Dora Diamant

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Dora Diamant (Dworja Diament, jiddisch Dora Dymant) (* 4. März 1898 in Pabianice, Kongresspolen; † 15. August 1952 in London) war die letzte Lebensgefährtin von Franz Kafka. Gegen seinen Willen behielt sie einige seiner letzten Schriften in ihrem Besitz, bis sie 1933 durch die Gestapo konfisziert wurden.

Leben[Bearbeiten]

Dora Dymant war die Tochter von Herschel Dymant, einem erfolgreichen Kleinunternehmer und chassidischen Anhänger des Gerrer Rebbe. Als sie acht Jahre alt war, zog ihre Familie nach Będzin in Schlesien in die Nähe der deutschen Grenze. Mit 21 Jahren trennte sie sich von ihrer Familie und siedelte nach Berlin über, wo sie beim Berliner Jüdischen Volksheim arbeitete.

Sie lernte Franz Kafka im Juli 1923 im Ostseebad Müritz kennen.[1] Nur kurze Zeit später, am 24. September 1923, bezogen sie zusammen eine Wohnung in Berlin-Steglitz, Grunewaldstraße 13. Da in Deutschland zu dieser Zeit die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hatte, mussten sie aufgrund finanzieller Probleme zweimal umziehen. Kafka hatte sich nun endgültig von Prag und seiner Familie gelöst; er betrachtete dies als größte Leistung seines Lebens.

Heiratspläne scheiterten an dem Widerstand von Diamants Vater. Kafkas Gesundheitszustand wurde zunehmend schlechter. Im April 1924 begab er sich in ein Sanatorium in Kierling bei Klosterneuburg (Niederösterreich). Bis zu seinem Tod am 3. Juni 1924 wurde Kafka dort von Diamant gepflegt. Sie behielt insgeheim eine unbekannte Anzahl von Kafkas Notizheften in ihrem Besitz, bis diese zusammen mit ihren übrigen Papieren bei einer Razzia der Gestapo im Jahre 1933 aus ihrer Wohnung gestohlen wurden. Es ist bis heute nicht bekannt, welche Notizhefte in Diamants Besitz übergingen und welche zuvor, während der letzten Lebensmonate Kafkas, an Max Brod übergeben worden waren. In den 1950er Jahren bemühten sich Max Brod und Klaus Wagenbach um die Suche nach diesen fehlenden Papieren, und seit den 1990er Jahren gibt es dazu ein Kafka Project der San Diego State University in Kalifornien.

In den späten 1920er Jahren wurde Dora Diamant Schauspielerin in Düsseldorf, später trat sie der KPD bei. Sie heiratete Lutz Lask (1903–1973), Ökonom und Redakteur der Roten Fahne, mit dem sie die Tochter Franziska Marianne (* 1. März 1934) hatte. 1936 floh sie mit ihren Schwiegereltern Louis Jacobsohn und Berta Lask vor den Nationalsozialisten in die Sowjetunion. Dort wurde ihr Mann im Zuge der Stalinschen Säuberungen inhaftiert, während sie 1938 mit der Tochter ins westliche Ausland fliehen konnte. Als sie 1940 Großbritannien erreichte, wurde sie dort zunächst als Enemy Alien interniert. Ein Jahr nachdem sie 1952 in London an den Folgen eines Nierenversagens gestorben war, wurde Lutz Lask aus der sowjetischen Lagerhaft entlassen.

Roman[Bearbeiten]

Roman über Kafka und Diamant:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dieter Hildebrandt: Dora und der Tod. In: Die Zeit 35/2011, 25. August 2011, S. 45.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kathi Diamant: Kafkas letzte Liebe: die Biographie von Dora Diamant. Aus dem Amerikan. von Wiebke Mönning und Christoph Moors. Mit einem Vorwort von Reiner Stach, Düsseldorf : onomato-Verl., 2013, ISBN 978-3-942864-23-7
  • Kathi Diamant: Kafka's last love: the mystery of Dora Diamant, New York, NY: BasicBooks, 2003, ISBN 0-465-01550-6

Weblinks[Bearbeiten]