Dordogne (Fluss)

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Dordogne
Die wichtigsten Flüsse Frankreichs, unter ihnen die Dordogne

Die wichtigsten Flüsse Frankreichs, unter ihnen die Dordogne

Daten
Gewässerkennzahl FRP---0000
Lage Südwest-Frankreich
Flusssystem Dordogne
Abfluss über Gironde → Atlantischer Ozean
Quelle am Puy de Sancy, im Gemeindegebiet von Mont-Dore
45° 32′ 18″ N, 2° 49′ 9″ O45.5383333333332.81916666666671380
Quellhöhe ca. 1380 m[1]
Zusammenfluss mit der Garonne bei Bordeaux und Bildung des Mündungstrichters Gironde45.045-0.606111111111111Koordinaten: 45° 2′ 42″ N, 0° 36′ 22″ W
45° 2′ 42″ N, 0° 36′ 22″ W45.045-0.606111111111111
Mündungshöhe ca. m[1]
Höhenunterschied ca. 1379 m
Länge 483 km[2]
Einzugsgebiet 23.957 km²[2]
AbflussVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen MQ
450 m³/s
Mittelstädte Bergerac, Libourne
Schiffbar im Unterlauf
Die Dordogne bei Domme

Die Dordogne bei Domme

Die Dordogne [dɔʀˈdɔɲ] ist ein Fluss im Südwesten Frankreichs. Sie entsteht im Gemeindegebiet von Mont-Dore, in der Nähe des Puy de Sancy, aus dem Zusammenfluss der Quellbäche Dore und Dogne. Generell entwässert sie in westlicher Richtung, trifft nach einem Flussverlauf von 483[2] Kilometern beim Bec d’Ambès, nahe Bordeaux, mit der Garonne zusammen und bildet so den Mündungstrichter Gironde, der schließlich in den Atlantischen Ozean mündet.

Durchquerte Départements[Bearbeiten]

Die Dordogne durchquert auf ihrem Weg folgende Départements:

Das Département Dordogne ist nach dem Fluss benannt.

Hydrologie[Bearbeiten]

Der Fluss entwässert ein Gebiet von rund 24.000 km², sein mittlerer Durchfluss liegt bei 450 m³/s. Der Fluss fördert auf Höhe des berühmten La Roque-Gageac eine Wassermenge von 20 m³/s bis zu 2500 m³/s im Frühjahrshochwasser, weshalb die Häuserzeile der in Frankreich sehr beliebten Uferpromenade des Dorfes im Erdgeschoss unbewohnt ist. Trotz kostspieliger Bemühungen, den Wasserstand des Flusses durch Staudämme und natürliche oder künstliche Wehre zu regulieren, treten im Dordognetal besonders im Monat August heftige Hochwasser mit teils schweren Schäden auf.

Nebenflüsse[Bearbeiten]

Linke Nebenflüsse:

Rechte Nebenflüsse:

Orte am Fluss[Bearbeiten]

Schifffahrt heute[Bearbeiten]

Für die professionelle Binnenschifffahrt ist sie ab Bergerac schiffbar, für touristische Zwecke befahren den Fluss ab Domme abwärts kleine Segelschiffe als nostalgische Nachbauten historischer Frachter (frz. gabares).

