Drachenvariante

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8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
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Grundstellung der Drachenvariante nach 5. ... g6

Die Drachenvariante ist ein Abspiel der Sizilianischen Verteidigung, einer Eröffnung im Schachspiel.

In der Eröffnungsklassifikation der ECO-Codes ist die Drachenvariante unter den Schlüsseln B70 bis B79 klassifiziert und entsteht nach den Zügen:

1. e2-e4 c7-c5
2. Sg1-f3 d7-d6
3. d2-d4 c5xd4
4. Sf3xd4 Sg8-f6
5. Sb1-c3 g7-g6

Spielpläne[Bearbeiten]

Mit seinem letzten Zug beabsichtigt Schwarz, den Königsläufer zu fianchettieren, das Hauptmerkmal der Drachenvariante. Damit verbunden sind die Spielpläne beider Parteien: Da der fianchettierte Läufer auf der langen Diagonale der Felder h8–a1 große Wirkung erzielen kann, versucht Weiß häufig, ihn zu tauschen und dadurch zudem die schwarzen Felder um den König zu schwächen, nachdem die Rochadestellung mittels g7-g6 etwas geschwächt wurde. Dazu rochiert Weiß oft lang und greift mit dem vom Turm unterstützten h-Bauern die schwarze Königsstellung an und öffnet die h-Linie. Schwarz versucht nach der kurzen Rochade entweder mit dem Bauernzug d5 das Zentrum zu sprengen oder am Damenflügel über die halboffene c-Linie anzugreifen und mittels Qualitätsopfer auf c3 die weiße Königsstellung zu zerstören.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name dieses Systems wurde 1901 in Kiew von Meister Fjodor Dus-Chotimirski eingeführt. Er beschäftigte sich mit Astronomie und fand Ähnlichkeiten der Bauernstellung d6-e7-f7-g6-h7 zum Sternbild Drache.[1]

Es gibt auch eine sogenannte Beschleunigte Drachenvariante nach den Zügen 1. e2-e4 c7-c5 2. Sg1-f3 Sb8-c6 3. d2-d4 c5xd4 4. Sf3xd4 g7-g6. Durch dieses Abspiel vermeidet Schwarz ein frühes Lb5 (Rossolimo-Variante) und beabsichtig auf den Tempoverlust d7-d6 nebst späterem d6-d5 zu verzichten, allerdings kann Weiß nun mit 5. c2-c4 einen „Maroczy-Aufbau“ anstreben, der in seinen typischen Abspielen nicht mehr dem „Drachen“ entspricht.

Varianten und Eröffnungsideen[Bearbeiten]

Mögliche weiße Fortsetzungen sind

  • 6. Lf1-e2, die klassische Variante. In seiner ersten Konfrontation mit Botwinnik wählte Aljechin nach 6. Lf1-e2 Lf8-g7 7. Lc1-e3 Sb8-c6 8. Sd4-b3 Lc8-e6 9. f2-f4 0-0 das verpflichtende 10. g2-g4. 10. ... Sc6-a5 11. f4-f5 Le6-c4 ist die gebotene Antwort. Anatoli Karpow wählte ab Mitte der 70er Jahre für den Kampf gegen den schwarzen Zentrumsvorstoß d6-d5 einen Aufbau mit Lc1-g5: 6. Lf1-e2 Lf8-g7 7. 0-0 0-0 8. Lc1-g5 Sb8-c6 9. Sd4-b3, bzw. 7. ... Sb8-c6 8. Sd4-b3 0-0 9. Lc1-g5. Nach 9. ... Lc8-e6 10. Kg1-h1 (10. f2-f4 b7-b5!) war f2-f4, Le2-f3 Karpows Aufbau.
  • 6. f2-f4, die Löwenfisch-Variante, mit der heutigen Hauptfortsetzung Sb8-c6 7. Sd4xc6 b7xc6 8. e4-e5 Sf6-d7 9. e5xd6 e7xd6 10. Lf1-e2 Lf8-e7
  • 6. f2-f3, 6. Lc1-e3 oder 6. Lf1-c4 mit Übergang in den „Jugoslawischen Angriff“
  • In der Partie Lasker – Napier, Cambridge Springs 1904, geschah quasi 6. h2-h3 Lf8-g7 7. Lc1-e3 Sb8-c6 8. g2-g4 0-0
  • 6. g2-g3, das positionelle Gegenfianchetto

Heutzutage ist 6. Lc1-e3 Lf8-g7 7. f2-f3, der Jugoslawische Angriff, die Hauptfortsetzung. Dieser Aufbau wurde von Wsewolod Alfredowitsch Rauser erstmals gespielt.

