Dorfen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dorfen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Dorfen
Dorfen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Dorfen hervorgehoben
48.26666666666712.15465Koordinaten: 48° 16′ N, 12° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Erding
Höhe: 465 m ü. NHN
Fläche: 99,6 km²
Einwohner: 14.052 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 141 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 84405,
84428 (Bachzelten)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 08081
Kfz-Kennzeichen: ED
Gemeindeschlüssel: 09 1 77 115
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 2
84405 Dorfen
Webpräsenz: www.dorfen.de
Erster Bürgermeister: Heinz Grundner (CSU)
Lage der Stadt Dorfen im Landkreis Erding
Oberding Eitting Berglern Langenpreising Moosinning Erding Bockhorn (Oberbayern) Taufkirchen (Vils) Dorfen Sankt Wolfgang (Oberbayern) Lengdorf Wartenberg (Oberbayern) Kirchberg (Oberbayern) Hohenpolding Steinkirchen (Oberbayern) Inning am Holz Fraunberg Isen Finsing Walpertskirchen Forstern Neuching Ottenhofen Pastetten Buch am Buchrain Wörth (Landkreis Erding) Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Ebersberg München Landkreis München Landkreis Landshut Landkreis FreisingKarte
Über dieses Bild

Dorfen ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Erding.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Dorfen liegt im Tal der Isen etwa 50 km östlich von München und etwa 20 km östlich von der Kreisstadt Erding entfernt. Mit einer Fläche von fast 100 km² ist Dorfen die flächenmäßig viertgrößte Stadt Oberbayerns – nur München, Beilngries und Ingolstadt haben eine größere Fläche.

Stadtgemeindeteile[Bearbeiten]

Zu Dorfen gehören seit 1978 die ehemaligen Gemeinden Eibach, Hausmehring, Tegernbach (Grüntegernbach und Wasentegernbach) Schiltern, Schwindkirchen, Watzling und Zeilhofen.[2] Weitere wichtige bzw. größere Gemeindeteile sind Algasing, Esterndorf, Jaibing, Oberdorfen, Kloster Moosen, Wölling, Hampersdorf, Kalling, Landersdorf.

Stadtviertel von Dorfen[Bearbeiten]

Altstadt, Isener Siedlung, Südliche Vorstadt/Bahnhofssiedlung, Kremser/Siedlung am Schulzentrum/Dammerlberg, Lerchenhuber Siedlung/Buchbacher Straße-Ost/Furt, Moosner Siedlung/Am Brühl, Obermühle/Am Mitterfeld/Am Oberfeld und Bernöder Siedlung.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Dorfen wurde im Jahre 773 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, das trifft auch für Oberdorfen zu, da nicht nach Dorfen und Oberdorfen unterschieden wurde.

Durch Herzog Ludwig dem Kelheimer wurde Dorfen um 1230 systematisch angelegt, als Stützpunkt gegen das Hochstift Freising (Herrschaft Burgrain) und gegen die Grafschaft Haag und als wirtschaftliches Zentrum für das Gebiet zwischen Erding, Landshut, Wasserburg am Inn und Mühldorf am Inn. Zwischen 1229 und 1237 bekam der Ort wohl durch seinen Nachfolger Herzog Otto II. den Erlauchten das Marktrecht verliehen. Die niederbairischen Herzöge statteten den Markt mit Rechten und Freiheiten aus und verliehen ihm 1331 das Landshuter Marktrecht mit zahlreichen Verbesserungen gegenüber den früheren Privilegien. Dorfen wurde zum Sitz eines Landrichters und bekam 1324 und 1331 die selbständige niedere Gerichtsbarkeit sowie die bürgerliche Selbstverwaltung verliehen – so dass das Dorfen des 13. und 14. Jahrhunderts nach seiner Anlage und seinem Wirtschaftsleben in nichts den Städten der damaligen Zeit nachstand.