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Dordogne entstammt der keltischen Bezeichnung du unna und bedeutet schnelles Wasser. Mit der Besetzung Galliens durch das Römische Reich erhielt sie den Namen Duranius, woraus sich im Laufe des Mittelalters Duranna, Durunia, Durdunia und schließlich Dordoigne entwickelte. Die aktuelle Bezeichnung Dordogne diente namensgebend für die Quellflüsse Dore und Dogne, nicht umgekehrt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dordognetal ist nachweislich seit der Eisenzeit besiedelt. Archäologische Ausgrabungen bei Bergerac legten antike Weinamphoren aus dem 1. und 2. Jahrhundert v. Chr. frei und belegten damit die Existenz antiker Weinhandelsrouten zwischen Gallien und dem Alten Rom, lange bevor sich der Weinanbau in ganz Frankreich ausbreitete. Die Nutzung des Flusses setzte sich in der Neuzeit fort. Der Befahrung der Dordogne als Binnenschifffahrtsweg standen zunächst ihre Eigenschaften als Wildfluss entgegen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde nach dem Bau des Kanals von Lalinde und zahlreicher Schleusen und Wehre der Gütertransport per Frachtschiff auf der Dordogne zwischen Argentat und Bordeaux profitabel. Trotz Aufstauung erforderte die Beschaffenheit des Flusses und seine saisonalen Pegelschwankungen einen Bootstyp mit geringem Tiefgang und perfekter Steuerungsfähigkeit. Diese einfach konstruierten gabares dienten meist nur dem Gütertransport flussabwärts, wurden am Endhafen auseinander gebaut und zusammen mit dem Ladegut verkauft. Zur gewöhnlichen Ladung dieser Kähne gehörte Holz aus den Gebieten des Flussoberlaufs in der Auvergne, sowie Käse, Kohle und Edelkastanien aus dem Limousin. Am Ende des 19. Jahrhunderts verlor die kommerziell genutzte Flussschifffahrt auf der Dordogne mit der Erschließung Europas durch die Eisenbahntechnologie vollständig ihre Bedeutung.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Im Gegensatz zu benachbarten Ballungsregionen wie Bordeaux, Limoges oder Toulouse ist das Dordognetal noch überwiegend agrarisch geprägt, industriell schwach entwickelt und wird deshalb zur France profonde gezählt. Der größte Wirtschaftssektor im Einflussgebiet der Dordogne ist die Lebensmittelindustrie. So zählt die Region des Périgord als exquisite Delikatessenkammer Frankreichs. Außerdem haben in der Gegend um Bergerac zahlreiche Rot- und Weißweingüter wie Vin de Domme, Pecharmant, Monbazillac, Saint-Émilion und Pomerol lange Tradition, allerdings können sich die Vins Bergeracois im internationalen Weinhandel aufgrund der direkten Nachbarschaft zu den Bordeaux-Reben kaum durchsetzen.

Die Dordogne gilt heute aufgrund ihres malerischen Flusstals, ihrer seit dem Mittelalter gut erhaltenen und restaurierten Dorf- und Burgpanoramen und des seichten Flusslaufes als einer der beliebtesten Wassersportregionen und Wasserwanderwege Frankreichs.

Geologie[Bearbeiten]

Das Dordognetal lässt sich erd- und gesteinsgeschichtlich einerseits nach den typischen Eigenschaften eines Granit- und Gneisgebietes, das durch vulkanologische Aktivität des Zentralmassivs entstanden ist, andererseits und vielmehr jedoch durch Merkmale einer von Erosionsvorgängen geprägten Karstlandschaft charakterisieren. Die Gegend um Bretenoux und Castelnau, wo der Fluss vom Département Corrèze (19) in das Département Lot (46) einfließt und die Cère in die Dordogne mündet, kann man grob als Grenze zwischen diesen beiden geologischen Oberflächenbeschaffenheiten bezeichnen.

Die zahlreichen verkarsteten und bis zu 300 Meter mächtigen Kalkplateaus (frz.: causses), durch die sich die Dordogne im Laufe der Erdgeschichte gegraben hat, haben ihren Ursprung in der Kreidezeit, als urzeitliche Meere große Teile des heutigen Europas bedeckten, Sedimente wie Sand, Muscheln oder Ton ablagerten und wieder zurückzogen. Im Tertiär konzentrierten sich diese Ablagerungen zu Kalkstein und brachen infolge des eigenen Gesteinsdrucks und der Plattentektonik auseinander. Die Gestaltungskraft des Flusses und der kohlensäurehaltigen Witterung formten das heutige Dordognetal. Ein für Höhlenforscher und Touristen interessantes Beispiel solcher Verkarstungsvorgänge ist die Émergence de Meyraguet, ein höhlenartiger Austritt eines unterirdischen Flusses aus einer Steilwand der Dordogne bei Lacave.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bilder vom Fluss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b geoportail.fr (1:16.000)
  2. a b c Die Angaben zur Flusslänge beruhen auf den Informationen über die Dordogne auf sandre.eaufrance.fr (französisch), abgerufen am 22. April 2009, gerundet auf volle Kilometer.