Dorothy L. Sayers

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Dorothy Leigh Sayers ['sɛ:ə̯z], auch: [ˈseiəz] (* 13. Juni 1893 in Oxford; † 17. Dezember 1957 in Witham, Essex) war eine englische Schriftstellerin, Essayistin und Übersetzerin. Ihre Kriminalromane, die scharfsinnige, einfühlsame Milieuschilderungen der 1920er- und 1930er-Jahre enthalten, haben weltweit ihren nach wie vor hervorragenden Ruf als eine der „British Crime Ladies“ begründet.

Leben[Bearbeiten]

Dorothy Sayers wurde 1893 in einem Haus in der Brewer Street in Oxford geboren, wo ihr Vater, Reverend Henry Sayers, Kaplan und Direktor der Christ Church Cathedral School war[1], einer dem berühmten College Christ Church benachbarten Privatschule für die Chorknaben des Christ Church Cathedral-Chor.

Sie studierte am Somerville College in Oxford klassische und moderne Sprachen und erlangte den Abschluss First Class Honours[2]. Sayers war eine der ersten Frauen überhaupt, die an dieser „altehrwürdigen“ Institution zugelassen wurden und sich durchsetzten. Später arbeitete Sayers als Lehrerin und als Werbetexterin in einer Werbeagentur (Bensons) in London. Das gab ihr wertvolle Einblicke in die Werbebranche, die sie in ihrem Roman „Mord braucht Reklame“ (Murder Must Advertise) verarbeitete.

Noch unverheiratet bekam sie 1924 einen Sohn und arrangierte dessen Unterbringung und Erziehung bei ihrer Cousine Ivy Amy Shrimpton. Zwei Jahre später – sie schrieb bereits ihre Krimis – heiratete sie Oswald Arthur „Mac“ Fleming, einen Journalisten. Später adoptierten sie ihren Sohn[3], der jedoch nie in Sayers' Haushalt lebte. Er erfuhr erst kurz vor dem Tod seiner Mutter, wer „Tante Dorothy“ wirklich war.

Werk[Bearbeiten]

Dorothy L. Sayers (sie bestand auf dem „L.“) ist weltweit bekannt für ihren Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey. Dieser englische Aristokrat ist Protagonist einer Reihe von Kriminalromanen und Kurzgeschichten von hohem literarischem Rang. Einige dieser Kriminalromane wurden in zwei Serien von der BBC verfilmt, die erste in den 1970er Jahren mit Ian Carmichael und die zweite 1987 mit Edward Petherbridge[4] in der Rolle des Lord Peter Wimsey.

In einigen Wimsey-Krimis stellt Sayers ihrem Helden die Kriminalschriftstellerin und bald ebenfalls Amateurdetektivin Harriet Vane zur Seite, die den damals noch schwer durchsetzbaren, verpönten Anspruch des weiblichen Geschlechts auf Gleichberechtigung verkörpert. Im Laufe mehrerer Romane entwickelt sich eine Beziehung zwischen Vane und Lord Peter, die schließlich zur Hochzeit der beiden führt.

Dorothy L. Sayers' zweiter Detektiv ist Montague Egg. Mr. Egg ist reisender Vertreter für Weine und andere Spirituosen und sieht es gar nicht gerne, wenn einer seiner – zumeist wohlhabenden – Kunden das Zeitliche segnet. Von seinen Abenteuern handeln elf Kurzgeschichten (in: In the Teeth of the Evidence, Hangman’s Holiday).

Sayers gehörte 1928 zu den Gründungsmitgliedern des Detection Club, einer Vereinigung zur Förderung des klassischen Kriminalromans. Mitglieder mussten sich zur Einhaltung bestimmter Regeln verpflichten, die vor allem die Fairness gegenüber dem Leser gewährleisten sollten. Andere prominente Mitglieder waren z. B. Agatha Christie und G. K. Chesterton.

Sayers selbst befand ihre Übersetzung von Dantes Göttlicher Komödie ins Englische als ihre beste Arbeit.

Sie schrieb auch religiöse Essays und Schauspiele. 1937 schrieb sie im Auftrag der „Friends of the Cathedral“ (Freunde der Kathedrale von Canterbury) das Schauspiel „The zeal of thy house“ (Der Eifer für dein Haus), das – wie T. S. Eliots „Murder in the Cathedral“ (1935) und Charles Williams' „Thomas Cranmer of Canterbury“ (1936) – in der Kirche aufgeführt wurde. Am bekanntesten ist wohl die Hörspielreihe „Zum König geboren“ (The Man Born to Be King), die im Auftrag der BBC entstand.

Weltanschaulich gilt sie als eine christliche Humanistin.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1996 Rusty Dagger Auszeichnung für den besten Roman der 30er Jahre der britischen Crime Writers’ Association (CWA) für The Nine Tailors (dt.: „Die neun Schneider“. Wunderlich, Tübingen 1958. Seit 1980 auch unter dem Titel Der Glocken Schlag)
  • 2007 Archie Goodwin Award Auszeichnung für das schriftstellerische Lebenswerk der amerikanischen Nero Wolfe Society

Publikationen[Bearbeiten]

Lord-Peter-Wimsey-Romane[Bearbeiten]

