Dortmund-Mengede

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51.5744444444447.384166666666760Koordinaten: 51° 34′ 28″ N, 7° 23′ 3″ O

Dortmund-Mengede
Stadt Dortmund
Höhe: ca. 60 m
Fläche: 6,74 km²
Einwohner: 11.676 (31. Dez. 2008)
Eingemeindung: 1. April 1928
Postleitzahl: 44359
Vorwahl: 0231
Stadtbezirk Dortmund-Aplerbeck Stadtbezirk Dortmund-Brackel Stadtbezirk Dortmund-Eving Stadtbezirk Dortmund-Hombruch Stadtbezirk Dortmund-Hörde Stadtbezirk Dortmund-Huckarde Stadtbezirk Dortmund-Innenstadt-Nord Stadtbezirk Dortmund-Innenstadt-Ost Stadtbezirk Dortmund-Innenstadt-West Stadtbezirk Dortmund-Lütgendortmund Stadtbezirk Dortmund-Mengede Stadtbezirk Dortmund-ScharnhorstKarte
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Lage von Dortmund-Mengede in Dortmund

Mengede ist ein Stadtteil im gleichnamigen Stadtbezirk im Nordwesten der Stadt Dortmund.

Geschichte[Bearbeiten]

Fachwerkhäuser in Dortmund-Mengede
Ehemalige Zeche Adolf von Hansemann

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Erste Besiedlungen im Raum Mengede konnten bis in die keltische Zeit von 500 bis 200 v. Chr. archäologisch nachgewiesen werden. Damit gehört der Ort zu den ältesten besiedelten Regionen im Emscherraum.

Mittelalter[Bearbeiten]

In den Heberegistern des Klosters Werden wird Mengede erstmals um das Jahr 880 n. Chr. als Villa Megnithi urkundlich genannt.[1][2] 1125 übertragen die Grafen von Cappenberg ihre Rechte an Allodialgut in Megede auf das von ihnen gegründete Kloster Cappenberg.[3]

Bereits im März 1052 hatte König Heinrich III. sein in Mengede im Westfalengau (in pago Westvalo situ) gelegenes Eigengut dem Domstift zu Goslar geschenkt.[2] Der übereignete königliche Besitz, die Villikation, umfasste 28 Höfe.[4] 1238 war Ritter Bernhard von Strünkede Verwalter dieses Gutes. Damals musste ein Streit zwischen dem Domkapitel und dem Ritter in Dortmund entschieden werden, da der Verwalter beschuldigt wurde, den geschuldeten Zins vorenthalten zu haben. Bernhard wurde zur Nachzahlung verurteilt.[5] Im Jahr 1300 legte Bovo von Strünkede eine Urkunde vor, die glaubhaft machte, dass sein Vater den Besitz 30 Jahre zuvor vom Stift Goslar erworben habe. Das Domkapitel musste damit auf weitere Besitzansprüche in Mengede verzichten.[4] Aus dem ursprünglichen Besitz des Domstifts hatte schon Everhard von Strünkede 1273 den Osthof in Mengede an den örtlichen Pfarrer und den Ritter Everhard von Mengede verkauft.[4]

Der Stammsitz der Ritter von Mengede, ursprünglich das heutige Gut Altmengede in Schwieringhausen, wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts das an der Emscher gelegene Haus Mengede. Bekanntester Vertreter des Adelsgeschlechts war Johann von Mengede, der von 1450 bis 1465 Landmeister des Deutschen Ordens in Livland war. Die erhaltenen Fundamente von Haus Mengede sind als Bodendenkmal heute wieder zu besichtigen. Der Name Mengede bedeutet „große Heide“ und wird aus dem Altsächsischen „Mengithi“ abgeleitet.

Industrialisierung[Bearbeiten]

Das Industriezeitalter begann in Mengede im Jahre 1848 mit dem Bau der Köln-Mindener Eisenbahn und dem Abteufen der Zeche Adolf von Hansemann ab dem Jahr 1873. Im Westen wuchs der Ort mit der Bauernschaft Oestrich und im Süden mit Nette zusammen. Der heutige Mittelpunkt Mengedes entstand nach einem Beschluss der Gemeindevertretung im Jahr 1913, wonach der Marktplatz, die Feuerwache und der Saalbau südwestlich des alten Ortskerns neu errichtet wurden.

1867 wurde in Mengede eine eigene jüdische Kultusgemeinde unter dem Namen „Israelisitischer Wohltätigkeitsverein Mengede“ gegründet. Gemeindevorsteher war der Kaufmann Levi Baum.

1889 wurde das Amt Mengede im Landkreis Dortmund aus den Landgemeinden Bodelschwingh, Brüninghausen, Deininghausen, Deusen, Dingen, Ellinghausen, Groppenbruch, Ickern, Mengede, Nette, Östrich, Schwieringhausen und Westerfilde gebildet, die bis dahin zum Amt Castrop gehört hatten.

Am 27. Oktober 1917 wurden Groppenbruch, Östrich (jetzt Oestrich) und Schwieringhausen eingemeindet[6], während Deusen bereits am 10. Juni 1914 zur Stadt Dortmund kam. Am 1. April 1928 wurde das Amt Mengede aufgelöst; Mengede wurde wie auch Bodelschwingh, Brüninghausen, Ellinghausen, Nette und Westerfilde in die Stadtgemeinde und den Stadtkreis Dortmund eingemeindet.[6] Deininghausen, Dingen und Ickern gehörten bereits seit dem 1. April 1926 zu Castrop-Rauxel.

Mengede in der Weimarer Republik[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg organisierten sich in Mengede viele Bergarbeiter der Zechen und heimkehrende Kriegsteilnehmer in anarcho-syndikalistischen Strukturen. Im Frühjahr 1919, zeitgleich mit den großen Bergarbeiterstreiks im Ruhrgebiet die auch die Zechen in Mengede betrafen, wurde die „Freie Arbeiter-Union Mengede“, eine Ortsgruppe der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD), gegründet. 1920 wurde aus Mitgliedern des Ortsverbandes, der über 1.000 Mitglieder besaß, eines der ersten Bataillone der Roten Ruhrarmee rekrutiert.

1922 kam es zu Spaltungen innerhalb der Freie Arbeiter Union-Mengede, einige Mitglieder spalteten sich ab und gründeten die „Wirtschaftliche Einheitsorganisation der Zeche Adolf von Hansemann“. Diese zunächst nur als Betriebsgruppe tätige Organisation wechselte alsbald das politische Lager und gründete zusammen mit dem Bergmann Wilhelm Moog, einem Mitglied des Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutzbundes, einen Ortsverband der NSDAP. Die Gründung des Ortsverbandes ist auf den 9. Juni 1922 datiert.

Am 17. Januar 1923 marschierten belgische und französische Truppen im Rahmen der Ruhrbesetzung in Mengede ein. Ein Großteil der Mengeder Bergleute leistete passiven Widerstand und weigerte sich einzufahren.

1923 erreichte die Dortmunder Straßenbahn Mengede. Die Linie 5 wurde über Huckarde Abzweig verlängert und sollte Teil einer nicht verwirklichten Schnellstraßenbahnlinie durch das nördliche Ruhrgebiet bis nach Duisburg werden.

Im Oktober kam es im zum damaligen Amt Mengede gehörenden Ortsteil Nette zu Kartoffelunruhen, bei denen insgesamt 41 Personen wegen Plünderung und Landfriedensbruch verhaftet und angeklagt werden.

Mit der Auflösung des Landkreises Dortmund wurde der Ort im Jahre 1928 als eigener Stadtbezirk in die Stadt Dortmund eingemeindet. In der Mengeder Zeitung erscheint ein Grußwort des Dortmunder Oberbürgermeisters „Willkommen in Dortmund“.

Kurz darauf wurde die Mengeder Zeitung umbenannt und erschien dann unter dem neuen Namen „Dortmund Mengeder Lokal-Anzeiger“.

Nach Lohnkürzungen kam es im Januar 1931 zu Streiks auf der Zeche Hansemann. Die Streiks wurden vorwiegend von kommunistischen Arbeitergruppen initiiert. Die äußerste Rechte, Stahlhelm und NSDAP, betätigte sich als Streikbrecher. Am 3. Januar kam es vor der Zeche zu Auseinandersetzungen zwischen den Gruppen, in deren Verlauf der 22-jährige Arbeiter Josef Schramowski einen tödlichen Brustschuss erhielt und damit das erste Opfer rechtsextremer Gewalt in Mengede wurde. Bei der Auseinandersetzung wurden drei weitere Personen durch Schüsse schwer verletzt.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Bei den Wahlen zum Preußischen Landtag am 24. April 1932 wurde die NSDAP stärkste politische Kraft. 3.699 von 12.930 Stimmen entfielen auf ihre Liste. Der Kandidat Franz Land, der eigentlich Krajewski hieß, wurde Mitglied des Landtags. Franz Land war auch Ortsgruppen-Leiter der NSDAP in Mengede (Anmerkung: "Kraj" ist das polnische Wort für "Land").

Bei der Reichstagswahl November 1932 musste die NSDAP in Mengede einen Verlust hinnehmen, die KPD wurde kurzfristig zur stärksten politischen Partei.

Nach der Berufung von Hitler zum Reichskanzler führten nationalsozialistische Organisationen am 6. Februar 1933 in Mengede einen Fackelzug durch. Trotz der Übernahme der politischen Macht durch die NSDAP auf Reichsebene kam es in Mengede weiterhin zu Auseinandersetzung zwischen linken und rechten Gruppen. Am 28. Februar 1933 wurde bei Kämpfen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten die herbeigeeilte Polizei angeschossen.

Am 1. April kam es auf dem Mengeder Markt zu einer Kundgebung zum Boykott jüdischer Geschäfte. Im September wurde der Arbeiterturn- und Sportverein Vorwärts Mengende 07 aufgelöst.

Am 15. Juli 1935 waren auf der Zeche Hansemann bei einer schweren Explosion 17 tote und 20 verletzte Bergleute zu beklagen.[7]

Am 23. Oktober fand in Mengede eine erste Verdunkelungsübung statt. Bürger und Kaufleute des Ortes mussten Lichtreklame und Schaufensterbeleuchtung auf ein Mindestmaß reduzieren.

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde das Haus des Mengeder Kaufmanns Salomon Heimberg in der Williburgstraße geschändet. Es wurde später zum Judenhaus, in dem die Mengeder Juden vor der Deportation zusammengetrieben wurden. 1943 gab es in Mengede keine Juden mehr.

Am 5. März 1943 wurden die Glocken der St. Remigius Kirche demontiert und zu Kriegszwecken wegtransportiert.

Anfang April 1945 wurde Mengede zur Front. Ein Artillerieduell zwischen deutschen und amerikanischen Truppen hielt die Bevölkerung eine Woche in den Kellern. Die St. Remigius Kirche wurde durch zwei Granattreffer beschädigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Die erhaltenen Gebäude der im Jahre 1967 stillgelegten Zeche Adolf von Hansemann sind, ebenso wie der Volksgarten Mengede, mittlerweile Bestandteil der Route der Industriekultur.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bahnhof Mengede

Mengede besitzt heute einen Anschluss an das S-Bahn- und das Regionalexpressnetz mit seinem Bahnhof Dortmund-Mengede an der Köln-Mindener Eisenbahn. Mit direkten Anschlüssen an die Autobahnen A2, A45 und A42 liegt Mengede gleichzeitig in einem Schnittpunkt überregionaler Verkehrsverbindungen.

Presse[Bearbeiten]

Von 1920 bis 1990 erschien in Mengede die „Mengeder Zeitung“. Gegründet wurde sie von Ernst Arnold, dem Inhaber des gleichnamigen Mengeder Druckerei- und Verlagshauses. Die Mengeder Zeitung war eine typische Heimatzeitung. Der Lokalteil wurde in Mengede produziert, die Mantelseiten wurden von kooperierenden Zeitungsverlagen zugeliefert. 1941 fiel sie der ersten von insgesamt drei kriegsbedingten Schließungswellen zum Opfer. Gemeinsam mit der Lütgendortmunder Amts-Zeitung erschien sie 1949 unter dem Namen „Dortmunder Nord-West-Zeitung“ neu. 1990 ging die Mengeder Zeitung in den Dortmunder Ruhr Nachrichten auf.

Vorläuferin der Mengeder Zeitung war eine gleichnamige Nebenausgabe der Castroper Zeitung, die von 1911 bis 1914 in Mengede verkauft wurde, mit der späteren Mengeder Zeitung aber nicht in Verbindung stand.

Karneval in Mengede[Bearbeiten]

Seit 1979 gibt es in Mengede eine Karnevalsgesellschaft. Die Karnevalsgesellschaft Blau-Rot Dortmund-Mengede wurde in der ehemaligen Gaststätte „Alte Wache“ (bereits abgerissen, heute Zufahrt zur Heimbrügge) gegründet.

Die Mengeder Karnevalisten verfügen über eine selbstständige Jugendabteilung, die Tanzsportgarde Dortmund-Mengede.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dortmund-Mengede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Kötzschke (Hrsg.): Die Urbare der Abtei Werden a. d. Ruhr (= Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde XX: Rheinische Urbare). Bd. 2: A. Die Urbare vom 9.-13. Jahrhundert. Hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978, Bd. 3: B. Lagerbücher, Hebe- und Zinsregister vom 14. bis ins 17. Jahrhundert, Bonn 1908, Nachdruck Düsseldorf 1978, Bd. 4,I: Einleitung und Register. I. Namenregister. Hrsg. von Fritz Körholz, Düsseldorf 1978, Bd. 4,II: Einleitung, Kapitel IV: Die Wirtschaftsverfassung und Verwaltung der Großgrundherrschaft Werden. Sachregister. Hrsg. von Rudolf Kötzschke, Bonn 1958
  2. a b  Albrecht Stenger (Hrsg.): Mengeder Urkundenbuch. Ruhfus, Dortmund 1910.
  3.  Caspar Geisberg: Das Leben des Grafen Godfried von Kappenberg und seine Klosterstiftung. In: Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (Hrsg.): Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde (Westfalen). Bd. 12, Regensberg, Münster 1851, S. 309–374.
  4. a b c Gabriele Wand-Seyer: Ein uhralt adelich und ritterlich Geschlechte. Zur Geschichte der Herner Adelsfamilie von Strünkede. Koethers und Röttsches, Herne 1992, ISBN 3-920556-04-6
  5.  Karl Rübel: Dortmunder Urkundenbuch. Ergänzungsband I. 116. Köppen, Dortmund 1910.
  6. a b  Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 262.
  7. http://www.minister-achenbach.de/grubenungluecke.html Grubenunglücke