Doppelspitze

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Mit Doppelspitze bezeichnet man die (relativ seltenen) Fälle einer formal gleichrangigen Besetzung höchster Entscheidungsbefugnisse in Parteien, Unternehmen, Verbänden und Gremien benannt. Ein Beispiel aus der Antike sind im Römischen Reich die zwei Konsuln. Beispiele hierfür in jüngerer Zeit sind

  1. die Doppelspitzen in Parteien (z.B. Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen)
  2. die Vorstandsvorsitzenden der Airbus S. A. S. (die politisch-satzungshalber festgeschriebene Doppelspitze mit einem Franzosen und einem Deutschen war nicht frei von Reibungsverlusten und Machtkämpfen; im Juli 2007 verständigte sich der Konzern auf eine (deutsche) Führungsspitze).
  3. die zeitweilige Chefbesetzung im ThyssenKrupp-Konzern (Ekkehard Schulz / Gerhard Cromme),
  4. der Deutschen Fußballbund mit Theo Zwanziger und Gerhard Mayer-Vorfelder (2004 bis 2006) an der Spitze
  5. die Deutsche Bank; hier folgte auf Josef Ackermann eine Doppelspitze: Anshu Jain und Jürgen Fitschen

Doppelspitzen haben Vor- und Nachteile. Die vorherige Festlegung einer genauen Aufgabenteilung gilt als günstig; Reibungsverluste und Richtungskämpfe sind möglich. Auch kann einer der beiden bestrebt sein, den anderen aus seinem Amt zu drängen, um alleine die Leitung zu haben.

In der Norddeutschen Ratsverfassung und der Dualistischen Bürgermeisterverfassung gibt es die Ämter des (Ober-)bürgermeisters als ehrenamtlichen Repräsentanten der Gemeinde oder Stadt und des (Ober-)stadtdirektors als Verwaltungschef. Gleiches gilt bei Landkreisen für den Landrat und den Oberkreisdirektor. Die Norddeutsche Ratsverfassung mit Doppelspitze bestand in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und wurde in Niedersachsen ab 1996 und in Nordrhein-Westfalen ab 1994 abgeschafft. Dabei gab es Übergangsfristen bis zum Ablauf der Wahlperioden bereits gewählter (Ober-)stadtdirektoren und Oberkreisdirektoren.

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