Dopaminhypothese
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Die Dopaminhypothese der Schizophrenien – kurz Dopaminhypothese, ist eine These über den Zusammenhang von Dopamin und Schizophrenie und wurde durch die Arbeit von Allen S. Horn & Solomon H. Snyder 1971 begründet.[1]
Nach einer der ersten kritischen Auseinandersetzungen mit der Dopaminhypothese[2] entwickelte sich diese zu einem Modell, schizophrene Symptome dieses psychotischen Leidensbildes zu erklären und zwar auf der Basis einer gestörten dopaminergen Neuro-transmission (Signalübertragung). Die eigentlich Dopaminhypothese gründet sich auf die Beobachtungen, dass beim verabreichen von Chlorpromazin die dopaminerge Neurotransmission geblockt wurde und sich die schizophrene Psychose besserte.[1] Womit die original Dopaminhypothese darin bestand, dass die Blockade der dopaminergen Neurotransmission ein Heilmittel gegen schizophrene Psychosen darstelle. Das Chlorpromazin hat eine Dopamin -antagonistsche Wirkung und ist das erste klassische Neuroleptikum in der Medizingeschichte. Die Hypothese bestätigte sich auf den Beobachtungen, beim verabreichen von Wirkstoffsubstanzen, die Dopamin -agonistsche und -antagonistsche Wirkungen hatten, dadurch dass Psychosen gebessert oder herbeigeführt wurden.[3]
Heutzutage wird diese Hypothese dadurch bestätigt, dass der überwiegende Teil der klassischen Neuroleptika, welche eine Dopaminantagonistische Wirkung an D2-Rezeptoren haben, die Positivsymptome, also die Übersteigerung des normalen Erlebens, wie Halluzinationen, Wahneingebungen und Denkstörungen, beseitigen. Gegen die Dopaminhypothese spricht jedoch, dass Negativsymptome wie Antriebsarmut, Denkverarmung und Mimikeinschränkungen, durch die Behandlung mit klassischen Neuroleptika entstehen können. [4] [5]
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[Bearbeiten] Erklärung der Dopaminhypothese
Die Dopaminhypothese geht davon aus, dass eine überkonventionelle Produktion von Dopamin im Gehirn zu einer erhöhten Dopamin-Konzentration in den Synapsen führt und sich dies in psychotischem Erleben äußert. Die Dopaminhypothese zeigte in den nachfolgenden Jahren sowohl Stärken als auch Schwächen auf.[4] So konnte mit klassichen Neuroleptika (D2-Blockern) die Positivsymptomatik behoben werden, während die Minussymptomatik bestehen blieb, was nicht als ganzheitliche Heilung der Schizophrenien betrachtet werden kann. Eine kleine Studie deutete auf eine erhöhte Rezeptordichte in dopaminergen Nervenbahnen bei schizophrenen Patienten.[6][7] Einige Wissenschaftler nahmen an, dass es in Frontalbereichen des Gehirns zu einem Defizit an Dopamin komme, während in anderen Bereichen, besonders in Teilen des limbischen Systems, ein Überschuss herrsche. Der Befund, dass die dopaminergen Neuronen im Stirnhirn überwiegend D1-Rezeptoren statt D2-Rezeptoren tragen und mit D2-Blockern aggiert wurde, wiederspricht diesem Sachverhalt. Mittlerweile wurde aber bewiesen, dass bei verminderten Dopaminwerten Minussymptome auftreten können, was wiederum als Beleg angesehen werden kann. Der Ansatz mit der defizitären Dopaminaktivität stellt einen Versuch dar, die ursprüngliche Dopaminhypothese so zu erweitern, als dass sie ihre Gültigkeit beibehält.[4][5]
[Bearbeiten] Belege für die Dopaminhypothese
Die Schizophrenien können als ein Leiden aufgefasst werden, welches auf einem Ungleichgewicht des Neurotransmitterhaushaltes in einem feedback-regulierten System beruht.[8] Neurotransmitter sind eine Untergruppe der Botenstoffe und eine Hauptrolle in der Schizophrenie spielt hierbei neben dem Dopamin, das Serotonin und wohl auch das Glutamat. Bestätigend auf die Dopaminhypothese wirkt die Aussage, dass Homovanillinsäure - einem Abbauprodukt von Dopamin - mit den Positivsymptomen der Schizophrenie korreliert.[5] Bei den Minussymptomen geht man - nach einer Studie aus dem Jahre 2007 über die Korrelation dazu - davon aus, dass Minussymptome sich auf zwei Arten bedingen. 1. parallel zur Behandlung von Plussymptomen und der dazu typischen Reduktion der Homovanillinsäurewerte entstehen Minussymptome und 2. entsprechende zu den Dopaminwerten korrelierende Minussymptome. Daher folgert die Studie das Bestehen von zwei Klassen der Minussymptomen.[5] Diese Studie bestätigt somit die wiedersprüchlichen Ergebnisse von vorrangegangenen Studien und versucht über die zwiegespaltene Klassifizierung von Minussymptome, diesem Sachverhalt Rechnung zu tragen, womit sie der Dopaminhypothese einerseits zuspricht und und sie andererseits auch teils entkräftigt. Auch fand man zwei neuartige Mechanismen, um die Produktion von Dopamin zu regulieren,[9] woraus in Folge der kompetitive Mechanismus von Neuroleptika bewiesen wurde und sich eine, wohl durch die Gabe von Neuroleptika bedingte, erhöhte Menge an Rezeptoren in den betroffenen Synapsen nachwies. Hierbei war die Rezeptordichte in diesen Synapsen erhöht, was als Anpassungsreaktion, auf die konkurierende Wirkung der eigentlichen Neurotransmitter und der per Verabreichung von Neruoleptika zugeführten Antagonisten, zurückgeschlossen wurde.[4] Eine ins deutschsprachige übersetzte Quelle für diese Aussagen findet sich in dem Beitrag Dopaminhypothese der Schizophrenien Neue Befunde für eine alte Theorie aus dem Jahre 2000, welche eine Zusammenfassung aus der Zeitschrift Der Nervenarzt ist. Somit ist die Dopminhypothese nach neurowischenschaftlichen Studien und Forschungsergebnissen der modernen Neurobiologie hinlänglich belegt worden, auch wenn sie nur einen Teil der Ursachen eines schizophrenen Leidens darstellt, da die dopaminerge Neurotransmission allein - nicht die einzige Rolle spielt. Die Dopaminhypothese ist nur ein Bestandteil der neurobiologischen Schizophreniekonzepte von Heute. Man geht davon aus, dass beruhend auf der Tatsache, wo die antipsychotische Wirkung von Neuroleptika weitaus länger braucht als ihre Aufnahme, der antipsychotischen Wirkmechanismus nicht durch die Rezeptorblockade selbst, sondern den verzögert einsetzenden Depolarisationsblock sich ergibt.[10] Womit jene in die Jahre gekommene Dopaminhypothese, nur noch einen Ansatz zum Verständnis bietet und nicht als eine vollkommene Erklärung, der vielfältigen schizophrenen Leiden in betracht gezogen werden kann.