Im Dreißigjährigen Krieg besetzten die Schweden 1632 und 1634 den Markt, plünderten, mordeten und brannten die Häuser nieder. In ihrem Gefolge erschien die Pest, die ein Drittel der noch verbliebenen Bevölkerung hinwegraffte. Im 17. und 18. Jahrhundert war Dorfen mit der Gnadenmutter von Dorfen eine der meist besuchten Wallfahrtsstätten Südbayerns.

Um 1885/90 wurde das Haager Tor abgebrochen und die Wallanlage entfernt sowie der Wassergraben zugeschüttet und als Fußweg angelegt. 1910 fand der „Dorfner Bierkrieg“ statt: Als die Maß Bier aufgrund eines Malzaufschlags um zwei Pfennige teurer werden sollte, kochte die Volksseele. Streik- und Boykottaufrufe heizten die Stimmung weiter an. Die Wirtschaften der beiden Brauereien gingen durch Brandstiftung in Flammen auf, das Feuer griff auf weitere Häuser über. In München wurden Pioniere in Bereitschaft gesetzt, sie kamen aber nicht zum Einsatz, denn die Preiserhöhung wurde zurückgenommen. Mehrere Verhaftungen und Strafverfahren beendeten die Unruhen. In den 1920er-Jahren wurde nach einer verheerenden Überschwemmung die Isen begradigt, die vorher in Schleifen um den Markt verlaufen war. In den Jahren nach 1945 entwickelten sich die Moosener Siedlung, Isener Siedlung und die Lerchenhuber Siedlung, die heute zusammen etwa 2500 Bewohner zählen.

Am 10. November 1954 wurde Dorfen durch den bayerischen Innenminister Wilhelm Hoegner zur Stadt erhoben. In Dorfen erscheint das deutschlandweit letzte Anzeigenblatt mit dem Namen Intelligenzblatt.

Am 4. März 1988 wurden in der Polizeiinspektion Dorfen von einem geistesgestörten Täter drei Polizistenmorde verübt.[3]

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die ehemals selbständige Gemeinde Watzling und ein Teil der Gemeinde Eibach eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Hausmehring und Schwindkirchen (mit dem am 25. November 1864 eingegliederten Stollnkirchen) hinzu.[4]

Die am 1. Januar 1972 aus dem Zusammenschluss der damaligen Gemeinden Grüntegernbach und Wasentegernbach neu gebildete Gemeinde Tegernbach wurde am 1. Mai 1978 fast vollständig in die Stadt Dorfen eingegliedert. Die Ortsteile Endsberg und Stetten mit insgesamt nur elf Einwohnern wurden an die Gemeinde Schwindegg (Landkreis Mühldorf) abgetreten. Außerdem wurde die gesamte Gemeinde Zeilhofen eingegliedert.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Stadt selbst:
  • 1869: 1.514
  • 1906: 2.285
  • 1954: 4.145
  • 1962: 4.186
  • 1970: 4.390
Gemeindegebiet:
  • 1925: 7.919
  • 1950: 10.817
  • 1962: 9.899
  • 1978: 10.081
  • 1991: 11.091
  • 2004: 13.383
  • 2011: 13.851

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wappen der Stadt Dorfen

Das Wappen der Stadt Dorfen ist historisch und geht auf Siegel aus dem 14. Jahrhundert zurück: „In Blau drei, zwei zu eins gestellte silberne Häuschen mit goldenen Dächern.“

Neben dem Wappen führt die Stadt eine Flagge in den Farben Blau-Rot.

Politik[Bearbeiten]

Die letzte Kommunalwahl fand am 16. März 2014 statt.

Die Kommunalwahl am 16. März 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,18 % zu folgendem Ergebnis:[6]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 30,87 % 7
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 15,72 % 4
Überparteiliche Wählergemeinschaft Dorfen (ÜWG) 10,91 % 3
Grün-alternative Liste (GAL) 14,20 % 3
Gemeindewahl Tegernbach (TEG) 7,02 % 2
Landliste Dorfen West (LDW) 7,95 % 2
Eibacher Wählergemeinschaft (EWG) 6,09 % 1
Landliste Gemeinwohl Schwindkirchen (Gemeinwohl) 7,68 % 2

Es sind nur Listen genannt, die mindestens einen Sitz erringen konnten.

Die Kommunalwahl am 2. März 2008 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,94 % zu folgendem Ergebnis:[7]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 24,79 % 6
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 13,88 % 3
Überparteiliche Wählergemeinschaft Dorfen (ÜWG) 13,64 % 3
Grün-alternative Liste (GAL) 10,80 % 3
Gemeindewahl Tegernbach (TEG) 7,73 % 2
Landliste Dorfen West (LDW) 8,96 % 3
Eibacher Wählergemeinschaft (EWG) 8,22 % 2
Landliste Gemeinwohl Schwindkirchen (Gemeinwohl) 7,04 % 2

Es sind nur Listen genannt, die mindestens einen Sitz erringen konnten.

Die Gemeinde beteiligt sich am Ostbündnis.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Dorfen

  • Sehenswert ist die aus vier kreuzförmig angelegten Plätzen gestaltete Dorfener Innenstadt (angelegt im 13. Jahrhundert) mit noch drei vorhandenen mittelalterlichen Stadttoren und stattliche Bürgerhäusern mit Fassaden aus Barock und Biedermeier.
  • Frühklassizistische Wallfahrtskirche „Maria Himmelfahrt“. 1783/84 wurde sie nach Langhausesgewölbe-Einsturz unter Einbeziehung des spätgotischer Gebäudeteile neu errichtet. Die Marienleben-Deckenfresken wurden von Johann Huber angefertigt. Der original vorhandene Asam-Altar wurde 1868 abgebrochen und durch einen neugotischen Altar ersetzt. Die Verwendung von kirchlichen Spendengeldern für den Rückbau des Altars nach den alten Plänen führte 1971 zu Jugendprotesten.
  • Dorfener Krippe. Prächtig ausgestattete Krippenfiguren (Gliederpuppen mit spätbarocken Schnitzköpfen) von 1720, restauriert 1990-1995. Kommt jährlich zur Weihnachtszeit zur Ausstellung in der Kirche Maria Dorfen.
  • Die weiteren Sakralbauten Marktkirche St. Veit, Pestkirche St. Sebastian und die Etzkapelle.
  • Jakobmayersaal. Ballsaal im ersten Stock eines nach dem Bierkrieg 1910 errichteten Großgasthauses. Das Gebäude, in dem sich der Jakobmayersaal befindet, wurde von der Stadt Dorfen gekauft. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wurde der Saal im Oktober 2011 wieder eröffnet.

Kulturelles[Bearbeiten]

