Dracontiasis

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Klassifikation nach ICD-10
B72 Drakunkulose
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Dracontiasis ist eine durch den Medinawurm (Dracunculus medinensis) hervorgerufene Parasitose des Menschen.

Pathomechanismus[Bearbeiten]

Befallener Fuß mit heraushängendem Medinawurm

Die Infektion erfolgt vorwiegend während der Trockenzeit, da meist keine geregelte Trinkwasserversorgung besteht und die Bevölkerung auf Wasseransammlungen angewiesen ist. Dort nehmen sie mit dem Trinkwasser winzige Ruderfußkrebse auf und sorgen gleichzeitig für eine Neuinfektion, wenn sie selbst schon befallen sind.

Die von den Larven des Medinawurms befallenen winzigen Krebse (Hüpferlinge) werden mit ungefiltertem Trinkwasser aufgenommen; die Larven werden dann im Dünndarm freigesetzt. Von dort aus wandern sie durch den Körper und bohren sich in Bauch- und Brustmuskulatur. Hier findet die Paarung statt. Anschließend stirbt das Männchen und wird eingekapselt. Das befruchtete Weibchen wächst weiter, wird bis zu einem Meter lang und wandert durch das Gewebe zu den Extremitäten, meist zu den Unterschenkeln oder Füßen. Dort siedelt es sich im Bindegewebe der Unterhaut an.

Das Kopfende des Wurmes verursacht durch Abscheidungen ein taubeneigroßes Geschwür. Kommt dieses mit Wasser in Berührung, platzt die dünne Haut im Zentrum auf. Gleichzeitig reißt die Haut des dicht darunterliegenden Wurms und dessen Uterus, der Tausende von Larven ins Wasser entlässt. Anschließend zieht sich der Uterus wieder ins Geschwür zurück und bei erneuter Wasserbenetzung wiederholt sich der Vorgang. Die Larvenausschüttung beginnt ungefähr ein Jahr nach der Aufnahme der Larve und hält zwei bis drei Wochen an, dann stirbt der Wurm und das Geschwür heilt normalerweise aus.

Schadwirkung[Bearbeiten]

Die Wanderung der Würmer durch das Gewebe und die Geschwürbildung sind mit starken Schmerzen verbunden. Meist heilt das Geschwür ohne Komplikationen aus, es stellt jedoch eine Eintrittspforte für Bakterien dar. Es können sich Abszesse, Gelenkentzündungen oder Versteifung der Gelenke bilden. Es wird keine Immunität aufgebaut und so kommt es bei fortbestehender Exposition immer wieder zur Neuinfektion.

Abgestorbene, verkalkte Medinawürmer werden in Saudi-Arabien und Zentralafrika noch häufig auf Röntgenaufnahmen[1] und Mammographien[2] entdeckt.

Entfernung des Wurms[Bearbeiten]

Früher wie heute auch noch entfernt man die Weibchen mit einem Stäbchen, mit dem man das Vorderende, welches aus dem Geschwür herausbricht, jeden Tag mehr und mehr herauswickelt. Auf dieses Verfahren könnte das in Mesopotamien entstandene Äskulapstab-Symbol der Medizin zurückgehen.[3] Eine medikamentöse Therapie steht nicht zur Verfügung. Der Wurm kann jedoch auch chirurgisch entfernt werden.

Vorbeugung[Bearbeiten]

Durch Aufbereitung des Trinkwassers (beispielsweise Filterung durch ein Tuch) oder durch den Einsatz von Röhrenfiltern kann verhindert werden, dass die Larven in den Körper eindringen.

Ausrottung[Bearbeiten]

1980 betrug die Zahl der jährlichen Neuinfektionen 3,5 Millionen Fälle. Durch Aufklärung der Bevölkerung und Präventionsmaßnahmen reduzierten sich die Neuinfektionen innerhalb von 20 Jahren auf unter 75.000. Im Jahr 2004 gab es noch etwa 16.000 Infizierte, ausschließlich in Afrika. Das von dem ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter ins Leben gerufene Carter Center nimmt heute eine führende Stellung im Kampf gegen Dracontiasis ein. Das Ziel der WHO, den Parasiten bis zum Jahr 2009 auszurotten, konnte nicht erreicht werden. [4] [5] 2009 gab es weltweit noch 3190 registrierte Fälle, welche ausschließlich in den Ländern Südsudan, Ghana, Mali und Äthiopien auftraten. [6] Im Jahr 2011 gab es insgesamt noch 1058, im Jahr 2012 noch 542 registrierte Fälle in Äthiopien, Südsudan, Mali und Tschad. Im Jahr 2013 wurden insgesamt 148 Infektionen gezählt, davon 113 in Südsudan, der Rest in Tschad, Mali, Äthiopien und an der Grenze zwischen Sudan und Südsudan[7]. Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen stark verringert werden konnte, gilt es nun zu befürchten, dass die ausgebrochenen Bürgerkriege in den noch endemischen Gebieten, die Eradikation verhindern oder zumindest stark verzögern.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maurice C. Haddad, Mohammed E. Abd El Bagi, Jean Claude Tamraz: Imaging of Parasitic Diseases. Springer London, Limited, 4. November 2007, ISBN 978-3-540-49354-9, S. 168 (Zugriff am 22. Juli 2013).
  2. S. K. Barry, W. G. Schucany: Dracunculiasis of the breast: radiological manifestations of a rare disease. In: Journal of radiology case reports. Band 6, Nummer 11, November 2012, S. 29–33, ISSN 1943-0922. doi:10.3941/jrcr.v6i11.1137. PMID 23372866. PMC 3558262 (freier Volltext).
  3. Richard Lucius, Brigitte Loos-Frank: Biologie von Parasiten. Springer Verlag, 2007, ISBN 978-3540377078, S. 135.
  4. Donald R. Hopkins: Dracunculiasis Eradication: The final Inch. 73(4). In: The American Society of Tropical Medicine and Hygiene. 2005, S. 669–675, abgerufen am 10. April 2013 (PDF; 784 kB, englisch).
  5. Michele Barry: The Tail End of Guinea Worm — Global Eradication without a Drug or a Vaccine. Vol.356, Nr. 25, ISSN 1533-4406, doi:10.1056/NEJMp078089. In: The New England Journal of Medicine. 2007, S. 2561-2564, abgerufen am 10. April 2013 (englisch).
  6. Guinea Worm Eradication Program. (Status des Programms zur Ausrottung des Wurms). Abgerufen am 10. April 2013 (englisch).
  7. CARTER CENTER: 148 Cases of Guinea Worm Disease Remain Worldwide

Weblinks[Bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!