Dorian-Gray-Syndrom

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Das Dorian-Gray-Syndrom bezeichnet eine Zeiterscheinung, die durch die seelische Unfähigkeit zu altern und zu reifen, durch Ablehnung der eigenen Gestalt (Dysmorphophobie) und durch exzessiven Gebrauch sogenannter Lifestyle-Angebote der Medizin gekennzeichnet ist.

Begriffsherkunft[Bearbeiten]

Der Begriff wurde im Jahr 2000 im Kontext einer Tagung zur Lifestyle-Medizin von dem Gießener Psychologen Burkhard Brosig geprägt. Der Begriff lehnt sich an den Roman und dessen Schlüsselfigur Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde aus dem Jahr 1890 an und nimmt ein Motiv des Werkes, die Unfähigkeit zu altern und damit auch seelisch zu reifen, im Sinne einer klinischen Beschreibung und syndromatischen Einordnung auf.

Ursache[Bearbeiten]

Psychodynamisch besteht eine Wechselwirkung zwischen narzisstischen Tendenzen (Stichwort: Alterslose Schönheit), Problemen der psychosexuellen Progression (Stichwort: Vermeidung von Entwicklung und Reife) und schließlich, im Sinne einer Abwehr, dem Gebrauch von Lifestyle-Angeboten in der Medizin. Dies dient als Mittel, ohne innere psychische Verarbeitung äußere Perfektion zu erreichen und ewige Jugend festzuhalten. Das so beschriebene Krankheitsbild weist dabei über die differentialdiagnostisch wichtigen Krankheitsbilder der Dysmorphophobie, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und der Paraphilien hinaus, weil das Ineinandergreifen dieser unterschiedlichen Dynamiken eben der Kernpunkt des Dorian-Gray-Syndroms ist und somit eine gesonderte klinische Entität darstellt. Nach vorsichtigen Schätzungen dürften 2 bis 3 % der Bevölkerung an dem beschriebenen Syndrom erkrankt sein (vgl. Brosig et al 2005).

Zur Diagnose müssen folgende Kriterien erfüllt sein[Bearbeiten]

Betont werden soll in diesem Zusammenhang die exzessive Inanspruchnahme der oben genannten Punkte, wobei zwei oder mehr Bereiche betroffen sein müssen.

Folgen[Bearbeiten]

Klinisch besteht eine latente Depressivität mit der Gefahr suizidaler Krisen, wobei die oben angesprochenen Maßnahmen der Lifestyle-Medizin als psychische Abwehr gegen das Durchbrechen depressiver Zustände zu verstehen sind. Bei nicht ausreichender Berücksichtigung der psychologischen Dynamik kommt es zu einer krankhaft narzisstischen Einstellung und teils selbstschädigendem Handeln.

Literatur[Bearbeiten]

  • Brosig B.(2000): Das Dorian Gray Syndrom. Haarwuchsmittel und andere Jungbrunnen., Vortrag bei der Fortbildungsakademie der Landesärztekammer Hessen, Sektion klinische Pharmakologie, am 29. April 2000.
  • Brosig, B., Kupfer, J., Niemeier, V. Gieler, U. (2001): The Dorian Gray Syndrome. Hair Growth Restorers and other „Fountains of Youth”. I. J. Clin. Pharmacol. Ther. 39, 279-283.
  • Brosig, B., Euler, S., Brähler, E., Gieler, U. (2005): Das Dorian Gray Syndrom. In: Trüeb, R. A. (Hg.) : Smart aging. Darmstadt, Steinkopff (in press).
  • Euler, S., Brähler, E., Brosig, B. (2003): Das Dorian-Gray-Syndrom als „ethnische Störung“ der Spätmoderne. Psychosozial 26, 73-89, Gießen, Psychosozial-Verlag.
  • Angelika Reese: Forever young! Das Dorian-Gray-Syndrom als Herausforderung für die Schule. Schulz-Kirchner, Idstein 2008, ISBN 978-3-8248-0287-6 (Zugleich Dissertation an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg)

Siehe auch[Bearbeiten]