Beabsichtigt sind dabei nach dem weiteren 7. ... 0-0 8. Dd1-d2 Sb8-c6 heterogene (entgegengesetzte) Rochaden mittels 9. 0-0-0 oder baldiger weißer 0-0-0 nach 9. Lf1-c4. Nach letzterem ist das in der Sizilianischen Verteidigung erstrebenswerte d6-d5 erschwert und das für den Lc8 hier optimale Feld e6 nicht zugänglich. 9. ... Lc8-d7 macht Platz für einen Turmzug nach c8.

Das ergibt besonders scharfem Kampf, weil das beiderseitige Bestreben ein Mattangriff ist. Weiß versucht dabei zumeist mit Zügen wie h2-h4-h5 und g2-g4 mit Öffnung der g-oder h-Linie den schwarzen König matt zu setzen. Das schwarze Gegenspiel läuft häufig über die c-Linie, nicht selten verbunden mit einem Qualitätsopfer auf dem Feld c3. Zur Verzögerung des weißen Angriff wurde von Tony Miles als Erwiderung auf 10. h2-h4 Ta8-c8 11. Lc4-b3 h7-h5 eingeführt. Diese Abspiele, in denen h4 mit h5 beantwortet wird sind als Soltis-Variante bekannt und werden auch noch in der aktuellen Großmeisterpraxis auf höchstem Niveau gespielt. Gegen diese Maßnahme ergab sich unter anderem eine Verlagerung des Kampfgeschehen ins Zentrum mit 12. 0-0-0 Sc6-e5 13. Le3-g5 Tc8-c5.

In der vorentscheidenden 2. Partie des Kandidatenfinales 1974 in Moskau zwischen Karpow und Viktor Kortschnoi hatte Weiß nach 11. ... Sc6-e5 12. 0-0-0 Se5-c4 13. Lb3xc4 Tc8xc4 14. h4-h5 Sxh5 15. g2-g4 Sh5-f6 mit 16. Sd4-e2 und nach weiterem Dd8-a5 17. Le3-h6 Lg7xh6 18. Dd2xh6 Tf8-c8 19. Td1-d3 das typische Qualitätsopfer auf c3 ausgeschlossen. 16. Le3-h6 hätte Sf6xe4 17. Dd2-e3 Tc8xc3 wie in der Partie Kasparow gegen Piket, Tilburg 1989 zur Folge.

10. ... Ta8-b8 wird chinesischer Drachen genannt.

9. Lf1-c4 Lc8-d7 10. Lc4-b3 erlaubt den älteren Aufbau 10. ... Dd8-a5 11. 0-0-0 mit 11. ... Tf8-c8. 12. h2-h4 Sc6-e5 13. h4-h5 Sf6xh5 14. Lc1-h6 Se5-d3+ wird mit 15. Kc1-b1 ausgewichen.

