Doppelbauer (Schach)

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Swidler–Kramnik
Moskau 2005
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Stellung nach 17. g2xf3

Doppelbauer ist ein Begriff aus dem Schach. Er bedeutet, dass zwei Bauern sich hintereinander auf einer Linie befinden. Stehen sie sogar ohne eigene Bauern auf den rechts und links benachbarten Linien, dann spricht man von isolierten Doppelbauern.

Doppelbauern leiden in der Regel unter einer gewissen Schwäche, die sich beim Versuch ausdrückt, sie in einem Vormarsch zu verwerten oder sie gegen feindliche Bauern abzutauschen. Besonders die isolierten Doppelbauern können im Endspiel leicht angegriffen und erobert werden. Andererseits können Doppelbauern auch auf einfache Weise, indem sie in ihrer Position verharren und wichtige Felder den gegnerischen Figuren verwehren, sehr stark sein. Deswegen nennt man sie auch dynamisch schwach und statisch stark (Aaron Nimzowitsch).

Hans Kmoch unterschied noch weiter zwischen echten und unechten Doppelbauern. Beim unechten Doppelbauern kann der Gegner seine Entdoppelung nicht verhindern, während es beim echten Doppelbauern keinerlei Gewähr für die Entdoppelung gibt.

Die Beurteilung, ob ein Doppelbauer stark oder schwach ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. In der heutigen Schachpraxis lassen Meister in allen möglichen Positionen die Entstehung von Doppelbauern zu, da sie durch Erfahrung oftmals wissen, dass die Schwächen der Bauern vom Gegner nicht ausgenutzt werden können. In vielen Eröffnungssystemen werden Doppelbauern zugelassen, um im Gegenzug gewisse Zugeständnisse vom Gegner zu erhalten. Typische und schon länger angewendete Eröffnungen sind beispielsweise die Nimzowitsch-Indische Verteidigung, die Winawer-Variante der Französischen Verteidigung und die Abtauschvariante der Spanischen Partie, wo jedes Mal unter der Aufgabe des Läuferpaares (Abtausch eines Läufers gegen einen gegnerischen Springer) dem Gegenüber ein Doppelbauer gemacht wird. Der Doppelbauern-Besitzer hat als Kompensation für die vermeintliche Schwäche das Läuferpaar, so dass sich ein interessanter strategischer Kampf im Mittelspiel ergeben kann.

Beispiele[Bearbeiten]

Das Beispieldiagramm zeigt eine Stellung aus der Partie Swidler gegen Kramnik, gespielt bei der Russischen Meisterschaft 2005. Swidler hat einen Doppelbauern auf der c-Linie und einen isolierten Doppelbauern auf der f-Linie. Bemerkenswert ist Swidlers letztgespielter Zug 17. g2xf3, mit dem er freiwillig die Schwächung seiner Bauernstruktur zuließ (es folgte zuvor der Abtausch der weißfeldrigen Läufer mittels 16. ... Lb7xf3), zumal er mit seinem Springer h2 auf f3 hätte zurücknehmen können. Die besondere Charakteristik dieser Stellung mit heterogenen, also entgegengesetzten Rochaden begünstigt diese Entscheidung. Weiß öffnet die g-Linie für den Turm auf d1 und plant einen Angriff auf den schwarzen König mit den weiteren Zügen Td1-g1, h5-h6 und Sh2-g4. Die Doppelbauern spielten im weiteren Verlauf eine untergeordnete Rolle und Swidler gewann die Partie im Endspiel als Folge des Druckspiels am Königsflügel.

Eine Ausnutzung des gegnerischen Doppelbauern im Endspiel zeigt die Partie Cohn-Rubinstein, gespielt in St. Petersburg, 1909.

Weblinks[Bearbeiten]