Doyen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Doyen (Begriffsklärung) aufgeführt.

Das Wort Doyen (weibl. Form Doyenne) stammt aus dem Französischen und bedeutet Dekan, Ältester. In einem erweiterten Sinn wird der Begriff für eine führende Persönlichkeit auf einem bestimmten Gebiet verwendet. Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen decanus.

Doyen in der Diplomatie[Bearbeiten]

Doyen heißt das älteste bzw. rangälteste Mitglied in einem diplomatischen Corps (also der Botschafter, der schon am längsten im Land ist) und ist dessen Wortführer und Vertreter bei feierlichen Anlässen. Er vermittelt auch bei Konflikten innerhalb des jeweiligen diplomatischen Korps.

Die Rangfolge der Mitglieder des Diplomatischen Corps in Deutschland ergibt sich aus der Anciennitätenliste[1] des Auswärtigen Amts.

Apostolischer Nuntius als Doyen[Bearbeiten]

In vielen Staaten, die mit dem Heiligen Stuhl diplomatische Beziehungen pflegen, ist der Nuntius auch Doyen des örtlichen diplomatischen Korps. Dadurch werden Konflikte zwischen den Botschaftern um die Führungsrolle bei Staatsempfängen vermieden. Die Rangfolge nach Dienstalter würde unter Umständen den Vertretern kleinerer Staaten automatisch eine Führungsrolle zuweisen, die möglicherweise nicht beabsichtigt wird. Falls hingegen ein Vertreter eines größeren oder einflussreicheren Staates unangemessen bevorzugt würde, so würden die Vertreter des jeweils anderen Staates dies als diplomatischen Affront empfinden (wie etwa am historischen Beispiel des Londoner Kutschenstreites von 1661 deutlich wurde).

Der derzeitige (2013) Doyen des Diplomatischen Corps in Deutschland ist, diesem Grundsatz folgend, der Apostolische Nuntius, Nikola Eterović. In Österreich und in der Schweiz sind es seine Amtskollegen Peter Zurbriggen bzw. Francesco Canalini.

Doyens in der Wissenschaft[Bearbeiten]

In der akademischen Welt werden angesehene ältere Wissenschaftler als Doyens (auch Nestor oder Koryphäe) ihres Faches bezeichnet, wenn ihr Lebenswerk die allgemeine Denkschule ihrer Disziplin in herausragender Weise geprägt hat.

Doyen oder Doyenne an österreichischen Theatern[Bearbeiten]

Ein Doyen oder eine Doyenne ist auch ein besonderes Mitglied des Theaters, ursprünglich des Wiener Burgtheaters. Diese Ehrenauszeichnung tragen jeweils eine Dame und ein Herr im Ensemble, meistens die dienstältesten Ensemblemitglieder, und somit bleiben sie bis zu ihrem Ableben engagiert. Sie dürfen nicht in Ruhestand versetzt werden und haben Recht auf eine den Burgtheater-Gepflogenheiten entsprechende Bestattung. Sie haben eine Art repräsentative Funktion und vertreten das Haus nach außen. Zurzeit trägt Michael Heltau diesen Titel. Von 2001 bis 2014 war Annemarie Düringer Doyenne des Burgtheaters,[2] von 1987 bis 2000 war dies Paula Wessely.[3]

Am Theater in der Josefstadt tragen diesen Titel Kammerschauspielerin Marianne Nentwich (seit 2. Oktober 2014, anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums) und Kammerschauspieler Otto Schenk. Kammerschauspielerin Elfriede Ott ist nicht mehr aktiv auf der Bühne und Ehren-Doyenne.

Am Wiener Volkstheater ist Hilde Sochor die Doyenne des Hauses.

Am Wiener Gloria-Theater tragen diesen Titel Hilde Rom und Peter Lodynski.

An der Wiener Staatsoper wurde Peter Schmidl im Jahr 2006 zum Doyen ernannt.[4][5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anciennitätenliste des Auswärtigen Amts, pdf-Dok. ca. 81 KB, abgerufen am 29. Juni 2012, wird ständig aktualisiert.
  2. Burgtheater-Doyenne Annemarie Düringer gestorben. Auf: diepresse.com. 26. November 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  3. Personenlexikon - Pauly Wessely. Abgerufen am 16. Dezember 2014.
  4. Prof. Peter Schmidl neuer Doyen der Wiener Staatsoper. APA-Meldung vom 16. November 2005, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  5. Wiener Philharmoniker - Zwei Mitglieder treten in den Ruhestand. 21. Oktober 2010, abgerufen am 16. Dezember 2014.