9. Lf1-c4 Sf6-d7 10. h2-h4 Sd7-b6 11. Lc4-b3 Sc6-a5 will über c4 den Le3 abtauschen. 12. Dd2-d3 verhindert das.

Bei 9. 0-0-0 Sc6xd4 (Sc6xd4 soll der Vorbereitung zu Dd8-a5 dienen, um das darauf erfolgende Sd4-b3 auszuschließen) 10. Le3xd4 muss ein angriffslustiger Schwarzer erst 10. ... Lc8-e6 11. Kc1-b1! Dd8-c7 12. g2-g4 Tf8-c8 ziehen, um nach Dc7-a5 durch das vereinfachende Sc3-d5 einen Nachteil zu vermeiden. Ebenso dient nach 10. ... Dd8-a5 der Zug 11. Kc1-b1! dazu, auf Lc8-e6 12. Sc3-d5 zu entgegnen. Das Schlagen der weißen Dame auf d2 würde dann ohne Schachgebot erfolgen, wonach Weiß mit dem Zwischenschach 13. Sd5xe7+ einen Bauern gewänne. Der erzwungene Rückzug Da5-d8 führt über 13. Sd5xf6+ Lg7xf6 14. Ld4xf6 e7xf6 zu einem schwarzen Doppelbauern und einem rückständigen Isolani auf d6.

Durch 9. 0-0-0 wird im Unterschied zu 9. Lf1-c4 der Vorstoß d6-d5 spielbar. Nach 10. e4xd5 Sf6xd5 11. Sd4xc6 b7xc6 ist es mit dem Bauernopfer 12. Sc3xd5 c6xd5 13. Dd2xd5 Dd8-c7 oder dem Qualitätsopfer 12. Le3-d4 e7-e5 13. Ld4-c5 Lc8-e6 verbunden.

Bei sofortigem weißen Bauernaufmarsch am Königsflügel wie z.B. 9. g2-g4 ist 9. ... Sc6xd4 10. Le3xd4 Dd8-a5 direkt möglich.

Eröffnungsfallen[Bearbeiten]

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8 Chess rdl45.svg Chess ndd45.svg Chess bdl45.svg Chess qdd45.svg Chess l45.svg Chess kdd45.svg Chess l45.svg Chess rdd45.svg 8
7 Chess pdd45.svg Chess pdl45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg Chess pdd45.svg Chess pdl45.svg Chess bdd45.svg Chess pdl45.svg 7
6 Chess l45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg Chess d45.svg Chess nll45.svg Chess d45.svg Chess pdl45.svg Chess d45.svg 6
5 Chess d45.svg Chess bll45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg Chess pld45.svg Chess l45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg 5
4 Chess l45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg Chess d45.svg Chess ndl45.svg Chess d45.svg 4
3 Chess d45.svg Chess l45.svg Chess nld45.svg Chess l45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg 3
2 Chess pll45.svg Chess pld45.svg Chess pll45.svg Chess d45.svg Chess l45.svg Chess d45.svg Chess pll45.svg Chess pld45.svg 2
1 Chess rld45.svg Chess l45.svg Chess bld45.svg Chess qll45.svg Chess kld45.svg Chess l45.svg Chess d45.svg Chess rll45.svg 1
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Damengewinn nach 10. Sd4-e6+

Eine bekannte, kurzzügige Eröffnungsfalle ergibt sich aus der so genannten „Löwenfisch-Variante“ (benannt nach Grigori Löwenfisch), bei der der Weiße mittels 6. f2-f4 versucht, frühzeitig den Bauernvorstoß e4-e5 durchzusetzen. Auf die übliche Läuferentwicklung 6. ... Lf8-g7(?), folgt sogleich 7. e4-e5. Nach etwa 7. ... d6xe5 8. f4xe5 Sf6-g4? (etwas besser ist Sf6-d7) 9. Lf1-b5+ gerät Schwarz in Schwierigkeiten: Springer- oder Läuferzüge nach d7 unterbinden die Deckung des Springers auf g4 (10. Dd1xg4) und 9. ... Ke8-f8?? führt zum sofortigen Verlust wegen 10. Sd4-e6+ (siehe Diagramm). Der einzige Zug ist 9. ... Sb8-c6, wonach Weiß allerdings mittels 10. Sd4xc6 Dd8xd1+ 11. Ke1xd1 Sg4-f2+ 12. Kd1-e2 eine überlegene Stellung erhält.

Die beste Entgegnung auf die Löwenfisch-Variante ist deswegen die sofortige Überdeckung des zentralen Feldes e5 mit der Springerentwicklung 6. ... Sb8-c6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eduard Jefimowitsch Gufeld: Sizilianskaja Saschtschita. Fiskultura i sport, Moskwa, 1982, S. 8