon Swetlogorsk (Kreis Rauschen) und ist Amtssitz und namensgebend für die Gorodskoje posselenije Donskoje (Städtische Gemeinde Donskoje).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Ostseeküste bei Donskoje (Groß Dirschkeim)

Donskoje liegt an der Westküste des Samlandes und ist 43 Kilometer von der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) und 13 Kilometer von der Kreisstadt Swetlogorsk (Rauschen) entfernt. Die russische Fernstraße A 192 führt östlich an dem Ort vorbei, durch den eine Nebenstraße von Primorje (Groß Kuhren) kommend und nach Jantarny (Palmnicken) führend verläuft.

Innerorts weist das Bahnhofsgebäude auf die Zeit hin, als das Dorf Bahnanschluss hatte: am 4. Oktober 1936 wurde die von Fischhausen (heute russisch: Primorsk) und bis Palmnicken (Jantarny) verlaufende Bahnstrecke, einer Zweigstrecke der Ostpreußischen Südbahn, bis nach Groß Dirschkeim verlängert. Noch während der Kriegsjahre wurde die Linie nach Warnicken (Lesnoje) fortgeführt, wo sie in die Samlandbahn überging. Die Bahnstrecke wird heute nicht betrieben.

Ortsname[Bearbeiten]

Der deutsche Name des Ortes[3] leitet sich ab vom prußischen Wörtern „Dirse“ (= der Schöngewchsene) und „kaym“ (= Feld) und bezog sich auf einen hier lebenden Prußen.

Der Ort Groß Dirschkeim/Donskoje[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1945[Bearbeiten]

Im Jahre 1339 wurde Tirschkaym[4][5] als Standort für ein herzogliches Schloss erstmals erwähnt. In dem Haus residierte der Amtsmann eines Kammeramtes, der für den nordwestlichen Seebezirk zuständig war. Im 16. Jahrhundert hielt sich oft Markgraf Georg Friedrich, der Vormund von Herzog Albrecht Friedrich, zur Jagd im Forst Warnicken (heute russisch: Lesnoje) hier auf. Das Jagdhaus war um 1700 baufällig, so dass man die obere Etage beseitigte.

Alte Wasserpumpstation in Groß Dirschkeim

Über die Jahrhunderte existierte das staatliche Gut Dirschkeim, meist war es verpachtet. Der erste Pachtvertrag ist aus dem Jahre 1584 bekannt. 1804 erhielt der Bruder des Minister von Schön das etwa 500 Hektar große Gut in Erbpacht. Bis 1945 blieb die Familie von Schön auf dem Gut und tat sich besonders in der Schafzucht hervor.

Auf dem Gutsgelände befinden sich zwei Schluchten, die man vor 1945 zu den eindrucksvollsten des Samlandes rechnete: die 800 Meter lange Dirschkeimer Schlucht mit dem Galgenberg direkt am Ufer, sowie die Rosenorter Schlucht, in der sich früher eine Bernsteingrube befand.

Am 13. Juni 1874 wurde das damalige Fischerdorf Amtssitz und namensgebend für einen neu errichteten Amtsbezirk[6], der bis 1945 bestand und bis 1939 zum Kreis Fischhausen, von 1939 bis 1945 zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1910 zählten das Dorf und das Gut Groß Dirschkeim jeweils 179 Einwohner[7].

Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Groß Dirschkeim in die Landgemeinde Groß Dirschkeim eingegliedert. Die Einwohnerzahl belief sich 1933 auf 347 und betrug 1939 bereits 653[8]. Infolge des Zweiten Weltkrieges kam das Dorf 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Amtsbezirk Groß Dirschkeim (1874–1945)[Bearbeiten]

Zum Amtsbezirk Groß Dirschkeim gehörten anfänglich acht Landgemeinden (LG) bzw. Gutsbezirke (GB)[9]:

Name Russischer Name Bemerkungen
Brüsterort (LG) Majak nach Groß Dirschkeim einegemindet
Finken (GB) Molodogwardeiskoje 1928 zunächst nach Klein Kuhren, dann
nach Groß Dirschkeim eingegliedert
Groß Dirschkeim, Dorf (LG) Donskoje
Groß Dirschkeim, Gut (GB) Donskoje 1928 in die Landgemeinde Groß Dirschkeim eingegliedert
Klein Kuhren (LG) Filino
Kreislacken (LG) Bakalino 1928 in die Landgemeinde Marscheiten eingegliedert
Marscheiten (LG) Marjinskoje
Nöttnicken (LG) Prislowo

Am 1. Januar 1945 gehörten nur noch die vier Gemeinden Groß Dirschkeim, Klein Kuhren, Marscheiten und Nöttnicken zum Amtsbezirk Groß Dirschkeim.

Seit 1946[Bearbeiten]

Kindergarten in Donskoje

Im Jahre 1946 erhielt das bisherige Groß Dirschkeim die russische Bezeichnung „Donskoje“. Im Jahre 1947 wurde das Dorf dem neu gebildeten Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz) zugeordnet und war von 1947 bis 2007 in den Primorjewski gorodskoi sowjet (Stadtsowjet Primorje (Groß Kuhren)) eingegliedert. Im Jahre 2007 entstand der Rajon Swetlogorsk (Kreis Rauschen), und zu ihm kam aufgrund einer grundlegenden Struktur- und Verwaltungsreform[10] die als „Siedlung städtischen Typs“ eingestufte Ortschaft Donskoje, die zugleich Zentrum einer vier Siedlungen umfassenden Gorodskoje posselenije Donskoje (Städtische Gemeinde Donskoje) wurde. Im Ortssiedlungsbereich leben 2924 Einwohner (Stand: 14. Oktober 2010)[1].

Kirche[Bearbeiten]

Die russisch-orthodoxe Kirche in Donskoje

Evangelisch[Bearbeiten]

Bis 1945 war die Bevölkerung Groß Dirschkeims fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Das Dorf gehörte zum Kirchspiel der Pfarrkirche in Heiligenkreutz (heute russisch: Krasnotorowka) im Kirchenkreis Fischhausen (Primorsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher vor 1945 war Pfarrer Georg Henkys. Heute liegt Donskoje im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad[11] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Russisch-orthodox[Bearbeiten]

In Donskoje besteht eine russisch-orthodoxe Kirchengemeinde, deren Gotteshaus nördlich der Durchgangsstraße und westlich der Bahnstrecke liegt und den Namen der Wladimirer Gottesmutter-Ikone trägt.

Sie gehört zur Diözese Kaliningrad und Baltijsk (Königsberg und Pillau) (bis 2009: Diözese von Smolensk und Kaliningrad) der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Schule[Bearbeiten]

In Groß Dirschkeim gab es vor 1945 bereits eine zweiklassige Schule, die aus der Zeit vor 1735 stammte.

Die Städtische Siedlung Donskoje[Bearbeiten]

Die Lage der Städtischen Gemeinde Donskoje innerhalb der Stadtkreise und Rajonsgebiete im Nordwesten des Samlandes

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Gorodskoje posselenije Donskoje gibt es seit dem Jahre 2007. Sie gehört zu dem damals ebenfalls neu errichteten Rajon Swetlogorsk (Kreis Rauschen), innerhalb dessen sie quasi ein Exklavendasein – abgetrennt durch Gebiete der Landgemeinde Krasnotorowka – führt. Sie zählt heute 2953 Einwohner, die zu einem ganz großen Teil vom Tourismus leben.

Die Städtische Gemeinde Donskoje liegt im äußersten Nordwesten der samländischen Ostseehalbinsel. Ihr Gebiet grenzt im Westen und im Norden an die Ostsee, im Süden an den Stadtkreis Jantarny (Palmnicken) und im Osten an die Krasnotorowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Krasnotorowka (Heiligenkreutz)), die bereits zum Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz) gehört.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Zur Städtischen Gemeinde Donskoje gehören vier Einzelsiedlungen:

Name Deutscher Name
Donskoje Groß Dirschkeim
Majak Brüsterort
Marjinskoje Marscheiten
Molodogwardeiskoje Finken

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Die Städtische Gemeinde Donskoje liegt mit ihren Einzelsiedlungen westlich der russischen Fernstraße A 192, wird jedoch durch eine Durchgangsstraße von Lesnoje (Warnicken) nach Jantarny (Palmnicken) vernetzt. Über Jantarny besteht in absehbarer Zeit ein Anschluss an den im Bau begriffenen Primorskoje Kolzo (Küstenautobahnring).

Schienen[Bearbeiten]

Durch das Gebiet der Gorodskoje posselenije Donskoje verläuft eine Bahnlinie, die Swetlogorsk (Rauschen) an der früheren Samlandbahnstrecke mit Primorsk (Fischhausen) an der ehemaligen Ostpreußischen Südbahn verbindet. Das Bahnhofsgebäude in Donskoje („Wsmorje-Nowoje“) ist jedoch nur noch ein Zeuge der Vergangenheit, als die Bahnstrecke noch betrieben wurde.

Luft[Bearbeiten]

Über den Primorskoje Kolzo – so er denn fertiggestellt ist – besteht eine günstige Erreichbarkeit des Flughafens Kaliningrad bei Chrabrowo (Powunden).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. gemäß dem Закон Калининградской области от 10 июня 2010 r. № 463 «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 10. Juni 2010, Nr.463: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  3. Donskoje - Groß Dirschkeim bei ostpreussen.net
  4. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Groß Dirschkeim
  5. Donskoje - Groß Dirschkeim bei ostpreussennet (wie oben)
  6. Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Dirschkeim
  7. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen
  8. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Samland
  9. Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Dirschkeim (wie oben)
  10. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 182 vom 2. November 2007, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  11. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad

Weblinks[Bearbeiten]