[Bearbeiten] Pro und Contra
[Bearbeiten] Die Dopaminhypothese stützt sich auf folgend Beobachtungen:
- D2-blockierende Neuroleptika sind wirksam.
- Dopaminrezeptorblockade geht einher mit klinischer Besserung.
- Dopaminrezeptoren sind auch bei unbehandelten Schizophrenen erhöht (PET-Studien).
[Bearbeiten] Gegen die Dopaminhypothese sprechen folgende Befunde:
- Wirkungsdauer der Neuroleptika
- Dopamin verursacht nicht Symptome wie inadäquater Effekt, antisoziales Verhalten, Ambivalenz (Negativsymptomatik)
- Genetische Veränderung der Dopaminrezeptoren konnte nicht bestätigt werden.
Die Dopaminpathologie wird somit eher in der Endstrecke der Pathophysiologie vermutet und kann nur einen Teil der Problematik erfassen.[11]
[Bearbeiten] Literatur
- Elliot Valenstein (1998): Blaming the Brain. ISBN 0743237870 (Kritik eines Neurobiologen an der Dopaminhypothese)
- N. Andreasen Brave new brain 2002 ISBN 3-540-42841-0
- John G. Nicholls, Vom Neuron zum Gehirn, Stuttgart, Gustav Fischer, 1995 ISBN 3-437-20517-X
[Bearbeiten] Weblinks
- 100 Jahre Schizophrenieforschung – ein Puzzle ohne Bild? Folien/Vorlesung
- springerlink 2000 Dopaminhypothese der Schizophrenien Neue Befunde für eine alte Theorie
- UNI-Freiburg 2004 Dopaminhypothese der Schizophrenie Folie 25
- Schizophrenie - Die Seele wieder in Einklang bringen. Pharmazeutische Zeitung 34/2007
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b 1971 Horn AS, Snyder SH., Chlorpromazine and dopamine: conformational similarities that correlate with the antischizophrenic activity of phenothiazine drugs.PMID: 5289865
- ↑ 1975 Luchins D., The dopamine hypothesis of schizophrenia. A critical analysis. PMID: 1234325
- ↑ 1976 Snyder SH., The dopamine hypothesis of schizophrenia: focus on the dopamine receptor.PMID: 1251927
- ↑ a b c d Schizophrenie - Die Seele wieder in Einklang bringen. Pharmazeutische Zeitung 34/2007
- ↑ a b c d 2007 Dávila R, Zumárraga M, Basterreche N, Arrúe A, Anguiano JB., Plasma homovanillic acid levels in schizophrenic patients: correlation with negative symptoms.PMID: 17434602
- ↑ 2000 A. Heinz: Dopaminhypothese der Schizophrenien - Neue Befunde für eine alte Theorie. erschienen in „Der Nervenarzt“. SpringerLink
- ↑ Abi-Dargham A, Martinez D, Mawlawi O, Simpson N, Hwang DR, Slifstein M, Anjilvel S, Pidcock J, Guo NN, Lombardo I, Mann JJ, Van Heertum R, Foged C, Halldin C, Laruelle M: „Measurement of striatal and extrastriatal dopamine D1 receptor binding potential with [11C]NNC 112 in humans: validation and reproducibility.“ J Cereb Blood Flow Metab. 2000 Feb;20(2):225-43. PMID 10698059
- ↑ 1990 Carlsson M, Carlsson A., Schizophrenia: a subcortical neurotransmitter imbalance syndrome?PMID: 1981107
- ↑ 1991 Grace AA. , Phasic versus tonic dopamine release and the modulation of dopamine system responsivity: a hypothesis for the etiology of schizophrenia.PMID: 1676137
- ↑ 1992 Grace AA., The depolarization block hypothesis of neuroleptic action: implications for the etiology and treatment of schizophrenia. PMID: 1356143
- ↑ 100 Jahre Schizophrenieforschung – ein Puzzle ohne Bild? Folien/Vorlesung

