Dorka Gryllus

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Dorka Gryllus mit Andreas Lust (2011)

Dorka Gryllus (* 26. Dezember 1972 in Budapest), im ungarischen Film auch Dóra Gryllus, ist eine ungarische Schauspielerin.

Biografie[Bearbeiten]

Die Tochter einer Regisseurin[1] studierte von 1994 bis 1998 Schauspiel an der Theater- und Filmakademie von Budapest. 1998 wurde Dorka Gryllus am Theater der Stadt Kaposvár engagiert. Dort war sie sowohl in klassischen Stücken von Carlo Goldoni (Sommerfrische, 2003), Molière (Don Juan, 2000) oder Alexander Ostrowski (Der Wald, 2002) als auch in Musical-Hauptrollen wie My Fair Lady oder Cabaret (beide 2002) zu sehen. 2010 spielte Gryllus die Helga in Leonyid Zorins Warschau Melodie am Budapester Pinceszínház-Theater.

Parallel zu ihrer Theaterarbeit erschien Gryllus seit Mitte der 1990er Jahre in verschiedenen ungarischen Film- und Fernsehproduktionen. Nach der Nebenrolle der Fräulein Mendel in Rolf Schübels preisgekröntem Spielfilm Ein Lied von Liebe und Tod – Gloomy Sunday (1999) begann sie aufgrund mangelnder Angebote in Ungarn den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf den deutschsprachigen Film zu verlagern.[1] Unter der Regie Schübels erschien sie auch in den Fernsehfilmen Kollaps (2002), in dem sie einen Kriegsflüchtling spielte, und Zeit der Wünsche (2005). In Dieter Wedels Fernsehfilm Mein alter Freund Fritz (2007) war sie als junge Ärztin Cora zu sehen, die einen erfolgreichen Chirurgen (gespielt von Ulrich Tukur) bewundert.

Der Durchbruch als Filmschauspielerin folgte jedoch in Gryllus’ Heimat Ungarn mit Robert-Adrian Pejos Drama Hau ab (2005). Ursprünglich vom Regisseur als „viel zu schön“ angesehen,[2] erhielt Gryllus die weibliche Hauptrolle erst, nachdem die vorgesehene Schauspielerin erkrankt war. In Hau ab schlüpfte sie in die Rolle der Oana, Mitglied einer Roma-Gemeinde, die sich am Rande einer apokalyptischen Müllhalde angesiedelt hat. Der Part brachte Gryllus die Darstellerpreise auf dem russischen „Faces of Love“-Filmfestival von Sotschi, dem Festrola-Filmfestival im portugiesischen Setúbal sowie der Ungarischen Filmwoche ein. Im selben Jahr wurde die Ungarin bei den 55. Filmfestspielen von Berlin gemeinsam mit Schauspieltalenten wie der Französin Sara Forestier oder dem Deutschen Max Riemelt als „Shooting Star“ geehrt.

Weitere Auftritte im deutschsprachigen Film (Der Knochenmann und Soul Kitchen, beide 2009) und internationalem Kino (Tage der Finsternis – Day of Wrath, 2006; Irina Palm, 2007) folgten. 2010 arbeitete Gryllus erneut mit Robert-Adrian Pejo an dem Thriller Der Kameramörder zusammen, der auf dem gleichnamigen Kriminalroman von Thomas Glavinic basiert. Die Rolle der zweifelnden Sonja brachte ihr 2011 eine Nominierung als beste Darstellerin für den erstmals vergebenen Österreichischen Filmpreis ein. Im selben Jahr demonstrierte sie öffentlich vor dem Budapester Parlament gegen das umstrittene ungarische Mediengesetz.[3] 2011 erschien Gryllus in dem Fernsehfilm Schicksalsjahre an der Seite von Maria Furtwängler als impulsive wolgadeutsche Sängerin Norah.

Dorka Gryllus war ab 2003 Leadsängerin der Berliner Band RotFront, die unter anderem lateinamerikanische Musik wie Ska und Cumbia mit Polka und Klezmer verbindet.[4]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2003: Beste Darstellerin der Sterijas Theaterspiele in Novi Sad
  • 2005: Ungarischer „Shooting Star“ auf den Internationalen Filmfestspielen von Berlin
  • 2005: Beste Darstellerin auf der Ungarischen Filmwoche für Hau ab
  • 2005: Beste Darstellerin des „Faces of Love“-Filmfestivals in Sotschi für Hau ab
  • 2005: Beste Darstellerin des Festrola-Filmfestivals in Setúbal für Hau ab
  • 2011: nominiert für den Österreichischen Filmpreis als Beste weibliche Darstellerin für Der Kameramörder

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b vgl. "Geh nach Deutschland!" – Interview im ZEITmagazin, 24. März 2011, Nr. 13
  2. vgl. Kinder, die Millionar und Dollar heißen. In: Kleine Zeitung, 20. April 2005, S. 59
  3. vgl. Ungarn – Tausende demonstrieren in Budapest gegen Mediengesetz. In: Berliner Morgenpost, 15. Januar 2011, Nr. 14, S. 4
  4. vgl. Wenn Polka auf Hip-Hop trifft. In: Stuttgarter Zeitung, 31. Juli 2010, S. 31