  • Über die Region hinaus bekannt ist der „Hemadlenzn-Umzug“, der seit fast 100 Jahren am „Unsinnigen Donnerstag“ durchgeführt wird. Rund 2000 Dorfener Bürger ziehen im Nachthemd singend und feiernd durch die Straßen der Innenstadt. Nach einem „Rundgang“ durch die Stadt wird der Hemadlenz dann kurz vor 12 Uhr am Marienplatz seiner Bestimmung übergeben – dem Feuer. Symbolisch sollte damit unter großem Jubel und dem Absingen der Dorfener Narrenhymne der Winter ausgetrieben werden.
  • „Dorfener Liedertafel“. Im Jahre 1875 entschlossen sich 22 Bürger, einen Männergesangsverein, die „Liedertafel“ zu gründen. Es wurden in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts Theater-Stücke mit Gesang und Operetten aufgeführt. Mit der Zeit nahm der Verein auch Frauen in ihre Reihen auf. Die 1200-Jahr-Feier der Stadt Dorfen wurde 1973 mit einem Festkonzert der Liedertafel geschmückt. Heute ist die Liedertafel Dorfen ein gemischter Chor mit 50 Mitgliedern.
  • Die „Schauspielgruppe Gymnasium Dorfen“ wurde im Jahre 1977 von Karen Müller-Kuhnhenn aus der Taufe gehoben. Von Beginn an wurde Wert auf anspruchsvolle Theaterstücke wie Arsen und Spitzenhäubchen und Das Gespenst von Canterville gelegt. Hier sammelten die beiden Schwestern Angela und Simone Ascher erste Schritte in der Schauspielkunst. Die Theatergruppe wurde schon mehrmals auf Kreis- und Bezirksebene ausgezeichnet.
  • Die Stadt Dorfen und ihre Gemeindeteile verfügen über 150 Vereine in den Bereichen Kultur und Brauchtum, Wohlfahrts- und Rettungsdienst sowie in vielen Sportsparten. Der größte ist der 1869 gegründete Breitensportverein TSV Dorfen mit über 1100 Mitgliedern in den Sportarten Basketball, Faustball, Fußball, Judo, Karate, Leichtathletik, Turnen und Volleyball.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Dorfen liegt an der Bundesstraße 15 zwischen Landshut und Rosenheim sowie an der von der Südostbayernbahn betriebenen Bahnstrecke München–Mühldorf. Die Fahrzeit mit der Bahn zum Münchner Ostbahnhof auf der bis Markt Schwaben eingleisigen Strecke beträgt etwa 35 Minuten. Am Bahnhof Dorfen beginnt der Vilstalradweg, der über Taufkirchen bis Velden auf der ehemaligen Bahnstrecke Dorfen–Velden verläuft. Höchst umstritten ist die von der bayerischen Staatsregierung favorisierte Trassenwahl der in Teilabschnitten schon fertiggestellten Bundesautobahn 94 über Dorfen, gegen die sich seit über 30 Jahren Widerstand in der Isenstadt regt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Mit der Ziegelei Meindl befindet sich in Dorfen eines der größten und modernsten Dachziegelwerke Deutschlands, das 2005 durch die belgische Etex Group übernommen wurde. Weitere nennenswerte Betriebe sind Doma Fördertechnik und die Brauerei Bachmayer. Einer der größten Arbeitgeber in Dorfen ist das Kloster Algasing.

Schulen[Bearbeiten]

In der Stadt selbst gibt es die zwei Grundschulen Dorfen Nord und Dorfen am Mühlanger, die Mittelschule Dorfen, das Gymnasium Dorfen und das Sonderpädagogische Förderzentrum Dorfen. In den Gemeindeteilen Eibach, Grüntegernbach und Schwindkirchen gibt es weitere Grundschulen.

Krankenhäuser[Bearbeiten]

Für die medizinische Krankenversorgung gibt es das Kreiskrankenhaus Dorfen, eine Fachklinik für Innere Medizin, sowie das MVZ Dorfen (Ärztehaus) mit vielen Praxen von Fachärzten.

Tourismus[Bearbeiten]

Obwohl Dorfen landschaftlich reizvoll gelegen ist und mit den südlich angrenzenden Landschaften Lappachtal, Goldachtal und dem Gattergebirge (mit) die schönsten Landschaften im Landkreis Erding aufweisen kann, ist die Stadt – vom Wander- und Radwegenetz abgesehen – touristisch nicht erschlossen.
Unterkunftsmöglichkeiten sind in Dorfen vom 2*-Standardzimmer bis zur 3*-Superior-Suite vorhanden. Folgende Betriebe bieten Betten an: Hotel Marienhof (31 Zi.), Hotel Bastei (8 Zi.) in der Innenstadt, Gasthof Grüner Baum (8 Zi.), Tagwerk Öko-Hotel (6 Zi.) in Bahnhofsnähe.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. GenWiki
  3. Polizistenmorde
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 457
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 573.
  6. Stadt Dorfen
  7. Stadt Dorfen
  8. Dorfener Heimatbuch Band 1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dorfen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien