Dortmunder U

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Das namengebende „U“
Das „U“ mit Verwaltungsgebäude, 2012
Animation „Fliegende Bilder“ von Adolf Winkelmann, 2010
Treppenhaus
Kathedrale

Das Dortmunder U, auch U-Turm genannt, ist ein 1926/27 als „Gär- und Lagerkeller“ der Dortmunder Union Brauerei errichtetes Hochhaus am westlichen Rand der Dortmunder City. Der Name ist abgeleitet von dem 1968 auf dem Hauptturm aufgebrachten und 2008 komplett restaurierten Firmenzeichen der Brauerei: Ein vierseitiges, neun Meter hohes, vergoldetes und beleuchtetes „U“ nach einem Entwurf des Architekten Ernst Neufert.

Nach der Verlagerung des Brauereistandorts 1994 blieb von den Betriebsgebäuden nur das unter Denkmalschutz stehende, bekannteste Bauwerk des Dortmunder Ingenieurs und Architekten Emil Moog stehen. Die Stadt Dortmund erwarb 2007 das Areal und ließ das bis dahin leer stehende „Dortmunder U“ als Leuchtturmprojekt der Kulturhauptstadt Europas - RUHR.2010 zum „Zentrum für Kunst und Kreativität“ umbauen. Es beherbergt u.a. das Museum Ostwall und den Hartware Medienkunstverein.

Lage[Bearbeiten]

Das Dortmunder U liegt an der Leonie Reygers-Terrasse, benannt nach einer ehemaligen Museumsdirektorin. Es ist Bestandteil einer Kunst- und Kulturmeile, die über dem Deutschen Fußballmuseum bis zum Konzerthaus Dortmund reicht.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Als Brauereigebäude[Bearbeiten]

Der sieben Stockwerke umfassende und 70 Meter hohe Gewerbebau ist bautechnisch ein Hochhaus. Der scheinbar entgegengesetzt zu seiner vertikalen Ausrichtung als Kellerhochhaus, Kühlhaus und Gär- und Lagerkeller bezeichnete Komplex wurde nach Plänen des auf Brauereigebäude spezialisierten Dortmunder Ingenieurs und Architekten Emil Moog gebaut.[2] Nach dem Baubeginn im April 1926 konnte der „Brauerturm“ nach nur 14 Monaten Bauzeit im Folgejahr in Betrieb genommen werden. Mit der neuen Produktionsstätte, hier wurde das Bier noch in offenen, verfliesten Becken vergoren, konnte die Brauerei auch an ihrem beengten, citynahen Standort ihren Ausstoß steigern. 1929 wurden zum ersten Mal mehr als eine Million Hektoliter Bier erzeugt. Die „Dortmunder Union Brauerei“ war zeitweise die größte Brauerei Westdeutschlands.

Das mehrteilige Gebäude wurde als Stahlbetonbau erbaut und steht auf 40 Pfeilern. Die architektonische Handschrift wird an dem reinen Funktionsbau in dem zweistufigen, gitterförmigen Aufbau auf dem Hauptturm sichtbar. Nach Recherchen des Filmemachers Adolf Winkelmann, der nach Umbau zum „Zentrum für Kunst und Kreativität“ darin seine „Fliegenden Bilder“ installierte, habe der Architekt in den Zierstützen Scheinwerfer anbringen lassen, die den funktionslosen Aufbau bereits als „Lichtskulptur“ ausgeleuchtet hätten.[3] Seit 1968 steht das vierfache, neun Meter hohe, beleuchtete, goldene „U“ als Firmenzeichen der Großbrauerei für den Leuchtturm- und Landmarkencharakter des Gebäudes.

Das Hochhaus war Teil eines umfangreichen Gebäudekomplexes, der im Laufe seines Bestehens vielfach ergänzt und erneuert wurde. Nach der Verlagerung der Brauerei nach Dortmund-Lütgendortmund wurden sämtliche umliegenden Gebäude abgerissen. Brau & Brunnen errichtete auf dem Gelände, angrenzend an das Hochhaus, seine neue Hauptverwaltung. Nach der Übernahme von „Brau & Brunnen“ durch die Radeberger Gruppe wurde das Bürogebäude nicht mehr benötigt und mit dem „Dortmunder U“ und der umliegenden Brache für 25,5 Millionen Euro im Februar 2007 an die Stadt Dortmund verkauft.

Umbau und Wiedereröffnung als Kreativzentrum[Bearbeiten]

Im Januar 2008 wurde ein Umbau des Gebäudes zu einem Zentrum der Kreativwirtschaft beschlossen. Das Dortmunder U wurde als das Dortmunder Leuchtturmprojekt in den Rahmen der RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas aufgenommen. Am 26. Februar 2008 bewilligte die Landesregierung NRW die Umbaupläne. Das Projekt sollte insgesamt 46 Millionen Euro kosten, davon wurden 50 % aus EU-Mitteln, 20 % aus Mitteln des Landes NRW und 30 % aus Mitteln der Stadt Dortmund bestritten.

Die Planung und Realisierung der Umnutzung erfolgte durch das Dortmunder Architekturbüro Gerber Architekten unter der Gesamtleitung von Eckhard Gerber.

Die sieben Geschosse wurden im Frontbereich durchbrochen, so dass eine offene „Kunst-Vertikale“ im Inneren dem Besucher die Dimensionen des Gebäudes offenbart und ein Zugang zu den einzelnen Ebenen gegeben ist. Die angebauten Erker, an der Westseite über drei Geschosse, im vierten Stock als sogenannte “VIP-Lounge” und im Norden als zweigeschossige Bibliothek, sorgen für zusätzlichen natürlichen Lichteinfall. Eine Aussichtsterrasse, Gastronomie und Veranstaltungs- bzw. Ausstellungsräume machen eine vielfältige Nutzung möglich. An den Eingangsbereich wird sich, als Verbindung zum projektierten Stadtquartier, eine überdachte Piazza anschließen.

Als erstes sichtbares Zeichen der Sanierung wurde am 19. Dezember 2008 das auf dem Gebäude befindliche Wahrzeichen der Öffentlichkeit übergeben. Um 16.07 Uhr wurde das neu mit 554 Gramm Blattgold belegte Dortmunder U durch den damaligen Dortmunder Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer und den Architekten Eckhard Gerber illuminiert.[4]

Das Gebäude wurde am 28. Mai 2010 als Teil des Europäischen Kulturhauptstadtjahres Ruhr.2010 zum Teil eröffnet. Da bei der Sanierung des historischen Gebäudes Probleme in der Dach- und Kellerkonstruktion auftraten, waren bei dieser Eröffnung nur rund 40 Prozent des Komplexes fertig.

Die Ausstellung des in den U-Turm verlegten Museums Ostwall ist seit dem 9. Oktober 2010 wiedereröffnet, die oberste Ebene mit 15 m hoher “Kathedrale” und Restaurant ist seit dem 18. Dezember 2010 für Besucher zugänglich.

Zu Füßen des Gebäudes soll sich entlang der Rheinischen Straße durch die kreativen Impulse, die von den Nutzern des Gebäudes ausgehen, ein neues Stadtquartier entwickeln. Im Osten entsteht der Platz von Buffalo, benannt nach einer Partnerstadt Dortmunds.

Übersicht zur Gebäudenutzung[Bearbeiten]

Seit 2010 werden drei Stationen der Installation Fliegende Bilder von Adolf Winkelmann im Dortmunder U gezeigt. Auf der Außenseite der Dachkrone sind LED-Bildschirme installiert, die an den jeweiligen Tag und Stunde angepasste Videokunst zeigen, dies ist die erste Station, genannt „U-Turm Bilderuhr“[5]. Weitere Stationen sind im Foyer die „Ruhrpanoramen“ und im Treppenhaus die Kunstvertikale „Neun Fenster in der Vertikalen“.

Ebene
Nutzung
Dachkrone mit der Videokunst von Winkelmann
7 Restaurant, Dachterrasse
6 Ausstellungsräume ohne feste Zuordnung
5
4
Museum Ostwall
3 Hartware Medienkunstverein
2 Zentrum für Kulturelle Bildung
1 Fachhochschule Dortmund: Zentrales Forschungsinstitut für Bewegtbildstudien
Technische Universität Dortmund: Campus Stadt
0 ECCE European Centre for Creative Econonomy
RWE Forum – Kinoraum für ca. 200 Personen (Fertigstellung geplant für Mitte April 2011)
Foyer mit Installation Ruhrpanoramen

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • Reservate der Sehnsucht – Hartware Medienkunstverein, 1998[6]
  • Begegnungen – Geschichte und Zukunft des Dortmunder U (Eröffnung 8. Mai 2010)
  • Agents & Provocateurs, Hartware Medienkunstverein, 13. Mai – 18. Juli 2010
  • Building Memory, Hartware Medienkunstverein, 28. Mai – 15. August 2010
  • Westend U, Technische Universität Dortmund/Kooperation mit dem Museum am Ostwall, 9. Juli – 19. September 2010
  • Trust, Hartware Medienkunstverein, 31. Juli – 5. September 2010

Technische Daten zum Umbau[Bearbeiten]

  • 798 Tonnen Stabstahl
  • 458 m² Trapezbleche
  • 412 Stahlprofile
  • 2,693 m³ Beton
  • 480 km Kabel
  • Abbruchmenge: 72.000 m³

Galerie[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

In der fiktionalen Parallelwelt des fotografierten Superhelden-Webcomics Union der Helden ist der Dortmunder U-Turm das Hauptquartier der Helden. Dieser wurde vor sieben Jahren durch die Allianz des Bösen zerstört und erwartet zu Beginn der Geschichte der Union der Helden seine Wiedereröffnung. Die Fotos zur Feier der Rückkehr der Union der Helden an ihre alte Wirkungsstätte wurden im Rahmen der tatsächlichen Eröffnung des U-Turms am 18. Dezember 2010 produziert. [7]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Andreas Broeckmann, Stadt Dortmund und Regionalverband Ruhr (Hrsg.): Dortmunder U. Zentrum für Kunst und Kreativität (Informationsbroschüre). 2010.
  • Karl-Peter Ellerbrock: Das „Dortmunder U“. Vom industriellen Zweckbau zu einem Wahrzeichen der westfälischen Industriekultur. Aschendorff Verlag, Münster 2010, ISBN 978-3-402-12832-9.
  • Adolf Winkelmann, Jost Krüger: Winkelmanns Reise ins U. Henselowsky Boschmann, Bottrop 2011, ISBN 978-3-942094-17-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dortmunder U – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dfb-fussballmuseum.de: Exponierte Lage mit bester Anbindung
  2. U. Bücholdt: Emil Moog. bei www.kmkbuecholdt.de, zuletzt abgerufen am 22. Januar 2011
  3. „Das Geheimnis des Dortmunder U“, Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 20. März 2014, zuletzt abgerufen am 5. April 2014
  4. Oliver Volmerich: Das Dortmunder „U“ leuchtet wieder. (Artikel vom 19. Dezember 2008) auf www.ruhrnachrichten.de, zuletzt abgerufen am 22. Januar 2011
  5. Webcam auf die Fliegenden Bilder, 1. Station / Dachkrone, außen U-Turm Bilderuhr
  6.  Andreas Broeckmann, Stadt Dortmund und Regionalverband Ruhr (Hrsg.): Dortmunder U. Zentrum für Kunst und Kreativität (Informationsbroschüre). 2010, S. 20.
  7. Sequenz aus Union der Helden, Episode 8 – Die Feier zur Wiedereröffnung des U-Turms.

51.5157.4536194444444Koordinaten: 51° 30′ 54″ N, 7° 27′ 13″ O