  • Whose Body?, T. Fisher Unwin, 1923 (Der Tote in der Badewanne, auch „Ein Toter zu wenig“)
  • Clouds of Witness, T. Fisher Unwin, 1926 (Diskrete Zeugen, auch „Lord Peters schwerster Fall“)
  • Unnatural Death, Ernest Benn, 1927. The Dawson Pedigree in den USA (Keines natürlichen Todes)
  • The Unpleasantness at the Bellona Club, Ernest Benn, 1928 (Ärger im Bellona-Club, auch „Es geschah im Bellona-Club“)
  • Strong Poison, Gollancz, 1929 (Starkes Gift, auch „Geheimnisvolles Gift“)
  • Five Red Herrings, Gollancz, 1931, in den USA Suspicious Characters (Fünf falsche Fährten, auch „Fünf rote Heringe“)
  • Have His Carcase, Gollancz, 1932 (Zur fraglichen Stunde, auch „Mein Hobby: Mord“)
  • Murder Must Advertise, Gollancz, 1933 (Mord braucht Reklame)
  • The Nine Tailors, Gollancz, 1934 (Der Glocken Schlag, auch „Die neun Schneider“; Hintergrundinformationen: Vgl. Wechselläuten.)
  • Gaudy Night, Gollancz, 1935 (Aufruhr in Oxford)
  • Busman's Honeymoon, Gollancz, 1937 (Hochzeit kommt vor dem Fall, auch „Lord Peters abenteuerliche Hochzeitsfahrt“)
  • Thrones, Dominations, 1998 (In feiner Gesellschaft. Lord Peters letzter Fall; postum, nach einem unfertigen Manuskript vervollständigt von Jill Paton Walsh)

Walshs Roman A Presumption of Death, 2002 (Mord in mageren Zeiten; auch „Lord Peters allerletzter Fall“) basiert auf den Figuren und den während des Zweiten Weltkriegs im 'Spectator' erschienenen „Wimsey Papers“ von Dorothy L. Sayers.

Sammlungen von Kurzgeschichten[Bearbeiten]

  • Lord Peter Views the Body, Gollancz, 1928 (Der Mann mit den Kupferfingern, auch „Die Katze im Sack“), Kriminalstories
  • Hangman's Holiday, Gollancz, 1933 (Das Bild im Spiegel, auch „Der Mann, der Bescheid wußte“)
  • In the Teeth of the Evidence, 1939 (Figaros Eingebung, auch „Feuerwerk“)
  • Striding Folly, 1972 (3 Geschichten, deutsch nicht in dieser Zusammenstellung erschienen)

Andere Krimis[Bearbeiten]

zusammen mit Robert Eustace:

  • The Documents in the Case, Ernest Benn, 1930 (Die Akte Harrison, auch „Der Fall Harrison“)

Beteiligung an Kettenromanen des Detection Clubs:

  • The Floating Admiral, 1931 (Die letzte Fahrt des Admirals)
  • Six Against the Yard, 1936
  • Double Death: a Murder Story 1939 (Doppelter Tod)[5]

Religiöse Werke[Bearbeiten]

  • The Greatest Drama Ever Staged und The Triumph of Easter, London 1938. („Das größte Drama aller Zeiten“ darin enthalten „Der Triumph von Ostern“)
  • Creed or chaos? (rel. Essays) 1940
  • Strong Meat. [A religious tract.] 1940
  • The Devil to pay 1939 (gleichfalls für die Freunde der Kathedrale von Canterbury)
  • The Other Six Deadly Sins. An address given to the Public Morality Council London 1943
  • The Man Born to be King. A play-cycle on the life of our Lord and Saviour Jesus Christ. Written for broadcasting, etc., Gollancz, London, 1943. (Zum König geboren), Hörspiel.
  • The Just Vengeance rel. Schauspiel London 1946
  • Unpopular opinions. (rel. Essays) London 1946 u.ö.
  • Creed or Chaos? and other essays in popular theology London 1947 u.ö.
  • Homo Creator. Eine trinitarische Exegese des künstlerischen Schaffens. Schwann 1953

Gedichte[Bearbeiten]

  • Op 1, Blackwell, 1916.
  • Catholic Tales and Christian Songs, Blackwell, 1919.

Jugendliteratur[Bearbeiten]

  • Even the Parrot, Methuen, 1944

Essays[Bearbeiten]

  • Begin Here, Gollancz, 1940
  • The Mind of the Maker, Methuen, 1942
  • Unpopular Opinions, Gollancz, 1946
  • The Lost Tools of Learning, 1947 [1]

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Tristan in Brittany: being the fragments of The Romance of Tristan written by Thomas the Anglo-Norman. Drawn into the English by Dorothy Leigh Sayers.With an introduction by George Saintsbury. Ernest Benn, London, 1929.
  • The Comedy of Dante Alighieri, the Florentine (La Divina comedia, göttliche Komödie). Übersetzt in Versen von Dorothy L. Sayers, fertiggestellt von Barbara Reynolds, Penguin, Harmondsworth, 1949-62.
    • Hell, 1949
    • Purgatory, 1955
    • Paradise (Barbara Reynolds), 1962
  • La Chanson de Roland. The song of Roland. (Rolandslied), Penguin, Harmondsworth, 1957 (ihr letztes Werk)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. B. Reynolds: Dorothy L. Sayers. Her Life and Soul. Hodder & Stoughton, London u. a. 1993, S. 13.
  2. B. Reynolds: Dorothy L. Sayers. Her Life and Soul. Hodder & Stoughton, London u. a. 1993, S. 78.
  3. B. Reynolds: Dorothy L. Sayers. Her Life and Soul. Hodder & Stoughton, London u. a. 1993, S. 277.
  4. A Dorothy L. Sayers Mystery in der Internet Movie Database (englisch)
  5. Doppelter Tod (1988) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek