Doom Metal

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Doom Metal
Entstehungsphase: Anfang 1970er Jahre
Herkunftsort: Vereinigtes Königreich
Stilistische Vorläufer
Hard RockPsychedelic Rock
Pionierbands
Black SabbathPentagram
Genretypische Instrumente
GitarreBassSchlagzeugGesangKeyboard
Subgenres
Black DoomDeath DoomDrone DoomEpic DoomFuneral DoomGothic MetalGrungeHorror JazzPost MetalSludgeStoner Doom

Doom Metal (doom englisch für ‚Untergang‘, ‚Unheil‘) ist eine Spielart des Metal. Sie zeichnet sich durch schwere, langsame Gitarrenriffs und eine als düster wahrgenommene Grundstimmung aus. Die Texte handeln häufig von Melancholie, Trauer, Endzeitstimmung, Sehnsucht, Verzweiflung und Tod.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Tony Iommi von Black Sabbath

Als wesentlicher Bezugs- und Ausgangspunkt des Doom Metal gilt die Band Black Sabbath mit ihren ersten vier Alben von den späten 1960er Jahren bis in die Mitte der 1970er Jahre.[2]

Mit Ausnahme der erratisch und zu dieser Zeit faktisch ohne Öffentlichkeit existierenden Band Pentagram und der 1973 bereits wieder aufgelösten Black Widow, fand der unverwechselbar schwere und schleppende Sound der Band keine unmittelbare Fortsetzung. Erst Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre gründeten sich jene Bands, die, unter teils explizitem Bezug auf die frühen Black Sabbath, als Pioniere des Doom Metal gelten unter anderem The Obsessed, Saint Vitus, Trouble und Witchfinder General.

Diese Bands bildeten die erste Generation des eigentlichen Doom Metal, der während der 1980er auch zu einem eigenen Namen kam[3], der möglicherweise auf Candlemass’ Debütalbum Epicus Doomicus Metallicus oder den Black-Sabbath-Titel Hand of Doom[1] zurückgeht. Saint Vitus und Candlemass werden häufig als die einflussreichsten Doom-Metal-Bands angeführt[3], während Trouble den Doom Metal bekannt machte[3]. Im Zuge der Aufsplitterung in viele Subgenres wird für die Einordnung des Doom Metal als eigener Substil von traditionellem oder prototypischem Doom gesprochen. In den 2000er Jahren gab es ein Revival des Genres, das zu einer Fülle neuer Interpreten führte.

Erfolg[Bearbeiten]

Der Doom Metal konnte, abgesehen von einigen wenigen Bands wie Black Sabbath, niemals einen großen Einschlag in den Mainstream der Musik verbuchen. Innerhalb der Metal-Szene erlangten nur relativ wenige Bands tatsächlich erwähnenswerte Bekanntheit. Dennoch existiert seit jeher ein sehr lebendiger und fruchtbarer Untergrund. In spöttischer Form formulierte dies Garry Sharpe-Young mit den Worten: „Die Begriffe Doom Metal und Business Plan teilen sich nicht denselben Raum, geschweige denn dieselbe Sprache.“[4] Frank Schäfer stellte fest: „[D]erlei metallische Schwermut bleibt doch in erster Linie ein Minderheitenprogramm“.[5]

Musikalische Einordnung[Bearbeiten]

Der klassische Doom Metal basiert auf den ersten vier Alben von Black Sabbath.[2] Die Alben Black Sabbath, Paranoid, Master of Reality und Black Sabbath Vol. 4 prägten einen Klang der mit nachkommenden Bands wie Saint Vitus, Witchfinder General und Trouble in den 1980ern als Doom Metal bekannt wurde.

„Trotz der engen Grenzen des Genres, trotz der konsequenten Bodenständigkeit der Musik und trotz der Liebe zu sich ständig wiederholenden Lava-Riffs, hat es die Eigenständigkeit immer geschafft die Oberhand zu bewahren.“

Vampster[6]

Als Merkmale klassischen Doom Metals werden das reduzierte Tempo, die erhöhte Verzerrung der E-Gitarren sowie „Monotonie und Individualität“ genannt.[6] So wird Doom Metal meist als eine sehr düstere und langsame Spielart des Metal mit schweren und langsamen Gitarrenriffs gekennzeichnet. Die Gitarren sind tief gestimmt und werden häufig durch Bassverstärker gespielt. Der Stil wird daher als „warmes und breites Klangbild“ mit „erdigen Gitarren“ und klarem Gesang beschrieben.[7] In Anlehnung an das Frühwerk von Black Sabbath sind hinzukommend Elemente aus Psychedelic-, Blues- und Hard Rock für den Doom Metal bedeutsam.[7] Im Besonderen der Gesang wird, sowohl von Männern als auch von Frauen, in stilistischer Anlehnung an Hard- und Bluesrock dargebracht. Der Gesangsstil wurde durch Sänger wie Ozzy Osbourne, Scott Weinrich, Eric Wagner (Trouble) und Scott Reagers (Saint Vitus) geprägt.

Einflussnahme, Weiterentwicklung und Aufsplitterung[Bearbeiten]

Candlemass

Ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre begann der Doom Metal sich u.a. durch Vermengung mit angrenzenden Musikkulturen zu eigenen Subgenres auszudifferenzieren. Bereits die oft noch dem urtümlichen Doom zugeordneten ersten Alben von Candlemass und Pentagram hatten den Stil in Form komplexerer Riffs, verhältnismäßig klarer Produktion und in den Vordergrund gemischten Gesangs leicht verändert. Bis zum Ende der 1980er Jahre setzten die Veröffentlichungen von The Melvins (Six Songs/Gluey Porch Treatments), Godflesh (Godflesh) oder Dream Death (Journey into Misery) neue Impulse, anhand welcher die Bereitschaft zum Crossover von und mit dem Doom Metal verdeutlicht wurde. Während The Melvins den Hardcore Punk einbrachten, agierten Godflesh mit Einflüssen des Industrials und Post-Industrials und Dream Death mit Einflüssen des Thrash Metals. Andererseits näherte sich mit My War 1984 die Band Black Flag dem Doom Metal aus dem Hardcore Punk heraus an und wurde so ebenso wie The Melvins für den Sludge prägend.[8]

Weitere Impulse kamen in den 1990ern auch aus dem Death Metal; Bands wie Winter oder Thergothon wandten sich von der death-metal-typischen enormen Geschwindigkeit ab und suchten neue Klangfarben in der Verlangsamung.[8][7] Ähnlich agierten Barathrum und Unholy aus dem Black-Metal-Umfeld, welche durch die Verlangsamung und Vermengung des Black mit Doom Metal „die harsche Atmosphäre ihrer Songs“ besser zur Geltung brachten.[9][8]

Anfang der 1990er wurden Interpreten verschiedener mittlerweile ausdifferenzierter Genrebegriffe wie Cathedral (Stoner Doom), EyeHateGod (Sludge), Winter (Funeral), Godflesh (Industrial Metal) oder Neurosis (Post-Metal) noch unter der Bezeichnung Doomcore subsumiert.[10] Tragende Gemeinsamkeit der verschiedenen Stile war der Einfluss von Death Metal oder Hardcore Punk.[11] In den 1990er Jahren wurden die Masse an verschiedenen Interpreten und deren Spielweise jedoch so vielfältig, dass die Substile stärker differenziert wurden.

Epic Doom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Epic Doom

Als erster Substil etablierte sich Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre der Epic Doom. Die wohl populärste Doom-Spielart zeichnet sich durch den klaren, teilweise opernhaft anmutenden Gesang aus. Einige Bands verwenden zudem zur Unterstützung der epischen Atmosphäre Keyboards. Die ersten Vertreter dieses Genres waren Candlemass und Solitude Aeturnus.

Sludge[Bearbeiten]

EyeHateGod
Hauptartikel: Sludge

Der Sludge entstand Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre, als[12] ursprünglich im Hardcore verwurzelte Bands der so genannten NOLA-Szene, Elemente des Doom aufnahmen und eine neuartige Spielart kreierten, die besonders auf The Melvins, späten Black Flag und frühen Black Sabbath aufbaute. Insbesondere EyeHateGod und Crowbar begründeten den Stil als eigenständiges Genre.[2].

Post-Metal[Bearbeiten]

Hauptartikel: Post-Metal

Post-Metal ist eine ebenfalls durch Hardcore beeinflusste progressive Parallelentwicklung des Sludge, welche zeitweise als Atmospheric Sludge bezeichnet wurde. Dies Subgenre wechselt meist zwischen langen, ruhigen Passagen und aggressiven Ausbrüchen. Häufig werden mehrere Gitarren in Schichten arrangiert und durch eine komplexe Rhythmusgruppe begleitet. Die ersten Interpreten des Genres Neurosis begann bereits Anfang der 1990er Jahre den typischen Stil zu spielen, während sich der Stil erst Anfang der 2000er Jahre als eigenständiges Genre durch das Album Oceanic der Band Isis etablieren konnte.

Death Doom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Death Doom

Etwa zeitgleich zum Sludge entstand der Death Doom, eine Spielart des Death Metal, die insbesondere auf Deathgrunts und einige andere Stilelemente des Death Metal zurückgreift, jedoch unter dem Einfluss des Doom Metal das Tempo deutlich reduziert hat. Früheste Vertreter des Genres sind Dream Death und Goatlord.[13][14]

Gothic Metal[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gothic Metal

Der Death Doom wurde durch die Peaceville Three (My Dying Bride, Paradise Lost und Anathema)[3] zu Beginn der 1990er um Keyboards, weiblichen Gesang oder die Nutzung einer Geige ergänzt. Insbesondere die Einflüsse aus Dark Wave und Gothic Rock sowie der Titel des zweiten Paradise-Lost-Albums Gothic begründete die Bezeichnung Gothic Metal.

Funeral Doom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Funeral Doom

Eine weitere Entwicklung aus dem Death Doom war der enorm langsame und als monoton wahrgenommene Funeral Doom. Ein Stil, der sich ebenso in den frühen 1990ern entwickelte und auf erste Veröffentlichungen von Winter, diSEMBOWELMENT und besonders Thergothon zurückgeht.[15][16] Etabliert wurde der Stil hingegen von Skepticism.[3][17]

Grunge[Bearbeiten]

Green River
Hauptartikel: Grunge

Ende der 1980er Jahre etablierte sich im Großraum Seattle der Grunge als eine Vermengung der Spielweise von Protopunk-Bands wie The Stooges und MC 5 mit dem Klang der frühen Black Sabbath.[18] Während die später populären Vertreter wie Nirvana oder Stone Temple Pilots einen stärker rock-orientierten Sound spielten, war die Frühform des Grunge noch dem Doom Metal nah. Vertreter dieser Spielweise waren Green River, Mudhoney, Soundgarden, The U-Men und The Melvins.

Stoner Doom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Stoner Doom

Stoner Doom oder auch Space Doom ist eine Doom-Variante, die häufig mit etwas positiveren Liedtexten auffällt. Als weiteres Merkmal gilt, dass bei Bands dieses Doom-Stils deutliche Einflüsse aus dem Heavy Rock und Psychedelic Rock der 1960er und 70er Jahre auszumachen sind. Der Klang der tief gestimmten Gitarre wird meist über Bassverstärker gespielt, was zu einer höheren Verzerrung führt. Eine klare Abgrenzung zum Stoner Rock, welcher aus dem Stoner Doom hervorging und mit ähnlichen Elementen arbeitet, ist kaum vorzunehmen. Protagonisten dieses Subgenres sind u.a. Sleep, OM, Electric Wizard oder Cathedral (ab dem Album The Ethereal Mirror).

Drone Doom[Bearbeiten]

Sunn O))) live
Hauptartikel: Drone Doom

Der aus dem Stoner Doom hervorgegangene Drone Doom besteht vor allem aus dröhnenden, verzerrten Gitarrenklängen. Die Stücke haben oft keine klare Struktur und einen nur schwer identifizierbaren, weil langsamen Rhythmus. Dieser auf die Band Earth[3] und ihr Album Earth 2: Special Low-Frequency Version[2] zurückgehende Stil, der als die Quintessenz des Doom gilt, hat einen sehr meditativen Charakter und kann schon fast nicht mehr als Stilart des Metal, sondern eher des Ambient angesehen werden. Weitere bekannte Vertreter sind z.B. Nadja, Sunn O))) oder Monarch!.

Black Doom[Bearbeiten]

Hauptartikel: Black Doom

Black Doom ist durch die Verlangsamung des Black Metal und die Aufnahme von Elementen des Doom Metals entstanden. Frühe Vertreter dieses Stils sind Barathrum und Unholy; auch die Frühwerke der Band Bethlehem entsprechen stilistisch dieser Mischform[19], die sich jedoch nicht, wie für Black Metal üblich, auf den Satanismus berufen, sodass Bethlehem als Dark Metal bezeichnet wird. Weitere Bands: Forgotten Tomb[20], Dolorian[21][22][23], Furze[2].

Horror Jazz[Bearbeiten]

Mitte der 1990er etablierten Bohren & der Club of Gore einen vom Doom Metal beeinflussten Ambient-Stil, der vornehmlich auf Rock- und Jazz-Insturmenten gespielt wird und als Horror Jazz oder auch Doom Jazz bekannt wurde.[9] Weitere bekannte Vertreter sind The Mount Fuji Doomjazz Corporation und The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble. Auch Interpreten des Drone Doom wie Earth agieren gelegentlich mit Elementen des Horror Jazz.[24]

Bekannte Interpreten[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. a b Doom-metal.com: What is Doom-metal? Abgerufen am 22. Januar 2010 (englisch).
  2. a b c d e Robert Müller: Jetzt mal schön langsam…. In: Metal Hammer, Dezember 2010, S. 89.
  3. a b c d e f Doom-Metal.com: The history of Doom-Metal. Abgerufen am 22. Januar 2010 (englisch).
  4. Garry Sharpe-Young: A-Z of Doom, Gothic & Stoner Metal, 2003, ISBN 1901447146, S. i.
  5. Frank Schäfer: Heavy Metal - Geschichten, Bands und Platten, 2001, ISBN 337901737X, S. 43.
  6. a b DOOM SHALL RISE 3: Das 70er/Classic-Doom-Special. Vampster, abgerufen am 7. April 2014.
  7. a b c Arne Ebner:Die Ästhetik des Doom, Online, Zugriff am 1. Mai 2011
  8. a b c History of Doom. Tajam, abgerufen am 2. April 2014.
  9. a b Thorsten Zahn & Petra Schurer: Emotionen in Zeitlupe. Rolling Stone, abgerufen am 30. März 2014.
  10. Uwe Deese: CATHEDRAL. Forest Of Equilibrium. In: Rock Hard, Nr. 56, 1991.
  11. „Doomcore/Sludge und Death-/Funeral-Doom Special“ zum Doom-Shall-Rise-Festival bei Vampster, 2005
  12. „Doomcore/Sludge und Death-/Funeral-Doom Special“ zum Doom-Shall-Rise-Festival bei Vampster, 2005
  13. Doom-metal.com: Bandlist. Abgerufen am 22. Januar 2010 (englisch).
  14. Doom-metal.com: Bandlist Goatlord. Abgerufen am 11. Januar 2010 (englisch).
  15. Jay: Winter - Into Darkness / Eternal Frost - CD Review bei Metal1.info. Abgerufen am 22. Januar 2010.
  16. Funeral Doom – 7 Tage Musikkurs. In: Metal Hammer.
  17. Robert Müller: Der tote Winkel. Slow, Deep & Hard. In: Metal Hammer, Juni 2011, S. 89.
  18. grunge. AllMusic, abgerufen am 7. April 2014.
  19. Kostas Panagiotou: Doom-metal.com: Reviews. Abgerufen am 22. Januar 2010 (englisch).
  20. Doom-metal.com: Bandlist. Abgerufen am 22. Januar 2010 (englisch).
  21. Doom-metal.com: Bandlist. Abgerufen am 22. Januar 2010 (englisch).
  22. Doom-metal.com: Reviews. Abgerufen am 22. Januar 2010 (englisch).
  23. Doom-metal.com: Reviews. Abgerufen am 22. Januar 2010 (englisch).
  24. Andreas Schnell: die Achse des Langsamen. taz, abgerufen am 7. April 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Doom Metal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien